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Das Matterhorn? Ja, das kennen wir, es ist phantastisch! Die Schweiz? Nein, keine Ahnung. © cm

So wird die Schweiz von aussen gesehen

Christian Müller /  Das «Europa Forum Luzern» fragte namhafte Referenten nach dem Bild der Schweiz im Ausland. Die Antworten lassen aufhorchen.

Kurz vor der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative der SVP am 9. Februar gehen die Meinungen, wie die EU reagieren werde, wenn die Volks- und Ständemehrheit ein Ja in die Urne legen sollte, weit auseinander. Während sich die Befürworter der Initiative überzeugt geben, dass man die mit der EU vertraglich festgelegte Personenfreizügigkeit «nachverhandeln» kann, machen Andere darauf aufmerksam, dass es aus der EU klare Voten gibt, eine Nachverhandlung über die Personenfreizügigkeit werde nicht stattfinden. Die Schweiz könne und müsse selber entscheiden, wohin der Weg führe, in Richtung Europäische Gemeinschaft oder in die Isolation.

Was denken andere Länder über die Schweiz?

Das «Europa Forum Luzern» führte im vergangenen November eine Tagung zum Thema «Swiss Images; Blicke auf die Schweiz» durch. Etliche Diplomaten, Wissenschafter und Journalisten vor allem aus dem Ausland referierten zum Thema und erläuterten ihre persönliche Sicht und meist auch die Sicht ihrer Landsleute. Was kam dabei heraus?

Fast alle geladenen Referenten hatten die nicht ganz leichte Aufgabe, die mehrheitlich schweizerischen Zuhörer im grossen Saal des KKL Luzern ein wenig zu enttäuschen. Denn fast alle bestätigten: Ja, die Schweizer Schokolade kennt und liebt man, ja, die Schweizer Uhren haben einen hervorragenden Ruf, ja, die Schweizer Berge sind als Ferienziel ein Wunschtraum, aber nein, so ungemein wichtig ist die Schweiz für ihre Landsleute auch wieder nicht. Die Schweiz sei eben nicht der Nabel der Welt. Sie sei vielmehr, wenn dieses harte Wort in Luzern aus diplomatischen Gründen auch nur einmal fiel, eine «Quantité négligeable»: eine zu vernachlässigende Grösse. Fazit und Konsens: Die Skipisten in der Schweiz sind perfekt präpariert, die Hotelbetten in der Schweiz sind sauber (wenn auch etwas teuer), die Leute sind wohlerzogen und deshalb auch freundlich. That’s it.

Auch die USA?

Alfred Mettler, Professor für Finanzwissenschaften an der Georgia State University in Atlanta/USA, selber Schweizer, in einem kleinen Dorf am aargauischen Hallwilersee aufgewachsen, befragte im Hinblick auf sein Referat in Luzern seine amerikanischen Wirtschaftsstudenten. Auf die Frage «Was assoziieren Sie mit der Schweiz, können Sie einige Stichworte nennen, kamen – als Tophits! – die Antworten: Banken, Alpen, Schokolade, Uhren. Im Mittelfeld wurden genannt: Skifahren, Neutralität, Käse, Roger Federer, Swiss Army Knife. Weitere, vereinzelte Nennungen: Bildungssystem, Krankenversicherung, bewaffnete Armee, Sprachen, Fussball, UNO, Streetparade, kleine Autos, Schweizergarde. Auf die Frage «Was haben Sie in den letzten 1-2 Jahren über die Schweiz gelesen, gesehen, oder gehört?» lautete die häufigste Antwort: Nichts. Im Mittelfeld: Reiseberichte, »banking related stories” (zumeist unspezifisch). Weitere, vereinzelte Nennungen: Obligatorische Krankenversicherung, Sprachenvielfalt, Privatsphäre.

Mettler fragte seine Studenten auch nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden USA/Schweiz. Auch hier: die meisten Studenten liessen diese Frage unbeantwortet. Im ganzen, schriftlich durchgeführten Frage- und Antworten-Spiel nie erwähnt wurden: der Fall UBS, der Fall Wegelin, der Steuerstreit Schweiz/USA, Resultate von umstrittenen Initiativen, oder auch die «guten Dienste» der Schweiz (Kuba, Iran).

