Trump will Venezuela gleich selber regieren
Mit der Verhaftung und Entführung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro nach New York, wo dieser wegen angeblichen Rauschgiftschmuggels vor Gericht gestellt werden soll, ist der angestrebte Regimewechsel in Caracas eingeleitet worden. Der mehrheitlich von regierungstreuen Juristen geführte Oberste Gerichtshof Venezuelas hat die bisherige Vizepräsidentin der Nation, Delcy Rodríguez, zur neuen Regierungschefin ernannt. Die Bevölkerung harrt in gespannter Erwartung des weiteren Verlaufs der Umsturzpläne der Regierung Trump.

Die drei grössten Länder Lateinamerikas, die gegenwärtig von linksreformistischen Kräften angeführt werden – Brasilien, Mexiko und Kolumbien – scheinen die nächsten Schritte der USA ebenfalls abwarten zu wollen. Ihre Sorge ob der seit Jahrzehnten wichtigsten direkten militärischen Intervention der Amerikaner in ihrem «Hinterhof» liegt auf der Hand. Vorläufig sind es aber laut «Amerika21» vor allem soziale Bewegungen, unter ihnen die auf dem ganzen Subkontinent in akademischen Sphären beachtete Organisation Clacso, die inmitten der schweren politischen Krise gegen Trumps Handstreich protestieren.
Konservative Regierungen in Südamerika schweigen
Betretenes Schweigen herrscht hingegen in jenen Staaten Südamerikas, wo in jüngerer Vergangenheit konservative Kräfte wieder an die Schalthebel der Macht gekommen sind: Argentinien, Chile, Peru und Ecuador. Ihnen war der autoritär auftretende, scharf nach links gerichtete Maduro schon immer ein Dorn im Auge gewesen.
Offen ist diese Entwicklung in Bolivien, wo derzeit verschiedene politische und soziale Strömungen um die Vorherrschaft ringen, wie die «Deutsche Welle» berichtet. Dort soll das Volk schon im kommenden März erneut an die Urnen gerufen werden, um über die Verteilung der öffentlichen Ämter in den neun Departamentos (Provinzen) und in den Gemeinden zu entscheiden. In Sachen Wirtschaftspolitik steht das Land infolge dramatischen Devisenmangels vor besonders schwierigen Aufgaben.
Die Hintergründe des Kidnappings
Worum es dem US-Präsidenten bei diesem Aufmarsch einer gewaltigen Armada vor der Küste Venezuelas in Wirklichkeit geht, darüber macht sich die auf Hintergrundartikel spezialisierte Plattform «IPG-Journal» Gedanken. Diverse mögliche Ursachen werden in Erwägung gezogen, in erster Linie der illegale Drogenhandel. Da aber Venezuela weder ein Produzentenland von Rauschgiften jeglicher Art noch ein wichtiger Knoten im weltweit gespannten Netz von solchen Geschäftsbeziehungen ist, drängt sich der Eindruck auf, es könnte sich um eine Manipulation von Argumenten handeln. Gerade die USA haben sich verschiedentlich falscher Informationen bedient, um gravierende Interventionen von Vietnam bis Guatemala und von Iraq bis in die Dominikanische Republik auszulösen, um Regierungen aus dem Weg zu räumen, die ihnen politisch nicht genehm waren.
Einleuchtender scheint der Verdacht, dass es die US-Amerikaner auf Venezuelas Erdölreichtum abgesehen haben. Dieser schlummert noch zum grössten Teil in den Tiefen des Orinoco-Gebiets. Doch um dessen habhaft zu werden, braucht es eigentlich keinen Flugzeugträger in der Karibik. Seit Jahrzehnten konnten US-amerikanische und europäische Konzerne das Schwarze Gold in Zusammenarbeit mit der Staatsfirma «Petroleos de Venezuela S.A.» ausbeuten.
Selbst Maduro kam nach jahrelangen Versuchen, mit nationalistischer Rhetorik auf einen grünen Zweig zu kommen, zum Schluss, dass man mithilfe von Kooperation bessere Resultate erzielen könnte. Auf diesem Weg wäre mit Verhandlungen, zum Beispiel mit Chevron, die mit den lokalen Verhältnissen schon längere Zeit vertraut ist, vermutlich für beide Seiten mehr herauszuholen.
Doch daran scheint Donald Trump nicht interessiert zu sein – womit als hauptsächlicher Grund der Offensive Washingtons der «Regime change» erscheint. Das ist denn auch der kleinste gemeinsame Nenner aller bisherigen militärischen Interventionen der USA, zumindest in Lateinamerika. Dass Öl und Drogen auch eine Rolle in diesem Drama spielen, versteht sich von selbst. Über eine Rangordnung der Faktoren braucht man sich nicht zu streiten.
