Auch die Halbierungs-Initiantin redet um den heissen Brei herum
In der «NZZ am Sonntag» vom 15. Februar konnte die 27-jährige Co-Initiantin der Halbierungsinitiative, die Jungfreisinnige Melanie Racine, auf drei Spalten nochmals für die Halbierung der SRG-Gebühren Stimmung machen.
Sie behauptete aus dem Bauch heraus, das Geld würde immer noch reichen, damit die SRG «verlässliche Informationen in allen Landessprachen, Bildung, Kultur und ein Grundangebot an Unterhaltung anbieten» könne.
Racine drückte sich wie fast alle Gleichgesinnten darum, wenigstens plausibel zu erklären, wie die SRG diesen Auftrag mit der Hälfte der Gebühren und – als Folge von weniger Sport- und Unterhaltungssendungen und damit weniger Zuschauenden – auch mit weniger Werbeeinnahmen erfüllen soll.
Sie ignorierte die völlig andere Einschätzung, die Alfred Gantner zwei Tage vorher in der «NZZ» darlegte. Der Banker kennt sich in Zahlen aus. Er ist Verwaltungsrat der Investmentfirma Partners-Group und Verwaltungsratspräsident des Uhrenkonzerns Breitling. Politisch engagiert sich Gantner gegen die geplanten Rahmenabkommen der Schweiz mit der EU.
«Für die Demokratie zentral»
Gantner ist einer der wenigen, der bei der Halbierungsinitiative nicht um den heissen Brei herumredet. Für ihn ist klar, dass namentlich die Westschweiz und das Tessin eine starke SRG brauchen:
«Die Schweiz ist ein Sonderfall: kein einheitlicher Sprachraum, sondern ein Land mit vier Landessprachen. Wer die gesamte Bevölkerung erreichen will, muss Inhalte in Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch produzieren. Das ist teuer. Ein rein kommerzieller Markt würde sich zwangsläufig auf die grössten Reichweiten konzentrieren. Kleinere Sprachräume und regionale Perspektiven blieben auf der Strecke.
Hier liegt – ergänzend zu den privaten Medien – die zentrale Aufgabe der SRG. Sie stellt sicher, dass alle Teile des Landes Zugang zu Information, Kultur und politischer Debatte haben. Das ist nicht nur medienpolitisch relevant, sondern demokratisch zentral. […] Mehrmals im Jahr sind wir aufgefordert, uns zu komplexen Vorlagen eine fundierte Meinung zu bilden. Dafür braucht es eine gemeinsame, verlässliche Informationsbasis in allen Landessprachen. Die Halbierungsinitiative schwächt genau diese Infrastruktur. Sie behandelt die SRG wie einen beliebigen Marktakteur und ignoriert die strukturellen Besonderheiten des Medienmarkts in einem mehrsprachigen Kleinstaat.»
SRF behält nur 40 Prozent der Deutschschweizer Gebühreneinnahmen
Aus diesem staatspolitischen Grund findet innerhalb der SRG eine Quersubventionierung statt. Damit die Westschweizer und Tessiner gleichwertige Programme erhalten können wie die Deutschschweizer, gibt das Deutschschweizer SRF 60 Prozent seiner Gebühreneinnahmen an die Westschweiz und ans Tessin ab (einschliesslich 20 Millionen für die Rätoromanen). SRF behält nur 40 Prozent der Gebühreneinnahmen für sich. Das ist der Preis des dreisprachigen Föderalismus.
Die Einnahmen der Werbespots verteilt die SRG nach dem gleichen Schlüssel zugunsten der Welschen und der Tessiner.
Wer die TV- und Radiogebühren halbieren will, soll die Konsequenzen für die Westschweiz und das Tessin klar benennen:
- Entweder müssen sich die Westschweiz und das Tessin mit je einem einzigen öffentlich-rechtlichen TV-Programm und je einem einzigen Radioprogramm zufriedengeben. Weitere Programmkanäle könnten höchstens mit Eingekauftem oder mit Wiederholungen abgefüllt werden.
- Oder der Bund hilft dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Radio mit Steuergeldern.
Im ersten Fall würden die Halbierungs-Befürworter die Westschweiz und das Tessin zwingen, ihr jetziges Angebot massiv zu reduzieren. Im zweiten Fall würden die Westschweiz und das Tessin einen Staatssender erhalten.
Die Unterstützer der Halbierungsinitiative drücken sich konsequent darum, der Öffentlichkeit diesen Klartext mitzuteilen.
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Die Zahlen im letzten Teil dieses Artikels hatte Infosperber bereits am 19. Februar 2026 dargelegt.
➔ Kommentare zu diesen Beitrag bitte ausschliesslich über die Frage, was nach Annahme der Halbierungsinitiative mit den Programmen in der Westschweiz und im Tessin geschehen soll.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









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