Wir sind zu viele – Ein Tabu

Lukas Fierz © f
Lukas Fierz / 27. Jun 2019 - Wenn wir die Zerstörung der Natur stoppen wollen, müssen wir auch die globale Bevölkerung reduzieren.

Red. Der Autor ist Arzt in Bern mit Spezialgebiet Neurologie. Er politisierte früher in der Grünen Fraktion im Nationalrat.

---

«It’s our population growth that underlies just about
every single one of the problems that we’ve inflicted
on the planet. If there were just a few of us, then the
nasty things we do wouldn’t really matter and Mother
Nature would take care of it – but there are so many
of us.» (Jane Goodall, 2010)

Als ich 1941 geboren wurde, hatte die Erde 2,5 Milliarden Bewohner, die Schweiz 4 Millionen. Jetzt bevölkern gegen 8 Milliarden Menschen die Erde, und in der Schweiz leben 8,5 Millionen.

All diese Menschen zu ernähren, ist nur mit Intensivlandwirtschaft möglich: mit massiver Zufuhr von fossiler Energie, Pestiziden und Dünger. Das ruiniert die Biodiversität und die Böden. Wegen der globalen Klimaerwärmung sollten wir aber keine fossile Energie mehr verwenden. Und die Düngerlager sind endlich, sie reichen nur für wenige Hundert Jahre. Eine nachhaltige, biologische Landwirtschaft ohne Energie- und Düngerzufuhr vermöchte weit weniger Menschen ernähren – etwa eine bis maximal zwei Milliarden.

Damit sind wir aber noch lange nicht am Ende der Kalamitäten: Die Klimaerwärmung wird eine Verringerung der globalen Ernteerträge bewirken und den Druck von Hunger, Migration und Kriegen verstärken. Und die gewaltige Zahl von Menschen, die auch konsumieren wollen, macht die weltweite Klimaerwärmung vollends unbeherrschbar. So äusserte zum Beispiel Chinas Energieindustrie Absichten, bis 2030 jeden Monat zwei neue Kohlekraftwerke zu bauen, um den wachsenden Energiebedarf zu decken.

Das massive Bevölkerungswachstum und die Zunahme des sogenannten Kulturlandes haben die Lebensräume für die nichtmenschlichen Arten massiv beschnitten. Mittlerweile sind in der Schweiz 60 Prozent von 1143 untersuchten Insektenarten vom Aussterben bedroht und weltweit eine Million der acht Millionen Arten von Lebewesen. Das ist nicht einfach ein Verlust an Naturromantik, denn es drohen Störungen und Ungleichgewichte in der Natur: So ist zum Beispiel die Pflanzenwelt für Bestäubung und Fortpflanzung auf Insekten angewiesen. Das Artensterben wird auch für die Spezies Mensch zur tödlichen Bedrohung. Deshalb fordert der berühmte Insektenforscher und Ökologe Edward O. Wilson in seinem Buch «Die Hälfte der Erde», die halbe Erdoberfläche für die Wildtiere zu reservieren.

Artensterben, Hunger, Kriege

Die grosse Bevölkerungszahl hat noch weitere Konsequenzen: Eine Stadt mit 100'000 Einwohnern könnte ohne Autos und fast ohne öffentlichen Lokalverkehr funktionieren. Erst bei grösseren Städten entstehen die grossen und ineffizient energiefressenden Pendlerströme, die uns von fossiler Energie abhängig machen und die Biosphäre mit CO2 vergiften.

Auch gewisse Auswüchse des Tourismus stehen in Zusammenhang mit den Bevölkerungszahlen: Gerade in der Schweiz sind viele Ferienorte durch Überbauung und Übernutzung derart verschandelt worden, dass manche Erholungssuchende ihre Ferien lieber anderswo verbringen. Man denke nur an Davos, St.Moritz oder Crans-Montana. Auf der Suche nach «unverdorbener Natur» reist man dann in ferne Länder – meistens per Flugzeug – und ruiniert auch noch den übrigen Planeten.

Nicht zuletzt hat der Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe Gunnar Heinsohn nachgewiesen, dass ein grosser männlicher Geburtenüberschuss die Wahrscheinlichkeit eines Kriegs erhöht («Kriegsindex»), ein Mechanismus, welchen die Historiker bis jetzt übersehen hatten.

Wenn wir immer noch eine Weltbevölkerung von 2,5 Milliarden hätten wie 1941, so wäre die Umweltkatastrophe wohl leichter abzuwenden. Mit einer Weltbevölkerung, die gegen acht, zehn Milliarden und darüber hinaus wächst, wird es hingegen mehr als fraglich, ob wir die Kurve kriegen. Und selbst wenn wir sie kriegen: Verzicht auf Autos, Flüge und Fleisch ginge ja noch – aber eine Welt ohne Kühe, Milch, Butter, Käse, mit Protein aus Heuschrecken und Maden...?

Nach wie vor ein Tabu

Es überrascht deshalb, wie Überlegungen zur Überbevölkerung tabuisiert oder gar dämonisiert werden. Ein gutes Beispiel dafür war 2014 die Schweizer Volksinitiative «Ecopop», die das globale Bevölkerungswachstum eindämmen wollte. Von den Initianten kenne ich Benno Büeler, einen integren Mathematiker und Agronomen, der in vielen Entwicklungsländern vor Ort gesehen hat, wie die katastrophale Übernutzung von Weide- und Ackerflächen die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zerstört – und zwar unabhängig von der Klimaerwärmung. Die Initiative forderte unter anderem, dass in diesen Ländern 10 Prozent der schweizerischen Entwicklungshilfe in die freiwillige Familienplanung investiert werden sollten.

