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Hollywood-Star Eastwood im Werbesport, der den US-Wahlkampf mächtig aufwühlte. © Chrysler/YouTube

Obamas Lager hat sich in Clint Eastwood getäuscht

Jürg Lehmann /  Die Hollywood-Stars unterstützen allermeistens die Demokraten. Clint Eastwood schert aus. Dabei hatten die Demokraten Hoffnung.

Die US-Demokraten und Präsident Barack Obama sind ins Leere gelaufen. Die Hollywood-Ikone Clint Eastwood (82) unterstützt im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft den Republikaner Mitt Romney (65). Das gab Eastwood an einem privaten Fundraising-Anlass in Sun Valley im US-Bundesstaat Idaho bekannt. Die Nachrichtenagentur AP zitiert Eastwood mit den Worten: «Ich denke, unser Land braucht einen Schub.»

Das Erstaunen und der Ärger im Obama-Lager werden umso grösser sein, als es anfangs Februar ganz anders ausgesehen hatte. Auslöser war ein zweiminütiger Chrysler-Werbesport, der zur Halbzeit des Super Bowl-Finals im American Football zwischen den New York Giants und den New England Patriots ausgestrahlt wurde. Geschätzte 800 Millionen Zuschauer sahen am Fernsehen Eastwood in der Autostadt Detroit und hörten ihn mit seiner kratziger Stimme ernste Worte zur Lage der Nation sprechen.

Eine hochemotionale Botschaft

«Es ist Halbzeit», beginnt Eastwood den Monolog, «Halbzeit im Spiel, Halbzeit in Amerika». Danach spricht er von arbeitslosen Menschen, verletzten Gefühlen und fragt, wie die Amerikaner wieder auf die Beine kommen könnten: «Wir alle fürchten uns, weil das kein Spiel ist.» Dann appelliert er an den Durchhaltewillen und den Zusammenhalt. In Detroit hätten die Menschen gezeigt, wie man nach einem Knockout aufstehe und ungebeugt weitermache. Am Schluss sagt er: «Die zweite Halbzeit beginnt bald.»

Der Spot (auf YouTube schon über 11 Millionen mal angeklickt! ) spricht auf die wiedererstarkte US-Autoindustrie an. Nur muss man wissen: Ohne staatliche Hilfe (Bailout) im Umfang von 1,3 Milliarden Dollar, die George W. Bush und Nachfolger Obama 2008 und 2009 für Chrysler und General Motors gesprochen hatten, wären die US-Autobauer wohl für immer am Boden geblieben. Das sagte Eastwood im Spot nicht. Er hatte sich – wie Mitt Romney – gegen die staatliche Unterstützung ausgesprochen.

Aber nicht genug damit. Auch der US-Präsident selber hatte ja gesagt, dass erst Halbzeit sei und er noch eine zweite Amtsperiode brauche, um den «Job zu Ende zu bringen».

Demokraten loben, Republikaner toben

Der Auftritt und die Botschaft hatten den gleichen Effekt wie ein Fuchs, der in einen Hühnerstall eindringt. Auf welcher Seite stand Eastwood eigentlich? David Axelrod, Obamas Wahlkampfmanager, lobte über Twitter jedenfalls sofort den «starken Spot». Umgekehrt zeigte sich der einflussreiche ehemalige Bush-Berater und jetzige Romney-Unterstützer Karl Rove geradezu empört. Er kritisierte, dass hier mit Steuergeldern indirekt Politik zugunsten Obamas gemacht werde und sagte gegenüber dem rechtslastigen TV-Sender Fox News: «Der Spot hat mich offengestanden beleidigt.»

Eastwood und sein Sprecher, aber auch Chrysler-Boss Sergio Marchionne, mussten sich erklären. Der Chrysler-Spot sei unpolitisch zu sehen, sagte der Hollywood-Star; er formuliere nur eine allgemein gültige Botschaft im Hinblick auf neue Jobs und den amerikanischen Kampfgeist. Er, so Clint Eastwood, sei mit Obama nicht verbunden.

Ehemaliger Bürgermeister in Carmel

Eastwood sieht sich ja nicht als eigentlichen Parteigänger. Er war in den achtziger Jahren zwei Jahre lang parteiunabhängiger Bürgermeister des Städtchens Carmel an der kalifornischen Küste. 2008 unterstütze er den Republikaner John McCain im Präsidentschaftswahlkampf. Später sagte er, er könne sich mit der republikanischen Partei nicht mehr identifizieren und wisse nicht, wen er 2012 unterstützen werde.

Das weiss er inzwischen offensichtlich. Mit seiner Neigung nach rechts und seinem Bekenntnis zur Romney ist der Schauspieler und Regisseur in Hollywood eine ziemlich singuläre Figur. Neben Eastwood kann man noch Oscarpreisträger Jon Voight zum Romney-Lager zählen. Er ist der Vater von Angelina Jolie. Aber die allermeisten Stars zählen sich traditionell zu den Demokraten; in der Kampagne zugunsten von Obama fällt vor allem Superstar George Clooney auf, der sich auch als Spendensammler betätigt.

Von Ben Hur zu Dirty Harry

Mit Charlton Heston (Ben Hur) gibt es neben»Dirty Harry» Clint Eastwood vielleicht einen ähnlich gelagerten schwergewichtigen Hollywood-Helden. Der 2003 verstorbene Heston präsidierte zu seiner Zeit sogar die National Rifle Association (NRA), die den freien Waffenbesitz in den USA mit Zähnen und Klauen verteidigt. Der US-Filmer Michael Moore interviewte Heston für seinen Dok-Film »Bowling for Columbine» (2202).

Und nun also Oscar-Preisträger Eastwood, der nicht nur als grandioser Einzelgänger in Sergio Leones Western auftrat, sondern als Cop «Dirty Harry» mit seiner Magnum in San Francisco die Verbrecherjagd eigenwillig interpretierte. Welche Rolle er in den nächsten drei Monaten bis zur Wahl übernimmt und ob überhaupt, ist offen.

Wenn sich Eastwood nur nicht täuscht

Mitt Romney jedenfalls zeigte sich gerührt, als Eastwood in seiner Anwesenheit sagte: «Wir brauchen Gouverneur Romney mehr denn je. Ich werde für ihn stimmen.» Romney erwiderte daraufhin: «Er hat mich gerade sehr glücklich gemacht.» Eastwood erwartet von Romney ein Steuersystem, das Fairness bringt und die Leute nicht gegeneinander aufbringt, erklärte er, weil sie sich fragten, wer Steuern zahle und wer nicht.

Wenn sich Eastwood nur nicht verrechnet. Romney weigert sich ja bisher hartnäckig, mehr als einen einzigen Steuerausweis zu veröffentlichen. Das nährt jedenfalls den Verdacht, er habe in früheren Jahren sehr wenig oder überhaupt keine Steuern bezahlt.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

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