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Immer schön im Bild: Kanzler Kurz, abgelichtet vom Kanzlerfotografen. © Arno Melicharek /Bundeskanzleramt

Warum der Sebastian Kurz immer so gut aussieht

Tom Schaffer / moment.at /  Der Kanzler ist mit eigenem Fotografen vom Kanzleramt unterwegs, der über die österreichische Presseagentur die Medien beliefert.

Red. Die Website moment.at ist ein österreichisches Medium, das dem Think Tank Momentum Institut angehört. Ziel ist, «neuen, progressiven Tendenzen» und den «Interessen der Vielen» eine Stimme zu geben. Think Tank und Newswebsite arbeiten unabhängig von Parteien und Konzernen und finanzieren sich über Spenden.

Obwohl die Macht der Bilder immer grösser wird, hat der Fotojournalismus es in österreichischen Medien schwer. Redaktionen setzen oft unter Spardruck andere Prioritäten und stellen immer weniger FotografInnen oder auch andere Menschen in eigenen Fotoredaktionen an. Und die, die es noch gibt, können nicht überall gleichzeitig und oft bei wichtigen Events gar nicht dabei sein. Das wirkt sich direkt und negativ darauf aus, wie wir Politik dargestellt bekommen. Zum Beispiel beim EU-Gipfel, der letzte Woche in Brüssel stattfand.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz nimmt dort eine umstrittene Rolle ein. Er hat Österreich in den Block der «Geizigen Vier» geführt. Vier reichere EU-Länder, die gemeinsame Mittel zur Bekämpfung der Corona-Krise einschränken oder blockieren wollen.

Wie Sebastian Kurz sich gerne darstellt
In seiner eigenen PR ist Kurz im Zentrum der Macht und Aufmerksamkeit. In den heimischen Medien passen nicht nur die Kommentare und Berichte so mancher JournalistInnen zum Spin des ÖVP-Kanzlers (der lieber hätte, dass man von den «Sparsamen Vier» spricht, was viele Medien auch tun). Auch die Bilder vom Gipfel lassen Kurz erstaunlicherweise immer gut aussehen. Auch dort ist er stets aktiv, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, der Entscheidungen und des Geschehens.

Andere Staatsleute in Europa, die andere Meinungen als er vertreten, zeigen sich von der mangelnden Kompromissbereitschaft eher frustriert. «Ihm ist das egal. Er hört anderen nicht zu, hat eine schlechte Einstellung. Er kümmert sich um seine Presse und Basta!», wird Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vom in der Regel gut informierten Magazin Politico zitiert, als Kurz den Raum für einen Telefonanruf verliess.

Der Grund, warum Kurz in heimischen Medien in Wort und Bild in der Regel so gut weggkommt, ist keine geheime Verschwörung der österreichischen PressefotografInnen mit dem Bundeskanzler. Denn weder die Austria Presseagentur (APA) noch ein österreichisches Medium haben überhaupt jemanden für Fotos zum Gipfel geschickt.

Der Fotograf kommt aus dem Kanzleramt – und hat auch schon geschreddert
Die Fotos in der heimischen Berichterstattung kommen viel zu oft von einem gewissen Arno Melicharek. Und das ist ein Mitarbeiter im Kanzler-Kabinett von Sebastian Kurz. Genauer gesagt kennt man Arno Melicharek öffentlich bereits, weil er am Ibiza-Ende der Türkis-Blauen Koalition damit auffiel, dass er Festplatten aus dem Kanzleramt unter falschem Namen schreddern liess und dann die Rechnung nicht beglich.

Dieser enge Mitarbeiter des Kanzlers sucht sich also die Motive aus, die in heimischen Medien abgebildet werden und die APA schickt sie als Agentur an die Redaktionen weiter. Dort werden sie – ob bewusst oder unvorsichtig – übernommen und illustrieren das Geschehen. Das für Kurz durchaus erfreuliche Ergebnis hat auch ORF-Moderator Armin Wolf bemerkt.

Wohlgemerkt ist all das kein Fehler von Melicharek, sondern einer von weiten Teilen der österreichischen Medienlandschaft. Die hat nicht nur keine journalistischen FotografInnen mitgeschickt, keine vor Ort beauftragt und viel zu oft auch keine anderen Bilder von anderen Agenturen übernommen, sondern uns dann auch noch (einmal mehr) PR-Fotos als unabhängige Berichterstattung verkauft.

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