NATO_Defender_2021

Die NATO ist stolz auf Ihre jährlichen Grossmanöver an der russischen Grenze. © NATO

USA und NATO: Neue Kriegsübungen gegen Russland

German Foreign Policy /  Ausgerechnet jetzt: USA und NATO kündigen neue Grossmanöver gegen Russland an – mit deutscher Beteiligung.

Inmitten der eskalierenden Spannungen zwischen dem Westen und Russland kündigt das Pentagon das nächste Defender Europe-Grossmanöver zum Training eines US-Aufmarschs an der russischen Grenze an. Defender Europe 22 wird laut NATO-Angaben im Mai beginnen und bis Mitte Juni andauern; laut Auskunft des Pentagon ist die Beteiligung von gut 33’000 Soldaten aus 26 Staaten geplant. Auch die Bundeswehr ist involviert. Dabei ist das Manöver, das die schnelle Verlegung grosser Kampfverbände aus den USA bis nach Ost- und Südosteuropa probt, nur eine von diversen Kriegsübungen von NATO-Staaten, die sich in den nächsten Monaten gegen Russland richten. Sie beinhalten Seekriegsmanöver auf der Ostsee, Luftlandeoperationen nahe der russischen Grenze oder die Jagd auf russische U-Boote im Mittelmeer und im Nordatlantik. Zudem ist die dauerhafte Stationierung von NATO-Bataillonen in Rumänien und Bulgarien im Gespräch. Die Bundeswehr hat erst kürzlich – auch, um ein Zeichen zu setzen – angekündigt, in Litauen für ihre NATO-Battlegroup eine Kaserne zu bauen.

Defender Europe 22

Inmitten der eskalierenden Spannungen zwischen dem Westen und Russland kündigen die Vereinigten Staaten die nächste Übung ihrer Manöverserie Defender Europe an. Laut Angaben der NATO wird Defender Europe 22 am 8. Mai beginnen und am 16. Juni zu Ende gehen. Schwerpunktländer sind demnach, wie schon 2020, Polen und die baltischen Staaten. Das Pentagon kündigt die Teilnahme von 33’000 Soldaten aus 26 Staaten an; von einer „signifikanten Beteiligung der US-Luftwaffe und der US-Marine“ ist die Rede. Kern ist wie in den Vorjahren die schnelle Verlegung von US-Truppen über den Atlantik und ihr weiterer Vormarsch in Richtung russische Grenze; dabei sollen die beteiligten Truppen auch zeigen, dass sie in der Lage sind, schnell zu Kampfhandlungen überzugehen. Dazu sind diverse Anschlussmanöver geplant. Der NATO zufolge wird Defender Europe 22 mit einer Flussüberquerung multinationaler Kräfte in Divisionsstärke zu Ende gehen. Das steht der Behauptung des Pentagon entgegen, die Kriegsübung sei ausschliesslich defensiv orientiert. Zur Einordnung urteilt das US-Verteidigungsministerium, das Manöver sei ein Beleg für die Fähigkeit der USA, in Europa in einem weiten Bogen zu operieren – „im hohen arktischen Norden, im Ostseeraum, im Westbalkan und in der Schwarzmeerregion“.

Auch Russland hat Manöver angekündigt

upg. Russland kündigte vor einer Woche gross angelegte Marinemanöver an. An den Übungen nehmen nach Angaben des Verteidigungsministeriums bis Ende Februar mehr als 140 Kriegsschiffe , 60 Kampfflugzeuge und über 10’000 Soldaten teil. Die Übungen würden sich auf die an das russische Hoheitsgebiet angrenzenden Meere erstrecken sowie auf operativ wichtige Gebiete der Weltmeere. Neben der Nordsee wurden noch das Ochotskische Meer in der Arktis und nördliche Gebiete des Atlantiks genannt.

