«Arme» Strombranche mit Rekordgewinn

Kurt Marti © Christian Schnur

Kurt Marti /  Laut der neusten Strom-Statistik erzielte die angeblich notleidende Stromwirtschaft einen prächtigen Rekordgewinn.

In letzter Zeit hausiert die Stromlobby mit dem Bettelstab und fordert Milliarden-Subventionen. Die neuste Elektrizitäts-Statistik des Bundesamtes für Energie (BFE) zeigt ein ganz anderes Bild. Noch nie in ihrer Geschichte realisierte die Schweizer Stromwirtschaft einen höheren verteilbaren Gewinn als im Jahr 2013: Sagenhafte 6,229 Milliarden Franken stauten sich in den Kassen der Stromlobby, derweil die Stromkundinnen und Stromkunden zur Kasse gebeten werden, um die angeblich mausarme Strombranche mit Subventionen zu füttern.

«Gratifikationen, Gewinnbeteiligungen, Zuwendungen»

Selbst im absoluten Spitzenjahr 2009 war der verteilbare Gewinn mit 5,552 Milliarden Franken niedriger als im Jahr 2013. Auch beim Reingewinn liegt das Jahr 2013 mit 2,533 Milliarden Franken auf einer Spitzenposition. Nur im Jahr 2009 war der Reingewinn höher. Während die Ablieferungen an die öffentliche Hand im Jahr 2013 auf 153 Millionen Franken schrumpften, wuchs der ominöse Posten «Übrige» von 3,416 Milliarden im 2012 auf bisher nie erreichte 4,661 Milliarden. Dabei handelt es sich um «Gratifikationen, Gewinnbeteiligungen des Personals, Zuwendungen an Wohlfahrtsfonds, Gewinn-/Verlustvortrag auf neue Rechnung, Defizitdeckung durch Staat und Gemeinde».

Reserven stiegen auf 20,8 Milliarden Franken

Doch damit nicht genug! In den Krisenjahren von 2009 – 2013 haben die Strombarone fette Reserven aufgehäuft: In diesem Zeitraum stiegen die Reserven von 14,5 Milliarden Franken auf rund 20,8 Milliarden Franken, also um 43,5 Prozent.

Wenn die nationalen Parlamentarier in Bern an weitere Milliarden-Subventionen für die Wasserkraft denken, sollten sie vielleicht einen Blick in die Strom-Statistik des Bundes wagen. Auf jeden Fall herrscht jetzt akuter Erklärungsbedarf seitens der Strombranche.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Geschäftsleiter, Redaktor und Beirat der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

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Elektrizitätsgesellschaften verdienen am Verkaufen von möglichst viel Strom. Es braucht endlich andere Anreize.

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