Protest_Abtreibung

Protest gegen Abtreibungsverbote in den USA © Fibonacci Blue/Wikimedia/cc

US-Unternehmen zahlen Reisekosten für Abtreibung

Elisa Lehman /  In weiten Teilen der USA können Frauen kaum mehr legal eine Schwangerschaft beenden. US-Firmen bieten Hilfe an.

Nach dem Urteil des Obersten US-Gerichts vom 24. Juni gilt in den USA kein nationales Recht mehr auf Schwangerschaftsabbruch. Die Gesetzgebung liegt nun bei den Bundesstaaten. Viele haben nach dem Urteil umgehend reagiert und restriktive Abtreibungsgesetze eingeführt.

In rund der Hälfte der US-Bundesstaaten gelten seitdem weitgehende Einschränkungen bis hin zu Abtreibungsverboten – oder sie dürften demnächst in Kraft treten. Es wird erwartet, dass kurzfristig mehr als zwei Dutzend Bundesstaaten vor allem im Landesinneren und im Süden den Schwangerschaftsabbruch verbieten werden. 

Theoretisch können Frauen für eine Abtreibung in einen liberaleren Bundesstaat reisen, in dem ein Schwangerschaftsabbruch legal ist – wie in Kalifornien oder in New York. Doch für eine legale und medizinisch überwachte Abtreibung in den USA müssen viele Frauen künftig weite und mit hohen Kosten verbundene Reisen unternehmen. Besonders hart trifft das Urteil somit gering verdienende und von Armut betroffene Frauen. 

Private Unternehmen übernehmen Reisekosten

Etliche grosse US-Unternehmen haben nun ihren Mitarbeiterinnen im Fall eines Schwangerschaftsabbruchs finanzielle Unterstützung versprochen, wie der Sender CNN berichtete. In Bundesstaaten, die Abtreibung verbieten, wollen sie ihren Mitarbeiterinnen die Reisekosten für den Eingriff in einem anderen Bundesstaat bezahlen. Prominente Unternehmen und Konzerne beteiligen sich an der Aktion: Tesla, Yelp, Airbnb, Microsoft, Patagonia, DoorDash, Citigroup, JPMorgan Chase, Levi Strauss&Co., PayPal, Reddit, Apple und Netflix und weitere mehr. Nach der Urteilsverkündung schlossen sich auch weitere Unternehmen an wie Disney, Meta, Dick’s Sporting Goods und Condé Nast.

Sogar Unternehmen, die sonst eher wegen schlechter Arbeitnehmerrechte in der Kritik stehen – etwa Amazon und Starbucks – wollen die Reisekosten ihrer Mitarbeiterinnen tragen. Der Fahrdienstleister Uber liess zudem verlauten, man werde Anwaltskosten für FahrerInnen übernehmen, falls diese wegen Fahrten zu Abtreibungskliniken verklagt werden.

Der Outdoorprodukt-Hersteller Patagonia ging noch einen Schritt weiter: Er will  Kautionskosten für Beschäftigte übernehmen, die bei friedlichen Protesten gegen das Abtreibungsverbot festgenommen werden. Im ganzen Land versammelten sich Menschen, um gegen die neuen Gesetze zu demonstrieren.

Europäische Firmen sind zurückhaltender

Zurückhaltender sind da europäische Unternehmen mit Standorten in den USA. So zum Beispiel VW, Mercedes und BMW, die grosse Werke im Süden der USA betreiben. Möglicherweise fürchten sie juristische Konsequenzen. Denn gegen die Unterstützer von Abtreibungen gibt es bereits politischen Widerstand: 14 Republikaner aus dem Weissen Haus kündigten an, dass sie ein Gesetz verabschieden wollen, das Firmen belangt, die Mitarbeiterinnen Reisekosten für einen Schwangerschaftsabbruch zahlen.

Dieser Beitrag ist auf pressenza erschienen.


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Eine Meinung zu

  • am 1.08.2022 um 10:47 Uhr
    Permalink

    Zurück ins Mittelalter. Ein Grund für die Legalisierung der Abtreibung im Rahmen der Fristenlösung in den 70iger Jahren (Vorreiter hier die junge Sowjetunion 1920 bzw. 1955) war die große Belastung des Gesundheitssystems durch illegale Abtreibungen; viele Frauen starben jedes Jahr durch unprofessionelle Aborte, viele blieben unfruchtbar bzw. litten unter schweren Folgeschäden. Es steht zu befürchten, dass ein erneutes Abdrängen der Abtreibung in die Illegalität genau diese furchtbaren Folgen haben wird. Abtreibung wird es immer geben; besser legal und mit klaren Regelungen.

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