Das Referat des in die USA ausgewanderten Professors gab oft Anlass zum Lachen. Aber auch zum Heulen: das waren die Antworten der US-amerikanischen Intelligenz! Leider hat Alfred Mettler seine Power-Point-Präsentation für die öffentliche Wiedergabe nicht freigegeben. Sein Referat immerhin kann man über die Website des «Europa Forum Luzern» abhören.

Soweit zum Image der Schweiz in den USA.

Und in Europa?

Klar, die Europäer können Schweden und die Schweiz unterscheiden, wissen etwas mehr über die Schweiz als die US-Amerikaner, nicht nur weil sie näher sind. Aber auch die Referenten aus Europa bestätigten: die Klischee-Vorstellungen zur Schweiz herrschen vor. Uhren, Schokolade, gute Skigebiete, Banken – wenn auch bei diesem letzten Stichwort nicht mehr nur positive Bemerkungen zu hören seien. Die auftretenden Diplomaten blieben allerdings professionell, sprich: diplomatisch. Wolfgang Schüssel etwa, ehemaliger österreichischer Bundeskanzler, der sich expressis verbis als «Freund der Schweiz» ausgab, lobte in brillanten Formulierungen 25 Minuten lang die Schweiz über den grünen Klee und forderte sie sogar auf, selbstbewusst zu sein – um dann, ganz am Schluss, in ein paar Sätzen, die Schweiz doch noch daran zu erinnern, dass wir aufpassen müssen, dass Europa nicht untergeht. Und dass deshalb Europa, auch für die Schweiz, künftig öfter die Lösung sein werde als das Problem…

Es blieb, auch hier wieder, dem Wissenschafter vorbehalten, die Realität beim Namen zu nennen. Klaus Armingeon, schweizerisch/deutscher Doppelbürger, seit zwanzig Jahren Professor für vergleichende und europäische Politik an der Universität Bern, machte unverbrämt darauf aufmerksam, dass die Schweiz – als Land – kaum mehr Freunde in Europa hat. «Innerhalb Europa lieben nur die Deutschen die Schweiz», sagte er wörtlich. Das Urteil über die Schweiz laute immer öfter, sie sei eine «fordernde statt eine gebende Quantité négligeable». Eine bedenkenswerte, an der Forschungsfront gewonnene Erkenntnis eines Wissenschafters, der sich über Jahre mit solchen Fragen beschäftigt, und dies nicht nur in Bern (Klaus Armingeon forschte und lehrte auch an Universitäten in Deutschland, in Österreich und in den USA)!

Die Schweiz will’s gar nicht wissen

Die Schweiz mit 8 Millionen Einwohnern gegenüber mehr als 500 Millionen Einwohnern auf Seite der EU. Eine Quantité négligeable eben. Aber das Problem ist, dass es die Schweiz gar nicht interessiert, zu erfahren, wie sie von aussen gesehen wird. Über die Tagung des «Europa Forum Luzern» im November 2013 mit dem Titel «Swiss Images; Blicke auf die Schweiz» mit über einem Dutzend namhafter Referenten berichtete gerademal die Luzerner Lokal- und Regionalpresse, und nur die «Sonntagszeitung» benützte die Gelegenheit, mit Wolfgang Schüssel ein Interview zu machen (siehe unten einige Auszüge daraus). Selbst die NZZ, die in den Programmheften der Tagungen des «Europa Forum Luzern» jeweils als «Premium Medienpartner» aufscheint, berichtete über diese Tagung des Forums nicht. Wobei, es sei hier eingeräumt, die Medien nicht die exakte Widerspiegelung der Schweiz sind, aber immerhin vorgeben, deren Interessen zu kennen und zu vertreten.

Das grosse Schweigen zu diesem Thema kann nur einen Grund haben: Die Schweizerinnen und Schweizer interessiert es einen Klacks, was die anderen Länder über sie denken. Fern jeder Selbstkritik, werfen sie ausländischen Politikern sogar Einmischung in innere Angelegenheiten vor, wenn diese – danach gefragt, notabene! – die realitätsfremde Haltung der Schweiz gegenüber der EU zu kritisieren wagen.