Die einst stabile Demokratie begann ab den 1980er Jahren zu bröckeln
Venezuela war bis zur Jahrtausendwende eine der stabilsten Demokratien Lateinamerikas. Die Regel des Machtwechsels zwischen gemässigten Parteien funktionierte ordentlich, auch wenn man sich bei den Wahlen etwas mehr programmatischen Tiefgang wünschen mochte. Um 1980 zeichneten sich gewisse Symptome der Demokratiemüdigkeit im gegebenen Rahmen ab. Die Crux der allmählich anziehenden Inflation zeugte von Spannungen in der Wirtschaft. Kaum ein Land des Erdteils war von einem einzigen Exportprodukt so stark abhängig wie Venezuela. Phasen von Preisrückgang beim Erdöl mit nachfolgender Devisenknappheit und Abwertung der lokalen Währung Bolívar zeigten auf, dass das Land über seine wahren Verhältnisse lebte.
Ein erster Umsturzversuch unzufriedener Militärs scheiterte zwar zu Beginn der 1990er Jahre und ihr Anführer Hugo Chávez musste ein paar Jahre hinter Gitter verbringen. Doch bei den nächsten Wahlen kehrte er als Sieger in die politische Arena zurück. Er versprach seinen Anhängern ein Regime, das er «Sozialismus des 21. Jahrhunderts» nannte, aber deutlich auf seine eigenen Machtträume fixiert war.
Andererseits regte sich die konservative Opposition im Land. Sie riskierte viel und liess sich nun ihrerseits auf einen Umsturzversuch ein, der kläglich misslang. Diese politische Entwicklung führte zu einer Verhärtung in den Reihen der Regierung, die hinter der gescheiterten Verschwörung die USA vermutete.
Reformen versandeten, Teuerung nahm zu
Vom anfänglichen Impetus und Reformwillen des Regimes blieb auf Dauer nicht viel übrig. Ansätze zu einer Landreform, die auf eine Steigerung der lokalen Produktion und auf die Schaffung von Arbeitsplätzen abzielte, gab es – doch sie versandeten alsbald. Das an sich löbliche Projekt wäre realisierbar gewesen, hätte sich in der Praxis nicht der bequemere Weg, möglichst viele Agrarerzeugnisse zu importieren, durchgesetzt.
Im sozialen Wohnbau und in der staatlichen Gesundheitsfürsorge konnte die sozialistische Regierung wichtige Verbesserungen erzielen, aber gleichzeitig zog die Teuerung immer mehr an und bereitete Herrschenden und Bevölkerung immer grössere Kopfschmerzen.
Unter Maduro explodierte die Inflation
Zudem erkrankte Hugo Chávez und starb 2013. Er hinterliess seinem Land ein aus aktiven und passiven Posten gemischtes Erbe sowie einen persönlich ernannten Nachfolger, Nicolás Maduro, der seiner Aufgabe, gesamthaft betrachtet, nicht gewachsen war. Die Inflation explodierte zur schlimmsten in Lateinamerika jemals erlebten sozialen und wirtschaftlichen Katastrophe – eine Einladung an Washington, als sogenannter Hüter der Ordnung mit einer Kaskade von Sanktionen die Zerrüttung der Ökonomie zu beschleunigen.
Das Fass lief 2024 über, als sich Maduro nach den letzten allgemeinen Wahlen weigerte, eine angeblich klare Mehrheit zugunsten der Regierung mit glaubwürdigen Unterlagen zu dokumentieren. Selbst gemässigt linksregierte Länder wie Brasilien, Kolumbien und Mexiko konnten diese Kröte nicht schlucken und gingen auf Distanz zu Maduro.
Trumps Politik mit zweierlei Mass
Präsident Donald Trump muss sich seinerseits vorhalten lassen, dass er hinsichtlich der Drogenpolitik auf beiden Augen blind zu sein scheint: Er lässt Maduro und dessen Frau unter schweren Anschuldigungen, die allerdings noch vor Gericht erhärtet werden müssen, kidnappen. Im gleichen Zug begnadigt er Expräsident Juan Orlando Hernández von Honduras, der von seinem Land auf legalem Weg an die US-Justiz ausgeliefert, dort als Geschäftspartner bekannter Drogenbosse entlarvt und zu 45 Jahren Haft verurteilt worden war.

Romeo Rey, Die Geschichte Lateinamerikas vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart, 284 Seiten, 3. Auflage, C.H.Beck 2015, CHF 22.30
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Es ist ganz einfach : Putin überfällt die Ukraine , Trump Venezuela. In der Ukraine sollen Nazi ausgeschaltet werden, in Venezuela Drogenbarone. Beides erstunken und erlogen. In Venezuela geht es um‘ s Öl , in der Ukraine um’s Getreide.
@Ruedi Basler – Falsch. Die «Nazis» in der Ukraine sah ich im Deutschen Fernsehen vor Jahren (ob man das heute noch veröffentlichen würde, bezweifle ich) in schockierenden Bildern und Tonmitschnitten. Ausserdem sei erinnert an die Rede von Dr. Gregor Gysi im Deutschen Bundestag über genau diesen Tatbestand in der Ukraine.
