Sperberauge

Stellvertreterdebatte über Stellvertreterkrieg

Jürg Müller-Muralt © zvg

Jürg Müller-Muralt /  Wer den Ukrainekrieg als Stellvertreterkrieg bezeichnet, hilft der russischen Propaganda, die Kriegsschuldfrage zu relativieren.

«Der Ukrainekrieg ist natürlich auch ein Stellvertreterkrieg zwischen Amerika und Russland»: Dies sagte die Feministin und Publizistin Alice Schwarzer kürzlich in einer deutschen Fernsehsendung. So «natürlich» ist das nun auch wieder nicht. Die Schwierigkeit besteht darin, dass es eine allgemein akzeptierte Definition, was ein Stellvertreterkrieg genau ist, nicht gibt. Immerhin liefert der Duden eine gängige Begriffsbestimmung: Ein Stellvertreterkrieg sei eine «bewaffnete Auseinandersetzung zwischen kleineren Staaten, die zum Einflussbereich jeweils verschiedener Grossmächte gehören und gleichsam stellvertretend für diese die Auseinandersetzung führen».

Vietnamkrieg als klassisches Beispiel

Die Redaktion des deutschen Nachrichtensenders ntv wollte es genauer wissen und befragte eine Politikwissenschafterin und zwei Politikwissenschafter – mit unterschiedlichen Einschätzungen. Nicole Deitelhoff stimmt der Duden-Definition im Wesentlichen zu und bezeichnet den Vietnamkrieg als klassisches Beispiel für einen Stellvertreterkrieg: Die Sowjetunion unterstützte Nordvietnam, die USA unterstützten Südvietnam. Als die USA selbst lokale Kriegspartei wurden, sei es kein Stellvertreterkrieg mehr gewesen. Der Krieg in der Ukraine sei ebenfalls kein Stellvertreterkrieg: «Russland ist nicht in einen Konflikt eingestiegen – es hat diesen Krieg begonnen, um spezifische, russische Ziele durchzusetzen. Russland führt diesen Krieg.»

«Züge eines Stellvertreterkrieges»

Der Politologe Johannes Varwick findet, der Begriff sei «vielschichtig und muss im Kontext des Ukrainekrieges vorsichtig verwendet werden». Aber der Krieg habe dennoch «Züge eines Stellvertreterkrieges». Er versteht darunter einen Krieg, «bei dem mindestens eine der Parteien eng verbunden ist mit einer Gruppierung ausserhalb des Staates, in deren Interesse letztlich der Krieg geführt wird». Diese Definition ist problematisch. Damit wären die meisten Kriege Stellvertreterkriege, denn Unterstützer ausserhalb der eigentlichen Kriegsparteien sind eher die Regel als die Ausnahme.

Mitverantwortung des Westens

Vor allem aber unterstellt Varwick, anders als Deitelhoff, eine Mitverantwortung des Westens für den Krieg. «Ohne westliche Intervention wäre der Krieg schon zu Ende; insofern wird die Dauer, Intensität etc. aufseiten der Ukraine gänzlich durch den Westen bestimmt.» Also kämpfe die Ukraine ganz praktisch auch stellvertretend. Varwick sieht die Ukraine letztlich als «Opfer eines von aussen befeuerten» Krieges. Offen bleibt in dieser Argumentation allerdings gemäss ntv, warum die Ukraine den Westen seit Monaten drängen muss, ihr mehr und bessere Waffen und gar Munition zu liefern.

Russische Propaganda

Der Politikwissenschafter Thomas Jäger wiederum widerspricht Varwick. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine sagt Jäger, der Begriff «Stellvertreterkrieg» werde von Russland als «Frame» genutzt, um zu erklären, warum die russische Armee in der Ukraine nach mehr als neun Monaten kaum Geländegewinne erzielt habe. Die Darstellung Russlands, man kämpfe in der Ukraine gegen den «kollektiven Westen», sei aber nur Propaganda. Die Politikwissenschafterin Deitelhoff fügt noch an, viele, «die mit Blick auf den Krieg in der Ukraine von einem Stellvertreterkrieg sprechen, haben ein Interesse daran, dass die Unterstützung beendet wird».

