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Jüdische Äthiopierin in Israel © Ezebel

Israel drängt Äthiopierinnen zur Verhütungsspritze

/  Jüdische Frauen aus Äthiopien wurden in Israel mit der Langzeit-Hormonspritze behandelt. Geburten der Schwarzen sind unerwünscht.

Ron Gamzu, Generaldirektor im israelischen Gesundheitsministerium, sah sich zu neuen Richtlinien gedrängt: Die Dreimonats-Hormonspritze Depo-Provera mit den Verhütungshormonen soll einer Frau künftig nur noch verabreicht werden, wenn diese die «Folgen der Behandlung vollständig versteht». Die Gesundheitsbehörden reagieren damit auf Proteste von Menschenrechtsgruppen und eine Dokumentation im israelischen Fernsehen.
«Bewusste Politik der Regierung»
Die israelischen Behörden geben mit ihren neuen Richtlinien nach Angaben der israelischen Zeitung Haaretz zum ersten Mal zu, dass äthiopische Frauen über Ärztenetzwerke häufig mit den starken Verhütungshormonen gespritzt wurden, ohne dass die Frauen ihr informiertes Einverständnis gegeben hätten. Dies sei bisher eine «bewusste Politik der Regierung» gewesen, erklärte Hedva Egal, Projektleiterin einer israelischen Frauenrechtsgruppe, in der Emirate-Zeitung «The National».
Israels Regierung wolle die Geburtenrate unter eingewanderten Schwarzen senken. Der Leiterin eines Jugendzentrums war schon vor drei Jahren aufgefallen, dass von 45 Äthiopierinnen innerhalb von vier Jahren nur eine einzige ein Kind geboren hatte. Nachfragen ergaben dann, dass die Frauen die umstrittenen Verhütungsspritzen Depo-Provera verabreicht erhielten.
Israelische Medien verbreiteten die Vermutung, die Regierung wolle die unliebsame äthiopisch-jüdische Minderheit langsam zum Aussterben bringen. Israelische Behörden haben den Vorwurf stets bestritten.
Dokumentation im israelischen Fernsehen
Vor wenigen Wochen zeigte das israelische Fernsehen im Educational Television Program eine Dokumentation des Journalisten Gal Gabbay, der über 35 äthiopsiche Immigrantinnen portraitierte. Einige erzählten, bereits in von Israel geführten jüdischen Spitälern in Äthiopien mit Depo-Provera behandelt worden zu sein, andere berichteten, nach der Einwanderung in Transit-Lagern in Israel mit den Hormonen gespritzt worden zu sein – selbst dann, wenn sie dies nicht gewollt hätten. Es sei auch der Eindruck erweckt worden, dass eine Aufenthaltsbewilligung davon abhängen könne. Die Internet-Plattform «Indepth Africa» hatte darüber berichtet (siehe Link unten).
Langzeitpille medizinisch fragwürdig
In starken Dosierungen werden die gleichartigen Hormone gegen Krebs verabreicht, in niedrigen Dosierungen als Hormonersatz während und nach den Wecheljahren. Der Wirkstoff Medroxyprogesteronacetat, eine synthetische Variante des weiblichen Gelbkörperhormons Progesteron, führt zu zahlreichen Nebenwirkungen und Langzeitschäden. Deshalb wird die Dreimonatsspritze zur Verhütung in Europa nur in Ausnahmefällen verwendet.


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