Verschuldung durch Corona: Es ist genug Geld da – leider

Werner Vontobel © wv
Werner Vontobel / 31. Mai 2020 - Damit die Corona-Krise nicht zur globalen Depression wird, müssen sich die Staaten massiv verschulden. Warum das ein Problem ist.

Die Aargauer Zeitung hat sich in dieser Frage Rat bei einem Wirtschaftskapitän geholt, beim Swiss Life-Präsidenten Rolf Dörig. Der sieht es so: „Der Staat wird mit einer zusätzlichen Verschuldung von bis zu 100 Milliarden Franken aus dieser Krise kommen. Diese Schulden müssen wieder abgebaut werden. Das geht nicht ohne die Schuldenbremse. Und es braucht eine Verzichtsplanung. Wir müssen – wie nach einem Gewitter – die Schäden besichtigen und uns dann fragen: Worauf müssen wir in Zukunft verzichten, damit nicht spätere Generationen die Zeche zahlen?“

Betriebs- und Volkswirtschaft ist nicht das Gleiche

Dieser Ablauf ist typisch. Weil es noch immer nicht zum Allgemeinwissen gehört, dass Volks- und Betriebswirtschaft zwei paar Stiefel sind, wendet sich die Zeitung mit einer volkswirtschaftlichen Frage an einen Betriebswirtschafter. Dieser hält sich für zuständig und antwortet aus seiner unternehmerischen Optik und Erfahrung: Klar, wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät und Schulden macht, hängt die Kreditwürdigkeit davon ab, dass es ein glaubwürdiges Schuldentilgungsprogramm vorlegt. Deshalb der Verweis auf die „Schuldenbremse“ und auf eine „Verzichtsplanung“.

«Verzichtsplanung» verschärft die Krise

Doch aus volkswirtschaftlicher Sicht sieht das ganz anders aus: Wir sind in die Wirtschaftskrise gerutscht, weil es eine Verzichtsplanung gab. Der Bundesrat hat uns – aus guten epidemiologischen Gründen – gezwungen, auf den Coiffeur, auf das Fitnessstudio, auf den Gang ins Restaurant etc. zu verzichten. Er hat damit eine Nachfragekrise geschaffen. Und weil dieser Verzicht die Schweizer Bevölkerung sehr unterschiedlich getroffen hat, wurde diese Nachfragekrise durch ein Verteilungsproblem verschärft: Die grosse Mehrheit hat dank dem sogenannten «Lockdown» viel Geld gespart, andere haben ihr ganzes Einkommen verloren. Das hätte eine zweite Runde der Nachfragekrise und vermutlich einen Teufelskreis ausgelöst, wenn der Staat die ausfallenden Einkommen nicht mit Zuschüssen und Krediten wenigstens teilweise kompensiert hätte.

(Klammerbemerkung: Wäre die ganze Wirtschaft ein einziges Unternehmen, hätten wir das Verteilungsproblem und die zweite Nachfrage-Runde nicht gehabt. Es hätten einfach alle – sagen wir - 20 Prozent weniger gearbeitet und entsprechend weniger verdient. Klammer zu.)

Nach der Aufhebung der Epidemie-bedingten Einschränkungen geht es nun darum, die Nachfrage wieder anzukurbeln und dafür zu sorgen, dass unser Produktionspotential und die Arbeitskräfte wieder voll ausgelastet werden. Mit einer „Verzichtsplanung“, wie sie neben Dörig auch andere fordern, würde man genau das Gegenteil erreichen, und zwar allein schon durch ihre Androhung. Die Konsumenten sind eh schon genug verunsichert.

Eine Verzichtsplanung wäre nur dann angemessen, wenn entweder tatsächlich ein «Gewitter» massiv Produktionskapazitäten vernichtet hätte. Das zeigt, dass das Denken in Bildern zu gefährlichen Fehlschlüssen führen kann. Oder wir müssten Verzicht dann planen, wenn wir einsehen, dass eine volle Auslastung unserer immer effizienteren Produktionskapazitäten die Umwelt massiv schädigt. Von dieser Einsicht ist im Interview mit Dörig allerdings nichts zu spüren.

