Sperberauge

Omikron: Erste Zahlen aus Grossbritannien sind beruhigend

Urs P. Gasche © Peter Mosimann

Urs P. Gasche /  Trotz stark steigenden Ansteckungen nur relativ wenige Hospitalisierungen. Doch Grossbritannien verstärkt die Vorsichtsmassnahmen.

Daten aus Südafrika zeigten bereits, dass die neue Corona-Variante Omikron dort zwar sehr ansteckend ist, aber zu deutlich weniger schweren Erkrankungen führt als die Delta-Variante. Nur gilt Südafrika mit einer sehr jungen Bevölkerung und sehr vielen genesenen Personen als nur schwer vergleichbar mit Europa. Neuste Zahlen aus Grossbritannien, wo Omikron bereits stark verbreitet ist, bestätigen jedoch just zu Weihnachten, dass Omikron bisher zu deutlich weniger Hospitalisierungen führt als die Delta-Variante. Obwohl die Omikron-Variante in Grossbritannien mit vor Weihnachten über drei Viertel der Neuinfektionen dominiert, ist die Zahl der Hospitalisierten noch zu niedrig, um belastbare Aussagen zu machen. (Details dazu im Briefing von 23. Dezember der UK Health Security Agency.)
In der Schweiz und in Deutschland war der Anteil der Omikron-Variante vor Weihnachten noch deutlich tiefer. Genaue Vergleichszahlen sind nicht erhältlich, weil die Genome ganz unterschiedlich häufig und repräsentativ sequenziert werden.

Die offiziellen Statistiken in Grossbritannien gelten im europäischen Vergleich als sehr zuverlässig. Trotzdem kann die dortige Entwicklung nicht einfach auf Deutschland oder die Schweiz übertragen werden, unter anderem, weil es demografische und soziale Unterschiede gibt. Doch die Entwicklung über dem Kanal zeigt annähernd, was auch auf dem Kontinent zu erwarten ist.

Im Folgenden die aktuellsten Grafiken über die Zahl der Tests, die Zahl der positiv Getesteten und die Zahl der Hospitalisierten.


Zahl der durchgeführten Covid-Tests im Jahr 2021:

GB Zahl Tests
Anzahl Tests in Grossbritannien bis zum 22.12.2021

Zahl der positiv Getesteten im Jahr 2021:

GB Fälle bis 22.12.21
Anzahl positiv Getesteter in Grossbritannien bis zum 22.12.2021. Anteil der Omikron-Variante seit Anfang Dezember stark ansteigend auf heute über drei Viertel.

Zahl der Hospitalisierungen im Jahr 2021:

GB Hospitalisierungen bis 22.12.21
Zahl der Covid-Hospitalisierungen in England (blau), Schottland, Nordirland und Wales bis zum 22.12.2021

Zahl der Covid-Patientinnen und -Patienten auf Intensivstationen im Jahr 2021:

GB Pat. in Intensivbetten bis 22.12.21
Zahl der Covid-Patienten auf Intensivstationen in England (blau), Schottland, Nordirland und Wales bis zum 22.12.2021

Trotz der bisher relativ geringen Zahl an hospitalisierten Personen werden die Vorsichtsmassnahmen vor allem in Schottland, Wales und Nordirland verstärkt (siehe Bericht der BBC vom 23. Dezember hier). In England gilt für Nachtklubs und ähnliche Indoor-Anlässe jetzt die 3-G-Regel. In Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln besteht Maskenpflicht, nicht aber in Restaurants und Bars. Home Office ist nur empfohlen. Strengere Massnahmen hält Boris Johnson vorläufig nicht für nötig.

In der Schweiz und in Deutschland gehen die Hospitalisierungen zurück: Ruhe vor dem Sturm?

In der Schweiz und in Deutschland verbreitet sich die neue Corona-Variante Omikron gegenüber Grossbritannien mit einer zeitlichen Verzögerung. Noch nehmen die Zahlen der wegen oder mit Covid Hospitalisierten in der Schweiz und in Deutschland ab. Doch der Bundesrat erwartet, dass sich dies rasch ändert, sobald sich die Omikron-Variante während kurzer Zeit sehr rasch ausbreitet. Der Anteil der zu hospitalisierenden Personen mag dann zwar deutlich geringer sein, aber wenn zu viele gleichzeitig ins Spital kommen, kann es doch zu einer Überlastung führen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Zum Infosperber-Dossier:

Coronavirus_1

Coronavirus: Information statt Panik

Covid-19 fordert Behörden und Medien heraus. Infosperber filtert Wichtiges heraus.

