Villiger Juden

Stumpenfabrik «Villiger Söhne» in den 30er-Jahren im letzten Jahrhundert © SRF

Neue Fakten zu bundesrätlichen Diskussionen über die Nazi-Zeit

Klaus Vieli /  Die Sperrfrist ist weg. Jetzt wird klar, wie es zur Entschuldigungsrede von Kaspar Villiger kam. Die «NZZ» lobt und vergisst.

Am 7. Mai 1995 hielt Bundesrat Kasper Villiger eine Rede, in der er sich für die Schweiz bei den Juden entschuldigte. Heute – 30 Jahre später – wird er für diese Rede in der «NZZ» gelobt: «eine der bedeutendsten der Bundesratsgeschichte».

Damals dachte die Schweiz, mit einer solchen Entschuldigung billig davonzukommen. Sie hatte sich gewaltig getäuscht. Die Auseinandersetzung um die nachrichtenlosen Vermögen kostete in der Folge Milliarden. Und um Raubkunst und Ankäufe von Kunstwerken unter Ausnutzung einer verfolgungsbedingten Notlage wird bis heute heftig gestritten.

Es wäre schön, wenn die «NZZ» sich die Mühe gemacht hätte, neben dem unkritischen Lob für Kaspar Villiger auch die Verstrickung seiner Familie in Geschäfte mit den Nazis unter Ausnutzung der Notlage von verfolgten Juden nicht zu vergessen.

Nicht weil die Villiger-Stumpenbarone besonders schlimm gewesen wären. Sie waren bloss typisch für manche Geschäfte mit den Nazis. Und diese wurden bis heute nicht richtig wiedergutgemacht. Eine allgemeine Entschuldigung reicht nicht.

Die «Rundschau» von «SRF» hat damals am 22. Januar 1997 die Verstrickungen fundiert aufgearbeitet.

Hier der Link zum Filmbeitrag (aufs Bild klicken):

Villiger Juden
Geska-Stumpen-Fabrik in Deutschland

Und hier der Link zum anschliessenden Interview (aufs Bild klicken):

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Bundesrat Kaspar Villiger am 22. Januar 1997 im «Rundschau-Interview»

Kaspar Villiger verdient Respekt für seinen Mut, sich damals auf dem heissen Stuhl den Fragen der Rundschau zu stellen. Er hätte auch in der «NZZ» am letzten Samstag einen besseren Beitrag verdient.


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Der Autor war in den 90er-Jahren Redaktionsleiter der «SRF»-Sendung Rundschau.
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Offene/verdeckte Judenfeindlichkeit

Antijudaismus und Antisemitismus sind eine speziell gegen Juden gerichtete Form von Fremdenfeindlichkeit.

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2 Meinungen

  • am 5.01.2026 um 15:04 Uhr
    Permalink

    Dass der Judenhasser Rothmund in Bern noch bis zu seiner Pensionierung 1954, als Fremdenpolizeichef amtete, lässt tief bilcken in den Misthaufen Schweiz.

  • Heinrich Frei
    am 6.01.2026 um 13:35 Uhr
    Permalink

    Neue Fakten zu bundesrätlichen Diskussionen über die Nazi-Zeit sind interessant, wie auch die Fakten wie die Bilder von Bührle im Kunsthaus Zürich seinerzeit gekauft wurden. Aber vergessen wir dabei die Gegenwart nicht? Was macht heute die Schweiz? Zum Beispiel mit dem Segen von Bern? Investitionen der Schweizer Banken, Versicherungen und Pensionskassen in Rüstungskonzerne, die sogar Atombomben, Streubomben und Antipersonenminen produzieren, Kriegsmateriallieferungen an Staaten wie die USA, Saudi-Arabien usw. die immer wieder in Kriege verwickelt sind.

    Laut dem Bundesgesetz über das Kriegsmaterial (Kriegsmaterialgesetz) dürfen Auslandsgeschäfte nach Artikel 22 und Abschlüsse von Verträgen nach Artikel 20 werden nicht bewilligt, «wenn das Bestimmungsland in einen internen oder internationalen bewaffneten Konflikt verwickelt. Vermutlich werden jetzt nach Venezuela die Waffenexporte nach den USA fortgesetzt und der Kauf von US-Kampfbombern und anderen Rüstungsgüter nicht gestoppt.

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