WHO Head-Quater in Geneva, Switzerland.Copyright : WHO/Pierre Virot

Das Hauptquartier der WHO in Genf. Während der Covid-19-Pandemie sah sie sich heftiger Kritik ausgesetzt. Copyright : WHO/Pierre Virot © WHO/Pierre Virot

In Genf steht die Zukunft der Weltgesundheit auf dem Spiel

Dale Bechtel / swissinfo.ch /  Weichenstellung für eine bessere Koordination künftiger Pandemien: In Genf findet die WHO-Jahreskonferenz statt.

Ganz der Pandemie geschuldet, findet in Genf die einwöchige Jahresversammlung der Weltgesundheits-Organisation (WHO) virtuell statt. Daran teilnehmen werden hochrangige Delegationen aus den 194 Mitgliedstaaten. Sie legen die Eckwerte der WHO-Politik fest, fällen Personalentscheide und überprüfen das Budget. Was unspektakulär tönt, könnte aber zur meistbeachteten WHO-Jahreskonferenz aller Zeiten werden. Denn im jüngsten Streit um den Zugang zu Impfstoffen haben sich einerseits die Entwicklungsländer gegen die Industriestaaten aufgestellt, andererseits sind sich auch die westlichen Staaten untereinander in die Haare geraten.

Wenige Wochen vor Beginn der Versammlung liess die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai eine Bombe platzen: Sie kündigte an, dass Washington einen vorübergehenden Verzicht auf den Patentschutz für Covid-19-Impfstoffe unterstützen würde. Diese Kehrtwende traf Europa unvorbereitet. Das gilt speziell für die Schweiz, die über einen sehr starken Pharmasektor verfügt. Diese Haltung hat auch Bundespräsident Guy Parmelin bekräftigt. Der endgültige Entscheid der WHO-Staaten über ein allfälliges Fallenlassen des Patentschutzes wird aber nicht in Genf, sondern wohl erst später in diesem Jahr fallen. Die Jahreskonferenz dreht sich vielmehr um einen verbesserten Zugang zu Medikamenten und anderen Gesundheitsangeboten für alle.

Erste Reaktion auf Ausbruch in Wuhan

Sowohl die WHO als auch China gerieten unter massive Kritik, sie hätten nicht schnell und entschlossen genug gehandelt, um Covid-19 einzudämmen, als die Infektionskrankheit Ende 2019 erstmals in der chinesischen Stadt Wuhan auftrat.

Zwar liess China Anfang dieses Jahres eine internationale Delegation von Wissenschaftlerinnen und Forschern nach Wuhan einreisen. Ziel der Mission war die Identifizierung des Ursprungs der Pandemie. Doch steht Peking weiter im Verdacht, dass es dem Team wichtige Informationen vorenthalten habe, die es den Forschenden erlaubt hätten, zur Quelle des Ausbruchs vorzustossen.

In der Tat ist die WHO ohne Mitgliedstaaten und regionale Zusammenarbeit ein Papiertiger. SWI swissinfo.ch ist der Frage nachgegangen, wie die Organisation ihre Reaktion auf gesundheitliche Notfälle effektiver koordinieren sollte.

In vielen Fällen gelingt dies der WHO auch. Denn in ihren Regionalbüros leisten die WHO-Mitarbeitenden hervorragende Arbeit: Sie sorgen für einen Ausbau der Laborkapazitäten, damit Viren überhaupt erst entdeckt werden können, und sie optimieren die lokalen Gesundheitseinrichtungen. Aus diesen Anstrengungen resultieren schnellere und präzisere Informationen über Viren-Ausbrüche.

Die schwache internationale Reaktion auf die Covid-19-Pandemie liegt auch im Versagen der Regierungen, ihren Verpflichtungen gegenüber den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR) nachzukommen.

Diese waren 2005 mit dem expliziten Ziel aufgestellt worden, die globale Zusammenarbeit im Kampf gegen Krankheiten und Gesundheitskrisen zu verbessern. Es wird nun erwartet, dass die Delegierten an der Konferenz genau prüfen werden, warum sich dieses Regelwerk ausgerechnet in der Covid-19-Pandemie der letzten zwölf Monate als derart ineffizient erwiesen hat.

Keiji Fukuda, der ehemalige stellvertretende WHO-Generaldirektor, brachte es in einem Interview auf den Punkt: «Die grundlegende Frage ist, ob die Länder glauben, dass ein multilateraler, kooperativer Ansatz wünschenswert ist und ob dieser in der gegenwärtigen Ära umsetzbar ist.»