Alle Parteien stellten sich dagegen. Mehr noch: Als Co-Autor des Buches «Die unheimlichen Ökologen» rückte der grüne Nationalrat und Fraktionspräsident Balthasar Glättli Benno Büeler und die Leute von Ecopop in die Nähe von braunem Gedankengut und Faschismus. Eine bösartige Unterstellung und – was noch schlimmer ist – der Beweis, dass er vom Problem überhaupt nichts begriffen hat, ebenso wenig wie die grüne Parteipräsidentin Regula Rytz, die eifrig in diesen Chor einstimmte. Nur die grünen Nationalräte Bastien Girod und Yvonne Gilli versuchten 2009 in einem vorsichtig formulierten Arbeitspapier, das Thema Bevölkerungskontrolle anzudiskutieren, wurden aber intern gestoppt. 

Später, bei einer Buchpräsentation mit öffentlicher Diskussion in Bern, nahm Balthasar Glättli seine Vorwürfe zurück: Benno Büeler sei informiert und integer, es bestehe nicht der geringste Anlass, ihn in die Nähe des Faschismus zu rücken. 

In der Vergangenheit hatte Balthasar Glättli gefordert, die Schweiz solle Zehntausende Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen. Ich setzte ihm auseinander, dass selbst bei Einhalten des Pariser Klimaziels grosse Teile des Mittleren Ostens, Afrikas und Südeuropas austrocknen werden. In der Folge könnten schon in den nächsten Jahrzehnten Hunderte von Millionen von «Umweltflüchtlingen» nach Europa kommen. Wie er sich den Umgang mit diesem Problem vorstelle? Glättlis kurze Antwort: «Das ist nicht mehr zu händeln» (engl. to handle, handhaben).

Viele Grüne machen es sich zu einfach. Anstatt sich ernsthaft mit dem Problem auseinanderzusetzen, bilden sie sich ein, dass mit guten Absichten auch Erfolge garantiert seien. Ich nenne diese Varietät des Grüntums die «Gesundbeter». Doch aus der Medizin habe ich gelernt, dass gegenüber dieser Haltung grösstes Misstrauen angebracht ist, denn in der Regel wird damit das Gegenteil von dem erreicht, was eigentlich beabsichtigt war.

In den sogenannten entwickelten Nationen haben wir zwar keine Geburtenüberschüsse mehr, aber wenn man sich dem Problem wirklich stellen wollte, müsste man zum Schluss kommen: Wir sind insgesamt zu viele. Die bestehende und zu erwartende Weltbevölkerung ist mit dem Erhalt der Lebensgrundlagen nicht in Einklang zu bringen, wenn wir einen auch nur bescheidenen Wohlstand für alle gewährleisten wollen. Würden wir mit Edward O. Wilson im eigenen Interesse die Hälfte der Lebensräume den Wildtieren zuweisen, hätte die Erde höchstens noch Platz für eine Milliarde Menschen. Fast niemand wagt, darüber zu sprechen. Immerhin hat die junge US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez (*1989) diesbezügliche Aussagen gemacht. Und die Website «All in to save the world»  listet bei den Massnahmen, die jeder ergreifen kann, die Einkindfamilie als höchste Priorität. Wenn man eine Milliarde Erdenbewohner erreichen will, so braucht es die Einkindfamilie während fast drei Generationen.

********************************************************

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Lukas Fierz ist Arzt mit Spezialgebiet Neurologe. Er war Berner Stadtrat und 1986 bis 1991 Mitglied der Grünen Fraktion im Nationalrat. Seither ist er politisch nicht mehr aktiv. Er schrieb «Begegnungen mit dem Leibhaftigen - Reportagen aus der heilen Schweiz», Tredition 2016, 20.90 CHF. Hier sein Blog.

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

32 Meinungen

Élémentaire, mon cher Watson!

danke
Luc
Luc Farinelli, am 27. Juni 2019 um 13:25 Uhr
Wir haben keine Umwelt- und Klimaprobleme, weil wir zu viele sind, sondern weil wir in eine ungeheure Material- und Energieschlacht verheddert sind. Beispiel: In der Schweiz sind auf 1000 Personen 543 Personenwagen zugelassen. Dem stehen 177‘100 Mitglieder der Genossenschaft Mobility gegenüber, die sich 3090 Autos teilen – macht auf 1000 Mobility-Leute 17.5 Autos. Das sind 31 Mal weniger! Also: Mobility überall und für alle. Weg vom privaten Auto, hin zu Autoteilet, Velo, ÖV. So geht Klimaschutz.
Was aber schlägt Lukas Fierz vor? Druck auf die Menschen im globalen Süden ausüben, sie sollen doch bitte sehr ihre Zahl reduzieren. Dabei belastet ein Mensch in den USA oder Europa das Klima um ein x-faches mehr als ein Mensch in Afrika. Also Herr Fierz, konsequenterweise müssten Sie dann so Sachen fordern wie einen obligatorischen Exit in der Schweiz nach dem 60.Altersjahr. Gruselig, gell?
Hier eine Alternative: Europa finanziert den Menschen in Afrika eine lebenssichernde Altersrente. Das würde z.B in Tansania (Bevölkerungszahl 42 Mio) jährlich 400 Mio CHF kosten – für die reiche Schweiz ein Klacks. So sinken dann auch die Geburtenraten. Denn Kinder sind solange die entscheidende Altersversicherung, wie es eine solche eben nicht gibt.
So geht Humanismus. So geht Klimaschutz. So geht mehr Gerechtigkeit. Falls sie noch mehr wissen wollen, Herr Fierz: Schauen Sie sich doch mal das System-Change-Klimaprogramm auf der Denknetz-Site an: www.denknetz.ch.
Beat Ringger
Beat Ringger, am 27. Juni 2019 um 15:01 Uhr
Resignation?

