Wie schaffen wir fruchtbaren Wettbewerb?

Christian Müller © aw

Christian Müller /  Alte, Frauen und Kranke sollen höhere Krankenkassen-Prämien bezahlen als Junge, Männer und Gesunde. Wollen wir das?

Zur bevorstehenden Abstimmung zu einem geforderten Systemwechsel im Krankenkassen-Bereich kann man mit gutem Grund unterschiedlicher Meinung sein. Nicht zuletzt deshalb empfiehlt es sich auch, sich über Vor- und Nachteile – oder sagen wir: über behauptete Vor- und Nachteile – der beiden Systeme zu informieren.

Ich auf alle Fälle versuche, die Argumente beider Seiten zu verstehen. Und was finde ich da? In einem Text mit dem Titel «Wie schaffen wir fruchtbaren Wettbewerb?» lese ich wörtlich: «Für bessere Qualität und tiefere Kosten im Gesundheitswesen brauchen wir echten Wettbewerb. Dazu bedarf es zweierlei: erstens der Aufhebung der Einheitsprämien und eines Übergangs zu risikogerechteren Prämien. Dazu könnten die Prämien für Alte, Frauen und Kranke erhöht werden.»

So ist das also. Wir brauchen den privatwirtschaftlichen (»fruchtbaren») Wettbewerb, damit den Alten, den Frauen und den Kranken höhere Prämien in Rechnung gestellt werden können!

Irgendeinmal habe ich gelernt, dass wir uns in unserer europäischen Kultur an den sogenannten Generationenvertrag halten: an die Regelung also, dass die Generation der Kinder und Jugendlichen, wo noch kein Geld verdient wird, Unterstützung erhält – zum Beispiel in Form von Schule und Ausbildung, dass die Generation der Werktätigen zwischen 25 und 60 mehr ans Gemeinwesen zahlt, als sie zurückerhält, und dass die Betagten, die nicht mehr werktätig sind, wieder mehr erhalten als sie zahlen. Ein sinnvoller, menschenwürdiger Ausgleich über die Generationen!

Und nun soll also der Ausgleich zwischen Alt und Jung, zwischen Mann und Frau und zwischen Gesunden und Kranken durch unterschiedliche Prämien bei der Krankenversicherung abgeschafft werden? Damit endlich «fruchtbarer Wettbewerb» entsteht?

Der Mann, der die oben zitierte Stelle geschrieben hat – ja, es ist ein Mann! – ist nach eigenen Angaben Professor für Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Fribourg/Freiburg und heisst Reiner Eichenberger. Aus theoretischer Sicht und aus Sicht der Finanzpolitik mag er vielleicht Recht haben. Aber wollen wir uns die Ratschläge für die kommende Abstimmung wirklich bei einem Finanz-Theoretiker an der Uni holen?

Ich zumindest habe mir nie Sorgen darüber gemacht, dass ich meine Krankenkassen-Prämie, so wie sie eben war, bezahlen musste, obwohl ich, mit einer Ausnahme, nie krank war. Dass davon eine Frau, ein alter Mensch oder eben gar ein kranker Mensch wiederum profitieren konnte, war, so dachte ich mir, ja im Sinne des Erfinders der Krankenkasse.

War ich da einfach zu naiv?

PS: Der Text von Prof. Reiner Eichenberger steht im Kundenmagazin der CSS Versicherung 3/2014


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Keine

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Einheitskasse_Trend

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23 Meinungen

  • am 6.09.2014 um 12:39 Uhr
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    Darum habe ich Ja gestimmt,zur Einheitskasse.Das Lieblingsspiel der heutigen Kassen ist die Hand zu beissen die sie füttert.Jahrzehntelang geht man nie zum Arzt und zum Dank wollen sie jetzt höhere Prämien für uns Alte.
    90 % der Lohnbezüger bei den KK sind Parasiten.
    Wenn all die Leute in den Verwaltungen einer seriösen Arbeit nachkämen,müssten wir uns nicht mit derartigen Müllinitiativen wie «Ecopop» herumschlagen.

