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Leider keine Tour mit US-Radstar: Dafür wird die Bilanz von David Petraeus kritisch beleuchtet. © hectorir/flickr/CC

Petraeus verpasste private Bike-Tour mit Armstrong

Jürg Lehmann /  Zwei renommierte internationale Print-Magazine holen den abgetretenen US-General und CIA-Direktor David Petraeus vom Podest.

Paula Broadwell, Autobiographin und Geliebte von David Petraeus, wollte dem Fitness-Fanatiker zum sechzigsten Geburtstag eine besondere Überraschung bieten: Eine Radtour mit US-Veloheld Lance Armstrong! Broadwell nahm im Juli beim Joggen mit Armstrong in Aspen Kontakt auf. Doch zum Geschenk kam es nicht: Petraeus stolperte über die Liebesaffäre mit Broadwell, Armstrong über jahrelanges systematisches Doping.

Die spezielle Geschenk-Episode enthüllt das US-Magazin «Time» in einer Story über Petraeus. Es zerlegt darin das hochdekorierte und hochangesehene Idol aus dem Irak- und Afghanistan-Krieg und beschreibt den General als eitlen Militär. Sein Stab war ihm absolut treu ergeben und Petraeus liess einen Personenkult zu, der nicht überall gut ankam. «Time»-Autor Barton Gellman schreibt jedenfalls: «In Militärkreisen war Petraeus stets eine kontroversere Figur als seine Reputation vermuten liess.»

Das CIA mag Leute nicht, die Befehle bellen

Als der Viersterne-General 2011 CIA-Direktor wurde, legt ihm Verteidigungsminister Robert Gates nahe, keine eigenen Leute mitzunehmen. Petraeus willigte ein. Danach hatte er laut «Time» Mühe, in der Spionagezentrale Tritt zu finden. Das Magazin zitiert einen ehemaligen CIA-Offiziellen: «Die Agentur ist keine militärische Organisation. Dort mögen sie Leute nicht, die Befehle bellen ohne zu diskutieren.» An einem Anlass erschien Petraeus zum Beispiel im Anzug und militärischen Orden auf der Brust.

Petraeus hatte sich seinen Heldenstatus im Irak-Krieg erworben. Die Lage für die US-Truppen schien 2006 ausweglos, ein endloser blutiger Bürgerkrieg drohte. Petraeus hatte nach zwei Einsätzen im Irak das Manual zur sogenannten Counterinsurgency Strategy (COIN) überarbeitet. Die neue Einsatz-Doktrin für die Truppe hiess nun: Primär muss die Zivilbevölkerung geschützt und versorgt werden. Nur auf diese Weise gewinnt eine Regierung Vertrauen und Legitimation im Kampf gegen Aufständische.

Der damalige Präsident George W. Bush griff dankbar nach diesem Strohhalm, pumpte noch mehr Truppen in den Irak, wie die neue Doktrin es erforderte und schickte Petraeus wieder zurück in den Krieg. COIN begann zu greifen, die Sicherheitslage verbesserte sich, und der Vier-Sterne-General begründete seinen Mythos.

Er erdrosselte sein eigenes «Baby»

Als CIA-Direktor habe er später allerdings ohne Skrupel mitgeholfen, «sein eigenes COIN-Baby zu erdrosseln, als sich dessen Nützlichkeit überlebt hatte», schreibt jetzt der «Economist» in einer äusserst kritischen Betrachtung von Petraeus. Das britische Magazin fragt, ob im Irak das Momentum von «Anbar Awakening» nicht mindestens so stark für die Verbesserung der Sicherheitslage verantwortlich gewesen sei – eine Koalition sunnitischer Stammesführer, die sich Ende 2006 kurz vor der Rückkehr von Petraeus mit bewaffneten Milizen in den Konflikt einzumischen begann.

Auch für seinen Einsatz in Afghanistan unter Präsident Obama erteilt «Economist» dem Militär Petraeus nicht die allerbesten Noten. Eine befristete Aufstockung der US-Truppen für die Umsetzung der COIN-Strategie war unterwegs, aber die Aussicht auf Erfolg im armen und politisch zerklüfteten Afghanistan gering. Doch das Tempo, mit dem Petraeus COIN dann zugunsten der «kinetischen Annäherung» (möglichst viele Taliban umbringen), aufgegeben habe, sei «atemberaubend» gewesen, spottet des Magazin.

Man wird ihn nicht so sehr vermissen

Im CIA ist Petraeus als vehementer Befürworter eines paramilitärischen Ausbaus der Agentur aufgefallen. So habe er noch kürzlich gefordert, die CIA-Drohnenflotte im Kampf gegen Terroristen aufzustocken, was auch innerhalb der Administration Obamas Stirnrunzeln hervorgerufen habe. Trotz seiner Verdienste, intellektuellen Brillanz und seinen Fähigkeiten sowohl bissige Reporter als auch skeptische Gesetzgeber für sich zu gewinnen, werde man Petraeus «eigentlich nicht so sehr vermissen», so das Magazin.


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Eine Meinung zu

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    am 24.11.2012 um 18:36 Uhr
    Permalink

    Für solche Stories braucht man Nachrichtenmagazine, die nach brachial altmodischer Manier arbeiten: Recherche in alle Richtungen und mit langem Atem. Sowas können Sonntagsblätter nicht. Die stricken einfach die leicht zu erzählende lovestory des Generals weiter . Und nach einer Woche haben sie schon wieder vergessen, was sie vorige Woche geschrieben haben.

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