Millionaires

US-amerikanische Millionäre haben ganz neue Ideen... © Patriotic Millionaires

Auch Reiche sind manchmal einsichtig

Christian Müller /  Während die Reichen der Schweiz gegen die Erbschaftssteuer aufrüsten, haben einige Reiche in den USA ganz andere Ideen.

Die Schweizer Reichen sind in Panik: Die Volksinitiative zur Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer ab 2012 hat hohe Chancen, angenommen zu werden. Während, wie man lesen kann, bereits Tausende zum Notar rennen, um ihre vollen Schatullen rechtzeitig in Sicherheit – also zum Beispiel bereits ins Eigentum der nächsten Generation – zu bringen, greifen einige Publizisten der Chicagoer Schule gewieft in die Tasten. Die Linken werden dann oft «Umverteilungs-Apostel» genannt, und ebenso beliebt ist, sie als «Neider» in die Schämdi-Ecke zu stellen. So zum Beispiel wieder in der NZZ am Sonntag vom 20. November, wo René Scheu, Herausgeber der Zeitschrift «Schweizer Monat», die Sache so «analysiert»: «Der Grundgedanke der Initianten ist simpel: Wir nehmen von denen, die haben.» Und er fordert die Gegner der Initiative auf, «endlich den Mut zu haben, die scheinheiligen Begründungen der Initianten als das blosszustellen, was sie sind: ein Beitrag zur Neidgesellschaft.»

Zunahme der Einkommen um 281 Prozent

In den USA wiederum gibt es eine ganz andere Bewegung. Einige Reiche haben eine Kampagne unter dem Titel «Patriotic Millionaires for Fiscal Strength» gestartet. Auf einer Website machen sie darauf aufmerksam, dass das reichste Prozent der Amerikaner in der Zeit von 1979 bis 2007 das Einkommen um 281 Prozent erhöhen konnte: «Between 1979 and 2007, incomes for the wealthiest 1% of Americans rose by 281%». Das heisst nicht etwa, dass deren Einkommen von 100 auf 281%, sondern um 281% angewachsen ist, also praktisch auf das Vierfache – und das in 28 Jahren! (Die 20% am unteren Ende der Einkommensskala haben in den gleichen 28 Jahren ihr Einkommen gerademal um 18% erhöhen können.)

Es sei nun endlich an der Zeit, dass auch sie, die Reichen, etwas zum Wohl der USA beitrügen, steht da weiter zu lesen – nämlich in Form von höheren Steuern. Ihr Vorschlag: Einkommen über 1 Million USD sollen mindestens mit 39.6% besteuert werden. Steuerreduktionen für Grossverdiener seien die am wenigsten wirksame Methode, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, heisst es weiter.

Auf der Website haben sich bereits Dutzende von Reichen namentlich eingetragen. Weitere Unterzeichner der Kampagne werden gesucht.

Wer an die eigenen Nachkommen denkt…

Mal sehen, wie sich das in der Schweiz entwickelt. Wer an seine Nachkommen denkt und für sie etwas tun möchte, müsste eigentlich bedenken: Geld ist das Eine. Zu einem glücklichen Leben gehört aber auch eine gesunde und sichere Zivilgesellschaft – und wenn diese erhalten werden soll, darf die Schere zwischen Reich und Arm nicht noch weiter aufgehen.

Nachsatz vom 3.12.2011: Nun hat auch das «Echo der Zeit» über diese Bewegung berichtet. Danke! Ein ausgezeichneter Beitrag!


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Keine

Zum Infosperber-Dossier:

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Reich, arm, ungleich

Grösser werdende soziale Kluften gefährden demokratische Rechtsstaaten.

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