Das Spiel: Japanischer Kartentausch

Es gibt Spiele, die man nicht eindeutig einer Autorin oder einem Autor zuordnen kann. So zum Beispiel beim Klassiker «Eile mit Weile» oder dem Würfelspiel «Kniffel». Spricht man über Autorenspiele, so steckt eine Frau oder ein Mann hinter einer Spielidee, die man dadurch eindeutig zuordnen kann. Der Verlag EMF war bisher für seine Bücher bekannt, im Spielebereich eher für die Verbreitung offener Spielideen. Neu versucht sich der Verlag auch mit Autorenspielen. «Niwa» entspringt einer Idee des bekannten Autors Reiner Knizia und überzeugt durch seine Schlichtheit und die kurzen Spielregeln.
Thematisch bewegen wir uns in Japan und sorgen für eine schöne Gartenpracht. Spielerisch ist das Thema nicht relevant, auch wenn es wunderschön auf den Karten illustriert wurde. Vielmehr handelt es sich bei «Niwa» um ein Kartensammelspiel, bei dem man durch gute Tauschgeschäfte ans Ziel kommt. Für eine Spielrunde benötigt man eine Auftragskarte, neun Handkarten und zwölf Zahlenkarten, die man auf dem Tisch stapelt. Von den zwölf Karten deckt man drei auf.
Wechselnde Sammelbedingungen
Widmen wir uns zuerst den Auftragskarten. Jede dieser Karte besitzt zwei Ziele, wovon eines immer gleich bleibt. Bei «Niwa» muss man Trios sammeln. Ein Trio besteht aus drei Karten mit gleichen Zahlen, aber in unterschiedlichen Farben. Daneben gibt es ein zweites, zufälliges Ziel. Man soll beispielsweise nur Karten mit geraden Werten sammeln oder eine möglichst lange Reihe mit den Kartenwerten bilden. Je besser man sammelt, desto mehr Punkte erhält man am Ende des Spiels.

Gespielt wird der Reihe nach. Im eigenen Spielzug entscheidet man sich für eine von zwei Aktionen. Am häufigsten tauscht man eine seiner Handkarten mit einer der offen ausliegenden Karten auf dem Tisch. Mit dieser Aktion verbessert man seine Kartenhand im Sinne der aktuellen Auftragskarte.
Als zweite Möglichkeit deckt man eine Karte vom Nachziehstapel auf und legt sie offen auf den Tisch. Mit dem Aufdecken ist der Spielzug allerdings vorbei. Eine neue Karte kann also erst die nächste Person für einen Tauschhandel benutzen. Eine Ausnahme gibt es beim Aufdecken von Karten: Liegt danach ein Trio (drei gleiche Zahlen in unterschiedlichen Farben) aus, darf man es zu sich nehmen.
Das Timing entscheidet
So bleibt in jedem Spielzug die Wahl zwischen einem Kartentausch oder dem Aufdecken einer neuen Karte. Ganz clever ist das Spielende gelöst. Mit dem Aufdecken der letzten Karte vom Nachziehstapel endet das Spiel sofort. Sollte dann noch ein Trio ausliegen, darf man es nehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte man seine Kartenhand aber optimiert haben, damit es viele Punkte gibt. Denn nun kommen alle Handkarten in die Wertung, wenn sie die Vorgaben erfüllen. Nach drei Partien mit frischen Aufträgen gewinnt man mit der höchsten Punktzahl.
«Niwa» benötigt ganz wenig und zaubert trotzdem eine gewisse Spieltiefe auf den Tisch. Bei einigen Aufträgen bringen nicht die Trios am meisten Punkte. So muss man flexibel denken und seine Kartensammlung auch einmal mutig angehen. Die Punktevergabe ist auch nicht bei jedem Trio gleich. Daher kann man bei diesem kleinen Kartenspiel im engsten Rahmen optimieren. Das bringt immer wieder überraschende Wertungsmomente.
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Niwa
Ein Kartenspiel von Reiner Knizia
Illustrationen: Carolin Mayer
Für 2 bis 6 Personen
Ab 8 Jahren | ca. 15 Minuten
Verlag: EMF | ca. 10 Fr. / 9 Euro
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Patrick Jerg betreibt seit 15 Jahren die Webseite brettspielblog.ch und veröffentlicht regelmässig Spielkritiken über Brett- und Kartenspiele.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









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