Der ntv-Autor beendet seinen Beitrag denn auch mit der folgenden Konklusion: Die Stellvertreter-These «steht und fällt mit der Annahme, dass der Westen eine Teilschuld am russischen Vernichtungskrieg trägt und dass es besser wäre, wenn die Ukraine keine Waffen bekäme. So gesehen ist die Debatte, ob der Krieg in der Ukraine ein Stellvertreterkrieg ist, am Ende nur eine Stellvertreterdebatte.» Man kann es noch deutlicher sagen: Wer den Begriff «Stellvertreterkrieg» benutzt, folgt der russischen Sicht in der Kriegsschuldfrage.


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32 Meinungen

  • am 8.12.2022 um 11:41 Uhr
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    Welch eine Wortklauberei. Zudem an Aussagen Einzelner die wenig repräsentativ sind. Jeder Krieg ist in irgend einer Weise von externen Interessen geleitet. Es gibt keine Neutralität zwischen geopolitischen Machtblöcken. Die Staaten stehen entweder auf Seiten der USA/NATO oder der Konkurrenz im Gerangel um Rohstoffe und Märkte. Beispiele: Schweden, Finnland und auch die Schweiz, die allesamt mindestens informell dem NATO-Lager zugehören und tun, was ihnen befohlen wird. Das festzustellen ändert nichts am Unrecht einen Krieg zu beginnen, aber Kriege brechen nicht aus, sie werden über lange Jahre finanziert und vorbereitet und sind nichts anderes als die Fortsetzung der kapitalistischen Konkurrenzwirtschaft mit militärischen Mitteln.

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  • am 8.12.2022 um 11:42 Uhr
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    Der (spitzfindige) Disput um den Begriff lenkt davon ab, dass der Krieg nicht erst am 24.2.22 begonnen hat. Stellvertreterkrieg heisst hier doch, dass der Hegemonieanspruch der USA seit langem mit Ausweitung der NATO bis an die Grenzen Russland auf dem Buckel der Ukraine ausgetragen wird.

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  • am 8.12.2022 um 12:13 Uhr
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    Diesen Artikel hätte ich im Blick (oder ntv) erwartet, nicht im Infosperber. Eigenartig oder typisch, dass ausgerechnet das analogste Beispiel Kuba in obigem Artikel nicht als Analogie diente? Denn primär geht es aus meiner Sicht hier um die US-Raketen (zumal heute Welten moderner als 1962) an der empfindlichen (weil nahe Moskau) Westflanke Russlands.
    Stellvertreter?
    https://www.infosperber.ch/politik/welt/senator-john-mccains-aufruf-in-kiev-bleibt-unvergessen/
    «Was würden die US-Amerikaner sagen, wenn anlässlich von Massen-Demonstrationen vor dem Weissen Haus in Washington ein Spitzenpolitiker aus Russland oder auch aus China auf die Redner-Tribüne stiege und die versammelten Massen auffordern würde, sich künftig an Russland oder an China zu orientieren?»

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  • am 8.12.2022 um 12:15 Uhr
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    Man kann natürlich – und man darf sicher auch in der «freien Welt» – beide Augen ganz fest zudrücken und seine Ohren fest zuhalten vor der unübersehbaren Realität und schlafwandlerisch der westlichen Propaganda folgen – nur um ja die Russen immer so schlecht, am besten unmenschlich, wie irgend möglich darstellen zu können.

    Gut gemacht.

    Ich frage mich halt, wie sind dann die irren Waffenlieferungen, die irre Finanzierung des Krieges durch den Westen (für die völlig desolate und marode Infrastruktur in weiten Teilen der Ukraine gab es vorher nichts adäquates, was den Menschen wirklich geholfen hätte!), die Ausbildung und Aufrüstung der Ukrainischen Armee und der Faschistenbataillone zu werten?