Gäbe es einen Nobelpreis für die beste Nabelschau, die Schweiz wäre gesetzt, als Topkandidat.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

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26 Meinungen

  • am 26.01.2014 um 16:14 Uhr
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    Ich liebe die Autoren von Infosperber. Es gelingt ihnen immer wieder suggestiv und unverblühmt unserer eingebildeten Schweiz den Spiegel vorzuhalten! Christian Müller ist bereits nobelpreisverdächtig. Es gibt nicht Isolation oder Einordnung, es gibt mehrere Varianten dazwischen, auch die SVP will eine solche Variante! Die Klassenbesten sind nicht beliebt, das war schon in der Schule so. Das bei vielen Ausländern, auch Amerikanern, nur Klischee-Vorstellungen existieren, zeugt von deren hohem Ausbildungsstand…..da kann die Schweiz nichts dafür, vielleicht sind aber ihre Politiker zu wenig selbstbewusst! Dass nicht alle US-Studenten nobelpreisfähig sind, versteht sich von selbst und dass man über Sünden (Erpressung der Banken) lieber nicht spricht, versteht sich ebenfalls. Der zitierte Klaus Armingeon mag den Tatsachen schon näher kommen, Deutschland mag die Bedeutung der Schweiz richtig einzuschätzen, ich glaube nicht, dass Deutschland, der unbestrittene Klassenprimus in der EU, auf den Handel mit der Schweiz verzichten möchte. Auch Wolfgang Schüssel hat durchaus vernünftige Gedanken, wahrscheinlich war er der potenteste Referent. Dass die Zeitungen über das Europa-Forum Luzern nicht berichteten, liegt wahrscheinlich an seiner Bedeutung! Und schliesslich noch ein Letztes: Natürlich gehört die Schweiz zu Europa und Europa gehört mit allen Einwandereren auch ein bisschen zur Schweiz. Aber die Schweiz kann wählen, wie sie untergehen will, alleine oder zusammen mit Europa!……

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  • am 26.01.2014 um 21:45 Uhr
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    Ich denke die Schweizer haben gewählt… wir werden das endgültige Aus anschliessend ab 9. Februar 14 erleben. Das wird nicht das 9/11 wie der Untergang der USA, es wird das 2/9 der Schweiz… Bald wird es in Zürich erstmals genügend Wohnungen geben, seit Ende des 2. Weltkriegs, und damit stete Ausbeutung der Häuser-Spekulanten zwangsweise beenden – auch ein Vorteil, für den der dann noch Arbeit hat.

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  • am 26.01.2014 um 22:45 Uhr
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    Wir können nicht wissen, was die EU-Länder tun würden, sollte die Masseneinwanderungs-Initiative angenommen werden. Aber wir müssen auch nicht gleich annehmen, dass uns unsere Nachbarländer und wichtige Handelspartner dann jegliche Gespräche verweigern würden. Die Schweiz mag im grossen Kräftemessen Quantité negligeable sein, doch untergehen muss sie deshalb noch lange nicht. Entscheiden müssen wir für unsere Situation und für unser Land – oder lassen wir es bleiben – wie meist die Mehrheit ?

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  • am 26.01.2014 um 23:06 Uhr
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    Wenn man ein Land mit 8 Millionen Einwohnern und einem BIP von 646.2 Mrd. USD vom Ausland her als «quantité négligeable» bezeichnet, was immerhin Platz 20 weltweit bedeutet, scheint man den Realitätssinn verloren zu haben, vor der Schweiz sind alles sehr grosse Nationen, mit einem Mehrfachen an Einwohnern klassiert. Damit disqualifiziert sich jedermann/jedefrau mit einer solchen Aussage gleich selbst. Wenn dies im Inland geschieht, scheint man unter einem Minderwertigkeitskomplex oder unter zuwenig Selbstwertgefühl zu leiden, das gilt wahrscheinlich auch für unsere Regierung. Kein Land würde sich bei einer solchen Leistung so schlecht verkaufen! Wir sind die Schweiz, mit uns ist immer zu rechnen!
    Im zweiten Fall ist Hopfen und Malz verloren und die bisherigen Verhandlungen sind der Lohn der Regierungsarbeit, leider. Jedes Land hat die Regierung, welche es verdient!