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  • am 6.09.2014 um 14:58 Uhr
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    Ich halte Sie nicht für naiv, Herr Müller. Ich kann Ihre Überlegungen nachvollziehen. Ich finde es jedoch problematisch, Frage der Solidarität mit der Einheitskassenabstimmung vom 28.9. zu verknüpfen. Die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken und zwischen Jungen und Alten steht hier nicht zur Diskussion. Kürzlich hat das Parlament den sog. Risikoausgleich in der Grundversicherung weiter verfeinert, um die politisch umstrittene bzw. unerwünschte Risikoselektion einzudämmen. Die Krankenversicherungs-Branche befürwortet diesen Schritt. Gleichwohl kommen wir wir nicht umhin, die Ausgestaltung der gesetzlich verankerten Solidarität immer wieder zu diskutieren und zu fragen, ob die Grenzen neu zu ziehen sind, weil sich auch die Rahmenbedingungen verändert haben. Wo fängt die Solidarität an und wo hört sie auf? Das ist eine schwierige, bisweilen hoch emotionale Frage, weil es um soziale Gerechtigkeit, die man je nach individueller Situation anders beurteilen kann. Die Politik macht oft einen grossen Bogen darum, weil man sich an einer heissen Kartoffel die Finger verbrennen kann. Da sind Impulse von Ökonomen wie von Reiner Eichenberger ein willkommener Gedankenanstoss und sicher nicht mehr oder weniger wervoll, wenn sie in einem Publikums-Medium erscheinen oder in einem Krankenversicherungs-Magazin. So lange das sachlich & transparent erfolgt, sehe ich darin kein Problem. Ich rede hier auch aus eigener Erfahrung, denn ich betreibe Krankenversicherungs-Kommunikation (nicht CSS).

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  • am 7.09.2014 um 12:12 Uhr
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    Da müsste es sich wahrscheinlich um einen Verschrieb handeln, es muss heissen: «Wir schaffen furchtbaren Wettbewerb!

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  • am 7.09.2014 um 12:18 Uhr
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    Solidarität der Gesunden mit den Kranken, ob Jung oder Alt, Frau oder Mann, ist der wichtige Baustein in der Krankenkassen-Grundversicherung.
    Zum Glück bin ich gesund, ein Prämien-Netto-Zahler. Was mich ein wenig stört: Raucher, Drogenabhängige und Alkoholiker u. a. – auch weibliche – sollten (präventiv betreut) darauf hingewiesen werden, dass sie mit ihrem Verhalten ihre Gesundheit gefährden und so der Gesellschaft Mehrkosten aufbürden; ein Prämienzuschlag von 10 % wäre gerechtfertigt.
    Ich habe für die Öffentliche Krankenkasse gestimmt. Warum? Ursprünglich haben sich Bürgerinnen und Bürger in Vereinen organisiert, um ihre Gesundheit solidarisch – Miteinander Füreinander – zu gewährleisten. Aktuell sind die 61 Krankenkassen mehrheitlich profitorientierte Aktiengesellschaften, die mit einem riesigen Verwaltungsapparat, hohem Werbeaufwand und der Jagd nach kleinen Risiken hohe Fixkosten verursachen und Managerlöhne zahlen, die teilweise die Honorare von Bundesräten übertreffen. Vom Service Public haben sich unsere Krankenkassen schon lange verabschiedet.
    Mit der Annahme der Initiative Öffentliche Krankenkasse werden Arbeitsplätze verschwinden, künftig nicht im sehr wichtigen Pflege- und Betreuungsbereich, sondern im aktuell aufgeblähten Verwaltungsapparat der Krankenkassen. Diese Leute werden dank guter Vernetzung – sog. Vitamin B – rasch eine neue Stelle finden. Um sie müssen wir uns wirklich nicht sorgen.

