Die neuste Ausgabe der «Roten Anneliese»

Quecksilber-Skandal: Uni-Professor redet Klartext

Kurt Marti / 18. Sep 2014 - In der neusten «Roten Anneliese» geht der Geologie-Professor Walter Wildi mit dem Kanton Wallis hart ins Gericht.

Anfang März berichtete Infosperber über die Omertà des Kantons Wallis und der Lonza in der Quecksilber-Affäre: Trotz des immensen Ausmasses der Quecksilber-Verseuchung sucht man im kantonalen Altlasten-Kataster aus dem Jahr 2007 vergeblich nach dem quecksilberbelasteten Lonza-Kanal. Auch im kantonalen Abfallbewirtschaftungsplan aus dem Jahr 2008 steht gar nichts über die Quecksilberbelastung. Kein Wunder: Auch ein Vertreter der Lonza sass in der Abfallkommission, welche den Abfallplan erarbeitet hat.

«Ein schweizweit einmaliges Versäumnis»

Auf die Frage von Infosperber, wieso der Lonza-Kanal im Kataster nicht aufgeführt ist, erklärte Cédric Arnold, Chef der Walliser Dienststelle für Umweltschutz (DUS): «Damals wurde nicht in Betracht gezogen, dass Wasserläufe, die früher zur Entsorgung von verschmutztem Abwasser dienten, auch dauerhaft belastet sein könnten.»

«Dies ist eine Aussage fachlicher Inkompetenz», hält dazu der Genfer Geologie-Professor Walter Wildi in der neusten Ausgabe der Oberwalliser Oppositionszeitung «Rote Anneliese» fest. Und das Fehlen der Quecksilberbelastung des Lonza-Kanals im Walliser Altlasten-Kataster geisselt er mit deutlichen Worten: «Der Kanton Wallis hat die Umweltschutzgesetzgebung des Bundes nicht umgesetzt. Dass diese grossen Altlasten-Vorkommen nicht im Kataster eingetragen sind, ist ein schweizweit einmaliges Versäumnis.»

Erster Quecksilber-Bericht schon 1974

Die neuste Ausgabe der «Roten Anneliese» macht auch einen historischen Rückblick auf den Quecksilber-Skandal im Wallis. Dabei kommt der Genfer Professor Jean-Pierre Vernet zu Wort, der bereits im Jahr 1974 einen Bericht über die Ursachen der Quecksilber-Belastung im Genferseees abgeliefert hat. Schon damals waren die Verursacher der Quecksilber-Belastung bekannt: Die Walliser Industrie, insbesondere die Lonza in Visp und die Ciba Geigy (heute Novartis) in Monthey. Die Untersuchungsergebnisse kommunizierte Vernet anlässlich einer Sitzung mit den Vertretern der Lonza, des Kantons, des Bafu und der internationalen Kommission zum Schutz des Genfersees (Cipel).

Skandal kam im Jahr 2011 zufällig ans Tageslicht

Den Vorwurf, der Kanton und die Lonza hätten die Untersuchungsergebnisse anschliessend in den Schubladen verschwinden lassen, weist DUS-Chef Arnold gegenüber der «Roten Anneliese» zurück. Der Kanton habe bereits in den 70er Jahren bei der Lonza interveniert und eine drastische Senkung der Einleitung von Quecksilber in den Kanal verlangt. Ebenfalls habe die DUS in den Jahren 1988 und 1992 bei Unterhaltsarbeiten am Lonza-Kanal interveniert.

An die Öffentlichkeit kam die Quecksilber-Affäre erst im Jahr 2011, als bei Arbeiten an der A9 zufällig Quecksilber gemessen wurde und sich die Machenschaften nicht mehr vertuschen liessen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Kurt Marti war von 2000 bis 2010 Redaktor der «Roten Anneliese» und ist Autor des Buches «Tal des Schweigens: Walliser Geschichten über Parteifilz, Kirche, Medien und Justiz».

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3 Meinungen

Bex liegt nicht im Kanton Wallis. Wär ächt Monthey gemeint?
Nat Ischer, am 18. September 2014 um 08:46 Uhr
Schon korrigiert. Danke für den Hinweis.
Kurt Marti, am 18. September 2014 um 08:55 Uhr
EU und NATO scheinen mir deutlich mehr Expansionsgelüste zu haben als Putin, Herr Bregy, aber das ist dann definitiv ein anderes Thema.
Nat Ischer, am 18. September 2014 um 12:33 Uhr

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