Doch ist es tatsächlich ungefährlich, wenn allein die Schweiz 100 Milliarden und die übrigen Länder wie geplant mehr als 10'000 Milliarden Franken Schulden in die Welt setzen? Haben wir – die heutige Generation – das moralische Recht, heute Schulden zu machen und, wie es Dörig formuliert, „spätere Generationen die Zeche zahlen“ zu lassen? Wenn man die Frage so formuliert, macht man aus einer volkswirtschaftlichen Frage ein moralisches Problem – und kann sich damit differenzierte Überlegungen sparen.

Geld ist ein Mittel, keine Ressource

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist Geld keine knappe und teure Ressource, sondern ein Instrument, das vor allem dazu dient, die realen volkswirtschaftlichen Ressourcen optimal zu nutzen, beziehungsweise dafür zu sorgen, dass sie nicht brachliegen. Der Einsatz dieses Instruments, kostet fast nichts. Theoretisch könnte sich der Bund einfach bei der Nationalbank einen Kredit über 100 Milliarden Franken gutschreiben lassen. Praktisch läuft es wohl darauf hinaus, dass der Bund Obligationen in Umlauf bringt und die Banken diese bei der SNB als Sicherheit hinterlegen können.

Die Verteilung dieser Gelder an die Kurzarbeiter, KMU etc. verursacht dann doch einige administrative Kosten, aber im Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Schaden (in Form von brachliegenden Ressourcen), den man mit diesem Kredit vermeidet, ist das ein Klacks. Teuer wird es erst, wenn der Staat die Wirtschaft nicht ausreichend mit Geld versorgt.

Das soll aber kein Freipass zur ungehinderten Geldschöpfung sein. Denn erstens steigt damit die Gefahr des Missbrauchs und zweitens bringt der Staat mit dieser Geldschöpfung aus dem Nichts zu viele Wertpapiere in Umlauf und potenziert damit die Macht der Kapitalmärkte.

Geldschöpfung aus dem Nichts

Bei einem normalen Hypo- oder Betriebskredit verlangt die Bank Sicherheiten in Form einer Immobilie oder von Produktionsanlagen. Insofern ist das keine Geldschöpfung aus dem Nichts, denn hinter dem Geld steht ein realer Wert, der auch einen realen Ertrag (Miete, höhere Produktion etc.) abwirft. Zudem sehen solche Kreditverträge in der Regel vor, dass der Kredit spätestens dann abbezahlt ist, wenn das Haus abgerissen oder die Maschine ersetzt werden muss. Aus volkswirtschaftlicher Sicht heisst das, dass die Summe der ausstehenden Kredite oder Wertpapiere nicht schneller wächst als das BIP.

Bei den vielen zehntausenden Milliarden, die jetzt wegen der Corona-Krise weltweit in Umlauf gebracht werden, handelt es sich jedoch tatsächlich um Geldschöpfung aus dem Nichts. Hinter diesem Geld stehen nämlich keine bleibenden Werte, denn das Geld wird für den laufenden Konsum verwendet. Was kein Vorwurf ist. Das Geld wurde nur zu diesem Zweck geschöpft. Das aber ist deshalb problematisch, weil die Regierungen aller Länder schon vor der Krise sehr viel Geld aus dem Nichts geschaffen haben.

Das Kapital gewinnt auf Kosten der Kaufkraft

Der wichtigste Grund für diese „Schuldenmacherei“ sind aber nicht die von der NZZ immer wieder getadelten „Begehrlichkeiten“ der Politiker, sondern es ist die weltweit immer einseitigere Verteilung der Einkommen. Die (grossen) Unternehmen setzen ihre Preise so hoch an und drücken die Löhne (vor allem die der Unterlieferanten) so tief, dass zu wenig Kaufkraft da ist, um ihre Produkte abzusetzen. Damit haben die Aktionäre und die Manager ein Problem: Sie müssten die Preise senken, die Löhne erhöhen oder die Produktion drosseln und Leute entlassen. Damit aber bekommen auch die Politiker ein Problem. Steigt die Arbeitslosigkeit, werden sie abgewählt. Die Manager hingegen riskieren die (meistens mit einem goldenen Fallschirm abgefederte) Entlassung, wenn der Gewinn im nächsten Quartal sinkt.