Zudem geht es in der Ukraine nicht um Getreide (obzwar für die USA unter anderem um Bodenschätze wie «Seltene Erden») für Russland, sondern einzig darum, dass der Westen die Ukraine nicht zum Aufbau einer Kriegsinfrastruktur nutzt gegen Russland. Es geht um Sicherheitsgarantien, die Russland 2021 und zuvor bereits forderte. WARUM will das «der Westen» nicht einsehen (der bereits DREImal gegen Russland marschierte, während Russland nie gegen den Westen Angriffskrieg führte)?
Warum nicht NEUTRALITÄT der Ukraine? DIE Lösung. Müsste das die Schweiz nicht am besten verstehen und unterstützen?
Absolut richtig!
Es ist durchaus redlich, wenn in dem Artikel manches Für und manches Wider zu Venezuelas Führung
aufgelistet wird. Aber angesichts des Vorgehens de USA halte ich das zunächst für unwichtig. Denn es könnte so aufgefaßt werden als würde man einen Abwägungsprozeß befürworten. Abwägen ist in der Politik sinnvoll. Aber es gibt den «point of NO» – und DER ist hier erreicht. Die USA/TRUMP ersetzen vernünftige Politik durch Gewalt .Das haben sie schon immer getan – und so die Blaupause für die heutige globale Tendenz der Gewaltanwendung geliefert. DAS darf niemand vergessen wenn er Konfliktherde im Heute beurteilt. Als deutscher Bürger sage ich : Trump ist in Europa, aber jedenfalls in Deutschland eine «unerwünschte Person im diplomatische Sinn». Und im Sinne der vielgenannten europäischen Werteskala sind die USA jetzt Feindesland. Alle US- Stützpunkte und deren Materialien in Deutschland sind zu beschlagnahmen. Offensichtlich ist DAS die Sprache, die Trump begreift. Soll er haben.
Ich möchte um der Klarheit willen als deutscher BürgerIn die deutsche Sicht ergänzen :
Die ganze Diskussion «OB Völkerrecht..oder nicht..» ist geradezu peinlich. Wenn irgend etwas mal klar ist ,dann hier : Bruch aller Konvention .Deutlicher geht es gar nicht. UND : die Kommentare von Merz und Wadephul zu diesen Vorgängen sind eine Schande für Deutschland und entlarven
1.deren Ukraine-Heuchelei
2. lassen schlußendlich die US- Blackrock-gefärbte Hörigkeit von Merz klar hervortreten
3.Sein Schicksal als Kanzler ist besiegelt – und mit ihm das der CDU, die ihn uns ja verpaß hat. UND : es wird sich zeigen, welche Partei dann ggf. den richtigen Kurs fährt. DIE sollte dann an die Regierung kommen, auch wenn sie in nachrangigen Punkten durchaus kritikwürdig sein kann.
Zuerst zum obigen Bild: France 24 hat in Info/Intox die Bilder verschiedener Medien untersucht und stellte am 5.01.2026, dass dieses Bild von KI generiert wurde.
Zu den Gründen des US-Überfalls: es geht nur nebenbei um Drogen, Venezuela ist nur ein Transitland und kein Produktionsland wie ihre Nachbarn. Öl interessiert Trump natèrlich, obwohl die USA dieses Öl nicht brauchen, sie haben genug. Aber immerhin werden sich die US-Öl- Barone bereichern können.
Im Hintergrund steckt wohl das wichtigste Motiv: China importiert viel venezuelanisches Öl, deshalb will Trump diese Öl-Produktion für sich gewinnen. Es geht darum, China trocken zu legen! Regimewechsel, Demokratie sind Trump egal, was zählt, ist jede Geste, die China schwächen kann! Deshalb auch die Begierde nach Groenland!
Schrecklichstes Welttheater bei dem die ganze Welt zuschaut und nachher den Preis für all diese Schweinereien bezahlen muss.
Ich bin kurz nach dem 2. Weltkrieg geboren und hatte gehofft, dass wir uns eine friedlichere, gerechtere Welt aufbauen können. Ein wirkliches Miteinander.
Und was haben wir jetzt?
Militärcoup der USA gegen Maduro: Das sind die Gründe.
Trump bezeichnet Drogenkartelle und Schmuggler aus Venezuela als Terroristen, weil sie mit Schiffen die Drogen in Richtung USA transportieren und damit die Amerikaner „vergiften“.
Maduro war ein illegitimer Präsident. Die letzten Präsidentschaftswahlen hat er mit Sicherheit manipuliert und das für ihn negative Ergebnis umgebogen.
Viele venezolanische Anleihen sind wegen der verfehlten Wirtschafts- und Währungspolitik und wegen der ab 2017 verschärften USA-Sanktionen im Default (Zahlungsausfall), insbesondere jene gegenüber privaten Anleihensgläubigern. Wer seine Schulden trotz Ölreichtum nicht bedient und fristgemäss zurückzahlt hat ein Problem mit dem kapitalistischen Staat USA!