Sperberauge

«Eine Situation, die fast jede Frau kennt»

Barbara Marti © zvg

Barbara Marti /  Frauen suchen halbnackt, kopflos, in High Heels und halterlosen Strümpfen nach ihrem Höschen: Der Alltag eines Lingerie-Labels.

In der Schweiz hat das Lingerie-Label Beldona mit einem Plakat in einer Zürcher Filiale online einen Proteststurm ausgelöst. Das Plakat zeigt eine Frau, die einzig halterlose Strümpfe, High Heels und einen BH trägt. Die weitgehend Nackte bückt sich über eine Sofalehne, um hinter dem Sofa nach ihrem Höschen zu suchen. Ihr Kopf ist nicht zu sehen. «Still looking for the right panty?» lautet der Slogan.

Dieses Beldona-Plakat soll eine Alltagssituation von Frauen zeigen.

«Sexistisch»
Das Sujet sei sexistisch, heisst es in Online-Kommentaren. Man werde Frauen nie ernst nehmen, wenn sie als Objekte dargestellt werden. Beldona-Sprecherin Sonya Suscetta sagte in der Boulevardzeitung «Blick», das Sujet sei ein bewusster Entscheid gewesen. Das Plakat sei mit einem «Augenzwinkern» zu verstehen. «Es war nicht in unserem Sinne, Unmut zu provozieren, sondern eine Situation, die fast jede Frau kennt, in einem Bild zu erzählen.» Aufgrund der Kritik entschied Beldona, das Plakat früher als geplant abzuhängen. Es war nicht Teil einer Werbekampagne, sondern sollte einzig auf die Neueröffnung einer Filiale in Zürich aufmerksam machen.

Gewollter Proteststurm
Die «Neue Zürcher Zeitung» mutmasst, dass Beldona mit dem Plakat gezielt einen Proteststurm im Netz auslösen wollte. Die Schweizerische Lauterkeitskommission wollte das Sujet auf Anfrage der NZZ nicht kommentieren. Sie verwies auf ihre Grundsätze bezüglich geschlechterdiskriminierender Werbung. Danach ist Werbung sexistisch, wenn diese die Würde von Frau oder Mann verletzt, zwischen der abgebildeten Person und dem beworbenen Produkt kein Zusammenhang besteht und die Person einzig als Blickfang dient.

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Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitung FrauenSicht.ch.

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4 Meinungen

  • am 31.03.2018 um 11:41 Uhr
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    Die Strategie ist voll aufgegangen. Nun hat es Beldona sogar in den Infosperber geschafft.

    0
  • am 31.03.2018 um 11:46 Uhr
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    1.- keine braucht Beldona
    2.- eigentlich ganz einfache leise Reaktion
    …links liegen lassen, die Bude vergessen!

    Luc

    0
  • am 1.04.2018 um 09:47 Uhr
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    Ich würde es begrüssen, wenn Sie einmal über die Produktion von Beldona berichten würden. Jede emanzipierte Frau die etwas auf sich hält macht einen weiten Bogen um diese Geschäfte. Nie im Leben würde ich ein Wäschestück mit diesem Label tragen, mit dem soviel Elend verbunden ist. Pubic Eye liefert genügend Material dazu.

    0
  • am 3.04.2018 um 09:21 Uhr
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    Kannte das Plakat und die Aktion bisher nicht. Aber jetzt schon. Beldona ist sicher dankbar für die Weiterverbreitung.

    0

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