Wir wissen das alles auch! Es ist gut formuliert. Aber Resignation bringt nicht weg vom Abgrund. Ich hoffe, Sie kennen Rosling. Er lernt uns die Welt zu sehen, wie sie ist und nicht wie wir sie denkfaul in «entwickelt» oder «unterentwickelt» einteilen. Er berechnet einen Plafond von 10 Mia. für 2050. Davon müssen wir ausgehen. Jede andere Idee ist insane und zeigt dann wirklich gegen braun. Wir erreichen das mit einem vernünftigen Lebensstandart für alle. Nicht wie in der Schweiz sondern wie im Iran, China zum Beispiel, wo sie unter dem Level Schweiz (Geburten!) sind, ohne Staat und trotz Religion. Afrika hingegen braucht Geld für b
illigen Konsum, die Kondome kommen dann von selbst (und übers Meer kämen sie auch nicht mehr) Ein Klack für uns im Westen verglichen mit den Folgekosten, wenn wir alles laufen lassen. Und wir in der Schweiz müssen zurück auf Level Iran (Konsum)! Ich bin dabei. Vielleicht geht es so knapp am Abgrund vorbei. Wir schaffen das!
Fritz Gysin, am 27. Juni 2019 um 17:08 Uhr
Diese Analyse des realen Ist-Standes der Menschheit spricht das an, was die Menschheit begreifen müsste um den Weg in die Apokalypse zu vermeiden. Aber eben: Ein Tabu! «Die Menschen wollen nicht wissen, sie wollen glauben» (Max Frisch).
Konrad Lorenz hat in «Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit» die Überbevölkerung als die grösste Todsünde bezeichnet, zu einer Zeit, als wir noch 2,5 Milliarden waren!
Aber, sehr geehrter Herr Fierz, das wissen wir alles, auch aus anderen brillanten Beiträgen im Infosperber. Es braucht keine weiteren Analysen, es braucht die Tat! Wir müssen dem Menschen, dem einzigen Frevler auf dem Planeten, in den Arm fallen und ihm sein Schwert, der Glaube, er sei die Krone der Schöpfung, entwinden. Die Tragik: der Mensch muss sich selbst zu Einsicht und Handlung durchringen. Es wird ihm keine andere Macht zu Hilfe kommen. Schaffen wir es nicht, wird uns die Natur ohne Rücksicht und Bedauern in die Schranken weisen.
50 Millionen gezeugte Kinder/Jahr (WTO) bei denen keine Frau gefragt wurde, ob sie ein Kind will. Dagegen kann angeblich niemand etwas tun. Und 1'200 Miliarden für Rüstung/ Jahr. Damit kann man einige der bald 10 Milliarden beseitigen. Hoffnung stirbt zuletzt, welche Hoffnung? Greta Thunberg allein?
Walter Schenk, am 27. Juni 2019 um 17:25 Uhr
Herr Firz schreibt wie ein wahrer Schulmediziner. Er zählt x Symptome auf und wie man diese bekämpfen kann anstatt sich zu fragen, woran der Patient wohl krankt und wie man ihn heilt.

Damit wir im Westen unsere drei Erden (Tendenz steigen) verbrauchen können, sollen andere, die nicht einmal eine verbrauchen dafür bezahlen, in dem wir ihnen vorschreiben, wieviele Kinder sie bekommen sollen. Auf die Idee, diese Menschen überhaupt zu fragen kommt Herr Firz wohl auch nicht. Wir bestimmen das! All das ist an Zynismus, Arroganz und Egoismus (oder alternativ schlecht informiert. Dann soll man aber das Schreiben lassen und dafür mehr lesen) nicht mehr zu überbieten. Das Gesicht des kapitalistisch/imperialistischen Westen.

Herr Firz, studieren Sie unsere Geschichte und unser Geldsystem. Dann erkennen Sie die Krankheit und können Heilungsvorschläge erarbeiten anstatt die Krankheit zu verwalten und Gift als Bekämpfung von Symptomen zu streuen.

Zum Anfang empfehle ich: Das Ende der Megamaschine von Fabian Scheidler.

