Gesichtslähmung

Beim Schlaganfall kann es zur Gesichtslähmung kommen. Solche Erkrankungen hätte die niedrig dosierte Acetylsalicylsäure möglichst verhindern sollen. © sframe / Depositphotos

Niedrig dosiertes Aspirin führte bei Senioren zu mehr Blutungen

Martina Frei /  Zum Blutverdünnen genommen, schadete es Menschen im Alter von über 70 Jahren ohne Herzgefässerkrankungen eher, als dass es half.

Fast 20’000 über 70-Jährige, etwa die Hälfte davon bekam täglich vorbeugend eine 100-Milligramm-Tablette Aspirin, die andere Hälfte erhielt ein Placebo – dieses Experiment sollte zeigen, welchen Nutzen Aspirin als Blutverdünner den Senioren bringt, die relativ fit sind. Keine der Studienteilnehmerinnen und der -teilnehmer hatte bisher einen Schlaganfall, eine «Streifung» oder eine Herzerkrankung wie zum Beispiel Vorhofflimmern oder einen Herzinfarkt. 

Nach knapp fünf Jahren wurde Bilanz gezogen. Die erste Frage war, ob das Aspirin (auch bekannt unter dem Wirkstoffnamen Acetylsalicylsäure oder abgekürzt ASS) Schlaganfälle verhinderte, die durch ein Blutgerinnsel in einer Arterie im Gehirn verursacht wurden. 

Die zweite Frage galt dem möglichen Schaden des Aspirins. Wegen seiner blutverdünnenden Wirkung begünstigt es als Nebenwirkung innere Blutungen, zum Beispiel im Gehirn. Diese können spontan auftreten oder infolge eines Sturzes. 

Unter jeweils 1000 Versuchspersonen gab es im Verlauf von fünf Jahren in der Aspirin-Gruppe 2,5 Gerinnsel-bedingte Schlaganfälle weniger als in der Placebo-Gruppe. Dieser Effekt wurde jedoch wettgemacht durch die Anzahl der Hirnblutungen: Unter jeweils 1000 Versuchspersonen gab es im Verlauf von fünf Jahren in der Aspirin-Gruppe 3,5 Hirnblutungen mehr als in der Placebo-Gruppe.

Erste grosse Studie an älteren Menschen

Überdies kam es in der Aspirin-Gruppe rechnerisch bei 6,1 von 1000 Personen pro Jahr zu einer grösseren Blutung irgendwo anders als am Kopf. In der Placebo-Gruppe passierte das jährlich 4,3 von 1000 Personen.

Die meisten Studien in der Vergangenheit untersuchten den Nutzen des Aspirins bei jüngeren Altersgruppen. Diese erste grosse Studie ausschliesslich an älteren Menschen ohne bestehende Herz- oder Gefäss-Erkrankungen ergab keinen statistisch signifikanten Nutzen des Aspirins, indem es Blutgerinnsel-bedingte Schlaganfälle verhinderte. 

Es zeigte sich aber ein statistisch signifikanter – also wahrscheinlich nicht bloss zufällig aufgetretener – Schaden in Form von Hirnblutungen. Dabei waren diese Studienteilnehmenden im durchschnittlichen Alter von 74 Jahren noch relativ gesund. Niemand von ihnen lebte in einem Pflege- oder Altersheim. «Bei älteren Menschen, die zu Stürzen neigen, könnte das Risiko für eine Hirnblutung bei der Behandlung mit Aspirin noch höher sein als in dieser Studie», geben die Studienautorinnen und -autoren in «Jama Network Open» zu bedenken.


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