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  • am 8.12.2022 um 12:30 Uhr
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    Manchmal scheint auch das Sperberauge lieber nicht richtig hinsehen zu wollen? Fragen wie «Wem nützt es?» sind wohl heute nicht mehr aktuell. Wenn davon berichtet wird, daß die us-amerikanischen Nachrichtendienste die Ukrainische Armee in Echtzeit von ihren deutschen Basen aus mit Geodaten russischer Armeeeinheiten versorgen, die dann mit us-amerikanischen Waffen angegriffen werden, sind wohl nur noch die Soldaten ukrainisch – der Rest = NATO. Kann mensch natürlich übersehen, genauso, wie die Vorgeschichte ausblenden. Deshalb hier mal noch eine kleine Erinnerung:
    https://www.anti-spiegel.ru/2022/merkel-minsker-abkommen-2014-war-der-versuch-der-ukraine-zeit-zu-geben/
    Deshalb hätte Russland nach dem Völkerrecht natürlich trotzdem warten müssen, bis die USA in Charkow Atomraketen aufgestellt und damit Moskau angegriffen hätten, um völkerrechtskonform zurückschlagen zu dürfen – damit hat der Autor recht. Das man einem Angriff zuvorkommt, gehört aber wohl zur normalen Militärtaktik 😉

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  • am 8.12.2022 um 12:43 Uhr
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    Sind Kriege nicht in gewissem Sinne immer Stellvertreterkriege, wo Menschen für die Interessen von Mächtigen sterben?

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  • NikRamseyer011
    am 8.12.2022 um 13:02 Uhr
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    Frau Schwarzer hat (wie so oft) leider recht. Da nützt alles heurmfinassieren mit ExpertInnen nichts. Entscheidend ist die Doktrin der Biden-Administration: Keine Kriege mit US-Truppen (Boots on the ground) mehr. Dafür geheime und verdeckte Operationen weltweit da, wo es den USA im Kampf um den Erhalt ihrer «Weltherrschaft» nützt. US-Politiker sagen offen: «Wir werden gegen die Russen kämpfen – bis zum letzten Ukrainer.» Dass es dabei nie um «Demokratie, Menschenrechte und Vökerrecht» geht, ist auch längst klar: Die Verlogenheit solcher US-Propaganda zeigt sich ja dort, wo die Amerikaner den Saudi Salman in seinem völkermörderischen Krieg gegen Yemen aufrüsten, wo sie Israel bei der Zerstörung des Lebensraums der Menschen in Palästina unterstützen – und die Kurdinnen im Norden Syriens an den gewalttätigen Machthaber Erdogan verraten. Kurzum: Wenn sie ihnen nicht mehr nützen, werden die USA auch die UkraInerInnen schnöde verraten und verkaufen – wie kürzlich schon die Afghaninnen.

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  • am 8.12.2022 um 14:26 Uhr
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    Wenn ein Krieg provoziert wird und man (‹USA / NATO ) » nur Waffen» einsetzen muss um Russland zu schwächen, nenne ich das «Stellvertreterkrieg». Die leidtragenden sind die Ukrainer wie die Russen. Ohne NATO Osterweiterung gäbe es in der Ukraine keinen Krieg.
    Noch schlimmer: es könnte leicht passieren, ob gewollt oder zufällig, dass aus dem Stellvertreterkrieg ein direkter Krieg entsteht. Deshalb sofort Waffenstopp und Verhandlungen.
    Jetzt erleben wir mit den Waffenlieferungen nur ein Anheizen des Krieges mit immer größeren Verlusten auf beiden Seiten.