Die Ebene, auf der Länder zusammenarbeiten und Prioritäten festlegen, wird aber nicht allein von den Regierungen bestimmt. Private Geber spielen bei der Ausrichtung der WHO eine immer wichtigere Rolle. Die Stiftung von Bill und Melinda Gates ist zweitgrösste Beitragzahlerin und steuert alleine fast zehn Prozent zum WHO-Budget bei.

Niemand bestreitet, dass das Werk des Philanthropen, der immer noch zu den reichsten Menschen der Welt zählt, enorm viel Gutes tut. Doch es gibt Bedenken, dass Einzelpersonen über ihre Donationen die Macht erhalten, um die Prioritäten der globalen Gesundheit zu beeinflussen. «Die WHO ist einem privaten Akteur verpflichtet, der seinerseits praktisch zu keinerlei Rechenschaft verpflichtet ist», sagte etwa Lawrence Gostin von der US-Universität Georgetown.

Linsey McGoey, Soziologieprofessorin an der britischen Universität Essex, glaubt, dass Gates ein ideologisches Interesse daran habe, schnell messbare Ergebnisse zu sehen. So könne er zeigen, dass die «milliardenschwere Philanthropie» funktioniere, so McGoey.

Die WHO findet sich heute also in folgender delikater Lage: Als Organisation, die geschaffen wurde, um die Gesundheit als öffentliches Gut sicherzustellen, die aber gleichzeitig Privatpersonen gegenüber verpflichtet ist.

Zudem wird ihre genuine Aufgabe, die Massnahmen in gesundheitlichen Notsituationen zu koordinieren, von ihren eigenen Mitgliedern torpediert.


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6 Meinungen

  • am 24.05.2021 um 11:29 Uhr
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    «Die WHO findet sich heute also in folgender delikater Lage: Als Organisation, die geschaffen wurde, um die Gesundheit als öffentliches Gut sicherzustellen, die aber gleichzeitig Privatpersonen gegenüber verpflichtet ist.» – Und diese «Privatpersonen» die niemand wirklich kennt, instrumentalisieren das «öffentliche Gut Gesundheit» um ihre Ideen und Machtansprüche, evtl. sogar die Weltherrschaft durchzusetzen. – «Sowohl die WHO als auch China gerieten unter massive Kritik, sie hätten nicht schnell und entschlossen genug gehandelt, um Covid-19 einzudämmen..» – Indirekt werden die Regierungen dafür kritisiert, dass sie nicht zu noch rabiateren Mitteln gegriffen haben um die Bevölkerung zu disziplinieren, was einiges über die Motive der unsichtbaren «Privatpersonen» hinter der WHO offenbart. Wir können uns noch auf etwas gefasst machen.

    0
  • am 24.05.2021 um 13:00 Uhr
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    Es ist bezeichnend wie dei Dinge hier laufen:
    Zuerst wird ein Ei gelegt «Pandemie» obwohl es nach den alten Richtlinien keine war.
    Dann tritt der grosse Gönner mit seinen Verbindungen zur Pharma auf den Plan.
    Jetzt muss alles sehr schnell gehen: Testphase teleskopisch verkürzen (also keine echten Tests mehr)
    Um seine Pharmafreunde zu schützen werden die potentiellen Klagen der Nebenwirkungen von den Pharmafirmen auf den Staat übertragen.
    Unde nun wird unter lautem Brimborium eine WHO Sitzung das Beste für die Geldgeber daraus machen
    B R A V O

    0
  • am 24.05.2021 um 16:05 Uhr
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    Soso. «Niemand bestreitet, dass das Werk des Philanthropen, der immer noch zu den reichsten Menschen der Welt zählt, enorm viel Gutes tut», schreibt Dale Bechtel. Aber doch. Ich bestreite es. Und ausserdem noch viel wichtigere Personen und Organisationen, NGOs vor allem aus der sog. Dritten Welt bestreiten es. Man lese nur beispielsweise den Bericht «Gates to a Global Empire» der Organisation Navdanya international. Die WHO ist leider zu einem Sammelbecken für Lobbyisten und zur Vertreterin von Partikularinteressen verkommen. Gerade der Philantrop hat dafür gesorgt, dass die Förderung der so dringend benötigten Basis-Gesundheitsstation in den armen Ländern hintangestellt wurden zugunsten einer (gen-)technisierten Auffasung von Gesundheit und Landwirtschaft. Der Philantrop ist inverstiert in Rüstungsindustrie wie in Monsanto, von den Big Pharmas gar nicht zu sprechen. Der Befürworter von Atomenergie, von Gentechnik usw. . Und leider hat er auch massgeblichen Einfluss auf die WHO. Die WHO muss dringend und zuallererst von privaten Spendern befreit werden. Damit sie wieder das tun kann, wofür sie einst geschaffen wurde.

