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Hübsche Anspielung, falsche Spur: Der angebliche Siegersatz im Wettbewerb 2011 von SwissLife. © andreas kyriacou

Blogger unterwandert SwissLife-Werbekampagne

Jürg Lehmann /  Der Wendesatz-Wettbewerb des Konzerns nahm eine unterwartete Wende. Er merkte nichts, bis Infosperber ihn darauf hinwies.

Zum zweiten Mal nach 2011 ruft der Versicherer SwissLife in diesen Wochen mit dem Wendesatz-Wettbewerb von Plakatwänden zum Mitmachen auf. In einem Wendesatz verknüpft ein Wort zwei Sätze, die inhaltlich in zwei völlig unterschiedliche Richtungen gehen. Etwa: «Ich möchte niemals KINDER sind für mich das Grösste.» Oder: «Ich werde niemals HEIRATEN wir in der Kirche?» Urheber der Kampagne ist die Agentur Spillmann/ Felser/Leo Burnett, die dafür im In- und Ausland hochgelobt wurde und Preise erhielt.

Grosses Echo, magere Öffentlichkeit

Jetzt kann man sich ja fragen: Wie hiess eigentlich der Gewinnersatz 2011 und wer erhielt den ausgelosten Preis von 2000 Franken? Die Antwort kann man weder in einer Mitteilung, noch im Jahresbericht 2011 oder auf der Website des Risiko- und Vorsorgeversicherers eruieren. In einer Randnotiz liest man über den Wettbewerb 2011, dass «die Resonanz überwältigend» gewesen sei mit täglich zwischen 100 und 150 Einsendungen. Am Ende waren es 8000 Wendesätze, die in die Auslosung gelangten.

Den Siegersatz bleibt SwissLife der Öffentlichkeit schuldig. Also startet man eine Google-Anfrage. Das erste Suchergebnis führt zum Blog von Andreas Kyriacou. Er teilte am 26. August 2011 auf seiner Plattform mit, dass der Versicherer den bis Ende September geplanten Wettbewerb «vorzeitig beendet und den Sieger-Slogan» erkoren habe. Der Satz heisst: «Wir setzen uns ein für KLIMASCHUTZ interessiert uns nicht die Bohne.» Kyriacou zitiert SwissLife-CEO Bruno Pfister mit den Worten, der Siegersatz mache klar, dass auch für Unternehmungen Kehrtwendungen von Bedeutung sein könnten.

Bitte um Löschung des Eintrags

Das ist eine Anspielung auf die Kampagne des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse, der vor der parlamentarischen Beratung mit dem Referendum gegen das revidierte CO2-Gesetz drohte (später darauf verzichtete) und dabei neben anderen Unternehmen offenbar auch bei SwissLife vorstellig wurde. Kyricaou zitiert Pfister weiter: «Wir stehen nur unseren Aktionären in der Pflicht. Deshalb machen wir mit bei der Kampagne, die das CO2-Gesetz bodigen will. Und deshalb passt dieser Wendesatz so gut zu uns.»

Andreas Kyriacou ist ein bekannter Blogger und in den sozialen Netzwerken ausgesprochen aktiv. Er ist Neuropsychologe und parteimässig bei den Grünen tätig. Zudem präsidiert er den Zürcher Ableger der Freidenker-Vereinigung der Schweiz, welche die Trennung von Staat und Kirche anstrebt.

Das Problem im vorliegenden Fall: Was Kyriacou schrieb, stimmt nicht. Weder der Sieger-Wendesatz noch das Zitat von Pfister noch die vorzeitige Beendigung des Wettbewerbs treffen zu, wie die SwissLife-Medienstelle Infosperber erklärte. Der richtige Siegersatz 2011 stammt aus der Romandie und heisst: «Ça ne sert à rien LES ASSURANCES m’ont sauvé la vie.» Ein ausgeloster (!) Wendesatz mit dem Bindewort Versicherungen – was für ein glückliches Händchen… Der Sieger stamme aus Montreux, der Preis sei von der dortigen Agentur direkt dem Gewinner übergeben worden, teilt das Unternehmen mit.

Korrektur und Twitter-Mitteilung

Und der falsche Blog-Eintrag? SwissLife hatte keine Kenntnis davon, bis Infosperber das Unternehmen darauf aufmerksam machte. SwissLife bat Kyriacou, den Eintrag zu löschen. Kyriacou reagierte auf seinem Blog mit einem «update», in dem er einräumt, dass er die Sätze Bruno Pfister «selbstredend» in den Mund gelegt habe. Das ist alles. Ausserdem schrieb er auf Twitter: «Da hilft nur noch IRONIE muss man offenbar hin und wieder erklären.» SwissLife gab bisher keine weiteren Erklärungen ab. Anscheinend will man im sozialen Netz von Kyriacou & Co keinen Staub aufwirbeln und gibt sich zufrieden.

Die Wendesatz-Kampagne 2012 läuft noch bis Ende August. Diesmal werden wöchentlich Siegersätze durch eine interne Jury ausgewählt, mit 500 Franken prämiert und auf der Website des Unternehmens publiziert. Das ist immerhin ein Fortschritt.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

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