Als Tipp: Die erste moderne Bank, die Bank of England, welche als erste Geld gegen Zinsen raus gab, wurde 1694 gegründet. Und jetzt schauen Sie mal, wann die Weltbevölkerung explodierte. Und wenn Sie darüber schreiben, schreiben Sie dann über ein wirkliches Tabuthema.
Stöckli Marc, am 27. Juni 2019 um 23:33 Uhr
Sehr geehrter Herr Stöckli, Sie lesen offenbar nicht genau. Mein Name ist Fierz, nicht Firz. Und nirgends in meinem Artikel steht, dass man irgendjemandem vorschreiben solle, weniger Kinder zu bekommen, auch nicht wem. Es wird nur festgestellt und begründet, dass wir zuviele sind. Das ist schon lange nicht mehr nur das Problem des kapitalistisch-imperialistischen Westens, weil viele Milliarden Menschen in Asien, Afrika und Südamerika den westlichen Lebensstil ebenfalls übernehmen, sodass z.B. die Emissionen von Europa nur noch ein «ferner liefen» sind. Und die Bevölkerungsexplosion hat auch in muslimischen Ländern stattgefunden, wo es keine westlichen Banken und Zinsen gibt. Schuldzuweisungen und Polemisieren führen weder zu Erkenntnis noch zu Lösungen.
Lukas Fierz, am 28. Juni 2019 um 09:22 Uhr
Herr Fierz, wieviele Kinder und Enkelkinder (3x Erdenverbraucher - quota Stöckli Marc) haben Sie denn? Haben sie Ihren Beitrag geleistet?
Christian Schürch, am 28. Juni 2019 um 16:00 Uhr
Natürlich sind wir viel zu viele Menschen. Das wissen auch die Grünen. NUR: Wie kann man das Problem auf soziale und menschliche Art lösen? Dazu müssten Sie mal einen Artikel schreiben. Das grosse Bevölkerungswachstum ist in den armen Ländern zu finden. Sobald der Lebensstandard und die Bildung in diesen Ländern besser werden, gehen die Geburtsraten zurück. Jede Arbeit, die darauf abzielt, die Armut zu verringern, ist also Teil der Lösung. Andere Lösungen gibt es derzeit nicht, solange es keine starken globalen Institutionen gibt. Kondome verteilen ist ein Witz. Die Einwanderung bei uns einzuschränken bringt ebenfalls nichts, denn global bleibt das Problem bestehen. Das ist auch der kapitale und egoistische Denkfehler der SVP. Was ich allerdings auch nicht verstehe: Warum die Überbevölkerung nicht schon längst ein Thema auf globaler politischer Ebene ist. Warum niemand echte Lösungen sucht. Es ist wohl einfach ein zu heisses Eisen: ein unsozial und unmenschlich wirkendes Ansinnen, mit dem man sich nur Ärger einhandelt. So ist der Mensch, wie jedes andere Lebewesen auch: er denkt nur an sich und seine vermeintlichen Rechte, was in einigen Jahrzehten sein wird, interessiert ihn nicht.
Stefan Bachmann, am 28. Juni 2019 um 16:50 Uhr
Nur Geduld. Laut der Deagel-Liste schrumpft die Zahl der Einwohenr der Schweiz bis ins Jahr 2025 auf 5.3 Mio. www.deagel.com
Aufmerksam machen möchte ich auch auf das Dittmar-Modell und den europäischen Öl-Crash bis 2035 und auf www.freizahn.de.
Andreas Reusser, am 28. Juni 2019 um 17:04 Uhr
@ Beat Ringger: «Gruselig» ist doch wenn Sie, Herr Ringger, Freiwilllige Familienplanung (übrigens ein Menschenrecht) mit Euthanasie verwechseln, und das noch gellend.
Wirth Sabine, am 28. Juni 2019 um 22:24 Uhr
Zitat von Ihnen, Herr Fierz: «In den sogenannten entwickelten Nationen haben wir zwar keine Geburtenüberschüsse mehr, aber wenn man sich dem Problem wirklich stellen wollte, müsste man zum Schluss kommen: Wir sind insgesamt zu viele.» Nun, wenn wir, der Westen, keine Überbevölkerung produziert und sie aber ein Bevölkerungsmanagement fordern, wen betrifft es wohl?
Zitat von Herr Fierz: »...viele Milliarden Menschen in Asien, Afrika und Südamerika den westlichen Lebensstil ebenfalls übernehmen...» Angesichts der 500 jährigen Geschichte der Kolonialisierung, welche bis heute unter Begriffen wie Globalisierung und Freihandel und mit Schulden aus illegalen Kreditvergaben an Despoten weiter geht, ist dies eine sehr euphemistische Aussage. Vielmehr wird der westliche Lebensstil aufgezwungen. Studieren Sie die Geschichte von indigenen Völkern (z.b. Madagaskar, im Buch Schulden, die ersten 5000 Jahre ab S.57). Oder, wenn es aktueller sein soll: Die Schock-Strategie von Naomie Klein.

Bezüglich Ihrer Anmerkung, in islamischen Ländern gäbe es keine westlichen Banken ein Zitat aus der NZZ: «Bis vor knapp fünfzig Jahren, als die ersten islamischen Banken gegründet wurden, hatten weder private Anleger noch Unternehmen eine Alternative zu dem von den Kolonialmächten errichteten Finanzsystem.» NZZ, T. Schenk, 2014

Link zum Bericht:
https://folio.nzz.ch/2014/maerz/allahs-anlageberater
Stöckli Marc, am 29. Juni 2019 um 03:49 Uhr
@Stefan Bachmann, «Kondome verteilen ist ein Witz».
Zum x-ten Mal: Freiwillige Familienplanung heisst sexuelle Aufklärung für alle und der Zugang zu sämtlichen heutigen Verhütungsmitteln.
Sie können mit Wasser aus frisch gebohrten Brunnen und mit einem Sekundarschulabschluss-Zertifikat NICHT verhüten.
Schon Alliance Sud Geschäftsleiter Peter Niggli hat in seinem erbitterten Kampf gegen die ecopop-Initiative auf allen Podien immer wieder von «Kondome über Afrika abwerfen», «Kondome an die afrikanischen Bäume hängen» gesprochen. So reden Leute, die andere lächerlich machen wollen, resp. keine guten Argumente haben.
Unser heutiger Wohlstand hat sehr wohl damit zu tun, dass junge Leute planen können, wann sie ihr erstes Kind wollen und wieviele Kinder sie möchten. Die meisten Menschen entscheiden sich dann, Kinder erst nach der Ausbildung zu haben und meist nur sehr wenige.
Wirth Sabine, am 29. Juni 2019 um 08:11 Uhr
Im Mittelalter wurden Überbringer einer schlechten Nachricht gelegentlich geköpft - das scheint sinngemäss wohl auch für Herrn Fierz zu gelten.
Ich könnte mir vorstellen, dass eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesem nicht ganz einfachen Thema auch neue Einsichten bringt.
Ekkehard Blomeyer, am 29. Juni 2019 um 08:13 Uhr
Lieber Herr Stöckli, Sie lesen wieder nicht genau. Wenn man sich dem Problem wirklich stellen will, gilt die Forderung nach massiver Reduktion der Bevölkerung selbstverständlich gleichermassen für die sog. entwickelten Nationen, z.B. die Schweiz, in der acht Millionen Menschen keinenfalls nachhaltig leben können. Und mit der Rückwendung zum Islam hat in vielen Ländern die Geburtenrate wieder zugenommen, wie mir Arnold Hottinger gesagt hat, und das, obschon westliche Banken abgeschafft sind. Wie gesagt, mit Verdrehen, Polemik und Schuldzuweisungen finden wir keine Lösung.

