Spital-CEO kritisiert «Angst-Berichterstattung»

Urs P. Gasche © Peter Mosimann

Urs P. Gasche /  Tagelang verbreiteten Spital-Exponenten und Behörden, Spitäler stünden unmittelbar vor einer Überlastung. Die Zahlen waren anders.

Marc Elmiger, CEO des Zürcher Privatspitals Bethanien, ist weder ein «uneinsichtiger Impfverweigerer» noch ein Gegner von Massnahmen. Doch er kritisiert, die Lage in den Spitälern sei «dramatisiert» worden.
Es fiel auf, dass Exponenten von grossen Spitälern in Medien während mehrerer Tage die Alarmglocken läuteten: Die Intensivstationen seien bald überfüllt und das Spitalpersonal könne keine zusätzlichen Covid-19-Patienten mehr verkraften. Konkrete und belastbare Zahlen über die Engpässe und über bereits verlegte oder verschobene Operationen gaben weder Spitäler noch Behörden bekannt. Viele Medien gaben sich damit zufrieden.

Infosperber hatte darauf hingewiesen, dass laut offizieller Statistik schweizweit stets mindestens zwanzig Prozent aller voll ausgestatteten und mit qualifiziertem Personal versehenen Intensivbetten leer standen. Diesen Widerspruch versuchte kaum jemand zu erklären. Einiges deutet darauf hin, dass es das oberste Ziel von Bundesrat und Task Force war, die Impfquote möglichst rasch und deutlich zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde nicht nur eine aufwändige Werbekampagne gestartet, sondern wurde wohl auch die Zertifikatspflicht in Restaurants, Kinos, Clubs und an Grossveranstaltungen eingeführt. Und wahrscheinlich wurden Spitäler eingespannt, die Lage dramatisierend darzustellen. Den Beweis für eine entsprechende koordinierte Strategie zur Erhöhung der Impfquote gibt es allerdings nicht. Das BAG und Bundesrat geben nicht bekannt, mit welchen Interessenvertretern sie zusammengesessen sind.

Spital-CEO: «In Spitälern gibt es keine Krise»

Jetzt kritisiert der CEO des Zürcher Privatspitals Bethanien in einem Interview mit Nau.ch die «Angstberichterstattung». Im Folgenden die wichtigsten Aussagen von Marc Elmiger:

Marc Elminger.ZVG

«Ich betrachte die Situation deutlich gelassener, als sie in den Medien dargestellt wird. Sicher: In einzelnen Intensivstationen spielen sich komplizierte Szenen ab, weil sie durch Covid-Patienten gefüllt sind. Und es ist tatsächlich schwierig, qualifiziertes Personal zu finden. Dennoch wird die Situation von diversen Seiten dramatisiert. In der Summe erkenne ich keine Gesundheitskrise in der Schweiz … Ich beobachte, dass die vorhandenen Intensivbetten mit einem sehr hohen Standard betrieben werden, was auf einen Normalbetrieb und nicht auf einen Krisenbetrieb hindeutet. Das irritiert mich. Denn gemäss BAG haben wir in der Schweiz aktuell über 20 Prozent freie Betten inklusive Personal. Dabei ist es Courant normal, dass die Intensivstationen gut ausgelastet sind.»

«Das Bild der Situation wird düsterer gemalt, als es ist. Fakt ist: Wenn es wirklich eng wird, lassen sich elektive Eingriffe auch einen Tag vor dem Termin noch stoppen. Ausserdem würde man dann auch die Privatspitäler stärker involvieren. Der Bettenengpass bezieht sich hauptsächlich auf die grossen Listenspitäler … Wir sind bereit, andere Spitäler zu entlasten. Wir haben dies bereits getan und haben in der letzten Welle zu Jahresbeginn Patienten vom Universitätsspital Zürich übernommen.»

