Sperberauge

Facebook fordert «Peitsche» für schwarzen Whistleblower

Portrait Andres Eberhard © zvg

Andres Eberhard /  Ein kenianischer Mitarbeiter verklagte die Muttergesellschaft von Facebook. Nun wollen ihn Metas Anwälte zum Schweigen bringen.

Ein Anwalt des Facebook-Mutterkonzerns Meta hat in Kenia einen Richter aufgefordert, gegenüber einem ehemaligen Mitarbeiter «die Peitsche zu schwingen» (Original: «crack the whip»). Das berichtet das Time Magazine. Der Mitarbeiter mit dem Namen Daniel Motaung ist Südafrikaner schwarzer Hautfarbe und war bis 2019 für Facebooks Partner-Firma Sama in Kenia als Content Moderator tätig. Für die Arbeit wurde er lediglich mit 2,20 Dollar pro Stunde entschädigt. Als er als Vertreter von über 100 Mitarbeitenden mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen forderte, hat ihm Sama die Stelle gekündigt. Nun verklagt Motaung Meta und Sama an einem Gericht in Nairobi wegen Zwangsarbeit, Menschenhandel und der Verhinderung von gewerkschaftlichem Engagement.

Da Motaung sich im Rahmen des laufenden Verfahrens immer wieder öffentlich zum Fall äusserte, forderte der Anwalt der Firma Sama letzte Woche die Richter dazu auf, dies Motaung zu verbieten. Unterstützt wurde er vom Anwalt von Meta, welcher behauptete, dass Motaung das Verfahren mit seinen öffentlichen Äusserungen unrechtmässig beeinflusse. An den Richter gerichtet folgten die Worte: «Ich beantrage, dass Ihre Lordschaft dieses Mal die Peitsche schwingt.»

Lokale Vertreter für Rassengerechtigkeit reagierten empört. «Schwarze Menschen als digitale Bürger zweiter Klasse und hochgradig ausgebeutete Mitarbeiter zu behandeln, ist ein Muster für Facebook», sagte Rashad Robinson, Präsident der US-amerikanischen Bürgerrechtsgruppe Color of Change, gegenüber dem Time Magazine. Und: «Wir haben zu lange gekämpft, um von einer Peitsche zum Schweigen gebracht zu werden, die Facebook selektiv gegen Schwarze einsetzt, egal ob es sich um Nutzer seiner Plattform, Nutzer seiner Werbedienste oder Mitarbeiter seiner Subunternehmer handelt.» Der Aktivist forderte eine sofortige Regulierung, damit Facebook seine Arbeitsstandards «dem 21. Jahrhundert anpasst».

Obwohl Facebook von seinen Mitarbeitern verlangt, restriktive Vertraulichkeitsvereinbarungen zu unterzeichnen, ist es selten, dass das Unternehmen explizit versucht, einen Whistleblower, der an die Öffentlichkeit gegangen ist, zum Schweigen zu bringen. Die Anwälte von Motaung versichern, dass sich ihr Mandant nicht schuldig gemacht habe. Er habe keine Details zum Verfahren preisgegeben und damit kenianisches Recht eingehalten.

Weder der Facebook-Mutterkonzern Meta, noch dessen Outsourcing-Partner Sama oder die Anwälte der beiden Firmen reagierten auf eine Anfrage des Time Magazine.

2020 hatte Facebook-CEO Mark Zuckerberg im Zuge der weit verbreiteten Proteste für Rassengerechtigkeit in den USA gesagt: «Ich weiss, dass Facebook mehr tun muss, um Gleichheit und Sicherheit für die schwarze Gemeinschaft durch unsere Plattformen zu unterstützen.» Bei seinen Vertretern in Kenia sind diese Worte offensichtlich nicht angekommen.


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Eine Meinung zu

  • am 4.07.2022 um 13:12 Uhr
    Permalink

    Es ist immer wieder dasselbe. Gewalttätigkeit, die Peitsche, verbale Gewalttätigkeit sogar in den Leitmedien, man kann es unendlich lange kommunizieren, wer Geld hat, dürfte zwar nicht, aber er kann es sich leisten gewalttätig zu sein, je mehr Geld jemand hat, desto mehr Gewalt kann er ausüben, solange es hübsch verpackt ist, nicht stinkt, keinen Lärm macht, solange wird es ignoriert was da geschieht. Es hat keine Konsequenzen für die Person. Jegliche Gewaltanwendung welche sich jenseits von Notwehr bewegt (Notwehr definiert nach Marshall Rosenbergs Anti-Gewalt Lehre, sein besserer Ausdruck wäre «Schützende Macht») ist schädlich für Mensch, Leben und Umwelt. Trotzdem können Mächtige mit Verleumdungen, Hetze, verbaler Gewalt, übler Nachrede, Rufschädigung, ungerechtfertigten Verzeigungen, usw. alle die klein machen, welche ihnen im Wege stehen. Noch immer gibt es keinen verbindlichen Weltethos, welcher jede Gewalt jenseits von «Schützender Macht» verbietet und das Verbot durchsetzt.

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