Und sehr geehrter Herr Bachmann, es gibt durchaus erfolgreiche Initiativen zur freiwilligen Geburtenkontrolle in Afrika, die Frauen wollen nämlich nicht mit 13 ein Kind, sie wollen nicht jedes Jahr ein Kind und sie wollen oft nicht mehr als einige Kinder.

Und an alle, die zuerst mehr Bildung und Wohlstand schaffen wollen: Erstens verunmöglicht die Bevölkerungsexplosion vielerorts Bildung und Wohlstand. Und zweitens haben wir dazu nicht mehr die Zeit, angesichts von Artensterben und der Klimaerwärmung, die wesentlich rascher voranschreitet, als noch im IPCC-Bericht von 2018 vorausgesagt. In Frankreich war es gestern über 45 Grad, und die globale Situation wird wahrscheinlich schon in den nächsten Jahrzehnten kippen.
Lukas Fierz, am 29. Juni 2019 um 10:06 Uhr
Es ist nachgewiesen, dass man die Menschheit mit Bioanbau versorgen kann -mit herkömmlichem Anbau nicht. Ein bißchen «Elaine Ingham» könnte frischen Wind in muffige Glaubensgebäude bringen.
Permakultur funktioniert seit Jahrtausenden. Man spricht davon, die Menschheit auf 5% der Agrarfläche zu versorgen -aber wir müssten auf Gentech und Chemiecocktails verzichten und statt dessen intelligente Arbeitsplätze schaffen.
Hat in China, Korea und Japan hat 3000a bestens funktioniert, chinampas (Azteken) sind vielleicht das produktivste Sytem im Anbau .
Wir gehen richtung Ernährungskrise -erstmals hat die WHO gewarnt, dass die Produktion an Cerealien nicht die Nachfrage deckt. Wir haben mehrere Effekte:
Im Intensivanbau kommt die fette Rechnung:
Verdichtete und tote Böden & Humusverlust stehen erhöhter Nachfrage gegenüber. Die Landwirtschaft schwenkt langsam um und die Politiker unterzeichnen den Vertrag mit den Mercosur -Staatn, um mehr Autos zu verkaufen
Zur Diskussion über Bevölkerungskontrolle: Wenn man bemerkt, dass Afrikaner, muslimische Bevölkerungen oder hierzulande Zigeuner sich vermehren, ohne on die Folgen zu denken, die alle beinflussen, tritt gerne die Nazikeule in Aktion. Thema tabu,. Prof. Mausfeld spricht von eingegrenzten Themen & dass auf Grund dieser Reduzierung von Denkmöglichkeiten die vorhandenen Entscheidungsträger gar keinen Zugang haben, um die Palette anstehender Probleme zu lösen.
Wolfgang Keresztesi, am 29. Juni 2019 um 18:36 Uhr
Sehr geehrter Herr Fierz, der Einfluss des Westen, insbesondere des westlichen Kapitalismus auf islamische Länder war und ist derart ausgeprägt, dass dies nicht einfach weg geredet werden kann wie Sie das tun. Ich will aber lieber noch ein/zwei andere Punkte anmerken. Sie haben den Klimawandel erwähnt. Der Ökonom und Sozialwissenschaftler Prof. Andrew Sayer schreibt dazu: «Wussten Sie, dass eine nachmittägliche Spritztour mit einer Superyacht auf dem Mittelmeer schon einmal 10'000l Sprit verbraucht und der Umwelt mehr Schaden zufügt als ein durchschnittlicher Afrikaner in seinem ganzen Leben?» Das US-Militär hat einen CO2 ausstoss wie Schweden. DU-Munition, Agent Orange und weiters kommen noch hinzu und für viele weiter Militärs gilt das gleiche. Und es sind gerade mal 5% von allen Menschen die jemals ein Flugzeug bestiegen haben. Bzl. Artensterben: Da gibt es Hinweise, dass sowohl AKW's, nicht ionisierende Strahlung und vor allem unsere Landwirtschaft, welche auf den massiven Einsatz von Chemiegiften beruht, schuld sein könnten.

Wissen Sie, mein Problem mit Ihrem Artikel ist nicht die Thematisierung der Bevölkerungszahl. Sondern, dass Sie die ganz grossen Verbraucher unsichtbar machen und so tun, als ob die Anzahl Menschen und nicht der Verbrauch pro Kopf das grosse Problem ist.

Und wenn Sie die Ecopop Initiative und die Einkindpolitik als Lösung präsentieren, dann klingt das halt nun einmal so: Wir müssen zwar etwas tun. Aber unser Verhalten ändern kommt nicht in Frage!
Stöckli Marc, am 30. Juni 2019 um 17:47 Uhr
"Georgia Guidestones» - Let these be guidestones to an age of reason.

Mich beunruhigen die Ziele der bis Dato unbekannten Auftraggeber dieser «Orientierungstafeln» als auch die fadengrade gedankliche Nähe dieses Artikels dazu.

