Onufrij

Metropolit Onufrij, Oberhaupt der nach Russland ausgerichteten Orthodoxen in der Ukraine © Orthodox Christianity

Russisch-Orthodoxe in Ukraine: «Russland ist Angreifer»

Urs P. Gasche /  Onufrij, Oberhaupt der nach Russland orientierten Orthodoxen Kirche in der Ukraine, verlangt sofortiges Ende des «Bruderkriegs».

Anfang 2019 hatten zwei kleinere orthodoxe Kirchen in der Ukraine zur «Orthodoxen Kirche der Ukraine» (OKU) fusioniert, sich von Russlands Patriarch Kirill losgelöst und sich dem Patriarchat von Konstantinopel angeschlossen. Seither gibt es in der Ukraine zwei orthodoxe Kirchen, die sich gegenseitig nicht anerkennen. Doch von den etwa neunzig Bischöfen der nach Russland orientierten «Ukrainischen Orthodoxen Kirche» (UOK) schlossen sich nur zwei der OKU an. Mit etwa 12’400 Gemeinden in der Ukraine bleibt die nach Russland orientierte UOK grösser als die abgespaltene OKU.

Seither gab es von Seiten der ukrainischen Regierung Versuche, die nach Russland orientierte UOK zurückzudrängen. Doch gegen ein für sie diskriminierendes Gesetz klagte die UOK erfolgreich. Sie beschwerte sich zwar über einige Fälle von Vandalismus, «doch lässt sich von einer Verfolgung nicht sprechen», erklärt Thomes Bremer, Professor für Ostkirchenkunde, Ökumenik und Friedensforschung an der Universität Münster.

Metropolit Onufrij, Oberhaupt der nach Russland orientierten und angeblich verfolgten UOK, bezeichnete Russland bereits am ersten Tag der Invasion als «Angreifer» und appellierte an Putin, «den Bruderkrieg sofort zu beenden». Der Moskauer Patriarch Kirill dagegen habe lediglich von «Ereignissen» gesprochen, die Leid verursachen würden, schreibt Bremer in der neusten Ausgabe der Zeitschrift «Politik-Forum».

Wenige Tage später habe Kirill, Patriarch von Moskau, der die Regierung Putins unterstützt, den Westen beschuldigt, in der Ukraine westliche Werte durchsetzen zu wollen. Als Beispiel nannte er die Anerkennung von Homosexualität.

Fazit von Professor Thomas Bremer: «Die Ukrainisch Orthodoxe Kirche» (UOK), von der Putin sagt, sie sei verfolgt, stellt sich also sehr deutlich gegen Putins Politik. Sie stellt sich auch gegen ihre Kirchenleitung in Moskau.»


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Eine Meinung zu

  • am 15.03.2022 um 10:13 Uhr
    Permalink

    Ich halte es für selbstverständlich und darüber hinaus notwendig, dass (christliche) Kirchenvertreter, die heute noch von «ihren» Gläubigen ernst genommen werden wollen, sich eindeutig gegen Krieg aussprechen. Kriegerische Handlungen sind mit dem, was von Jesus v. N. überliefert ist, wirklich völlig unvereinbar. Insofern wäre die Ablehnung des Krieges in der Ukraine auch durch die UOK nur verständlich.

    Es sollte aus spiritueller Sicht andere Wege geben, bestehenden oder befürchteten Aggressionen eines Gegenüber zu begegnen.

    Dass unabhängig davon Kirchenfunktionäre sich in einem leider auch in christlichen Kirchen bis heute verbreiteten Machtrausch immer wieder auch in die (ideologische) Nähe von weltlich Herrschenden begeben und sogar zu Waffengängen aufrufen, ist doch nichts Neues und sollte nicht überraschen. Auch noch in meiner Jugend gab es Waffensegnungen durch christliche Geistliche – was ich selbst als abstoßend und unglaubwürdig empfunden hatte.

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