Die Romands ticken anders

Christian Müller © aw

Christian Müller /  Unsere französischsprachigen Mitbürger am Genfersee sind keine Nabelschauer. Sie sind EU- und weltoffener.

In den letzten Wochen hat Radio SRF in verschiedenen Programmen versucht, uns Deutschschweizern die Romands näherzubringen, sie besser zu verstehen. Eine sinnvolle Aktion, auch wenn der sogenannte Röstigraben in den letzten Jahren nicht wirklich tiefer geworden ist.

Trotzdem, in einigen nicht unwesentlichen Punkten ticken die Romands tatsächlich spürbar anders. Zum Beispiel in Sachen EU. Wie sonst könnte René Jost in seinem L’Hebdo Blog eine Kolumne unterhalten, in der er mit treffenden Argumenten die Verketzerung der EU bekämpft und offen für einen Beitritt der Schweiz zur EU plädiert?

In einem L’Hebdo Blog? Was ist schon L’Hebdo, könnte man rhetorisch fragen. Aber Hallo! Die von Ringier herausgegebene Wochenzeitschrift ist mit über 45’000 Auflage und mit über 200’000 Leserinnen und Lesern die in der Westschweiz meistgelesene Zeitschrift! Und sie ist selbstbewusst genug, den Blog von René Jost gleich in beiden Sprachen online zu bringen, in Französisch und in Deutsch.

Welcher Deutschschweizer Titel wagt Ähnliches? Welcher Verlag östlich des Röstigrabens wagt es gegenwärtig, in einem Deutschschweizer Titel einem EU-Befürworter ein regelmässiges Podium zu geben? Das verbietet schon die sogenannte Ausrichtung auf den «Markt»…

Ein gelegentlicher Blick in den L’Hebdo Blog lohnt sich. Nicht nur, um die Romands besser zu verstehen.


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