Sperberauge

Freysingers «Diktatur»-Vergleich

Kurt Marti © Christian Schnur

Kurt Marti /  Oskar Freysinger bezirzt das Oberwallis mit seinem nicht-welschen Blut und beklagt sich bitter.

Bisher galt der SVP-Vizepräsident Oskar Freysinger als Unterwalliser Staatsrat. Um nach dem Debakel im ersten Wahlgang seine letzte Chancen zu nutzen, will er vor allem das Potential im Oberwallis ausschöpfen. Deshalb erklärte er gegenüber dem «Walliser Boten»: «Ich habe ja auch gar kein welsches Blut, ich bin Oberwalliser.»

Darauf notierte der «Nouvelliste», Freysinger habe mit dieser Aussage einen Teil der Unterwalliser gegen sich aufgebracht, die nicht drei Oberwalliser Staatsräte wollten.


«Es tut mir leid, aber so weit sind wir» Quelle: Kanal 9

Im Wahlforum des Lokal-TV «Kanal 9» (ab 29.10) wurde Freysinger auf diese Kritik aus dem Unterwallis angesprochen: «Sie sind also für drei Oberwalliser Staaträte?» Freysinger bestätigte erneut, dass er «kein welsches Blut» habe, aber neben dem Oberwalliser Blut auch Saft aus dem Tirol und aus Deutschland. Sozusagen eine echt europäische Mischung.

Aber war diese Bluts-Deklaration «politisch clever», wollte der «Kanal 9»-Moderator Armin Bregy von Freysinger wissen. Dessen Antwort war typisch, er suchte den Fehler bei den anderen und wich der Frage aus: Seine Äusserung sei im Unterwallis gegen ihn «ausgespielt» worden, beklagte er sich bitter. Alles, was er bis zum 2. Wahlgang am 19. März sagen werde, sei «eine Mine», die gegen ihn losgetreten werde.

«Das grosse Problem der heutigen Politik»

Er müsse auf jedes Wort «aufpassen», fuhr er fort. Und das sei «das grosse Problem der heutigen Politik». Die Leute dürften sich «nicht mehr frei ausdrücken, weil sie sonst fertig gemacht» würden. Die «freie Meinungsäusserung» sei «die Charakteristik jeder Demokratie». Man interessiere sich nur mehr dafür, «mit wem hat er gesprochen, wen hat er getroffen. Das machen Diktaturen, die interessieren sich für die Beziehungen. Demokratie interessiert sich für das freie Wort. Es tut mir leid, so weit sind wir.»

Freysingers argumentative Verrenkungen erinnern stark an den Jargon der «Alternative für Deutschland» (AfD). Den Begriff der «Diktatur» verwendet er einzig deshalb, weil seine politisch riskanten Äusserungen auf öffentliche Kritik stiessen. Damit demonstriert Freysinger deutlich, dass er die politische Bodenhaftung verloren hat.

Apropos «Diktatur»:

  • In Freysingers Keller hängt eine Reichskriegsflagge, die ein beliebtes Symbol von Neonazis ist.
  • Freysinger wollte den rechtsextremen Piero San Giorgio als Berater engagieren, der mit Nazi-Sprüchen («Es liegt in unserer Natur, ein Waffen-SS zu sein») und behindertenfeindlichen Aussagen auffiel.
  • Freysinger zelebrierte auf dem Roten Platz in Moskau offen Sympathie für Putins Regime. In einem Interview mit dem «Blick» erklärte er: «Hier (in Russland; Anm. d. Red.) sind die Menschen viel freier als in Westeuropa».

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