Das alte Medikament Ilaris sollte auch Herzinfarkte und Schlaganfälle vermeiden © cc

Vom «überraschenden Erfolg» zur Niete

Urs P. Gasche / 03. Sep 2017 - Vorschnell melden Pharmakonzerne Erfolge, was ihre Börsenkurse steigen lässt. Der Dämpfer etwas später macht weniger Schlagzeilen.

Wer sich über den Nutzen neuer Medikamente oder über neu entdeckte Nebenwirkungen und Risiken von neu entwickelten, aber auch von bereits verbreiteten Medikamenten informieren möchte, muss die Wirtschafts- oder Börsenseiten von Zeitungen lesen. Dort erscheinen solche Meldungen zuerst, weil sie die Aktienkurse der Pharmakonzerne beeinflussen.

Ein aktuelles Beispiel ist das Medikament Ilaris von Novartis. Es ist seit längerem gegen die seltene rheumatoide Arthritis bei Kindern zugelassen. Im Juni 2017 meldete der Pharmakonzern, dass Ilaris auch Patienten nütze, die einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben. Ilaris würde das Risiko eines weiteren Infarkts oder Schlaganfalls reduzieren.

Für die «Finanz und Wirtschaft» war damit am 22. Juni bereits klar: «Novartis hat überraschenden Erfolg mit Herzmedikament».

Am Abend des gleichen Tages meldete «Cash online»: «Novartis hievt Schweizer Börse auf über 9000 Punkte ... Die Novartis-Aktien schossen um knapp 5 Prozent hoch

Die NZZ am Sonntag berichtete am 25. Juni auf der Wirtschaftsseite nur leicht vorsichtiger: «Novartis überrascht mit positiver Studie für Herzinfarkt-Patienten». Als «positiv» bezeichnete die Zeitung die Studie, ohne die Details der Studie zu kennen, geschweige denn sie konsultiert zu haben.

Im Artikel stützt sich die Zeitung dann auf Novartis, wonach eine «zulassungsrelevante klinische Studie beweist, dass das ... bereits zugelassene Mittel auch bei Herzpatienten wirkt».

Die NZZ am Sonntag fuhr kommentierend fort:

«Das Potenzial von Ilaris im kardiovaskulären Bereich ist gross. Novartis sprach Ende Mai an ihrem jährlich stattfindenden Investorentag in den USA von 4 Millionen Patienten, die für Ilaris bei Erfolg in Frage kommen. Gleichzeitig präsentierte sie das Präparat auf einer Liste von Wirkstoffen, die alle zu Spitzenzeiten potenziell mehr als 1 Milliarde Dollar Umsatz erzielen werden. Die Schätzungen der Analysten reichen ebenfalls von 1 Milliarde Dollar bis zum Vierfachen dieses Betrages.»

Die Zukunftsprognosen seien deshalb so unterschiedlich, weil «die Detailzahlen noch nicht bekannt» seien.

Ernüchterung

Ende August wurden die Detailzahlen bekannt. In einer kleinen Meldung – ebenfalls auf einer Wirtschaftsseite – hiess es in der NZZ vom 29. August: «Für Enttäuschung sorgt, dass das Risiko eines weiteren Herzanfalls bei den mit Ilaris behandelten Patienten insgesamt nur um 15 Prozent im Vergleich zu denjenigen reduziert werden konnte, die ein Placebo verabreicht bekamen.» Dieses Resultat liege am «unteren Ende der Erwartungen von Analytikern». Novartis werde «kaum rasch einen grossen Markt erschliessen» können.

Fazit der NZZ: «Man wartet lieber die Details ab, als dass man sensationell anmutenden Meldungen aus der Pharmaforschung vorschnell grosse Bedeutung zumisst.»

Nicht nur Börsen-Spekulanten sollten sich diesen Ratschlag merken, sondern zuweilen auch die Zulassungsbehörde Swissmedic und die Preisfestsetzer des Bundesamts für Gesundheit.

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Keine

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2 Meinungen

Es ist zu lesen , daß Herzinfarkt und ischämischer Schlaganfall (wo kein Gefäß geplatzt ist) eine Gemeinsamkeit haben : Übersäuerung des Organismus .
Als a l l g e m e i n e Prophylaxe und hinsichtlich u. a. als Ad-hoc-Therapie bei Schlaganfall wird Natriumhydrogencarbonat empfohlen , bevor eine klinische Versorgung erfolgt .
Vielleicht läßt sich eine überaus mangelhafte PR darüber anhand einer Preisgestaltung aufzeigen :
Natriumhydrogencarbonat , 250g , Deutsche Pharmazentralnummer (PZN): 01420649
Preis : 1,62 EUR

( In Anlehnung an Goethe , Faust 1 und bei Hinwendung zu dem von Herrn Gasche genannten Unternehmen ):
"Das also ist des Pudels Kern . Ein gierend Oligopol . Die Hybris macht mich zornig».
Gustav - Adolf Siebrasse, am 03. September 2017 um 23:52 Uhr
Es ist ähnlich wie mit der Informatik: Ich installiere nicht das neueste Produkt. Ich lasse andere die Software-Fehler herausfinden und ausbügeln. Bei Medikamenten wären das Nebenwirkungen. Was ist übrigens mit dem WZW-Kriterien?
Jürg Schmid, am 04. September 2017 um 17:25 Uhr

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