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  • am 7.09.2014 um 14:29 Uhr
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    Lieber Herr Herrmann: Dass sich die Krankenversicherer in den letzten 100 Jahren verändert haben, ist eine Tatsache. Die zunehmende und weiter steigenden Professionalisierung ist die Folge gesellschaftlicher Entwicklungen und wachsender regulatorischer Anforderungen. Das hat auch sehr viel positives für die Versicherten. Ich bedaure, dass Sie kein gutes Bild von unserer Branche haben und respektiere, dass Sie eine andere Meinung haben. Dennoch will ich einem Punkt dezidieret wiedersprechen: In der Grundversicherung gibt es keine Gewinne. Fällt die Jahresrechnung positiv aus bzw. übersteigen die Prämieneinnahmen die Kosten für medizinische Leistungen (95%) und für den Verwaltungsaufwand (5%), dann bleibt das Geld im Kreislauf der juristischen Gesellschaft, die die Grundversicherung durchführt, und tragen so zur Dämpfung der Prämien im Folgejahr bei. Der Gewinn geht also weder an die Aktionäre noch an die Mitarbeitenden der Krankenversicherung. Das wird leider immer wieder falsch dargestellt.

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  • am 7.09.2014 um 15:21 Uhr
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    Wenn es keine Gewinner gäbe,würde das System nicht derart hartnäckig verteidigt.Die fetten Löhne der Bonzen. Frontrunnig bei der Anlage der Reserven.Die Architekten eurer Paläste.Die Drucker eures Werbemülls.Das Personal das seine Arbeitszeit im Netz vertrödelt. Die Liste ist endlos.Ihr seit überflüssig wie ein Kropf.

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  • am 7.09.2014 um 15:36 Uhr
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    Lieber Herr Hartmans, Bilanzen und Erfolgsrechnungen der Krankenkassen werden ja nicht detailliert offen gelegt; Sie wissen, was ich meine. Oder irre ich mich? Noch ein Beispiel, unter vielen anderen! Können Sie mir erklären, wieso die Medikamentenpreise inkl. MWST 2.5 % in der Schweiz wesentlich höher sind als zum Beispiel in Deutschland inkl. 19 % MWST? Die Pharma-Industrie hat eine starke Lobby in den beiden Räten. Und diese Leute leisten kaum unentgeltliche Freiwilligenarbeit, sondern belasten unser Gesundheitswesen zusätzlich. Wer sich grundsätzlich wirtschaftsethisch verhalten will, muss befürworten, dass nicht alle gesellschaftlichen Bereiche (profitorientiert) kommerzialisiert werden können, sondern im gesellschaftlichen Interesse unseren Einwohnerinnen und Einwohnern Hilfe zur Selbsthilfe (Pflege, Betreuung, viel Lebensqualität und Selbstverantwortung dank guter Gesundheit und tragbaren Lebenskosten) – u. a. auch im Gesundheitswesen – anbieten müssen.

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  • am 7.09.2014 um 21:26 Uhr
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    Lieber Herr Herrmann: Bei Helsana legen wir grossen Wert auf Transparenz und veröffentlichen daher ER und Bilanz. Überzeugen Sie sich selbst: http://www.helsana.ch/de/helsana-gruppe/unternehmen/blog-berichterstattung.

    Betreffend Medi-Preise: Die werden zwischen Bund und Pharmaindustrie ausgehandelt. In unserer Rolle als Treuhänder der Versicherten kämpfen wir Krankenversicherer dafür, in die Preisbildung mit einbezogen zu werden. Denn es kann nicht sein, dass diejenigen, die am Ende die Zeche bezahlen, einfach aussen vor gelassen werden. Wir haben nicht einmal ein Einspracherecht.

    Ob die Freiwilligenarbeit generell rückläufig ist, kann ich zu wenig beurteilen, stimme Ihnen aber zu, dass dies eine hervorragende Sache ist. Bei Helsana versuchen wir das Kader für dieses Thematik zu sensibilisieren, indem wir Freiwilligenarbeit in Alters- und Pflegeheimen leisten. Das kommt auf beiden Seiten gut an, obwohl uns von einigigen Heime zum Teil sehr grosse Skepsis entgegen schlägt. Ich glaube, man traut unserer Branche zu wenig über den Weg und meint, wir hätten hier irgendwelche Hintergedanken. Das ist aber nicht der Fall. Ebenso wenig wie die Vermutung von Herrn Rothenbühler (siehe Beitrag oben), dass Krankenversicherungen kriminelle Organisationen sind. Meine Kolleginnen und Kollegen bei Helsana sind so anständig wie Sie und ich und versuchen jeden Tag das Beste für unsere Kundinnen und Kunden. Leider kommt das noch nicht überall an. Aber wir geben nicht auf… 🙂