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  • am 26.01.2014 um 23:55 Uhr
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    Chr. Müller sagt: «Aber das Problem ist, dass es die Schweiz gar nicht interessiert, zu erfahren, wie sie von aussen gesehen wird.» Das ist sogar gut so! Gar kein Problem. Wenn Herr Müller in die EU möchte, dann mag ich ihm das gönnen. Tatsache ist, dass die Mehrheit der Schweizer Stimmbürger seit Jahren genau das nicht will. Die Gründe sind nachvollziehbar.
    Wir sind ein eigenständiger Staat, wie zum Beispiel die USA oder Südkorea. Wie Norwegen oder Südafrika. Wir bestimmen, mit wem wir Business machen und mit wem nicht. Zeit, etwas mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Diese dauernde Nabelschau «mögen mich denn die EUropäer» ist geschäftsschädigend. In der EU geht es ausschliesslich ums Geschäft und um die lukrativen Jobs in Brüssel. Wer anderes behauptet, hat seine politischen oder finanziellen Gründe. Das weiss der Bürger.
    Die Konstellation ist perfekt: Der Bundesrat verfügt über den Luxus, Messenger des Suveräns zu sein. Er darf seinen «Amtsgenossen» in der EU zwar sagen, dass er leider nicht des Bürgers Meinung hat, sie aber Kraft seines/ihres Amtes trotzdem zu vertreten hat. Alle sind fein raus, denn die Diplomaten richten es mit Geschick und Fachwissen. Die EU braucht die Schweiz als grössten Handelspartner ausserhalb Europas (nach USA und China). Spätestens nach den Wahlen wird die EU einen weiteren Stich in ihr unsägliches Elitenherz erhalten. Nigel Farage wird England dazu bringen, die EU zu verlassen. Domino ist angesagt. Aber Ch. Müller weiss das.

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  • am 27.01.2014 um 00:05 Uhr
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    @ Herrn Stiefenhofer: da musste ich wirklich lachen, als Sie die USA, neben Süd-Korea, als Beispiel für «unabhängige» Staaten aufführten.
    Dabei hat doch Netanyahu gesagt, es spiele für Israel keine Rolle, wer im Weissen Haus (Wash.DC) sitze…

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  • am 27.01.2014 um 00:06 Uhr
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    Wenn sich jene Kreise, welche die Schweiz als «quantité négligeable» bezeichnen, sich einmal die Mühe nehmen würden, die Wirtschaftszahlen zu studieren, inklusive Kreise aus Deutschland, wenn es dort solche gibt, sähen sie nicht nur alt aus, sondern im wahrsten Sinne des Wortes sogar «Asbach uralt"!! Mit 10 mal soviel Einwohnern erzielt Deutschland, der Exportweltmeister ein BIP, das gerade mal 5.56 mal so gross ist, wie jenes der Schweiz……..Aber natürlich, die Erklärung ist schnell gefunden für unseren Wohlstand, es sind die zugewanderten Ausländer, welche uns all unseren Wohlstand gebracht haben, für eine solche Feststellung würde der Humoristenpreis für grobe Naivität vergeben! Wir werden alsbald sehen, wie naiv unser Land wirklich ist.

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  • am 27.01.2014 um 00:15 Uhr
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    Noch was zum Souverän (über allem stehend): Die EU kennt diesen Ausdruck für ihr EU-Volk gar nicht. Ein solches wäre ihnen auch suspekt und karriereschädigend. Dieses Grüppchen von Eliten benimmt sich wie Gott in Frankreich. Vom Gedanken der 1950er Jahre weit entfernt. Wenn ein (nicht gewählter Chef; er war der einzige Kandidat..) Emanuel Barroso von Frieden und Einheit erzählt, gleichzeitig Griechenland explodiert und Spanien verarmt, bekommt das Zynische ein Gesicht. Wie lange kann die EU den Euro noch halten? Mit den USA und dem Dollar kann man dies nicht mal ansatzweise vergleichen. Die Welt bezahlt mit Dollars. Der Euro ist verschwindend klein und bald obsolet. Das einzige Druckmittel der EU ist eine Druckerei, welcher das Papier ausgeht. Die USA haben immerhin eine Armee, um ihre Forderungen einzutreiben… Nicht ideal, aber immerhin Fakt.

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  • am 27.01.2014 um 05:33 Uhr
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    Wir sollten die EU-Staaten vielleicht mehr darüber aufklären, was die Schweiz für die EU-Staaten heute schon leistet.