In aller Demut bin ich überzeugt und daher zuversichtlich, dass ...
... die Natur über die Kraft verfügt, das im Artikel angesprochene Problem auf ihre Art und ohne menschliches Zutun zu lösen
... wir Menschen aus freiem Willen heraus in der Lage sind, Lösungen zu finden, ohne uns durch irgendwelche Apologeten direkt oder indirekt dezimieren zu lassen. Gemäss den oben erwähnten Orientierungstafeln auf 500 Millionen.
Guido Meier, am 30. Juni 2019 um 17:52 Uhr
Sehr geehrter Herr Stöckli, jetzt sind wir etwas näher beisammen. Aber, dass ich nur die Anzahl der Menschen sähe und den Verbrauch verschwinden lasse, ist wieder eine Unterschiebung. Ich habe über vieles andere auch geschrieben: Pestizide und Wahlabstinenz neulich auf Infosperber, Subventionen an die Fossilindustrie und CO2-Steuer in meinem Buch und auf meinem Blog, und über verkehrsarme Siedlungsstrukturen und Velofahren im Tages-Anzeiger-Magazin. Und ich habe die Grünen und den VCS mitbegründet. Aber jetzt sind wir eben nicht bei diesen Themen, sondern bei der Bevölkerungsgrösse. Was ich der Mehrheit des grünen Kuchens ankreide ist, dass er wähnt, diese Grösse unsichtbar machen zu können, aus ideologischen Gründen. Drum heult der Kuchen auf, wenn man die Frage anspricht.

Die Gleichung des Überlebens unserer Zivilisation hat vielleicht keine Lösung, aber wenn sie eine Lösung hat, so geht – unter vielen anderen Grössen - die Bevölkerungsgrösse darin ein, und diese Grösse ist zur Zeit mit einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion nicht vereinbar, selbst wenn wir allen anderen Verbrauch reduzieren. Wir müssen - neben vielem anderen – AUCH die Bevölkerungsgrössen herunterfahren. Das können Sie bestreiten, aber dann bleiben Sie bitte beim Thema und liefern Sie Argumente, an denen ich selbstverständlich brennend interessiert wäre.
Lukas Fierz, am 30. Juni 2019 um 18:54 Uhr
Immer dieselbe Leier: «Hilfe, Überbevölkerung! Wir müssen zu viele Menschen durchfüttern!"

Blick straff auf die ANZAHL (Menschen) richten. So sind wir fein raus und können uns wieder dem Fleisch auf den Grill zuwenden.

"Überbevölkerung» = gutes, beliebtes Thema. Es soll nur niemand solche Worte einwerfen: unser LEBENSSTIL.

Wir erachten es für unabdingbar, dass pro Jahr 1 Milliarde Rinder, 700 Mio. Schweine, 800 Mio. Schafe und ca. 20 Milliarden Hühner mit Getreide gemästet (!) - und abgeschlachtet - werden. Allein diese Menge Getreide würde den Kalorienbedarf von 20 Milliarden (!) Menschen abdecken. [Für 1 Fleisch-Kalorie müssen ca. 4 (Huhn) bis 12 (Rind) Getreide-Kalorien verfüttert werden.]

Nicht nur bei der Entscheidung «Tier oder Mensch», stellen wir sicher, dass es «unser Nutztier» ist, das wohlgenährt ist. Auch dabei, worüber wir uns ärgern und Änderungsbedarf sehen, wissen wir die Debatte die «richtige» Richtung zu lenken ... zielsicher von uns weg.

Bei anderen Ressourcen - und damit der Plünderung/Zerstörung des Planeten - dasselbe Bild: Für «uns» locker mal einem im Vergleich 20ig-fachen Verbrauch (grösseres Auto, neue Möbel, Kleider, Flugreisen usw.) ... und den Zeige- bzw. Mittelfinger den im Elend Lebenden. Auch dann noch, wenn deren «Grossfamilie» mindestens 10x weniger Ressourcen verbraucht bzw. den Planeten zerstört als das hippe Schweizer Jetset-Pärchen).

Wohl beim Grill im schönen Blumengarten schwierig - und vor allem ungern - zu erfassen ...
Stephan Kühne, am 30. Juni 2019 um 21:13 Uhr
Sehr geehrte Herr Kühne, ähnliche Argumente bei Marc Stöckli, meine Antwort dort.
Lukas Fierz, am 30. Juni 2019 um 22:07 Uhr
Herr Fierz, es ist eben nicht so wie Sie glauben. Ich habe nirgends etwas von wegen «wir sind nicht zu viele» geschrieben. Auch nicht das Gegenteil, denn ich weiss gar nicht ab wann wir zu viele sind. Es kommt ja auch sehr auf den Prokopfverbrauch an. Ich habe auch kein Problem, wenn sie sagen wir sind zu viele. Sondern ich habe ein Problem wie sie das Thema angehen. Im Artikel oben finde ich keine Auseinandersetzung mit dem warum. Das Bevölkerungswachstum ist ein Symptom und keine Ursache.

Was ich lese ist: «Wir sind zu viele! Punkt!». Die Lösungsvorschläge sind: Lenken von Finanzströmen in armen Gegenden um das Bevölkerungswachstum zu senken (notabene bei denen, die am wenigsten Einfluss auf die Umweltzerstörung haben). Darüber wird bei uns abgestimmt, aber nicht bei denen die es betrifft (Ecopopinitiative). Und die Einkindpolitik, welche meiner Meinung nach extrem totalitär ist und tief in die individuelle Freiheit sowie Integrität eines jeden einzelne eingreift.

Und gegen solche Lösungsvorschläge setze ich mich zur wehr. Vor allem weil Sie noch nicht einmal fragen, wieso wir dieses Bevölkerungswachstum haben. Wie kann man Lösungsvorschläge machen, wenn man das eigentliche Problem welche die Symptome auslösen nicht kennt und nicht erforscht?

Ich habe also kein Problem mit dem Thema Herr Fierz, sondern mit Ihrem Umgang damit und den extrem heiklen, oberflächlichen (weil nicht problemlösend sondern nur symptombekämpfend) und nicht gerade humanen Lösungsvorschlägen.
Stöckli Marc, am 01. Juli 2019 um 10:32 Uhr
Herr Stöckli, zum letzten Mal, Sie unterschieben mir dauernd Dinge, die ich nie gesagt habe, wohl aus einer totalitären Haltung, die Ihnen selber eigen ist. Wo habe ich von Eingriffen in die Freiheit gesprochen? Und den Grund des Bevölkerungswachstums kenne man nicht? - haben Sie nie vom Storch gehört?