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  • am 8.12.2022 um 15:14 Uhr
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    Wer framt nun wen? Die einen dürfen nicht «Stellvertreterkrieg» sagen, weil sie dann Russenknechte sind? Die anderen sagen «Vernichtungskrieg», «Angriffskrieg», «aggressiver Krieg», obwohl bislang weit weniger Zivilisten gestorben sind, als bei den üblichen us-amerikanischen Interventionen, die seltsamerweise nie so bezeichnet werden – nicht einmal den Vietnamkrieg bezeichnet man als Genozid oder Vernichtungskrieg? Was soll das alles? Die Ukraine geriet wegen ihrer interessanten Lage, den riesigen fruchtbaren Schwarzerdeböden, dem metallurgischen und waffentechnischem Potential, dem Zugang zum Schwarzen Meer in den verhängnisvollen Strudel der Geopolitik zwischen den USA und Russland. Beide Seiten sind gleichermaßen zynisch, erbarmungslos und manipulativ. Beide Seiten opfern Zivilisten ohne Bedenken, wenn es sich nicht vermeiden lässt oder ihren Zielen dient. Und nur beide Seiten können jetzt Frieden machen, nicht ein Selenski. Also doch Stellvertreterkrieg.

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  • am 8.12.2022 um 15:25 Uhr
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    Pauschal gesehen in eine Ecke gestellt und abgeurteilt? Wer sagt das es ein Stellvertreterkrieg ist, ist pro Russisch?
    Wie wäre es denn mal mit einer objektiven Sicht auf die Dinge?
    Amerika hat ein zu grosses wirtschaftliches Interesse daran dass Russland keine Geschäfte mit dem Westen macht. Deshalb gibt es auch keinerlei rote Linien die Moskau setzen könnte.
    Mit anderen Worten, Russlands Interessen, egal wie begründet oder nicht, interessieren niemand!
    So hätte es die Sowjetunion damals auch nicht interssieren sollen als Raketen in Kuba stationiert wurden? Ach je,ich vergass, der Westen hat immer Recht! Deshalb gilt für ihn auch kein Völkerrecht!
    Völkerrecht ist nur für Verbrecher die der Westen bestimmt, oder wie ordnet man die vorherigen Kriege durch die USA ein? Oder die Interventionen der Türkei? Sogar die Embargopolitik ist völkerrechtswidrig. Aber schluss mit der Wahrheit bevor man noch pro Russisch wird und deshalb gesprächsunwürdig.

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  • am 8.12.2022 um 19:14 Uhr
    Permalink

    … und, das hatte ich vergessen zu schreiben, wie ist der offenbar permanente, verhindernde Einfluß westlicher, insbesondere US-amerikanischer und britischer Regierungen auf Kiew in Bezug auf die ursprünglichen Ukrainisch-Russischen Friedens-/Waffenstillstandsverhandlungen (s. zB. das Interview mit dem ehem. Pentagonberater Doug Macgregor bei Pushback: https://www.nachdenkseiten.de/?p=90830) und die unerträglich unmenschliche und lebensfeindliche Parole von der «Entscheidung auf dem Schlachtfeld» zu werten?

    Und wie die Genese dieses Russischen Einmarsches?
    Schafft man wirklich, das mit «Augen ganz fest zu» völlig auszublenden?

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  • am 8.12.2022 um 19:46 Uhr
    Permalink

    Es ist mir rätselhaft, warum dieser Artikel von Jürg Müller-Muralt eine so schlechte Bewertung bekommt. Will man wirklich die Ukraine der Diktatur Putins überlassen? Klar hat Europa am Ende nach dem Zerfall des Ostblocks 1989 Fehler gemacht. Wir wissen leider zu wenig, was damals alles den Weg zu einem friedlichen Europa blockiert hat. Immerhin gibt es gewisse Vermutungen mit einiger Wahrscheinlichkeit, dass sich Europa von den USA hat erpressen lassen, sich ihnen anzuschliessen und die Bildung eines dritten Blockes zwischen den USA und China zu meiden. Was immer auch sonst noch im Tauwetter nach dem Kalten Krieg gegen Russland und noch vor dem Überfall auf die Ukraine verfehlt möglicherweise wurde: Es gab Russland kein Recht, die Ukraine zu überfallen. Dieser Krieg ist völkerrechtswidrig. Besonders verwerflich ist die Zerstörung überlebenswichtiger ziviler Strukturen in der Ukraine. Gegen solche Akte der Zerstörung müssen wir uns gemeinsam wehren.