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  • am 7.09.2014 um 22:03 Uhr
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    @Hartmanns: Punkto Risikoausgleich, welche Versicherer wie CSS, HELSANA etc. angeblich so bereitwillig & grosszügig akzeptieren handelt es sich leider nur um eine gezielte weitere ökonomische Mauschelei der Krankenversicherer auf Kosten der Versicherten und Patienten der OKP:

    "Selbst unter Verwendung von Pharmaceutical cost groups (PCG sind indirekte Hinweise auf die Diagnosen, also Insulin PCG = Diabetes mellitus) steigt der Erklärungsgehalt des Modells für die Versichertenkosten nur auf 30%. Dies bedeutet: die Jagd auf gute Risiken wird praktisch unverändert weiter gehen, denn eine Verbesserung der Risikoausgleichsformel von 11% auf 21% erklärt weiterhin rund 80% der Versichertenkosten nicht.» (http://physicianprofiling.ch/VEMSVersorgungssicherheit032014.pdf)

    Herr Hartmans als Leiter der Kommunikation von HELSANA verschweigt diese Tatsache leider! Bitte nehmen Sie endlich zu diesen Problemen Stellung und täuschen Sie die Versicherten und Patienten nicht länger, um, wie in diesem Artikel aufgeführt, alte Mitmenschen, Frauen und Kinder zu benachteiligen. Eine Einheitskasse wäre gegenüber diesen Versicherten sicher sozialsolidarischer, weil man dann nicht mehr in diesem Pseudowettberb der 61 Versicherer auf der Jagd nach einer möglichst günstigen Prämie für gute Versicherungsrisiken stehen würde! Es gilt somit trügerische Wahlfreiheit gegenüber Solidarität abzuwägen, denn niemand ist davor geschützt, zum teuren Versicherungsrisiko zu werden. Spätestens im Alter …

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  • am 7.09.2014 um 22:04 Uhr
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    Lieber Herr Hartmans, wenn Sie grossen Wert auf Transparenz legen, dann teilen Sie uns doch bitte mit, wie viel die Mitglieder der Konzernleitung und des Verwaltungsrates verdienen. Ich habe Bilanz und Erfolgsrechnung 2013 angesehen und bin in dieser Hinsicht (logisch) nicht fündig geworden.

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  • am 7.09.2014 um 22:19 Uhr
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    @Hartmans: Apropos keine Gewinne! Ein Schelm der Böses denkt! Natürlich hat die Zusatzversicherung ein eigenes Gebäude, eine eigene IT-Struktur, Grund- und Zusatversicherer haben sogar getrennte PR und Kommunikationsabteilungen, keine Sekretärin arbeitet sowohl für Grund und Zusatzversicherung. Gruss an alle Quersubventionierungen und das ständige Verhindern des Krankenversicherungsaufsichtsgesetzes KVAG, welches endlich auch in der Grundversicherung Transparenz ermöglichen würde, um die Geldflüsse auf Kosten der Versicherten und Patienten auf deren Rechtmässigkeit überprüfen zu können. Oder haben Sie und die HELSANA etwa etwas gegen das KVAG?!

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  • am 7.09.2014 um 23:28 Uhr
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    @Herr Herrmann: Da haben Sie aber was übersehen. Unter Corporate Governance, Kapitel 7 (Vergütungen) legen wir die Entschädigung von VRP und CEO bzw. von Verwaltungsrat und Konzernleitung offen (http://www.helsana.ch/de/helsana-gruppe/unternehmen/corporate-governance-inhalt?d=s533l1#verguetungen). Obwohl Helsana keine börsenkotierte AG ist, halten wir uns diesbezüglich an die Empfehlungen für Publikumsgesellschaften.