Ich hoffe, dass solche Diskussionen bei jedem einzelnen zur Einsicht führen, dass Auto, Fliegen, Steak und Das-immer-neueste-haben-wollen out sind. Dass es normal ist, nur ein Kind zu haben, dass man darauf sogar stolz sein kann. Ganz von selber. Aber Ihre Reaktion ist typisch für die Reaktion des grünen Kuchens. Sie spielten Ihre Rolle beispielhaft. Danke.
Lukas Fierz, am 01. Juli 2019 um 11:06 Uhr
Genauso ist es. Wir brauchen daher dringend globale Geburtenregelungen. Bitte mithelfen bei https://www.change.org/p/weltweite-geburtenregelungen-verbindlich-einf%C3%BChren-introduce-obligatory-world-wide-birth-controls
Achim Wolf, am 01. Juli 2019 um 12:30 Uhr
Wenn wir zu viele sind, dann fangen wir doch in der Schweiz an und stoppen die Zuwanderung. Das ist der beste Schutz für die Natur. Aber davon wollen die Grünen ja nichts wissen.
Im Übrigen erstaunt es mich immer wieder, wie wenig grüne Politiker von CO2 wissen. Sie schreiben CO2 vergifte die Biospähre. Im Gegenteil: CO2 fördert die Biospähre. Pflanzen LIEBEN CO2, weil es die entscheidende Energiequelle für sie ist. CO2 ermöglicht die Photosynthese – der wichtigste Vorgang in der Natur überhaupt. Pflanzen brauchen CO2 zum Wachsen. Und wir brauchen Pflanzen als Nahrung. Es sichert das Überleben von Mensch und Tier. Das scheint man in der Schule nicht mehr zu lernen. Man predigt seit Jahrzehnten, man solle CO2 aus der Atmosphäre eliminieren, dabei brauchen wir es dringend.
Von der Landwirtschaft verstehen die Grünen auch nichts. Sie schreiben: „Düngerlager sind endlich.“ Stimmt nicht. Ausunseren Abfällen entsteht immer neuer Dünger! Und was ist mit Hühnermist, Rindermist, Kuhfladen, Rossbolle usw.? Alles Dünger!
Dass Balthasar Glättli das Problem des Bevölkerungswachstums nicht begriffen hat, damit bin ich mit Ihnen allerdings einig.
Inge Hess, am 01. Juli 2019 um 14:01 Uhr
Wenn das Klima aussen heisser wird, erhitzen sich manche Menschen auch innerlich. Das macht es nicht gerade leichter, sachliche Lösungen zu finden und einvernehmlich umzusetzen.
Ekkehard Blomeyer, am 01. Juli 2019 um 14:21 Uhr
@Beat Ringger: Die Menschheit entwickelt sich zweifach falsch: Zuviel Konsum und zuviele Konsumenten! Weil das 2 Faktoren sind, lässt sich das Problem auch nie mit einem Faktor alleine lösen. Pro Kopf Konsum * Köpfe = Umweltbelastung! Nur wenn wir (in der CH) den Konsum um 80% senken und die Einwohnerzahl stabilisieren, ist Ihr Vorschlag tauglich! Weil bei einem Bevölkerungs-Wachstum von 1% (16Mio!) muss in 70Jahren der Konsum nochmals halbiert werden! - Auch ich bin Mobility Mitglied, aber ihr Beispiel sagt leider wenig über das Sparpotential aus. Man kann aus einer Gesamtmenge nicht einfach eine Untermenge nehmen und als Beispiel aufführen. Sonst könnte man einfach alle nicht Autobesitzer nehmen und die brauchen 100% weniger Autos! Arbeits- und Wohnorte sind zu kombinieren und jede Mobilität soll mit Lenkungsabgaben ihre wahren Kosten bezahlen, dann gibt es weniger Verkehr. Subventionen fördern den Konsum und Arbeitsplätze und deshalb wollen alle Parteien Wirtschaftswachstum.
Markus Ursprung, am 01. Juli 2019 um 14:34 Uhr
Derzeit betreiben wir einen Raubbau am Planeten, der dem Doppelten der Nachhaltigkeit entspricht. Der Ressourcenverbrauch müsste somit auf 50% sinken.

Der Anteil am privaten Konsum der ärmeren 80% (6 Mia. Menschen) beträgt ca. 25%. Derjenige der reichsten 20% (1.5 Mia.) somit 75%! 1.5 Mia. verbrauchen 75% der Ressourcen & sind für 75% der Zerstörung des Planeten verantwortlich.

Angesichts dieser Gegebenheit erachtet es Herr Fierz für angezeigt, unsere Aufmerksamkeit auf die ANZAHL Menschen zu lenken - und so weg von der VERTEILUNG wie auch dem auf Konsumsteigerung getriebenen Wirtschaftssystem.

Die ärmsten 50% auf dieser Welt (3.5 Mia.) verbrauchen praktisch nichts! Wie sollten sie auch bei max. ein paar Dollars pro Tag? Eine Handvoll Reis, alle paar Wochen eine Fahrt in einem überfüllten Bus. Sie haben nur das Leiden - wir den Ressourcenverbrauch.

Auch wenn die Weltbevölkerung um 6 Mia. Menschen (80%) reduziert würde, so «schaffen» es die Verbliebenen 1.5 Mia. (also wir) immer noch 50% über dem Niveau der planetaren Nachhaltigkeit zu k(l)otzen! Und weil wir es nicht lassen können, werden wir die nun günstigeren Ressourcen noch rascher «nutzbar» machen, sprich: uns anheizen, den Konsum von Flugreisen, Autos, Jachten weiter zu steigern ...