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    • am 9.12.2022 um 08:20 Uhr
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      @F. Sachs: Guten Morgen, Sie schreiben: «Will man wirklich die Ukraine der Diktatur Putins überlassen?»
      Ist Ihnen bewusst, welch üble Unterstellung Sie hier all denjenigen machen, die auf die traurigen Ereignisse um die Ukraine genauer hinsehen? Auch denen, die für Verhandlungen und ein Ende von Tod und Zerstörung dort eintreten?

      Ihre rhetorische Frage ließe sich leicht beantworten, wenn Sie sich auf die Inhalte der Kommentare einlassen würden.

      Und Sie haben Recht: Gegen (ALLE!) Akte der Zerstörung müssen wir uns gemeinsam wehren!
      Fangen wir damit an, in der Ukraine, im Jemen, in den Kurdengebieten etc pp.
      Fordern wir Verhandlungen, Schweigen der Waffen, ein Ende der Waffenlieferungen!

      Bisher hat die Mehrheit von uns den zahllosen «Akten der Zerstörung» unbeteiligt zugesehen, in vielen Ländern dieser Erde, auch in Europa: https://globalbridge.ch/ex-cz-premier-jiri-paroubek-erinnert-an-die-nato-bomben-auf-belgrad-als-perfektes-vorbild-fuer-putins-bombardierungen/

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      • am 9.12.2022 um 21:55 Uhr
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        @P, Langhammer
        Danke für Ihre differenzierte Antwort auf meinen Beitrag! Ich möchte nur folgendes zu bedenken geben: ich habe die Perestroika Gorbatschows miterlebt und sehr wohl mitbekommen, wie Europa damals ein Zugehen auf Russland mindestens hätte wagen müssen. Es war die Rede vom «gemeinsamen Haus Europa». Die Welt sähe heute anders aus. Was dann genau diese Chance verhindert hat, war ein Geheimnis, aber ein teilweise offenes. Die verdeckten Greueltaten unseres westlichen «Weltpolizisten» habe ich auch mitverfolgt. Die vertanen Chancen in den letzten Monaten vor dem Ukrainekrieg sind mir ebenfalls nicht ganz unbekannt – leider blieben die wichtigsten vertanen Chancen zur Verhinderung dieses Krieges geheim.
        Mir bleibt die Frage: Wäre die Welt eine bessere, wenn die friedliebenden Länder überall die «Waffen in Pflugscharen» verwandelten, während die waffenstrotzenden Länder sie behielten? Die Ukraine schien für Putin eine allzu leichte Beute, nun kann er nicht mehr zurück…

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      • am 10.12.2022 um 09:22 Uhr
        Permalink

        @F. Sachs:
        Ich finde, so geheim sind die vertanen Chancen zur Verhinderung des Krieges in der Ukraine gar nicht – nicht für diejenigen, die wirklich hinsehen. Wohl aber offenbar für unsere NATO-affine Medien- und Politpropaganda.
        Es fängt ja schon an beim Bruch von Vereinbarungen (zB. Minsker Abk.) und Zusagen (zB. NATO-Osterweiterung) und – wie Sie selbst schreiben – beim jahrzehntelangen Ausschluss Russlands aus dem Europäischen Haus, trotz des glaubwürdigen Werbens darum (https://www.youtube.com/watch?v=F0_0WqUuh9E).

        Aber zu Ihrer Frage:
        1. ja ich persönlich glaube, die Welt wäre eine bessere, auch wenn zunächst nur einseitig mit Vertrauen und Abrüstung begonnen würde. Eine Seite muss beginnen. Ein schönes Bsp. ist Costa Rica, seit Jahrzehnten ohne Militär in einer der gewalttätigsten Regionen der Erde. Dafür sozial, demokratisch und ökologisch führend.

        2. die Betrachtung der Ukraine als «Beute» für Russland, zumal als «leichte», halte ich für eine nicht zutreffende Unterstellung.