    @Herr Keusch: In einem Punkt haben Sie recht. Wenn die Einheitskasse kommt, erübrigt sich der Risikoausgleich. Dann kann ja auch niemand mehr die Kasse wechseln. Was die Trennung von KVG, VVG und UVG angeht, so ist diese bei Helsana vollständig in eigenen juristischen Gesellschaften mit eigener Betriebsrechnung umgesetzt. Unsere Transparenz ist vorbildlich und wird in den Medien immer wieder positiv vermerkt. Zudem: Wir unterliegen in allen Sparten strengsten Kontrollen. Würde man Grund- und Zusatzversicherung auf komplett von einander getrennten Plattformen betreiben, gingen tatsächlich enorme Synergien verloren. Für die Versicherten würde alles viel komplizierter und teurer. Im übrigen begrüsst Helsana die neuen Regeln in den Bereichen Solvenzsicherung und Corporate Governance sowie die differenzierten aufsichtsrechtlichen Massnahmen, wie sie der Bundesrat im Rahmen des neuen Aufsichtsgesetzes vorsieht. Diese Änderungen können im bestehenden KVG gemacht werden – dazu braucht es kein neues Gesetz (KVAG). Doch das entscheidet letztlich der Gesetzgeber.

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  • am 10.09.2014 um 00:54 Uhr
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    Ich denke, dass die Kassen als «Zahlstellen» einen relativ guten Job geleistet haben und grundsätzlich effizient arbeiten.

    Leider erlaubt das «System» den Kassen kaum anders als über die «Jagd nach guten Risiken» prämienwirksame Einsparungen zu machen. Kassen können nicht durch Präventionsmassnahmen Kosten reduzieren und können auch nicht durch bessere Versorgungs- und Enkaufsmodelle Skaleneffekte bewirken, welche schlussendlich prämienwirksame Kostenreduktionen bewirken könnten.

    Die aktuellen insitutionalisierten Rahmenbedingungen erlauben schlicht und einfach den Kassen nicht sich «makroökonomisch» vernünftig zu verhalten.

    Zugegebenermassen, eine Einheitskasse könnte den nötigen Paradigmawechsel bringen, welcher ökonomische Rationalität in unser Gesundheitssystem bringen würde.

    Wielange brauchen unsere Politiker noch, um diese elementare Frage zu verstehen ? Mit den bestehenden Kassen wäre dies vielleicht sogar zu erreichen. Aber solange die Politik ein rationelles Verhalten zu verhindern weiss, wird wohl bloss die Einheitskasse als Lösungsansatz übrig bleiben.

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  • am 14.09.2014 um 03:14 Uhr
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    Die Illusion der Einheitskrankenkasse.

    1. Der Vergleich mit der Suva hinkt, denn es fielen dort im 2013, lediglich Heilungskosten von 1154 Mio. und Renten Kosten von knapp 500 Millionen (Ca.100 000 Menschen bekommen eine lebenslängliche Rente), an.
    Unsere Krankenkassen geben für das heil des Volkes jährlich ca. 54 Milliarden aus, 50 mal mehr.

    2. Die IV ist noch das schlechtere Beispiel, wir haben ja gesehen welchen Verlust Beamten einfahren können, 15 Milliarden in 54 Jahre. Den Beamten schmerzen die Verluste nicht und dies bei der Verwaltung von einem jährlicher Sockel von ca. 300’000 Bezüger !
    Die soll nun als Vorbild dienen ?

    3. Die Übergangszeit zum Aufbau kostet Millionen wenn nicht Milliarden. Wo schlagen sich diese nieder, bei den Prämien oder bei den Steuern ?

    4. Ein Riesen Moloch der 8’000’000 Menschen „verwaltet“ (wir haben ein Obligatorium), ist eine zu grosse Aufgabe um aus dem „nichts gestampft“ zu werden. Die alten Kassen müssten noch parallel laufen sonst würde das System Kollabieren, auch ein Kosten treibender Faktor.

