Mobilfunkmast

Gemäss einer Recherche von «Le Temps» soll Swisscom auch beim Mobilfunk mit Huawei zusammenarbeiten © pixabay

Swisscom verheimlichte Zusammenarbeit mit Huawei

Tobias Tscherrig /  Swisscom behauptete stets, sein Mobilfunknetz nicht durch Huawei ausbauen zu lassen. Eine Recherche zeigt das Gegenteil.

Lange behauptete Swisscom, für den Ausbau ihres Mobilfunknetzes keine Produkte des umstrittenen chinesischen Telekommunikationsausrüsters und Hardwareherstellers «Huawei Technologies» zu verwenden. Eine Recherche von «Le Temps» belegt nun das Gegenteil: Demnach integriere Swisscom «viele Komponenten» des chinesischen Konzerns in seine 4G- und 5G-Antennen.

Obwohl die Zusammenarbeit mit Huawei in mehreren Ländern wegen des Verdachts auf Spionage für Peking verboten ist, erhielt der chinesische Konzern grünes Licht für die Zusammenarbeit mit Mobilfunkbetreibern aus der Schweiz. Allerdings hat Swisscom, die sich zu 51 Prozent in Besitz des Bundes befindet, nie zugegeben, sich von Huawei beliefern zu lassen.

Informationen von 5G-Gegnerinnen und -Gegnern

Wie «Le Temps» schreibt, wurde die Zusammenarbeit zwischen der Schweizer Mobilfunknetz-Betreiberin und Huawei dank Informationen aufgedeckt, die von Gegnerinnen und Gegnern der fünften Generation des Mobilfunks (5G) bereitgestellt worden seien. Es handle sich dabei um Menschen, die «sorgfältig die Anfragen für neue Antennen» analysiert hätten. Sie hätten auch Zugang zu öffentlichen Dokumenten, im Falle der Swisscom handele es sich dabei um die «standortspezifische Datenblätter zu Basisstationen für Mobilfunk und drahtlose Verbindungen.»

Der Name von Huawei tauche in diesen Datenblättern zwar nie auf, allerdings seien die Bezeichnungen der einzelnen Antennenmodelle gelistet. Den anonymen Hinweisgeberinnen und Hinweisgebern sei aufgefallen, dass es sich dabei um Modelle handle, die in den Katalogen von Huawei zu finden seien. Die entsprechenden Huawei-Produkte würden sowohl den Standard 4G, als auch den Standard 5G betreffen.

«Le Temps» überprüfte diese Daten und analysierte die Spezifikationen von Antennen in Romont (FR), Sivriez (FR), Mézières (VD) und Payerne (VD).

Swisscom sagte die Unwahrheit

Bislang erklärte Swisscom stets, die Geräte von Huawei nur für ihr Festnetz zu verwenden. In diesem Bereich arbeiten die beiden Unternehmen seit etwa 2012 zusammen: Der chinesische Konzern beliefert Swisscom mit Equipment für die sogenannte «G.Fast»-Technologie, die höhere Geschwindigkeiten im Festnetz ermöglicht. Beim Mobilfunk arbeitet Swisscom nach eigenen Angaben nur mit ihrem Partner, dem schwedischen Unternehmen «Telefonaktiebolaget L. M. Ericsson» zusammen. Obwohl Swisscom in der Vergangenheit schon oft gefragt wurde, ob sie im Bereich der mobilen Netzwerke auch mit Huawei zusammenarbeite, bestätigte sie dies nie.

Wie die «Le Temps»-Recherche nun zeigt, verwendet Swisscom seit mindestens 2018 passive Antennen, deren Komponenten von Huawei hergestellt worden sind. Wie eine Swisscom-Sprecherin gegenüber «Le Temps» sagte, bestünden diese Antennen aber nur aus Komponenten ohne Elektronik und ohne Funkmodule. Der chinesische Konzern liefere damit also einzig Kabel und Metallkomponenten und keine heiklen Geräte. Die Swisscom habe sich an Huawei gewandt, weil ihr schwedischer Partner «Ericsson» die betreffenden Komponenten nicht im Sortiment habe.