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      • am 10.12.2022 um 16:27 Uhr
        Permalink

        Mir geht es ähnlich. Zu Zeiten meiner Wehrpflicht war der Warschauer Pakt der grösste Feind. Mit dem Fall der Mauer taten sich Chancen auf die wohl dem grossen Bruder im Westen nicht gefielen. Anders ist es mir nicht zu erklären warum nicht auf das «grosse Haus Europa» eingegangen wurde. Wer weiss wie sich das entwickelt hätte….
        Leider ist es jetzt so,Putin kann jetzt nicht mehr anders, trotzdem wird eine Lösung her müssen denn mit Kriegsverlängernden Waffenlieferungen und dem Leiden des Ukrainischen Volkes würde ein Sieg über Russland nicht erkauft werden können und Putin, der kann wirklich nicht mehr anders…

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  • am 8.12.2022 um 21:59 Uhr
    Permalink

    Danke für den Sachlichen Beitrag!
    «Ohne westliche Intervention wäre der Krieg schon zu Ende; »
    Diese Aussage von Johannes Varwick ist schon sehr zynisch. Offenbar hätte er sich gewünscht, dass Russland die Ukraine rasch besiegt hätte. Steht Herr Varwick militärischen Überfällen zum Zwecke der Ausdehnung des eigenen Reiches generell so positiv gegenüber?

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    • am 9.12.2022 um 08:39 Uhr
      Permalink

      @D. Heierli: Auch Ihnen einen guten Morgen.
      Welches immer wieder Angriffskriege führende Militärbündnis hat denn in den letzten 3 Jahrzehnten TATSÄCHLICH sein mit Atomraketen bestücktes «Reich» bis an die russische Grenze ausgedehnt?

      Tatsächlich zynisch sind doch all diejenigen, welche in dem trügerischen Gefühl der eigenen militärischen und wirtschaftlichen Überlegenheit statt Kommunikation, Diplomatie und Verhandlungen, ja auch dem Anerkennen der Bedürfnisse des Gegenüber und den dafür notwendigen Zugeständnissen, eine «Entscheidung auf dem Schlachtfeld» befürworten oder auch nur zu akzeptieren bereit sind – trotz des unübersehbaren Leids der allermeisten Menschen und allen Lebens in den vom Krieg direkt und indirekt betroffenen Gebieten.

      Oder?

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      • am 10.12.2022 um 11:09 Uhr
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        Die Nato hat sich nach Osten erweitert, weil in Osteuropa zahlreiche Staaten das dringende Bedürfnis hatten, der Nato beizutreten. In den Baltischen Staaten ist man im Moment sehr froh über den damaligen Entscheid.
        Auf der anderen Seite gibt es vielleicht Weissrussland (besser gesagt der dortige Diktator Lukaschenko), das wirklich ein Bedürfnis hat, sich an Russland anzulehnen.
        Ich bitte Sie also, meine Kommentare etwas sorgfältiger zu lesen, bevor Sie entgegnen: Das Mittel des militärischen Überfalls zum Zweck der Erweiterung des Reiches ist es, das ich verurteile. Wenn Russland plötzlich so attraktiv erscheinen würde, dass viele Länder in Osteuropa von sich aus einen neuen Warschauer Pakt gründen möchten, dann wäre nichts dagegen einzuwenden.

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      • am 11.12.2022 um 10:27 Uhr
        Permalink

        @D. Heierli: im Gegensatz zu Ihnen spreche ich mich GENERELL gegen Kriege, militärische Überfälle und ähnliche Gewalt aus, egal zu welchem Zweck.
        Kein Zweck heiligt jedes Mittel.

        Was das von Ihnen eingebrachte «dringende Bedürfnis …, der Nato beizutreten» betrifft, Bedürfnisse von Anderen werden heutzutage auch sehr gerne bewusst geweckt, um eigene Vorteile zu erreichen. Unsere Welt ist voll von diesem Phänomen.

        Und zudem, auch Russland wollte ja – in mehreren Anläufen – der NATO beitreten. Unabhängig von der Frage der Berechtigung der NATO nach 1990: Hätten wir heute diese schlimme Situation, wenn Russland nicht so hartnäckig aus dem angedachten Europäischen Haus ausgeschlossen worden wäre?