Fazit: Es ist an uns zu zeigen, dass eine nachhaltige Lebensform erschaffen werden kann! Tun nicht (einmal) wir das, geben wir allen anderen nicht den Hauch einer Chance, nicht auch ins Hamsterrad des steigenden Konsums einzusteigen.
Stephan Kühne, am 02. Juli 2019 um 00:17 Uhr
Also Herr Firz, Sie haben in ihrem Artikel doch die Einkindpolitik als Lösung präsentiert? Und ich halte diese für einen sehr tief gehenden Eingriff in die persöhnliche Freiheit. Wenn Sie das anders Empfinden, dann ist das ja in Ordnung, aber mein Empfinden ist halt so. Und deshalb setze ich mich gegen solche Vorschläge zur Wehr. Und da unterstellte ich Ihnen nichts was Sie nicht gesagt haben, denn es steht ja in Ihrem Artikel. Ich bezeichne nicht Sie als totalitär, sondern die Einkindpolitik und ich habe das sogar bewusst als «meiner Meinung nach» deklariert.

Wo in Ihrem Artikel thematisieren Sie denn die Gründe für das Bevölkerungswachstum?

"Dass es normal ist, nur ein Kind zu haben, dass man darauf sogar stolz sein kann» Natürlich, aber man darf eben auch stolz darauf sein, gar kein Kind zu haben oder fünf Kinder zu haben.

"Aber Ihre Reaktion ist typisch für die Reaktion des grünen Kuchens. Sie spielten Ihre Rolle beispielhaft. Danke"
Lustige Aussage, denn im Gegensatz zu Ihnen war ich noch nie Mitglied einer grünen Organisation und habe auch keine Kontakte dahin. Ich bin zwar in kleinen Vereinen als Mitglied, ziemlich passiv, dabei. Es sind aber Vereine mit einer ganzheitlichen Sichtweise wo Natur neben Wirtschaft, Frieden, Politik, Energiewende etc. ein Punkt von vielen ist und diese Punkte eben nicht separat betrachtet werden, sondern im Kontext zueinander. Ganzheitlich eben.
Stöckli Marc, am 02. Juli 2019 um 08:48 Uhr
@Stöckli Marc
Wie könnten Ihrer Ansicht nach Menschen zusammenleben ohne Eingriffe in die persönliche Freiheit?
Ekkehard Blomeyer, am 02. Juli 2019 um 19:17 Uhr
Guten Tag Herr Blomeyer, ich finde Ihre Frage ein bisschen sehr generell formuliert. Damit kann man ja jede Kritik an Eingriffen in die persönliche Freiheit hinterfragen, ohne auf das eigentliche Thema ein zu gehen. So als Hinweis.
Aber ich versuche mal generell zu antworten: Unser System kann die von ihm geschaffenen Probleme nicht mehr lösen. Die einzigen Auswege und Vorschläge die man in Politik und Medien hört, sind eigentlich nur noch Eingriffe in die persönliche Freiheit. Verbote, Regelungen, Gesetze, massive mediale Verhaltenskodexe etc. Ich denke, viele Menschen spüren die zunehmende Verengung unserer Freiheit, ohne das sich gleichzeitig aber wirklich etwas bessert oder Probleme gelöst werden.

Ich formuliere Ihre Frage mal anders, um eine klare Antwort zu geben: Wie könnten Menschen ein System schaffen, in dem Probleme gelöst werden anstatt mit immer mehr Einschränkungen die Symptome bekämpft?
Es gibt hier nicht eine Lösung und es ist definitiv ein sehr langer Prozess der wahrscheinlich über Generationen geht.
Wichtige Punkte sind mMn:
- Abbau von Herrschaft
- Entscheidungen von unten nach oben anstatt von oben nach unten
- Geldsystem welches kein Wachstum generiert
- Ökonomisches Wirtschaften anstatt Chrematistik (nach Aristoteles)

Da ich der Meinung bin, dass dieser Umbau über Generationen geht und wir, wenn wir heute beginnen, erst am Anfang stehen, müssen wir endliche die Systemfrage breit und öffentlich diskutieren. Etwas was ich immer mal wieder vorschlage.
Stöckli Marc, am 05. Juli 2019 um 11:12 Uhr
Zum Abrunden dieser spannenden Diskussion hier zwei Bilder:

1. die exponentielle Entwicklung der menschlichen Bevölkerung in den vergangenen 100‘000 Jahren, insb. der letzten 200 Jahre: https://youtu.be/PUwmA3Q0_OE

2. die Geschichte des weltweiten Energieverbrauchs der letzten 200 Jahre: https://gailtheactuary.files.wordpress.com/2012/03/world-energy-consumption-by-source.png

Die zwei exponentiellen Kurven decken sich: Ohne die Erschliessung und Ausbeutung der fossilen Energiequellen, namentlich Kohle und Erdöl, wäre die Entwicklung der Menschheit (mit all ihren Errungenschaften und Zerstörungen) in den zwei letzten Jahrhunderten, vorallem der Wirtschaftsboom und die Umweltzerstörung (inkl. Klimawandel) der letzten 70 Jahren, undenkbar.

Das Bild entspricht der exponetiellen Entwicklung einer Bakterienkultur in einer Petrischale — bevor ihr die Nahrung ausgeht... (Grenzen der Wachstums)
Mark Ita, am 07. Juli 2019 um 08:12 Uhr
@Mark Ita und @Marc Stöckli: Bakterien wachsen ganz ohne Geld- und Banksystem!
Lukas Fierz, am 07. Juli 2019 um 10:09 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.