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  • am 27.01.2014 um 11:20 Uhr
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    Ich möchte in keinem anderen Land als in der Schweiz leben! Die Aussage von «Prominenten» dass die Schweiz von aussen gesehen eine «quantité négligeable", dh. eine zu vernachlässigende Grösse sei, trifft gar nicht zu! Die Schweiz organisiert seit Jahren das Forum in Davos «Wef", vermittelt zwischen kriegerischen Ländern, organisiert in Genf wichtige Konferenzen etc. Die negativen Äusserungen von aussen sind nur durch einen gewissen Neid zu erklären, dass die Schweiz in der Welt wichtige Aufgaben zu erfüllen hat!

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  • am 27.01.2014 um 11:34 Uhr
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    Die abgedroschenen Phrasen ausländischer «Sachverständigen» werden durch gebetsmühlenartiges Wiederholen auch nicht besser, es wäre deshalb angebracht, wenn das Ausland und ihre Repräsentanten zuerst wieder einmal in den Spiegel schauen würden, dann wären niedrigflurige Sprüche und Phrasen obsolet.

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  • am 27.01.2014 um 12:08 Uhr
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    Die Schweiz ist super! Allen anderen Ländern um Längen überlegen (zugegeben, leider auch in der Selbstmordrate). Als Auslandschweizer, welcher 12 Tage pro Monat die Schweiz als Tourist erleben darf, traue ich mir zu, ein objektiviertes (nicht objektives) Bild der Schweiz zu machen. Als «ausländischer Sachverständiger". Das Bild von Chr. Müller entspricht m.E. eher dem Duckmäusertum der Siebzigerjahre. Ich wünsche mir für ihn und einigen Mitschrei(b)ern etwas mehr Selbstbewusstsein, ohne grad selbstverliebt zu werden. Beweise mir einer, welches Land auch nur annähernd so gut ist wie die Schweiz. Ich war beruflich bisher in etwa 80 Ländern und fliege jeden dritten Tag an einem anderen Kontinent (alle, ausser Südpol). Die Schweiz ist sehr beliebt, clever und respektiert. Dass nicht jeder jedes Detail unseres kleinen Landes kennt, ist logisch. Aber was weiss der Durchschnittsschweizer von Usbekistan, Togo oder Burma? Eben! Es ist Zeit, die Trümpfe auszuspielen. Europa ist klinisch tot. Wozu also einem übrig gebliebenen, zentralen Nervensystem huldigen? Die Schweiz ist ein hervorragender Handelspartner. Für alle 200 Staaten der Welt.

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  • am 27.01.2014 um 14:16 Uhr
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    Das Europa «bashing» der meisten Schreiber hier, wundert mich sehr und scheint von Egoismus und Schadenfreude geprägt. Ja, wollt ihr denn noch einen dritten Krieg der Europa wieder verwüstet? Wo würden wir stehen ohne WWI & WW2? Ähnliche Ursachen, die damals zu den Kriegen führten, belasten auch die Europäische Union in steigendem Masse, weil das Kriegselend überall verblasst ist. Hätte man z.B. in den 70er Jahren begonnen das Nord-Süd-Gefälle (Willy Brandt) ernst zu nehmen würde es besser stehen um viele EU-Länder . Wir Schweizer, abseits stehend, sollten nicht noch Oel in die Feuer giessen, wie leider damals auch…

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  • am 27.01.2014 um 14:37 Uhr
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    Es geht wirklich nicht um Egoimus und Schadenfreude, es geht un Realismus, die Schweiz kann Europa nicht retten, aber sie gehoert natuerlich zu Europa, fragt sich nur mit welcher Intensitaet und Naehe. Vielleicht sollte Europa mehr auf die Schweiz hoeren, als umgekehrt! Darum ist der 9. Februar wichtig!

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  • am 27.01.2014 um 17:30 Uhr
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    ich habe in Deutschland und von 2001 bis 2013 in Frankreich gelebt. Ich kenne die Mentalität einigermassen. Die Bürger haben dort bis auf die Wahlen eigentlich nichts zu sagen. Wahlversprechen werden jeweils bald entsorgt. Der Zustand in den Ländern ist etwas anders als dies die jeweilige classe politique darstellt. Die Schweiz ist ein kleines Land und hat keine «gloriose Vergangenheit» wie die Grande Nation oder Deutschland mit dem 3. Reich. «Macht den Zaun nicht zu weit» sagte einmal ein Weiser. Bescheiden, ohne grosse Worte dafür hart verhandeln, wo immer wir können unsere Stärken ausspielen. Und nicht vergessen: Staaten haben keine Freunde sondern Interessen. Wir waren einmal eingekreist von weit überlegenen Armeen. Wir blieben von der Besetzung verschont, ein gnädiges Schicksal, kluge Verhandlung und Rückgrat durch das Réduit. Das zählt. Auch heute wo uns keine Waffen aber eine sich abzeichnende EU-Diktatur umgibt. Für Moralin hat es keinen Platz.