Dieses Pokerspiel endet seit bald zwei Jahrzehnten regelmässig damit, dass das Kapital gewinnt und der Staat die fehlende Kaufkraft durch Sozialausgaben ersetzt. Das Geld verschafft er sich durch Anleihen, die im Wesentlichen von den reichsten 10 Prozent gezeichnet werden – von den Topmanagern und den Aktienbesitzern. Damit fliesst das Geld, das die Unternehmen an Löhnen und Steuern gespart haben, in Form von Krediten wieder in den Wirtschafts- und Verschuldungskreislauf zurück.

Das bedeutet, dass die globalisierte Wirtschaft gleichsam als Abfallprodukt des realen BIP auch einen stetig steigenden Schulden- und Guthabenberg produziert, hinter dem aber keine realen Werte stehen, weil alles schon konsumiert ist. Bereits vor der Corona-Krise belief sich dieser Berg (die globale Summe aller Bankkredite und handelbaren Wertschriften) auf rund 295'000 Milliarden Dollar. Das ist mehr als das Dreifache des weltweiten BIP. Durch die Corona-Krise wird diese Summe auf weit über 300’000 Milliarden steigen, während gleichzeitig das BIP sinkt. Beides zusammen erhöht die private und staatliche Schuldenquote, gemessen am BIP.

Kollaps noch einmal hinausschieben

Doch gerade die faktische Wertlosigkeit ihrer Guthaben macht die Herren der Finanzmärkte umso mächtiger. Ihre latente Drohung, Unternehmen und ganze Länder pleitegehen zu lassen, hat umso mehr Gewicht, je näher wir am Abgrund stehen. Indem wir die Corona-Krise mit staatlichen Krediten (statt mit höheren Steuern für die Profiteure) ausbaden, stärken wir auch die Macht der Finanzmärkte. Das ist leider unvermeidlich. Wir können damit den Kollaps der Wirtschaft noch einmal hinausschieben.

Das weit verbreitete Jammern über die steigenden Staatsschulden ist somit bloss eine Nebelwand, hinter der man das eigentliche Problem – die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen – versteckt und verschweigt.

*********************************************************

Weitere Artikel zu diesem Thema auf Infosperber:

- "Verschulde Dich immer - und vor allem in der Not"

- DOSSIER: "Führt Wachstum zu Glück oder Crash?"

- DOSSIER: Die Euro und Währungskrise

************************************************************

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

13 Meinungen

Schöne Darstellung und schöne Schlussfolgerung. Besten Dank für diesen Artikel.
Josef Hunkeler, am 31. Mai 2020 um 09:40 Uhr
„Oder wir müssten Verzicht dann planen, wenn wir einsehen, dass eine volle Auslastung unserer immer effizienteren Produktionskapazitäten die Umwelt massiv schädigt. Von dieser Einsicht ist im Interview mit Dörig allerdings nichts zu spüren.“
Das ist das eigentliche Problem, wenn es ums Überleben geht.
Horst Eisterer, am 31. Mai 2020 um 12:14 Uhr
Diese Analyse beschreibt das, was auch man als Normalbürger, nicht Wirtschaftsfachmann und auch nicht Volkswirtschaftler, seit langem vermutet.
Die Konklusion der Analyse: Steigende Ungleichheit bei Verteilung von Einkommen und Vermögen bis zum Kollaps. Brillante Analyse, allerdings nicht neu, der Kurs auf den Eisberg läuft. Aber soll, muss dieser Kurs korrigiert und vermieden werden, wie?
Das System, das es zu korrigieren gäbe, heisst Kapitalismus. Die notwendigen Korrekturvorschläge liegen seit langem vor. Frühere Korrekturversuche mit Millionen von Toten zeigen, welche Kräfte das «System» entwickelt, um an der Macht zu bleiben.
Wenn eine Vermeidung des Kollapses heute noch möglich werden soll, dann kaum durch eine kriegerische Revolution. Einfacher: Allen Gläubigern, die über ungedeckte Guthaben verfügen, werden diese Guthaben gestrichen, weil ja die Schuldner über keine Mittel verfügen, um diese Schulden zu begleichen. Schuldenerlass für unschuldig Verschuldete und Rückführung der Finanzwirtschaft in die Realwirtschaft. Würde faktisch heissen: Globale Abschaffung der Finanzwirtschaft? Wer verhindert diese längst fällige Korrektur?
Walter Schenk, am 31. Mai 2020 um 13:33 Uhr
Werner Vontobel trifft den Nagel auf den Kopf: Die Gewinner sind eine kleine Kaste von Superreichen. Falls Schulden abgebaut werden sollten, dann über eine angemessene Besteuerung dieser Kaste. Als Schweizer Beispiel ist der ganze Blocher Clan zu nennen.
harry sivec, am 31. Mai 2020 um 15:47 Uhr
Absolut einverstanden, aber man kann es kürzer fassen, Gürtel enger schnallen ist für alle angesagt, wir leben in einer Zeit der Reizüberflutung durch Massenproduktion. Wer soll noch kaufen, wenn jeder ein SUV mit 500 PS, zwei Golduhren, fünf Hermes-Taschen und eine Ferienwohnung in Mallorca besitzt? Das Angebot ist viel grösser als die Nachfrage, das bedeutet Inflation, was sich auch in den Börsenkursen widerspiegelt!
Beda Düggelin, am 31. Mai 2020 um 16:24 Uhr
Ein sehr guter Bericht. Ich habe die Hoffnung, dass sich das Volkswirtschaftliche Denken gerade mit dieser Krise in der CH und der EU an den entscheidenden Stellen durchsetzen kann.
Stefan Forster, am 31. Mai 2020 um 23:44 Uhr
Exzellent!