«Weil viele Menschen glauben, dass die Schweizer Spitäler kurz vor dem Kollaps stehen, verschieben sie Eingriffe, die eigentlich gemacht werden müssten. Einerseits haben sie die unbegründete Angst, sich mit Covid anzustecken. Andererseits fürchten sich wohl viele, dass sie die Behandlung nicht in gewohntem Rahmen erhalten. Beides ist falsch. Doch die Angst-Berichterstattung verstärkt diese Zurückhaltung im Nicht-Covid-Bereich.»

«Es muss klar kommuniziert werden, dass die Situation zwar in einzelnen Regionen ernst ist, wir aber gesamthaft schweizweit gesehen keine kriegsähnlichen Zustände in den Spitälern haben. Für Nicht-Covid-Patienten sind Eingriffe also problemlos möglich. Und sollte sich die Lage tatsächlich verschlimmern, können zusätzliche Betten rasch geschaffen werden.»


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Coronavirus_1

Coronavirus: Information statt Panik

Covid-19 fordert Behörden und Medien heraus. Infosperber filtert Wichtiges heraus.

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17 Meinungen

  • am 19.09.2021 um 12:41 Uhr
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    Man kann sich profilieren durch Warnen und man kann sich profilieren durch Probleme klein reden. Mir ist das erstere lieber, denn dann gibt’s vielleicht noch Platz auf der Intensivstation bei Herzinfarkt. Wenn Ärzte warnen ist es glaubwürdiger als wenn ein Verwalter für sein Spital Werbung macht.

    17
  • am 19.09.2021 um 12:56 Uhr
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    Die Corona-Informationspolitik von Bund und Kantonen verursacht mehrheitlich ein Durcheinander. Es generiert Verunsicherung und eine Vertrauenskrise. Ob mit Absicht oder aus Unfähigkeit: so kann ein Kollaps der Gesellschaft provoziert werden.

    5
  • am 19.09.2021 um 13:43 Uhr
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    Wahrheiten, welche das Massnahmengeschäft stören sind unerwünscht.
    Wenn wir uns überlegen, bei WEM denn diese Wahrheiten unerwünscht sind, dann kommen wir dem cui bono näher.
    Unser menschlicher Begriff von «Wahrheit» kann nicht absolut sein, sonst gäbe es nie neue Erkenntnisse. Das Interesse an der Wahrheit ist am Zulassen eines offenen Dialogs erkennbar. Der Dialog und der offene Fachdiskurs basiert auf Austausch, nicht auf Gehorsam.

    Es ist leider heute noch so, dass gewisse Kreise reklamieren, die absolute Wahrheit zu kennen, ja zu be-sitzen, was neue Erkenntnis als störend empfinden lässt – lassen würde.

    2
  • am 19.09.2021 um 13:57 Uhr
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    Jetzt, wo die Belegung der Intensivstationen tatsächlich sinkt, verschieben die Befürworter fortgesetzter harter Massnahmen den Fokus ihrer Argumentation: Nicht die aktuelle Auslastung der Spitäler sei das Problem, sondern die Gefahr, dass das Delta-Virus auf den Winter hin erst so richtig loslege. Ich halte das für unwahrscheinlich und wäre interessiert, was andere (z.B. die Infosperber-Redaktion) von meinen Überlegungen halten.

    Das Delta-Virus hat sich, nachdem es in Indien erstmals bemerkt wurde, rasend schnell über die ganze Welt ausgebreitet und auch die Schweiz erreicht. Bei uns hat es in kurzer Zeit den anhin vorherrschenden Typ fast vollständig verdrängt. Ich sehe das als Zeichen dafür, dass alle Bemühungen, das Delta-Virus zu stoppen, rundum erfolglos waren.
    Ähnlich war es ja schon im Frühjahr mit dem Alpha-Virus, das aus England kam. Auch es verdrängte die vorher präsenten Virentypen in kurzer Zeit vollständig. Es gelang nicht, es aufzuhalten. Es verursachte eine nicht mehr allzu grosse Welle und sorgte nachher nie mehr für Schlagzeilen.
    Wenn also die Bemühungen, Delta zu stoppen, auf den ganzen Linie gescheitert sind, so vermute ich, dass auch nicht viel passiert, wenn man diese erfolglosen Bemühungen einstellt.