    0
  • am 25.05.2021 um 00:32 Uhr
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    Im Falle einer Pandemie sollte jede Nation jedes Medikament und jedes Vakzin welches bereits in einem anderen Industriestaat eine Zulassung hat, und bereits erfolgreich verimpft oder angewendet wurde, ungehindert zugelassen werden. Weder der Kapitalmarkt noch andere wirtschaftliche Interessen oder politisches Kalkül dürfen in einer solchen Situation darüber bestimmen, wer auf ein Medikament oder ein Vakzin Zugriff hat oder nicht. Als Covit kam. bekamen nur einige wenige Vakzine die Zulassung, und potente Medikamente wie Ivermectin und prophilaktische Produkte wurden für Covit nicht zugelassen, obwohl sie offenbar wirken. Dies um die Impfbereitschaft für die beiden «Vertragsvakzine» zu erhöhen. Ich nenne dies Produkte Placement auf Kosten von Menschenleben. Es wird Zeit, einem neuen Weltethos der Allverfügbarkeit aller Möglichkeiten für alle gebührend Rechnung zu tragen und alle Differenzen wirtschaftlicher und politischer Natur zu überwinden. Nur durch Korruption, Manipulation und Druckausübung konnte der jetzige Zustand herbeigeführt werden, welcher dafür sorgt, dass mehr Menschen mangels Zulassungen sterben als es ohnehin passieren würde. Mögen die Menschen, Gesellschaften, und vor allem die Entscheidungsträger daraus lernen, ansonsten sehe ich keine Zukunft mehr für die Menschlichkeit. Es ist inzwischen Offensichtlich, das nicht alle mRna Vakzine vertragen und es bessere oder ebenbürtige Vakzine und Medikamente gibt, die nicht aus der EU/USA kommen. Unglaublich sowas.

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  • am 25.05.2021 um 08:40 Uhr
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    Philanthrop? Nein, Oligarch! Oder Machtmensch.
    Schon komisch, im ‹Wertewesten› sagt man Philanthrop zu den eigenen Leuten und für die gleiche Bande ‹von der anderen Seite sagt man Oligarch mit Geld aus zweifelhaften Geschäften/Kanälen.
    Die WHO wurde erst totgespart und verkommt jetzt zu einem Laufburschen des großen Geldes. Wie so viele andere auch.

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  • am 25.05.2021 um 08:58 Uhr
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    was ist denn hier los?
    Da bringt «unser» InfoSperber einfach Pharma-PR.
    Schon am reisserischen Titel der ist der dürftige Informationsgehalt abzuschätzen: «In Genf steht die Zukunft der Weltgesundheit auf dem Spiel».
    WER schon lange mit der Gesundheit der Menschheitsfamilie zu gunsten der «philantropischen» Investoren Casino spiel ist jedem mittelmässig informierten Durchschnittsbürger klar: es ist die WHO selbst!
    Wie kann «unser» InfoSperber so unkritisch publizieren? – ist er in Anbängigkeit geraten, unterwandert worden?
    Es werden «Frames» bedient, schon eingangs: «Ganz der Pandemie geschuldet», damit wir so beiläufig und eingängig Angstbegriff bestätigt anstatt geprüft, ob es denn eine gewesen sein konnte, oder wenigstens eine Epidemie.
    Die Propaganda geht weiter mit dem Impf-Mantra, schön an die Wünsche der Philantropen wird kritiklos nachgebetet. Interessieren würde doch, was diese unnötig not-zugelassenen Impfseren nützen und was sie denn schaden.
    «swiss.info» – die Informanten in Schweizerqualität könnten doch wenigstens endlich einmal an die Vorgänger Plandemien der armen Vögel und der armen Schweine anknüpfen und endlich etwas aus jenen Desastern lernen!
    Es scheint, dass hauptsächlich die brutalen Geschäftemacher lernfähig sind, ebenso unsere 4 Säulen der Demokratie, sie beteiligen sich am Geschäft.
    Gut gibt es Kommentare im InfoSperber, so bleibt er doch noch lesenswert.

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