Beste Veranschaulichung des Unterschieds von betriebs- und volkswirtschaftlichem Denken.

Gerade - «gefeierten» - Unternehmer, aber auch alle die «umsichtigen Vorstände» von Privathaushalten denken betriebswirtschaftlich (d.h. einzelwirtschaftlich respektive «egozentrisch").
Wer dabei «gut/gewinnbringend» wirtschaftet, glaubt, die erworbenen Kenntnisse würden ihn «natürlich» auch zum Experten/Kenner für volkswirtschaftliche Belange machen. Undenkbar, dass er dabei einer fatalen Illusion anheim fällt!

Dabei ist es gerade der tagtägliche Fokus auf das Einzel-/Betriebswirtschaftliche (bzw.: «auf seine Belange"), der ihn blind für volkswirtschaftliche Zusammenhänge/Implikationen macht!

Für einen einzel-/betriebswirtschaftlich (= egozentrisch) denkenden Menschen ist eine (zusätzliche) Ausgabe stets nur eines: Ein «Verlust», d.h. eine Verminderung seines (Spar-)Vermögens. Da es aus seinem persönlichen/"egozentrischen» Standpunkt heraus «irrelevant» ist, will und muss er sich nicht vorstellen, was seine Ausgabe volkswirtschaftlich darstellt, nämlich: Eine Einnahme! Und damit eine Erhöhung (!) eines (Spar-)Vermögens.

Die Ausgabe (die betriebswirtschaftlich auch nur genau das ist/bleibt) ist volkswirtschaftlich ganz und gar kein «Verlust», sondern eben auch Einnahme/Einkommen (und damit Arbeit) und vermindert volkswirtschaftlich betrachtet die Sparguthaben um keinen einzigen Rappen!

Herr Vontobel lieferte die Grundlagenkenntnisse für Herr Mugglins Artikel nach. Danke!
Stephan Kühne, am 31. Mai 2020 um 23:57 Uhr
@Kühne. Ja, eine Ausgabe führt zu einer Einnahme anderswo. Dies aber mit «Arbeit» anderswo gleichzusetzen (Sie meinen wohl Erwerbsarbeit), scheint mir nicht korrekt zu sein. Wenn beispielsweise Unternehmen mit ihren Einnahmen für Milliarden ihre eigenen Aktien aufkaufen, erhöht das zwar die Aktienkurse und das Vermögen der Aktienbesitzenden. Aber dieses Vermögen wird längst nicht alles ausgegeben, so dass Arbeitsplätze entstehen würden. Kommt dazu, dass die Reichsten mit ihren Ausgaben (z.B. Millionen für Kunstschätze) nicht so viele Arbeitsplätze schaffen wie die Normalverdienenden mit ihren Ausgaben. Auch der Staat schafft mehr Arbeitsplätze, wenn er Spitäler finanziert oder Strassen unterhält, als wenn er Kampfflugzeuge kauft. Abgesehen davon hat ein Wirtschaftssystem, das auf ständig mehr Ausgaben angewiesen ist, kaum eine Zukunft.
Ulrich Gasser, am 01. Juni 2020 um 09:32 Uhr
Es tut gut, mit so einem Artikel den Tag zu beginnen!
Na, dann los, schreiten wir zur Tat! Es wird wieder einmal höchste Zeit für eine sozialistische Revolution.
Paul Jud, am 01. Juni 2020 um 10:06 Uhr
Exzellent sind die Aussagen zu betriebs- und volkswirtschaftlichen Denken.