    Eine Garantie für einen ruhigen Winter gibt es nie, und hat es auch nie gegeben. Schon ist die Rede von anderen Viren wie Influenza, die härter zuschlagen könnten, weil das Immunsystem vieler Leute wegen der Beschränkungen kaum Training hatte.

    4
  • am 19.09.2021 um 14:56 Uhr
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    Ein weiterer Artikel von Urs P. Gasche, um die Corona-Pandemie klein zu schreiben… Der nicht mehr und nicht weniger mit Fakten untermauert ist, als diejenigen, die «dramatisieren». Der behauptet, dass «zwanzig Prozent aller voll ausgestatteten und mit qualifiziertem Personal versehenen Intensivbetten leer standen», aber dabei die sehr stark varierenden lokalen Gegebenheiten ausser Acht lässt. Und auch kein Wort zum Gesundheitspersonal sagt, dass seit mindestens 18 Monaten am Anschlag ist. Als in meiner Familie wie auch am eigenen Leib von Covid-19 Betroffener frage ich mich schon nach den (Hinter-)Gründen für all diese die Pandemie abwiegelnden Artikel.

    25
    • am 19.09.2021 um 17:53 Uhr
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      Das einzige von mir zitierte Faktum, das Sie in Frage stellen, sind die zwanzig Prozent leeren Intensivbetten. Gemäss der offiziellen Statistik des BAG waren seit August schweizweit stets mindestens zwanzig Prozent zertifierte Intensivbetten frei. Spitäler dürfen Intensivbetten nur dann als zertifiziert angeben, wenn genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Richtig ist, dass in einigen Kantonen weniger Betten frei sind und dafür in anderen mehr.

      2
    • am 19.09.2021 um 18:50 Uhr
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      – wie kommt es, dass das Personal «am Anschlag läuft» wenn die beanspruchte Kapazität nachweislich unter den verfügbaren Mitteln, bestehend aus Einrichtungen und Personal, liegt?
      – 18 Monate Missstand sind eine lange Zeit. Gibt es Nachweise über aktive Bemühungen, die Situation auf der Angebotsseite zu verbessern?

      2
  • am 19.09.2021 um 15:10 Uhr
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    Solche Spielchen führen zu Protest und zerreissen die Gesellschaft. Wer will schon für dumm verkauft werden! Es bleibt ein Ministerversagen! Wer mag dem amtierenden noch glauben?

    3
  • am 19.09.2021 um 16:30 Uhr
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    Wer sich eingehend mit der Situation befasst, und sich alle Seiten anhört, von Dr. Wodarg, Dr. Dr. Prof. Haditsch, Dr. Prof. Bakhdi, Nobelpreisträger Luc Montagnier (Alles Personen welche schon seit längerer Zeit von einigen Medien als «Schwurbler» diffamiert werden) und sich dann ebenso die Informationen der systemstützenden Medien anliest, wer sich also diesem Disput stellt, der kommt nicht umhin, grosses Unbehagen zu erleben. Gegenwärtig wird vieles gemacht in der Gentechnologie, welches bisher verboten war. Mit den Tests welche China in den mittellosen Ländern anbietet, kostenlos, werden gleich noch die Gene gesammelt von den Getesteten. (Tagesspiegel, usw.) Gestern konnte ich beobachten, das Vorträge von Wissenschaftlern, welche man wegen ihrer Haltung gegenüber mRna Vakzinen und der Kritik an den gegenwärtigen Corona-Strategien vor 5 Monaten noch weg zensuriert hätte, nun nicht mehr so behandelt werden. Wir erleben eine Wissenschaft im Umbruch. Die Möglichkeit mit der Crispr/Cas9 Genschere aus Genen optimale Sequenzen zusammen zu stellen, um mit diesen über mRna Botenstoffe minderwertige oder krank machende Gene zu ersetzen, oder sogar den Alterungsprozess zu stoppen, steht vor der Türe. Doch zuerst braucht es genug Daten, wie man ohne Schaden diese Botenstoffe in den Körper bringt. Dann kam Covit, und damit der Freipass direkt am Menschen zu testen. Vielleicht ist meine Mutter und meine Nachbarin nach der zweiten mRna Injektion doch nicht umsonst gestorben ?