An der östlichen Flanke

Die NATO und die US-Streitkräfte kündigen zudem für die kommenden Monate zahlreiche weitere Manöver in Europa an – in aller Regel Übungen im Rahmen von Manöverserien, die seit Jahren abgehalten werden. Angelaufen ist laut NATO-Angaben die US-Übung Saber Strike, die bis zum 1. April andauert und schwerpunktmässig in Polen, den Baltischen Staaten und Tschechien gemeinsam mit den dortigen Streitkräften stattfinden soll. Saber Strike zielt darauf ab, die Interoperabilität zu stärken und „die Operationsreichweite“ der US-Truppen „entlang der östlichen Flanke der NATO“ zu vergrössern. Die zur Zeit alle zwei Jahre durchgeführte Übung hatte 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie abgesagt werden müssen. 2018 nahmen ungefähr 18’000 Soldaten aus 19 Staaten an ihr teil; geübt wurden damals auch offensive Operationen – ausser Flussüberquerungen etwa auch eine Luftlandeoperation. Für Polen und die baltischen Staaten kündigt die NATO darüber hinaus für Juni das Manöver Ramstein Legacy an, laut Angaben des Militärbündnisses die grösste integrierte Flug- und Raketenabwehrübung der Welt. Gleichzeitig wird in der Ostsee das US-Manöver BALTOPS abgehalten werden. An der Übung nahmen im vergangenen Jahr gut 4’000 Soldaten aus 18 Staaten mit 40 Kriegsschiffen und 60 Flugzeugen teil. Für September wird dann das US-Manöver Northern Coasts ebenfalls in der Ostsee angekündigt. Dabei geht es laut der NATO um heftige Kampfhandlungen auf allen Ebenen.

Die NATO auf U-Boot-Jagd

All diese Manöver orientieren auf das östliche Bündnisgebiet und werden zu einem guten Teil dort durchgeführt. Sie haben etwaige bewaffnete Auseinandersetzungen mit Russland im Blick und beinhalten zumindest teilweise offensive Operationen. Auf einen möglichen Krieg gegen Russland orientieren auch andere Manöver, deren Schauplätze weit von russischem Territorium entfernt sind. So kündigt die NATO für Februar „Dynamic Manta“ (Mittelmeer) und für Juni „Dynamic Mongoose“ (Europäisches Nordmeer) an. Beide trainieren die U-Boot-Jagd und haben dabei Seegebiete im Visier, in denen russische U-Boote in Richtung Westen ausbrechen und dort transatlantische Nachschublinien attackieren könnten: Während es die NATO im Mittelmeer womöglich mit U-Booten der russischen Schwarzmeerflotte zu tun hätte, geht es im Nordmeer darum, U-Boote der russischen Nordflotte am Ausbrechen durch die „GIUK-Lücke“ (Grönland, Island, Vereinigtes Königreich) und an anschliessenden Angriffen auf US-Nachschub auf dem Weg über den Atlantik nach Europa zu hindern. Im März führt Norwegen ein Manöver („Cold Response“) in einer Region (Ofoten) durch, die für die Kontrolle des Nordmeers erhebliche Bedeutung besitzt. Die Übung soll, wie schon im vergangenen Frühjahr bekannt wurde, mit rund 40’000 Soldaten das grösste Arktismanöver seit den 1980er Jahren sein.

Neue NATO-Battlegroups

Zusätzlich zu den Manövern wird aktuell über einen weiteren Ausbau der NATO-Stellungen in Südosteuropa diskutiert. Das betrifft nicht die zu Wochenbeginn lautstark angekündigte Entsendung von Kampfjets nach Rumänien und Bulgarien. Die Luftwaffe zum Beispiel wird ab Februar die rumänische Luftraumüberwachung unterstützen und dazu einige Eurofighter auf der Mihail Kogălniceanu Air Base bei der rumänischen Hafenstadt Constanța einsetzen. Allerdings ist dies nicht neu; deutsche Eurofighter waren bereits im vergangenen Jahr einige Wochen dort stationiert und ihr bevorstehender nächster, wohl gleichfalls zeitlich beschränkter Einsatz dort ist einem Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums zufolge „schon länger geplant“. Auch der Einsatz niederländischer sowie womöglich spanischer Jets in Bulgarien findet im Rahmen des längst etablierten enhanced Air Policing statt. Neu allerdings wäre, was NATO-Hardliner schon lange fordern: die Stationierung von NATO-Bataillonen nach dem Vorbild der eFP-Battlegroups (enhanced Forward Presence) in Polen und den baltischen Staaten nun auch in Rumänien und Bulgarien. Im Dezember wurde bekannt, dass NATO-Oberbefehlshaber Tod D. Wolters energisch darauf dringt. Während in Rumänien keine Einwände bestehen, sperrt sich Bulgarien noch dagegen, das bis heute vergleichsweise enge Beziehungen zu Russland hat.