    Wenn es unbedingt sein muss : …

    Eine Idee wäre eine neue kleine staatliche Kasse (mit nur Online Sitz), aufzubauen in der die Menschen sich freiwillig aus allen Kantone eintragen können. Der Aufbau wäre dann „organisch“ und nicht erzwungen und die könnte „beweisen“ dass sie effizienter arbeitet als alle andere. Mit der Zeit kämen die Versicherte spontan dazu wenn sie sehen dass die es doch besser und vor allem billiger macht !

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  • am 14.09.2014 um 09:43 Uhr
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    Was Versicherungsmolochs betrifft, kann auch die 2. Säule als abschreckendes Beispiel dienen. Hier sind die verwalteten Berträge einiges grösser, die Anlageerträge der Privatassekuranz zugunsten der Versicherten aber etliches kleiner als bei den öffentlich-rechtlichen Kassen.

    Was die Kassen betrifft, hat das BAG eben die neuesten aggregierten Buchhaltungsergebnisse publiziert. Für die individuellen Aufsichtsdaten besteht aber ein Embargo bis nach der Abstimmung (auch nicht gerade transparenzfördernd !).

    Die Bruttomargen der Kassen, welche 2011-12 über 10% betrugen, scheinen per 2013 wieder etwas kleiner geworden zu sein. Was die Solidarität betrrifft werden v.a. Versicherte mit der «ordentlichen» Franchise weiterhin über den Risikoausgleich kräftig «quersubventioniert», sind aber für die Kassen insgesamt immer noch ein Verlustgeschäft (ca 500 CHF pro Versicherten per 2013).

    Die grossen Zahler sind die Versicherten mit «Wahl-Franchisen» (noch etwas über 800 CHF pro Jahr) und die «Bonus-Versicherten» (etwa 1200 CHF). Diese bleiben also wohl noch so etwas wie «gute» Risiken für die Kassen, werden aber immer weniger.

    Versicherungsformen «mit eingeschränkter Wahl», mittlerweile über 60% der Versicherten, waren für die Kassen auch schon einträglicher, leisten aber immer noch fast die Hälfte der «Quersubventionen» (ca eine Mrd, bzw. 204 CHF pro Kopf).

    Bei diesen Versicherten wird offenbar die Jagd auf «gute Risiken» durch «Lockvogelprämien» besonders intensiv betrieben.

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  • am 14.09.2014 um 13:39 Uhr
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    … „Aufhebung der Einheitsprämien und Übergang zu risikogerechteren Prämien“ …

    Diesen Satz von Reiner Eichenberger wird hier „ ideologisch und tendenziös nieder gemacht “ . Ich selbst kann diesen Gedankengang indes teilen, es bedarf nur einer detaillierten Erklärung.
    Wenn Herr Eichenberger obiges sagt meint er bestimmt nicht linear „alle alte und kranke“ mehr zu belasten sondern die jenige die sich risikoreich verhalten und die Allgemeinheit damit zu sehr belasten.

    Ich bin der Meinung dass die Solidarität nicht zu sehr strapaziert werden darf.

    Menschen verhalten sich (leider) sehr unterschiedlich, es gibt vernünftige die sich gesund ernähren, nicht rauchen, sich bewegen, usw. usw. Es gibt aber welche die Drogen und Kiffzeug verbrauchen, sexuelle Risiken eingehen (Aids), extrem Sport praktizieren (verschleiss und Unfall Risiken, die Suva zählt jährlich ca. 263’021 Freizeit verunfallte davon 66 000 beim Schneesport!), Rauchen, Saufen, sich auf dem Sofa kugelrund fressen etc. etc. und dann irgendwann chronisch krank werden.
    Die Allgemeinheit trägt dann die Folgekosten, ist das richtig? Nur weil wir es uns „ethisch und moralisch“ nicht getrauen ein Zeichen zu setzen ?
    Ich bin aber der Meinung dass gewisse schädigende Verhaltensweisen nicht noch zwingend „finanziell belohnt“ werden müssen.
    Und die viel besungene „ Aufklärung & Prävention“ bringt erst Früchte wenn es kräftig ans Portemonnaie geht.
    Aber leider ist die Politik wieder mal zu spät dran, oder gar nicht dran …

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  • am 14.09.2014 um 14:02 Uhr
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    @Bruderer: Apropos Vergleich Versicherer.