    5
  • am 19.09.2021 um 20:33 Uhr
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    Eine nahe Verwandte von mir arbeitet in einem Spital in der Nordwestschweiz. Als ich ihr diesen Artikel zum lesen gab, war sie sehr sauer und fast nicht mehr zu beruhigen. Sie erlebt tag-täglich die ganze Geschichte in einem sehr angespannten Verhältnis, da ist nichts zu spüren von einer Entspannung und kann sich deshalb nicht vorstellen, dass sowas geschrieben wird. Die Frage von ihr, ob Herr Gasche sich eigentlich die Mühe machte und das ganze mal überprüfte und kontrollierte. Ich konnte ihr keine Antwort geben. Wenn das in einem Spital eventuell kein Problem ist, heisst das nicht, das es allgemein so ist. Alleine die Überschrift zu diesem Artikel kann und wird auch bei den Corona-Gegner missbraucht werden. Es wird grossartig verharmlost werden und auch in die Welt gesetzt. Schade um den Ruf von Infosperber .kann ich da nur sagen.

    11
    • am 20.09.2021 um 07:54 Uhr
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      Es scheint mir hier um zwei Fragen zu gehen:
      1. Sollen Einschätzungen eines Spital-CEOs unterdrückt und soll darüber nicht informiert werden?
      2. Hat dieses Spital in der Nordwestschweiz andere Spitäler, auch Privatspitäler, angefragt, ob sie Patienten übernehmen? Manche Spitäler tun dies nicht, weil ihnen sonst Einnahmen wegfallen. Das Bethanien-Spital wäre ja bereit, Covid-Patienten aufzunehmen. Wenn die durchschnittliche Zahl der leeren Betten auf Intensivbetten schweizweit bei über 20 Prozent aller Betten liegt, muss es ja etliche Spitäler geben, deren Leerbettenanteil noch viel grösser ist.

      1
    • am 20.09.2021 um 21:34 Uhr
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      1. Es dürfte auch ihnen klar sein, dass das Pflegepersonal für ihre Arbeit zuständig ist und nicht für das politische und wirtschaftliche Gebaren einer Spitalverwaltung.
      2. Problematischer dürfte nicht die Einschätzung eines einzelnen Spital-CEOs sein, sondern die mediengeile Aufmachung einer solcher Meldung. Diese werden in den sozialen Medien tausendfach weiter verbreitet, ohne wissenswerte und notwendige Hintergrundinformationen die es braucht, solche Meldungen ins rechte Licht zu setzen. Am Stammtisch hört man dann nur die Überschrift diskutieren und weiter verbreiten ohne jeglicher Bezug. Und das ist ein grosses Problem, das viele Medien nicht wahrhaben wollen.

      3
    • am 23.09.2021 um 08:13 Uhr
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      Ich kann den diffamierenden Ausdruck „Corona Gegner“ nicht mehr sehen oder hören.
      Ist denn jeder der nicht im Mc Donalds isst ein Mc Donalds Gegner. So etwas zu schreiben sollte verboten sein und verstösst gegen jeden Anstand Andersdenkenden gegenüber.

      0
    • am 23.09.2021 um 23:11 Uhr
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      Ja genau, ein diffamierendes aber auch unüberlegtes Unwort.
      Ich jedenfalls, lass mich lieber als «Corona-Gegner» denn als «Corona-Befürworter» titulieren.

      0
    • am 8.10.2021 um 09:49 Uhr
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      ja auch ich bin ein Corona Gegner, nur was nützts? Das Virus schert sich nicht um meine Meinung. So ein blödsinniger Ausdruck. Man kann gegen die Massnahmen des Bundes sein, oder gegen eine Impfpflicht, gegen die ganze Impferei… Ich vermute mal gegen Corona sind alle vernünftigen Menschen, nur nützts nichts.

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