Gericht

Die Lauschangriffe auf Prominente führten in Grossbritannienn zu immensen Rechtskosten. © qimono

Murdochs Medienskandal findet kein Ende

Rainer Stadler /  Der Skandal um illegale Schnüffeleien hat Rupert Murdoch bereits eine Milliarde Pfund gekostet. Weitere Gerichtsverfahren drohen.

Die 2011 publik gewordenen Abhöraktionen britischer Boulevardjournalisten sind für den Medienmagnaten Rupert Murdoch zu einem finanziellen Desaster geworden. Damals deckte der «Guardian» auf, dass sich Mitarbeiter der Sonntagszeitung «News of the World» Zugang zur Sprachbox eines entführten Mädchens und zahlreicher Prominenter verschafft hatten. Im Fall des Mädchens entfernten die Journalisten damals einige Sprachnachrichten, um Platz zu schaffen für neue Botschaften, die sie abhören wollten. Die Löschungen hatten zur Folge, dass die Eltern glaubten, ihre bereits ermordete Tochter sei noch am Leben.

Murdoch stellte darauf das Boulevardblatt ein; er konnte aber nicht verhindern, dass einer der grössten Medienskandale den Inselstaat erschütterte. Die Verfilzungen von Politik und Medien wurden heftig diskutiert, und das Parlament versuchte die Medienkontrolle etwas zu verschärfen. Allerdings erfolglos. Die britische Presse machte einen Schulterschluss und verhinderte das von den Volksvertretern beschlossene Gesetz für eine regulierte Selbstregulierung der Medienbranche.

Gericht lehnt Antrag von Murdochs Verlag ab

Für den weltweit tätigten Medienmogul Murdoch hatte der Skandal jedoch schwere finanzielle Folgen. Er ist seither mit unzähligen Gerichtsverfahren konfrontiert. Murdochs Verlag NGN (News Group Newspapers) hatte damit gerechnet, dass man sich nun dem Ende der Rechtsstreitigkeiten nähern würde. Doch das ist nicht der Fall. Der High Court hat vergangene Woche den Antrag der Anwälte von NGN, den Klagemöglichkeiten ein Ende zu setzen, zurückgewiesen.

Bis jetzt wurden mehr als 1000 Fälle beigelegt, nicht zuletzt mit Entschädigungen seitens des Verlags. Prominente Personen waren gegen NGN vorgegangen, unter ihnen Hugh Grant und Sienna Miller. «News of the World» publizierte Artikel über Millers Privatleben, so dass die Schauspielerin ihr persönliches Umfeld als Informanten der Zeitung zu verdächtigen begann. Die Schwachstelle war jedoch ihre Sprachbox, auf welche die Journalisten Zugriff hatten.

Tausende Opfer?

Anwälte von Betroffenen und von potenziellen Klägern sagten vergangene Woche vor dem Gericht, 20’000 bis 25’000 Personen könnten zum Opfer von illegalen Informationsbeschaffungen durch NGN-Journalisten geworden sein – eine gigantische Zahl. Ob sie Substanz hat, müsste sich erst erweisen. Derzeit gibt es 52 hängige Klagen, und mehr als 500 weitere sind in Vorbereitung, wie das Fachmagazin «PressGazette» schreibt.

Bis jetzt hat Murdoch schätzungsweise bereits eine Milliarde Pfund (1,2 Milliarden Franken) als Folge des Medienskandals ausgeben müssen. Die Rechtskosten machen dabei einen wesentlichen Teil aus. Die Spuren davon sind in den Geschäftszahlen von NGN deutlich sichtbar. Das Boulevardblatt «Sun», welches nach der Einstellung von «News of the World» eine gleichnamige Sonntagsausgabe als Ersatz gründete, schrieb im vergangenen Jahr einen Verlust von 51,8 Millionen Pfund. 49 Millionen Pfund betrugen die Rechtskosten wegen des Medienskandals. Das Blatt schreibt deswegen seit Jahren Verluste. Die «Times», die ebenfalls von Murdoch kontrolliert wird, ist seit 2018 knapp profitabel.

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