Vercorin Bar geschlossen

«Aus aktuellem Anlass sind wir gezwungen, die Disco bis auf weitere Anordnung geschlossen zu halten»: Schild vor dem Club «Le 13» in Vercorin VS. © zvg

Schweigen, vertuschen, lügen: Barbetreiber in Bedrängnis

Esther Diener-Morscher /  Eine Walliser Gemeinde versucht nachzuholen, was sie beim Brandschutz versäumt hat. Doch niemand will Fehler zugeben.

Der Walliser Ferienort Vercorin liegt gegenüber von Crans-Montana auf der anderen Talseite, nur sieben Kilometer Luftlinie entfernt. Auch Vercorin hat ein Skigebiet und Après-Ski-Bars, wo gefeiert wird.

Und auch in Vercorin hätte die Gemeinde – sie heisst Chalais – jedes Jahr Brandschutzkontrollen in den Bars und in allen anderen öffentlichen Betrieben durchführen müssen. Ob sie das gemacht hat, ist unklar. Jedenfalls forderte der Kanton Wallis nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana eilig alle Gemeinden auf, dass sie sofort Sicherheitsprüfungen in jeder öffentlich zugänglichen Einrichtung veranlassen und allenfalls «geeignete Massnahmen» ergreifen, «um jegliches Risiko für Personen und Infrastrukturen zu vermeiden».

Drei Tage später stand vor der Après-Ski-Bar «Le 13» in Vercorin ein Schild mit der Information: «Aus aktuellem Anlass sind wir gezwungen, die Disco bis auf weitere Anordnung geschlossen zu halten.»

Infosperber wollte von der Gemeindepräsidentin Sylvie Masserey Anselin (FDP) wissen, warum das Lokal geschlossen worden ist und wann dort die letzten Brandschutzkontrollen stattgefunden hätten.

Die Gemeindepräsidentin schickte die Anfrage direkt dem Bar-Besitzer

Innert Kürze meldete sich jemand bei Infosperber. Allerdings war es nicht die Gemeindepräsidentin – sondern der Besitzer der Bar, José Fernandes. Keineswegs habe er sein Etablissement wegen fehlender Kontrollen schliessen müssen, versicherte dieser. Es sei Nebensaison und er habe die Bar im Gedenken an die Opfer von Crans-Montana nicht geöffnet. Er äusserte gar den Verdacht, dass ihn ein Konkurrent fälschlicherweise an den Pranger stellen wolle. Wie alle seine Lokale – er besitzt im Wallis mehrere, darunter auch eines in Crans-Montana – sei «Le 13» jedes Jahr kontrolliert worden. Alle anderen Behauptungen seien «des mensonges» – also Lügen.

Infosperber hakte nach und fragte, warum es dann auf dem Schild heisse, dass man «gezwungen» sei, die Bar «bis auf weitere Anordnung» geschlossen zu halten.

Die erste Erklärung des Besitzers: Er habe seinem Pächter die Schliessung angeordnet. Infosperber fragte nochmals nach – dieses Mal wieder bei der Gemeindepräsidentin –, ob sie diese Angaben des Bar-Besitzers bestätigen könne. Sie gab keine Auskunft. Dafür meldete sich wieder der Besitzer. Dieses Mal behauptete er nicht mehr, dass seine Lokale «jährlich» kontrolliert würden, sondern nur noch «regelmässig».

Und er räumte ein, dass er «Le 13» nicht nur im Gedenken an die Opfer geschlossen habe, sondern bei der Gemeinde «eine ausserordentliche Kontrolle erwirkt» habe. Bei dieser Kontrolle sei alles in Ordnung gewesen – ausser, dass bei zwei Lämpchen die Batterie ersetzt werden müsse.

Trotzdem werde er die Bar nicht mehr öffnen.

Nun kommen die Mängel an den Tag

Crans-Montana ist kein Einzelfall: Der Brandschutz wird auch anderswo vernachlässigt. Zwei weitere Beispiele:

Leytron ignorierte Warnungen jahrelang: Seit 2010 war in der Walliser Gemeinde Leytron bekannt, dass der 500 Personen fassende Mehrzwecksaal nicht brandsicher ist. Das Westschweizer «RTS» zeigte, dass die Gemeinde trotzdem jahrelang nichts unternommen hat – weil sie «eine effiziente Raumnutzung sicherstellen wollte».

Nach Kontrollen in Wengen: «Die sy gsecklet wie blöd»: Kurz vor den Lauberhornrennen veranlasste die Berner Gemeinde Lauterbrunnen Brandschutzkontrollen in Wengens Gastrobetrieben. Das Resultat: In jedem Betrieb gab es fünf bis zehn Mängel zu rügen – zum Teil gravierende, wie zugestellte Fluchtwege oder untaugliche Feuerlöscher. Das erklärte der Lauterbrunner Gemeindepräsident Karl Näpflin gegenüber dem «Regionaljournal von SRF». Die Betreiber seien nach den Beanstandungen «gsecklet wie blöd», um die Mängel zu beheben, sagte Näpflin. Denn die Rennen am Lauberhorn seien im Januar die Haupteinnahmequelle. Die Nachkontrollen hätten deutliche bessere Resultate ergeben.


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