    "Den Versicherern kommt von Gesetzes wegen entscheidende Bedeutung zu: stellen, zusammen mit dem Staat, die Finanzierung der Behandlungen sicher und wachen über wissenschaftlich fundierten und administrativ korrekten Einsatz der Mittel. Hier ist eine entscheidende Differenz zwischen Kranken- und Unfallversicherern. Erstere sind für die Folgen inadäquater Behandlung nicht verantwortlich; die Folgen untauglicher Behandlungen haben sie nicht in Form von Renten zu bezahlen, wohl aber in Form von Zusatzbehandlungen zur Schadensbehebung – Zusatzbehandlungen, die aber nur schwer herausgefiltert werden können. Letztere müssen diese Folgen durch – im Vergleich mit den Behandlungskosten – weit höhere Arbeitsausfallentschädigungen und Renten berappen. Dies führt zwangsläufig zu einer unterschiedlichen Sicht auf das Gesundheitswesen und insbesondere seine Finanzierung.» (H. H. Brunner & H. Locher 2011).

    … und wohl auch für den administrativen Verwaltungsaufwand und den daraus resultierenden Kosten.

    Dieser Vergleich OKP, SUVA und IV ist m.E. etwas vom blödsinnigsten, was diese Abstimmungskampagne zur EK zur Vertuschung der wahren Probleme im Gesundheitswesen im jeweiligen polit-ökonomischen Interesse der Befürworter wie Gegner der EK gegenüber uns Versicherten und Patienten der OKP hervorgebracht hat und von Menschen wie Ihnen gebetmühlenartig rauf und runter vertreten wird!

    Packen wir endlich gemeinsam die Grundprobleme an …

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  • am 14.09.2014 um 16:51 Uhr
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    @Hunkeler: Warum wird gerade bei Managed Care Jagd auf gute Versicherungsrisiken betrieben?!

    Weil den so Versicherten bei Vertragsabschluss verschwiegen wird, dass deren Ärzte mind. 10% günstiger behandeln müssen als deren Kollegen ausserhalb solcher Netzwerke. Dafür werden diese Ärzte mit Bonifikationen, Provisionen und Kickbacks belohnt, resp. finanziell entschädigt (Infos Homepage VEMS, Facebook-Gruppe ‚Faire Medikamentenpreise). Zurzeit werden Einsparungen von mind. 15-20% verhandelt! Kosteneinsparungen dank mit Provisionen/Bonifikationen geförderter gezielter oder verzögerter Weiterweisungen oder Behandlungen und Kickbacks bei Medikamentenverordnungen teilen sich die Versicherer und Ärztenetzwerke geheimvertraglich geregelt untereinander auf. Bei einem Anteil von 60% natürlich ein höchst willkommenes und lukratives Quersubventionierungsmodell für die Versicherer. So optimieren sie gezielt deren eigene Wirtschaftlichkeit. Die OKP und einzelnen Patientengruppen kommt dies aber teuer zu stehen (http://physicianprofiling.ch/VEMSVersorgungssicherheit032014.pdf S.6-8).

    Bei der Revision des HMG’s 2. Etappe zu den ‚geldwerten Vorteilen’ im Mai 2012 durch den NR ist es den Krankenkassenlobbyisten zusätzlich gelungen, diese geheimvertraglich geregelten Retrozessionen dieser Billigstmedizin ohne nachweislichen Qualitätsnachweis der Ärztenetzwerke und vollständiger Weitergabe der geldwerten Vorteile der Versicherer an die jeweilig Versicherten des MC-Modells zu legalisieren …

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  • am 14.09.2014 um 16:53 Uhr
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    … Wem hier nun nicht endlich die Augen aufgehen?!

    Unter einer EK könnte diese versorgungs- und behandlungsbeeinflussende, alles in allem leider weiter kostensteigernde Diskriminierung der ‚teuersten’ Risiken dieses Pseudowettbewerbs unter den Kassen erfolgreich entgegnet werden, da man diese Patienten nun angemessen behandeln muss und nicht mehr einfach von Versicherer zu Versicherer abschiebt, oder wenn es eben nicht gelingt, sie dank diesen Verträgen nur noch mit Billigstmedizin versorgen muss!

