Putin Oberkörper.

Die Parodie eines Macho-Fotos von Putin, gestaltet von der US-Komikerin Chelsea Handler, deren Brustwarzen Instagram zensierte. © CH

Putins frauenverachtende Sprache der Gewalt

Barbara Marti /  Kurz vor Kriegsbeginn sprach Wladimir Putin wie ein Vergewaltiger über die Ukraine. Das ist wohl kein Zufall.

Mit einem sexistischen und herablassenden Spruch kritisierte Putin kurz vor Kriegsbeginn, dass die Ukraine Teile der Vereinbarungen von Minsk nicht einhielt: «Ob es Dir gefällt oder nicht, meine Schöne, du musst es erdulden.» Auf die Frage eines russischen Journalisten, ob die Bemerkung einen «sexuellen Subtext» habe, gab Kreml-Sprecher Dmitry Peskov laut CNN nur eine ausweichende Antwort. Der Präsident meine, dass ein Staat vertragliche Verpflichtungen einhalten müsse.

Opfer ist selber schuld

Putins Sprache ist kein Ausrutscher. Sie ist typisch für männliche Gewalttäter. Ein Verhalten des Opfers dient als Legitimation für einen Übergriff. Wenn das Opfer nicht spurt, ist es selber schuld, wenn es Gewalt erfährt. Dieser Geist prägt auch das russische Recht: Häusliche Gewalt ohne bleibende gesundheitliche Schäden ist seit fünf Jahren keine Straftat mehr, sondern eine Ordnungswidrigkeit, die mit Busse geahndet werden kann.

Gewalttäter muss man stoppen

Die «Schönheit» Ukraine zu zwingen, sich ruhig hinzulegen und den Missbrauch über sich ergehen zu lassen, sei schon seit einiger Zeit Putins Plan, schrieb die ukrainische Feministin Inna Schewtschenko im «Spiegel». Putin sei ein Serientäter, der immer wieder mit Gewalt Politik mache, wie beispielsweise in Tschetschenien, Georgien und jetzt in der Ukraine. Serientäter wie ihn könne man nur stoppen, wenn man rote Linien ziehe und diese auch durchsetze. Denn: «Das Hinwegsehen über Gewalttaten erzeugt mehr Gewalt.» 

Inszenierung als «starker Mann»

Putin inszeniert sich gerne als selbstbewusster «starker Mann», wie die bekannten Fotos von ihm mit nacktem Oberkörper zeigen. Und er hofiert und finanziert seit Jahren in aller Welt rechte und rechtsextreme Parteien und Organisationen, die behaupten, ihre Freiheit werde von einer «Genderdiktatur» bedroht. Der globalen Rechten geht es im Kern um eine konservative Kulturrevolution gegen Gleichberechtigung, Liberalismus, Vielfalt und Toleranz. In zahlreichen Ländern hat ihre Propaganda Teile der bürgerlichen Konservativen erreicht.

Faszination «Krieg, Männlichkeit, Militär, Machtpolitik»

Putin hat im Westen viele Bewunderer, die seine Kritik an der angeblich verweichlichten westlichen Kultur unterstützen. Putin sei «der fähigste Staatsmann der Welt», schwärmte Matteo Salvini, führender Politiker der Rechten in Italien. Der konservative Schweizer Politiker und Publizist Roger Köppel schrieb unmittelbar vor Kriegsbeginn in der «Weltwoche», westliche Journalisten und Intellektuelle hassten Putin, «weil er für all das steht, was sie ablehnen, verteufeln und was deshalb nicht sein darf: Tradition, Familie, Patriotismus, Krieg, Religion, Männlichkeit, Militär, Machtpolitik und nationale Interessen». Putin entlarve die «Dekadenz des Westens». Er sei hoffentlich «der Schock, den der Westen braucht, um wieder zur Vernunft zu kommen». 

«Wenn wir die Männer ändern, können wir die Welt ändern»

Es ist zu hoffen, dass Putin nun zum Schock geworden ist, den seine Bewunderer brauchen. Er ist der Aggressor, dem es egal ist, dass Menschen unter seiner Gewalt leiden. Er verkörpert das Bild des «starken Mannes», der eigene Interessen rücksichtslos mit Gewalt durchsetzt. Dazu gehört die Abwertung des vermeintlich Schwächeren, wie sie in Putins Satz über die Ukraine zum Ausdruck kommt. Dieses Männerbild erhöhe die Gefahr, dass Männer gewalttätig werden, warnte vor drei Jahren der weltweit grösste Psychologenverbanddie «American Psychological Association» (APA). «Wenn wir die Männer ändern, können wir die Welt ändern», sagte der Psychologe Ryon McDermott, der damals neue Richtlinien für die psychologische Arbeit mit Knaben und Männern mitverfasst hatte.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitschrift «FrauenSicht».
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.



Die Redaktion schliesst den Meinungsaustausch automatisch nach zehn Tagen oder hat ihn für diesen Artikel gar nicht ermöglicht.

Die Schlagzeilen der täglich drei neusten Artikel erhalten Sie nach Wunsch täglich oder wöchentlich.

Vielen Dank, dass Sie unseren Newsletter abonnieren!

Der Bestätigungslink ist nicht mehr gültig.