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Lobby-Gesellschaft von Hautärzten empfiehlt Botox von Stirnfalten bis zu Traurigkeitsfalten © DGBT

Das Milliarden-Geschäft mit Antifaltenmitteln

Mireille Mata /  Der weltweit grösste Botox-Hersteller Allergan in den USA erwirkt ein gerichtliches Verkaufsverbot für einen deuschen Konkurrenten.

Das Antifaltenmittel Botox hat dem kalifornische Konzern Allergan letztes Jahr einen weltweiten Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar beschert. Einige Konkurrenten möchten vom Geschäft mit der Schönheit ebenfalls profitieren, doch Allergan versucht, diese mit Gerichtsverfahren so lange als möglich vom Markt fernzuhalten.
Ein erster Erfolg verbucht Allergan in den USA: Ein Gericht hat dem deutschen Konkurrenten Merz ein Verkaufsverbot verhängt, das vorerst zehn Monate gültig ist. Angeblich haben Allergan-Mitarbeiter, die zu Merz gewechselt sind, vertrauliche Unterlagen mitgenommen. Eine Merz-Sprecherin erklärte, dies sei kein Einzelfall. In mehreren Ländern würde Allergan mit juristischen Verfahren versuchen, Konkurrenten vom Leib zu halten.
Die Spritzen muss man regelmässig wiederholen
Botox-Spritzen sind vor allem deshalb ein lukratives und umsatzträchtiges Geschäft, weil die Wirkung nach einigen Monaten nachlässt und man die Spritzen regelmässig wiederholen muss. Eine einzelne Behandlung kostet mehrere hundert Franken. Doch die kleine Spritze mit dem Nervengift gegen Falten im Gesicht gehört zu den beliebtesten ästhetischen Eingriffen.
Prominente wie Cliff Richard, Nicole Kidman, Madonna und viele andere Stars verkauft die Werbung als Vorbilder. Fast alle Frauenzeitschriften lassen sich dieses Thema entgehen. Um Botox den Frauen noch schmackhafter zu machen, vertreibt es Allergan auch unter dem Namen «Vistabel» und Merz unter «Bocouture», was an «Haute Couture» erinnern soll.

Aggressive Werbung
Schon seit 2006 gibt es in Deutschland die «Gesellschaft für Ästhetische Botulintoxin-Therapie» DGBT. Über 700 Ärzte sind dabei. Auf der Webseite wird erklärt, dass es um Sorgenfalten auf der Stirn geht, um Zornesfalten zwischen den Augenbrauen, Runzeln, Hexenfalten, Erdbeer-Kinns, auch «Pflasterstein-Reliefs» genannt, Plisseefalten auf den Oberlippen oder um «Truthahn-Hälse».
Zu den Gründern der DGBT gehört der Hautarzt Boris Sommer, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Er scheut sich nicht, in Frauenzeitschriften wie «Gala» über die Harmlosigkeit von Botox aufzuklären. Man müsse Vorurteile abbauen und Vertrauen schaffen, habe Sommer erklärt.
In Deutschland hatte Alice Schwarzer diesen Trend gegeisselt: «Frauen sollen unterernährt sein, nicht älter werden dürfen, glatte, langweilige Gesichter haben und sich operieren lassen oder Botox spritzen.» Die Frauenrechtlerin hatte vor acht Jahren irrtümlicherweise geglaubt, dass dieser Trend sich kehrt und die Frauen sich zu wehren anfangen.
Auch Männer im Visier
In den USA sind unterdessen rund zwanzig Prozent der Kundschaft Männer. Sie lassen sich ebenfalls Falten im Gesicht korrigieren oder dann ihre die Lippe vergrössern. Wenig geändert hat sich die Vorliebe der Männer, sich Haare aus dem Gesicht entfernen zu lassen – der häufigste Grund für Männer, einen Gesichtschirurgen zu besuchen.


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