    Ärzte, die solche Patienten noch wirklich angemessen medizinisch betreuen wollen, geraten dank dem Wirtschaftlichkeitsverfahren der Versicherer so unter Druck, diese ebenfalls leistungsmässig rationieren oder abschieben zu müssen, wenn Sie nicht bestraft werden wollen.

    Letzten Endes Rationierung anstelle von Rationalisierung im liberalen System. Also das, was man bei Staatsmedizin unter einer EK befürchtet. Nur mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass in ersterem die Leistungserbringer und Versicherer von Retrozessionen im Gesundheitswesen auf Kosten der ‚teuersten’ Versicherungsrisiken profitieren.

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  • am 14.09.2014 um 17:24 Uhr
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    Das mit der Einheitsprämie ist eine alte Mär, die noch nie gestimmt hat. Dank unterschiedlichen Franchisen und anderen Rabatten bezahlen 2012 ältere Versicherte ab etwa 60 Jahren 30% bis max 57% mehr als den nationalen Durchschnitt. So werden sie (dank RA) zu «guten» Risiken für die Kassen.

    Frauen bezahlen seit Jahren im Mittel etwa 8% höhere Prämien als Männer.

    Aber es gibt auch massive Unterschiede zw. den Versicherungsformen. So bezahlten Leute mit «eingeschränkter Wahl» 2013 durchschnittlich 2730 CHF, Leute mit freier «Wahlfranchise», aber auch die Leute mit «ordentlicher Franchise» hingegen über 3600 CHF/Jahr.

    Immerhin variiert auch das Gesamtergebnis der Kassen pro Versicherten enorm. Bei der «ordentlichen Franchise» gibts einen durchschnittlichen Jahresverlust von 700 CHF, bei der «Wählbaren Franchise» einen Gewinn von 740 CHF, bei der «Bonus» von 1150 CHF, bei der «eingeschränkten Wahl» aber bloss noch einen Gewinn von CHF 46.74.

    Die einzige Möglichkeit für Versicherer punkten zu können, ist den richtigen Kunden-"Mix» (nach Risikoausgleich) zu finden.

    Die Verwaltungskosten liegen in allen Versicherungsformen zw. CHF 135 und 198. Hier kann auch der stärkste Wettbewerb nicht mehr viel an prämienwirksamen Effizienzgewinnen herausholen.

    Gesamtökonomisch vernünftige Sachen, wie Prävention oder rationellere Versorgung der Patienten sind aber für Einzelkassen kaum ein Thema. Das vergrössert, wenigstens anfänglich, die Kosten und vergrauelt die Prämienzahler.

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  • am 14.09.2014 um 17:39 Uhr
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    @A. Keusch : Im Lichte Ihrer Angaben ist es denkbar, dass die von mir zitierte offizielle KVG-Statistik nicht die ganze Wahrheit erzählt und nicht alle Einnahmen der Kassen korrekt verbucht werden.

    Das zu überprüfen solllte aber die Aufgabe der zuständigen Überwachungsbehörde sein. Leider werden die «Aufsichtsdaten der KVG» vom BAG bis nach der Abstimmung unter Verschluss gehalten. Es wärer schön, wenn auch das Parlament in dieser Richtung etwas vorwärts machen würde. Die alte Pfründenverteilerei ist in einem modernen Staates eigentlich nicht mehr zeitgemäss. Das sollten auch Parlamentarier verstehen können.

    Wenn aber dieser «gordische Knoten» nur über einen Paradigmawechsel in der Form einer Einheitskasse gelöst werden kann, dann soll es eben so sein, selbst wenn dabei etwas an Anpassungskosten anfallen sollten.

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  • am 15.09.2014 um 00:43 Uhr
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    @Hunkeler. Korrigendum: Revision des HMG’s 2. Etappe vom Mai 2014 (nicht 2012).

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