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  • am 28.01.2014 um 00:36 Uhr
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    Ein zugegebenermassen nicht repräsentatives Stimmungsbild aufgrund mehrerer Indienreisen (1300 Millionen Einwohner): Switzerland, it’s the Paradise! Mit Clichevorstellungen zur Schweiz können die Inder durchaus mithalten. Mit asiatischen Augen wäre dann auch mal die Rolle und Bedeutung der EU zu beurteilen.

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  • am 30.01.2014 um 13:56 Uhr
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    Wenn Herr Müller sich doch mal Gedanken machen würde über seine Parteikollegen, die gerade das Bild einer korrupten Schweiz zementieren.

    *****
    Anmerkung der Redaktion: Christian Müller war noch nie in einer Partei, also hat er auch keine Parteikollegen. Danke für die Kenntnisnahme.
    cm

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  • am 2.02.2014 um 15:49 Uhr
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    @Hertig: «kluge Verhandlungen» und Reduit-Romantik klingt schöner als Mittäter. Sie haben ein Geschichtsbild das 80 Jahre Alt ist, Zitieren von Flüe (Wissen sie ausser diesem Zitat noch etwas von diesem Mann?) und haben vom Bergier Bericht wohl nur den Klappentext gelesen.
    Schade das unser Geschichtsverständnis nicht auf Distanzierung (wie das Deutsche), sonder Glorifizierung unser Vergangenheit beruht.
    Die meisten Kommentare spiegeln genau den überschwänglichen Patriotismus und das übersteigerte Selbstwertgefühl der Schweiz wieder, welches der Autor zwischen den Zeilen kritisiert. Man könnte schon fast von «Choosen People", der Schweiz als «City upon a hill» sprechen, macht es den Anschein.
    In England wird zur Zeit ein Bericht über die Folgen der Einwanderung aus Bulgarien und Rumänien zurückgehalten, die Resultate waren viel zu positiv für die Konservativen. Der Bericht wird wohl erst nach den Europawahlen publiziert.
    Überall geschlossene Augen gegenüber dem Positiven aber offene Ohren für so schöne, komplett erfundene Statistiken wie die 16 Millionen Voraussagen der SVP.
    Würden wir bescheiden unsere Herkunft als Glück, unseren Wohlstand als nicht unhinterfragbar (in den letzten 30 Jahren wurden 1000 Milliarden Dollar illegal aus Afrika verfrachtet, Guess where?) und Einzelfälle nicht als Pauschal ansehen, könnte man auf einer sachlichen Ebene diskutieren. So bleibt nur Hass, Angst und komische Abstimmungsresultate.

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  • am 2.02.2014 um 20:20 Uhr
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    Immer interessant, wenn sich neue Stimmen wie die des L. Herzer zu Wort melden! Was die 1000 Mia. US Dollar mit der Schweiz zu tun haben, muss mir zuerst jemand erklären, vor allem soll sich China für Afrika und deren Bodenschätze interessieren, aber das hat wahrscheinlich mit der zunehmenden Einwanderung in England und Deutschland wenig zu tun. Auch nach Markus Spillmann in der NZZ ist die Schweiz eine Oase!

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  • am 3.02.2014 um 20:54 Uhr
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    Herr Lars Herzer befindet, dass ich ein Geschichtsbild von vorgestern habe. Wie sieht denn sein Geschichtsbild aus? Da gab es doch eine politische Richtung welche einen neuen Menschen machen wollte, und eine andere die einen arischen Menschentyp anstrebte. Damals wurde auch eine neues Geschichtsverständnis verkündet. Vielleicht gefallen ihm die Historiker welche aus der sicheren Distanz der Spät-geborenen (Bergier & Co.) die Leistungen der Kriegsgeneration als sehr fraglich darstellen. Benelux, Frankreich, Norwegen wurden besetzt mit fatalen Folgen. Die Schweiz nicht. Die grossmauligen Ankläger an die Adresse der damals Verantwortlichen wären unter dem gleichen Druck nur
    jämmerliche Versager geworden. Ich habe keine Reduit-Romantik besungen, denn das Reduit hatte ja seinen Preis. Auserwältes Volk, Rosinenpickerei, Verlängerung der Naziherrschaft usw. Leider merken diese Propagandisten nicht welchen Zielen sie dienen.