„Ein Zeichen setzen“

Neu ist auch, dass die Bundeswehr im litauischen Rukla für ihre dort stationierte NATO-Battlegroup eine eigene Kaserne bauen wird. Bislang nutzen die deutschen Soldaten, denen die Führung der Battlegroup obliegt, wie auch die Militärs aus anderen NATO-Staaten bereits bestehende litauische Liegenschaften. Ende Dezember wurde berichtet, dass Deutschland und Litauen eine neue, grössere Kaserne errichten wollen, in der die NATO-Battlegroup gemeinsam mit litauischen Einheiten untergebracht werden kann. Der Bau, dessen Kosten auf eine einstellige Millionensumme beziffert werden, soll nahe dem heutigen Stationierungsort errichtet werden. Es gehe dabei nicht nur darum, „die Logistik zu verbessern“, wird berichtet, sondern auch darum, „ein Zeichen zu setzen“.

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(Dieser eigene Bericht von «German Foreign Policy» erschien zuerst auf ihrer Website am 25. Januar 2022. Red.)


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5 Meinungen

  • am 27.01.2022 um 14:40 Uhr
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    Es erinnert mich an die alten Filme mit John Wayne. Er kommt in eine Stadt, sucht die Bösen, erschiesst diese, und dafür bekommt er die schönste Frau im Saloon. Friede, Freude, Eierkuchen und viel, viel Whisky. Wäre das Leben so einfach, wäre John Wayne nicht an Lungenkrebs gestorben. Die Vorherrschaft der Usa in den letzten Jahrzehnten hat viel vermeidbares Elend und Leiden gebracht. Die Nato welche Kriege verhindern sollte, machte die Usa zum Instrument seiner Interessen. Ich bin nicht unbedingt Pessimist, doch diesmal, in Anbetracht das Russland und China in einem Bündnis stehen und nicht nur technologisch allen Anderen 15 Jahre voraus sind, könnte eine solche Provokation zu einer Eskalation werden. Beängstigend, denn in den heutigen Kriegen sterben meistens mehr Zivilisten als denn die Krieger. Die Usa müssen lernen zu respektieren, das sie nicht mehr alleine die Mächtigsten sind auf diesem Planeten, und dies wäre auch gut so. Ein Gleichgewicht der Kräfte könnte neue Chancen bieten für eine konstruktive Kooperation.

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  • am 27.01.2022 um 17:18 Uhr
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    Wenn Deutschland in Litauen Lager für deutsche Besatzungstruppen installiert, ist das wohl nichts neues. Von vertieftem Geschichtsverständnis zeugt dies aber kaum. Wie oft wurde Litauen schon von seinen unmittelbaren Nachbarn besetzt und verwüstet ?

    «Denk ich an Deutschland…»

    1972, auf einer offiziellen Reise in Washington, machte mich mein damaliger Studienkollege Choukri Ghanem auf die Monotonie der Namen der Berater im Sicherheitszenter Kissingers neben dem Weissen Haus aufmerksam. In der Tat gab es da ausser «WASPs» nur Skandinavier und Polen. Der Rest der Welt war offenbar für US-Sicherheit irrelevant.

    Etwas später erläuterte uns Senator McGee (aus Wyoming), dass er – entgegen unseren Gastgebern Kennedy und Fullbright – frei über Probleme im mittleren Osten sprechen könne, da in seinem Staat die Lobby-Arbeit in diesem Bereich noch nicht aus dem Ruder gelaufen sei. Er war klar gegen den US-Interventionismus in dieser Region.