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6 Meinungen

  • am 26.12.2021 um 11:56 Uhr
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    Vor genau einem Jahr standen wir am selben Punkt. Nach dem grossen Peak Ende Nov 2020 mit sehr vielen Todesfällen bei den ü65-Jährigen – übrigens auch bei nicht Sars-Cov-2 positiv getesteten – wurden in Erwarung des Ausbruchs der sog. Britischen Variante B.1.1.7 drastische Massnahmen ergriffen mit Restaurantschliessungen etc. Gefolgt ist nichts die Zahlen gingen schon vor Umsetzung der Massnahmen sukzessive zurück. Weiter kam nichts danach. Vermutlich war da die sog. britische Variante bei uns schon durch. Nun wieder das gleiche in der Schweiz. Ein befreundeter Arzt, positiv auf Sars-Cov-2 getestet, wollte eine Analyse auf Omikron verlangen und wurde abgewiesen. Das gibt mir den Eindruck, dass in der Schweiz selektiv auf Omikron analysiert wird, so dass sich das gewünschte Bild ergibt. Ich mache jetzt eine Wette hier, dass es dieses Jahr mit Omikron wieder genau gleich läuft wie letztes Jahr mit B.1.1.7 und werde mich am Mitte Januar mit einem Follow-up Kommentar wieder melden.

    1
  • am 26.12.2021 um 18:43 Uhr
    Permalink

    Es nimmt in der Schweiz bloss die Zahl der Einweisungen in die Spitäler ab, nämlich seit ca. 10. Dezember. Die Zahl der Personen mit Corona, die auf Intensivstationen liegen, hat am 20. Dezember (letzte verfügbare Zahl) nicht abgenommen, sondern einen neuen Höchststand seit Beginn der 4. Welle erreicht. (Quelle SRF/BAG)

    2
    • am 27.12.2021 um 11:22 Uhr
      Permalink

      Die Situation auf den Intensivstationen entwickelt sich mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung gegenüber den Zahlen der Spitaleinweisungen.

      1
  • am 27.12.2021 um 16:41 Uhr
    Permalink

    Mich ärgert der Umgang mit Menschen. Dass Omicron die Wirkung der Impfantikörper schwächen könnte, erschien schon anfangs Dezember (https://doi.org/10.1038/d41586-021-03672-3). Dennoch wird im Impfzentrum Zeughaus Altdorf (UR) mit einem veralteten Impfstoff turbo-geimpft statt zuvor aufzuklären. Eine meiner Patientinnen wusste nur, dass dort 3 Männer und 1 Frau gewesen sind. Die Sterbezahlen bei Alten (und Geimpften) schnellen bereits vor Omikron hoch und bestätigen die kurze Schutzdauer der Impfung (https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/sterblichkeit-todesursachen.html). Zudem sind RNA Impfstoffe gefährlicher als klassische Impfstoffe, geschweige denn deren unbekannte Langzeitfolgen. Wüssten die Geimpften um die Zusammenhänge rund um die Impfung Bescheid, so liefen sie nicht so unbekümmert in die «Stechzentren.»

    1
  • am 3.01.2022 um 12:09 Uhr
    Permalink

    Omikron hat das Zeug dazu, dass die sogenannte Pandemie in eine endemische Phase übergehen kann, wenn nicht weiter geimpft wird. Omikron ist als Escape-Variante bei den Geimpften entstanden, deren Schmalspurantiköper sowie reduzierte T-Zellabwehr diese sogar empfänglicher macht als die Ungeimpften.
    Nicht nur in Deutschland ist der Geimpftenanteil an Omnikronerkrankten überproprotional hoch. In Südafrika mit ca. 20-25% Impfquote stehen die Betten leer, Omikron ist dort kein Thema.
    Wird Zeit, dass unsere Politiker endlich mal die Fakten zur geringen Letalität der Erkrankung zur Kenntnis nehmen, statt immer wieder mit falschen Hochrechnungen Fehlalarme zu erzeugen.
    S.a. https://tkp.at/2021/12/27/studie-bestaetigt-deutliche-uebersterblichkeit-durch-covid-impfungen/

    0

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