Die Swisscom beziehe seine Mobilfunkantennen von anderen ausländischen Firmen, so zum Beispiel vom deutschen Unternehmen Kathrein (im Besitz von Ericsson) und von den amerikanischen Firmen CommScope und Laird. Die meisten dieser Firmen würden passive Elemente liefern, versicherte Swisscom. Im Übrigen laufe die Partnerschaft mit Ericsson weiter, das schwedische Unternehmen bleibe Hauptlieferant der Swisscom.

Die Frage, weshalb die Zusammenarbeit zwischen Swisscom und Huawei nie publik gemacht wurde, liess die Swisscom unbeantwortet. Die Vermutungen von «Le Temps»: «War es ein Versehen in der Kommunikation? Oder war es der Wunsch, angesichts der Spannungen rund um Huawei nicht auf diesen Punkt aufmerksam zu machen?».

Sunrise und Salt: transparenter als Swisscom

Auch «Salt» und «Sunrise» arbeiten mit Huawei zusammen. Aber anders als Swisscom, haben sie die Zusammenarbeit nicht verheimlicht. Sunrise nutzt die Dienste von Huawei seit Jahren für den Ausbau und die Wartung ihres Netzes, Salt arbeitet erst seit einigen Monaten mit Huawei zusammen.

«Huawei beliefert Salt mit der sogenannten Festnetz- und Mobilfunkzugangstechnologie (Funk und Glasfaser), also mit Komponenten, die sich am Rande des Netzes befinden und die den Nutzerinnen und Nutzern den Zugang zu unseren Diensten ermöglichen», sagte eine Salt-Sprecherin gegenüber «Le Temps». Der chinesische Konzern stelle nicht den gesamten Funkzugang für Salt bereit. Auch die Komponenten des Kernnetzes – also die Komponenten, die die Sicherheit des Netzes garantieren, kämen nicht von Huawei.

Grünes Licht vom Bundesrat

Der Bund hat keine Beschränkungen für die Zusammenarbeit von Schweizer Unternehmen mit Huawei erlassen. Im Frühjahr 2019 erklärte der Nachrichtendienst des Bundes (NDB), er habe keine Hinweise auf Spionageaktivitäten des chinesischen Konzerns. Und die USA, die den Kampf gegen Huawei anführen, lieferten für die erhobenen Spionagevorwürfe bisher keine Beweise. Trotzdem steht Huawei in einigen Ländern unter Druck, darunter zum Beispiel auch Grossbritannien und Frankreich (siehe Box am Ende des Textes).

Vor einem Jahr beantwortete der Bundesrat die Frage nach den möglichen Risiken bei einer Zusammenarbeit mit Huawei: «Nach der bestehenden Rechtsgrundlage ist der Bund nicht befugt, auf die Anschaffung von Geräten durch Netzbetreiber Einfluss zu nehmen. Die Anbieter von Telekommunikationsdiensten sind selbst für die Integrität und Sicherheit ihrer Netzwerke verantwortlich. Sie müssen das Fernmeldegeheimnis und den Datenschutz gewährleisten.»

Was Huawei vorgeworfen wird

Huawei wird – vor allem von den USA – immer wieder eine Nähe und eine Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei Chinas vorgeworfen. Klare Beweise gibt es dafür bisher nicht. Nachfolgend einige Vorwürfe, denen sich Huawei ausgesetzt sieht:

  • 2020 berichtete die «Washington Post», Huawei habe zusammen mit dem Pekinger Startup Megvii an einer Gesichtserkennung gearbeitet, die sobald sie eine Person als Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren identifiziert habe, eine Alarmmeldung an die Behörden senden kann. Huawei stelle für die notwendigen Tests unter anderem Kameras, Server, Cloud-Infrastruktur und andere Hilfsmittel bereit.
  • Der neuseeländische Nachrichtendienst untersagte Ende November 2018 dem Telekommunikationsanbieter Spark New Zealand für den Aufbau des neuen Mobilfunkstandards 5G Ausrüstung des Netzkonzerns Huawei einzusetzen. Grund sei ein signifikantes Netzsicherheitsrisiko mit der Möglichkeit der Spionage. Australien untersagte Huawei den Einsatz bereits im Sommer 2018.
  • Im Juli 2014 nahm das taiwanische Unternehmen Hon Hai Abstand vom geplanten Erwerb von 4G-Ausrüstung von Huawei, da die Regierung Taiwans warnte, dies könne Spionage erleichtern und ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen.
  • 2012 wurde Huawei von einem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses vorgeworfen, von der chinesischen Regierung beeinflusst worden zu sein. Da Huawei nicht börsennotiert und die Besitzverhältnisse anlass zu Spekulationen geben, werfen amerikanische Fachleute dem Unternehmen vor, es werde von der Kommunistischen Partei kontrolliert und müsse aufgrund der autoritären Machtstrukturen in China seine Kunden im Ausland ausspionieren. Huawei war in der Vergangenheit selbst Spionageziel des amerikanischen Geheimdiensts NSA.
  • 2012 wurde Huawei in Australien vom nationalen Breitband-Netz ausgeschlossen. Vorwürfe, dass Huawei-Router einfach zu hacken seien, bestätigten sich nicht.
  • 2005 publizierte der Think Thank «Rand Corporation», der die US-Streitkräfte berät, einen Bericht und erklärte, das chinesische Militär sei der Schutzpatron von Huawei.
  • Ein iranischer Partner Huaweis wird verdächtigt, Embargo-Güter in den Iran geliefert zu haben. Dies soll nach Aussagen Huaweis jedoch vor Inkrafttreten der Iran-Menschenrechts-Verordnung geschehen sein. Laut Reuters sei es allerdings nicht auszuschliessen, dass von Huawei produzierte Technik, die vom Embargo umfasst ist, über Dritte in den Iran gelangt sein könnte. Die USA begründen damit die Verhaftung der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou vom 1. Dezember 2018 in Vancouver. Am 28. Januar 2019 erhob das US-Justizministerium Anklage gegen Huawei, zwei Tochterunternehmen und Meng Wanzhou. Die Behörde wirft ihnen in 13 Anklagepunkten unter anderem Verstösse gegen US-Iran-Sanktionen, Bankbetrug, Geldwäsche sowie Industriespionage vor.
  • In der Vergangenheit gab es wiederholt Berichte, denen zufolge in chinesischen Zulieferbetrieben Arbeiter unter 16 Jahren beschäftigt worden sein könnten. Dies widerspreche Arbeitsgesetzen in China.
  • Als Reaktion auf die Kritik an Huawei haben einige Universitäten ihre Zusammenarbeit mit dem Unternehmen eingestellt, darunter die University of Oxford, die Stanford University und das Massachusetts Institute of Technology.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Zum Infosperber-Dossier:

5GNetz

5G-Netze: Nutzen und Risiken

Langzeitwirkungen bleiben unerforscht. Offene Fragen öffnen Raum für Mutmassungen und Angstmacherei.

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2 Meinungen

  • Josef Hunkeler
    am 20. Dez 2020 um 17:41 Uhr
    Permalink

    Bei neuen Produkten sind die Langzeitwirkungen naturgemäss nicht bekannt. Das geht auch so bei neuen Impfstoffen…. „so what ?“

    Das schöne am Huawei-Bashing ist, dass es sich bei all diesen Spionageanwürfen um Wahrscheinlichkeiten handelt. Bei den US-Geräten ist das aber in der Regel bestätigte Gewissheit.

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  • Avatar
    am 21. Dez 2020 um 11:24 Uhr
    Permalink

    Ich weiss nicht mehr genau, aber wie war das damals mit dem Handy von Frau Merkel. Waren das die Chinesen?

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