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    • am 9.12.2022 um 14:20 Uhr
      Permalink

      @ D. Heierli: Die Aussage, dass der Krieg ohne westliche Intervention bereits zu Ende wäre, ist eine nüchterne und überhaupt nicht wertende Feststellung. Daraus den Vorwurf abzuleiten, Varwick stehe militärischen Überfällen positiv gegenüber, ist ungeheuerlich.

      @ F. Sachs: Russlands Krieg ist moralisch sicher zu verurteilen. Ist er aber wirklich, wie immer behauptet wird, auch völkerreichtswidrig? Dazu müsste die Aussagekraft der sog. Feindstaatenklausel der UNO-Charta (Art. 53 und 107) erst mal genauer analysiert werden.

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      • am 10.12.2022 um 11:18 Uhr
        Permalink

        Ob der Krieg ohne Waffenlieferungen des Westens wirklich so rasch vorbei gewesen wäre, ist nicht so klar. Bekanntlich waren es vor allem die Ukrainer selbst, die entschlossen waren, sich zu wehren.
        Die Argumentation von Varwick ist zynisch, weil er völlig ausseracht lässt, dass die Greuel nach Ende des Krieges für die unterlegene Seite keineswegs vorbei sind. Zynisch ist sie auch, weil der Erfolg immer dazu animiert, die Methode auch in Zukunft wieder anzuwenden. Wer militärische Überfälle toleriert, animiert zu weiteren ähnlichen Aktionen.

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      • am 10.12.2022 um 22:15 Uhr
        Permalink

        In einer so vertrackten Situation könnte man mit dem Zynismusvorwurf auch etwas zurückhaltender umgehen. Die Greuel des Krieges und auch die langfristigen Nachwirkungen fallen umso schlimmer aus, je länger das Gemetzel noch weitergeht.

        0
  • am 8.12.2022 um 22:17 Uhr
    Permalink

    Klar ist das ein Stellvertreterkrieg den die USA provoziert hat. Kostet keine eigenen Soldaten und schadet und schwächt Russland. Lange und sauber Medial und mit Einflussnahme vorbereitet . Würden die Russen in Nicaragua oder in Kuba oder gar in Mexico Truppen und Raketen stationieren hätten wir den großen Krieg umgehend…..die Russen haben zu lange auf die westlichen Zusagen vertraut. Wohl ein Fehler.

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    • am 9.12.2022 um 10:25 Uhr
      Permalink

      Hat die USA Putin manipuliert und ihn so dazu gebracht, seine Armee gegen die Ukraine loszuschicken? Wie haben die das nur geschafft? Eventuell über einen in einer Impfung versteckten Mikrochip?

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      • am 9.12.2022 um 21:00 Uhr
        Permalink

        Wer Krieg führt, oder wer andere Krieg führen lässt, oder wer Krieg befürwortet, ist als krank zu diagnostizieren: es gibt keinen fairen oder gerechten oder gesunden Krieg.

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      • am 10.12.2022 um 14:45 Uhr
        Permalink

        Nein, da versuchen die die Psychiatrie für etwas einzuspannen, was nicht zu ihrer Kernkompetenz gehört und was sie schlicht nicht kann. Oder andersrum: Wenn wir die Psychiatrie zwingen, solche erzieherische Aufgaben zu übernehmen, dann verliert sie ihren empanzipatorischen Anspruch. Dann können wir auch gleich das chinesische Sozialpunktesystem einführen.

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  • am 9.12.2022 um 07:33 Uhr
    Permalink

    Seltsam. Sogar die NATO selbst sagt, dass sie die Ukraine unterstützte ‹bis zu deren Sieg und vollständigen Niederlage Russlands›, westliche Politiker betonen, ‹die Ukraine kämpfe nicht nur für sich selbst, sondern für all Demokratien› und ‹die Niederlage der Ukraine sei eine Niederlage der Demokratien gegen die Autokratien›
    Das ist klassische Definition eines ‹proxy war›, d.h. wir sind in einem ‹Stellvertreterkrieg, nach Definition des Westens. Aber sobald Russland sagt ‹wir kämpfen in der Ukraine nicht gegen die Ukraine sondern gegen die NATO, das ist ein Stellvertreterkrieg› wird daraus plötzlich ‹russische Propaganda›.

