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Amal Grami, prominente Kämpferin für Gleichberechtigung in Tunesien © ag

Salafisten beginnen, Tunesien zu terrorisieren

/  Die Salafisten gründen «Comités», die als Sittenwächter amten wollen. Radiodirektorin muss Job verlassen, weil sie eine Frau ist.

Die «Stimme der Frauen» hat diese Woche Alarm geschlagen. Amel Grami, Professorin für Gleichberechtigung und interkulturelle Studien an der tunesischen Universität in Manouba, erklärt in einem Aufruf, noch nie seien die Frauen in Tunesien so sehr erniedrigt und an den Rand gedrängt worden wie heute.
Grami warnt davor, dass längerfristig auch das kulturelle Leben in Tunesien bedroht sei. Musiker, die am letzten Wochenende in Sidi Bouzid gespielt haben, sind von Salafisten gezwungen worden sind, die Bühne zu verlassen.

Dem Westen wirft die Professorin vor, den tunesischen Islamisten gegenüber zu nachsichtig zu sein (»on est en train de glorifier la voie de la Tunisie»).

Die Direktorin von «Radio Zeitouna» (islamische Ausrichtung) musste den Hut nehmen, weil sie als Frau an dieser Stelle nichts zu suchen habe. Eine Sitzblockade der Salafisten vor der Universität Tunis (faculté de la Manouba) geht weiter. Die Salafisten lassen den Dekan der Uni nicht mehr in sein Büro, weil er sich für die Gleichberechtigung der Frauen einsetzt.
In den letzten Wochen haben Salafisten «Comités» gebildet , welche dieselbe Funktion haben wie die Sittenwächter in Saudiarabien.
Grami hatte an der Universität Manouba eine Doktorarbeit über Unterschiede in arabischen Kulturen verfasst.
Als Professorin schrieb sie mehrere Bücher und zahlreiche Artikel über Gleichberechtigung und Menschenrechte, und wie diese in arabischen Medien zur Sprache kommen.


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