    Aber auch Choukri konnte den Untergang Lybiens auf die Dauer nicht aufhalten.

    «Denk ich an Deutschland …»

    Wie meine Mutter zu sagen pflegte : «Noch ist Polen nicht verloren, noch kann Deutschland polnisch werden.

    Werden europäische Werte in Zukunft nicht mehr am Hindukusch, sondern am Dnepr verteidigt ?

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  • am 27.01.2022 um 17:51 Uhr
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    Und ich habe mich seit 2014 immer gewundert,wenn ich zu meiner Freundin nach Kiew gefahren bin, wo die die vielen graugrünen Männchen südöstlich von Lwiw herkamen. Voller Stolz wurde mir dann von meinen ukrainischen Bekannten berichtet: «……ja das sind wahre freunde – die sind da ,wenn man Sie braucht….» Also Bulgarien ist eigentlich gar nicht so wichtig und Rücksichtnahme auf Putin-Land sowieso nicht!

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  • am 30.01.2022 um 08:51 Uhr
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    Es ist langsam schon bedenklich, dass im Infosperber immer noch solche objektiven, offfensichtlich der Wahrheit entsprechende Artikel von Leuten, die über die Hintergründe und die echte Bedrohungslage in Europa informiert sind, wie die Journalist*/innen vom «German Foreign Office», sich unzensuriert äussern dürfen, denn schliesslich wird den Schweizer Behörden und den unabhängigen Medien seit Jahren von Washington eine echt neutrale Haltung attestiert.
    Und ganz gefährlich sind solche Meinungsmacher wie die Herren Beatus Gubler und Josef Hunkeler, die immer noch schreiben dürfen, was sie wissen. Ich frage mich schon: Hat denn die CIA total versagt? Die sollten doch allmählich in der Lage sein, diese letzten Schlupflöcher der freien Meinungsäusserung zu stopfen, denn inzwischen sind doch alle Zeitungen auf Kurs getrimmt.
    Jetzt hat der Bundessrat doch bei der Pandemiebekämpfung erfahren dürfen, wie wirksam diese freiwillige Übereinkunft (Tagi-Berset) war! Und wenn nicht einer so unüberlegt aus der Schule geplaudert hätte, hätte die Mehrheit der Leser*/innen das doch gar nicht bemerkt. Dieser Einheitsbrei schien doch rein zufällig. Ach, immer diese Spielverderber, wo führt das hin!?

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    • am 31.01.2022 um 08:31 Uhr
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      Nun fange ich langsam doch wieder an, nicht an Gott – denn dieser wurde und wird von zu vielen wie den US-Europäern seit der friedlichen Besiedelung des menschenleeren nordamerikanischen Kontinents missbraucht und für alle Schandtaten verantwortlich gemacht (denn jeder gläubige Präsident der USA beendet jede Rede mit den Worten «God bless America» : Wenn es einen solchen Gott gäbe, hätten es diese Präsidenten und ihr Land bitter nötig -), – sondern an Wunder zu glauben.
      Hat doch just dieser Putin die Frechheit gehabt, in seinem Land Manover anzukündigen – denn dazu hat er objektiv gesehen, im Gegensatz zu den USA und der NATO auf der andern Seite der der russischen Grenze, überhaupt keine Berechtigung, denn er will ja bloss seine diktatortische Herrschaft über seine Untertanen sichern, im Gegensatz zu den US-Europäern, die dem unterdrückten russischen Volk endlich beibringen wollen, was Demokratie und Menschenrechte (never forget J. Assange!) sind.
      Ich komme zum Wunder: Just nach dieser Ankündigung trat der NATO-Generalsekretär vor die Mikrofone und verkündete vor den erstaunten Journalisten, die NATO würde selbst bei einem Einmarsch der Russen in die Ukraine keine eigenen Truppen in dieseS unabhängige Land entsenden. Ist das die verklausulierte Ankündigung, dass Putins wichtigste Bedingung für Verhandlungen, nämlilch der Verzicht auf die weitere Ostausdehnung der NATO-Staaten erfüllt werden soll?

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