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  • am 9.12.2022 um 13:18 Uhr
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    Der Begriff «Wortklauberei» (im 1. Kommentar) trifft es gut; Wissenschaft ist eine feine Sache … aber hier gibt’s keine allgemeingültigen Definitionen und Begriffe (wie der Autor selbst zugibt).
    Der Wortwahl «Stellvertreterkrieg» die politische Gesinnung (nämlich pro-russisch zu sein) zuzuordnen, ist ein unhaltbare Schlussfolgerung – sorry.
    Es ist klar – und wurde in (kritischen) Medien aufgezeigt, dass die USA (NATO) Russland in die Ecke gedrängt haben, weil sie Fortsetzung von Rüstungskontroll- und Abrüstungsverhandlungen seit Jahren verweigert haben. Warum wohl?
    (siehe auch : Brzezinski: «Die einzige Weltmacht: : Amerikas Strategie der Vorherrschaft» .
    Viel besser als Worte zu klauben, wäre, wenn sich auch die Wissenschaftler einen Weg überlegen würden, WIE dieser Krieg BEENDET werden kann – auf Verhandlungsweg NICHT durch Sieg der einen oder anderen Seite.

    1
  • am 10.12.2022 um 10:16 Uhr
    Permalink

    An Herrn Müller-Muralt: Wollen Sie zum Frieden finden oder die Kriegsschuldfrage beantworten? Beides gleichzeitig geht wohl kaum.

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  • am 10.12.2022 um 14:24 Uhr
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    Die meisten Kommentatoren sehen offenbar USA/Nato als Verursacher dieser Krise. Ja, die USA sind eine Grossmacht, sie betreiben Grossmachtpolitik, oft rücksichtslos. Aber die Ukraine ist nicht einfach ihr Instrument. Sie hat eine lange, furchtbare Geschichte mit Russland – die ist zu berücksichtigen: Unterdrückung ihrer Sprache und Kultur im Zarenreich, Zerschlagung der Republik 1918-19, Holodomor 1932-33, mit Millionen von Toten, Hundertausenden von Deportierten. Kein Ukrainer kann Russland neutral ansehen: Putin sagt schon lange, die Ukraine gebe es nicht. Er akzeptiert auch die Souveränität der baltischen Länder nicht. Kein Wunder, dass die anderswo Schutz suchten. Die sog. Osterweiterung der Nato geschah weitgehend auf Drängen der betr. Länder. Man lese die Geschichte der baltischen Länder, Polens, Finnlands. Die Osterweiterung ist Folge der russischen imperialistischen Politik, nicht ihre Ursache. Das alles macht die USA nicht zum Unschuldsengel, aber es sind gewichtige Gründe.

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    • am 11.12.2022 um 10:13 Uhr
      Permalink

      @Kurt Schwob: Davon mag einiges zu bedenken sein, wenn auch nicht alles.

      Doch – abgesehen davon, dass wegen der fragwürdigen Art der Auflösung der SU viele Ukrainerinnen und Ukrainer ethnische Russen sind (waren), für die Ihre Argumente gar nicht zutreffen – wie viele Jahrhunderte wollen wir denn in der Geschichte zurückgehen, um heutige Angst, Hass, Gewalt und Kriege zu rechtfertigen?

      Wie lange wollen wir in einer zunehmend globalisierten und ethnisch immer gemischteren Welt noch Nationalismen und daraus resultierende Ressentiments pflegen, die erfahrungsgemäss immer wieder neue Kriege hervorrufen?

      Sollten wir nicht erst einmal die aktuellen Möglichkeiten und die aktuellen Gründe für die Entstehung von Konflikten und Gewalt betrachten, statt diese zu ignorieren und lieber in die Geschichte zu blicken?

      Sollten wir nicht beginnen, der Kooperation zwischen Menschen und Völkern mehr Bedeutung beizumessen als der Konkurrenz und Konfrontation – wenn wir als Menschheit überleben wollen?

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