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  • am 4.02.2014 um 16:34 Uhr
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    "Sicheren Distanz der Spät-geborenen"? Fünf von acht Historiker der Bergier-Komission haben den 2.WK aktiv miterlebt.
    Eigentlich interessant das Artikel über die heutige Betrachtung der Schweiz immer in einer 2.WK Diskussion münden. Irgendetwas muss da latent vorhanden sein: Schuld? Stolz? Ehrverletzung? Aktuelle schwarzrot (braun?) gefärbte Ausländerplakate und Debatten?

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  • am 4.02.2014 um 17:15 Uhr
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    Was wollen Sie mit Ihrem letzten Kommentar aussagen, Herr Herzer?

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  • am 5.02.2014 um 11:06 Uhr
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    Bergier 31 kein Aktivdienst
    Picard 52
    Bartoszewski 22 aktiv im polnischen Untergrund
    Friedländer 32 kein Aktivdienst
    James 56
    Kreis 43 kein Aktivdienst
    Tanner 50
    Voyame 23 Aktivdienst
    Sybil Milton 41
    aktiv miterlebt haben Menschen mit dem Gewehr in der Hand in einer Armee oder im Untergrund. Friedländer war schwer betroffen und überlebte in Kinderheimen.

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  • am 5.02.2014 um 11:21 Uhr
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    Und die Jungen die «vertischet» wurden, und die Flüchtlinge die zurückgesendet wurden, die Familien die getrennt wurden, die Söhne, die für ihre Väter übernehmen mussten, die haben nichts «aktiv» miterlebt? Nur wer im Reduit sass, Übungen bestritt und wartete, der war aktiv?

    Macht nicht wirklich Sinn das Sie weiter oben von den geschickten Verhandlungen der Schweiz reden und hier nur die Gewehrträger (wie viele Schüsse wurden den abgegeben?) als «aktiv» bezeichnen.

    Staaten haben keine Freunde sonder Interessen, schreiben sie weiter oben. Deutschland hatte sehr viele Interessen an einer unversehrten Schweiz, Transporttechnisch (Gotthard, Bahn, Waffenindustrie), Franken war die einzige stabile Währung, verlässlicher Handelspartner. Die Schweiz machte sich aber durch ihr Verhalten (einiger Politiker) Deutschland unnötiger weise zum Freund. Das Interesse der humanitären Tradition (was für Sie wohl kein Interesse, sondern nur störend ist) wurde zu wenig gewahrt. Natürlich ist es einfach, aus sicherer Entfernung zu kritisieren, aber zu akzeptieren und nicht zu hinterfragen ist ebenfalls ziemlich bequem.

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  • am 5.02.2014 um 12:34 Uhr
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    Mein Vater stand als Wachtmeister nördlich von La-Chaux-de-Fonds an der Grenze, ihm gegenüber die SS-Division «Leibstandarte Adolf Hitler". Vielleicht sollte sich Herr Herzer über die Zielsetzung des Réduit ein wenig informieren. Ich sehe keine Veranlassung zu irgendwelchen Schuldgefühlen weil damals nicht alles so gemacht wurde wie das heute einige «gesalbte Moralisten» vielleicht gemacht haben würden! Auch in Deutschland sind immer mehr Enkel der Damaligen nicht mehr bereit sich in Schuld manipulieren zu lassen für die Scheusslichkeiten und Verbrecher der NS-Diktatur. Für mich ist dieser inszenierte Geschichts-Masochismus nicht relevant. Ende der Diskussion meinerseits.

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  • am 5.02.2014 um 13:12 Uhr
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    Larz Herzer hat wahrscheinlich einen Übernamen. Ich empfehle Herrn Hertig sich nicht zu enervieren, er sollte sich nicht provozieren lassen! Herrn Hertig gebe ich recht, nun ist fertig, was sollen diese Anschuldigungen, sie kommen nicht von Herzen. Was sollen diese Aussagen von Lars Herzer?

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