In Details leistet Vontobel aber Verwirrung:

1. »... bringt der Staat mit dieser Geldschöpfung aus dem Nichts zu viele Wertpapiere in Umlauf und potenziert damit die Macht der Kapitalmärkte."

Vontobel ist es sicher nicht entgangen, dass Zentralbanken (EZB, Fed, BoJ, SNB) übermächtig in der Festsetzung der kurzfristigen (& damit auch langfristigen) Zinssätze sind. Wie auch:
- des Spreads (z.B. ital. & deutschen Anleihen)
- der Höhe, in der sich ein Staat verschulden kann (siehe z.B. Japan).
Die «Kapitalmärkte» sind machtlos - sofern es denn die Zentralbanken so wollen!

2. «Bei ... Hypo- oder Betriebskredit verlangt die Bank Sicherheiten in Form einer Immobilie oder von Produktionsanlagen. Insofern ist das keine Geldschöpfung aus dem Nichts, denn hinter dem Geld steht ein realer Wert ...» «Bei den vielen zehntausenden [Corona-]Milliarden ... handelt es sich jedoch tatsächlich um Geldschöpfung aus dem Nichts. Hinter diesem Geld stehen nämlich keine bleibenden Werte ..."

Gleich ob Zentral- oder Geschäftsbank: Geldschöpfung erfolgt immer «aus dem Nichts» (und wichtig: Im gleichen Akt auch eine «Schuldenschöpfung aus dem Nichts").

3. «hinter dem Geld steht ein realer Wert"
Nein, Geld ist Geld & Realgut ist Realgut. Eine Schuld bzw. deren Rückzahlung kann mehr oder weniger sicher respektive abgesichert sein. Das ist zwar nicht unwesentlich, aber doch auch etwas ganz anderes als was Vontobel suggeriert.
Stephan Kühne, am 01. Juni 2020 um 23:42 Uhr
Denn:

- Ob eine Immobilie (bzw Maschine) einen Wert hat (zu einem «anständigen» Preis verkauft werden kann), hängt entscheidend von der Verfassung der Wirtschaft ab. [Siehe Ostdeutschland. Oder: CH-Arbeitslosigkeit von 10% mit entsprechendem Einkommens-/Nachfrageeinbruch.]

- Die Sicherheit für die Bank ist die Immobilie (bzw. deren Verkaufspreis). Die Sicherheit des Staates ist die «Steuerhoheit». Die Bank nimmt dem Bürger Vermögen weg (das Haus). Gleiches kann der Staat tun: Über (höhere) Besteuerung verlangt er ebenfalls die Heraus-/Übergabe von Vermögen (der Bürger muss ev. die zuvor gezeichnete Staatsanleihe verkaufen, das Geld als Steuer abliefern ... und damit zahlt der Staat die Schuldanleihe zurück - voilà).


Vontobel stellt Investitionsgüter (Immobilien, Produktionsanlagen, Infrastruktur) als «reale bzw. bleibende Werte» dar. Dabei wird die enge Verknüpfung zu den Verbrauchsgütern verkannt:
Welchen «Wert» weisen denn die Investitionsgüter noch auf, wenn keine (oder massiv weniger) Konsumgüter nachgefragt werden? Fast nichts (teils sogar negativ).

Warum? Weil die Abzahlung der Hypothek/Investitionsgüterkredite nur zustande kommt, wenn die Hauseigentümer und Unternehmen Einkommen/Einnahmen generieren - und diese kommen ganz vorwiegend (> 80%) aus der Konsumgüterherstellung/Dienstleistungserbringung ["Verbrauchssektor"].

Die Investitionsgüter ("realen Werte") sind nur solange «real» wie es Konsumgüterherstellung bzw. -verkäufe gibt!
Stephan Kühne, am 01. Juni 2020 um 23:56 Uhr
Danke für die klare Beschreibung des Problems. Den gordischen Knoten unseres Wirtschaftssystems klar zu beschreiben ist wertvoll - ob wir diesen anders als durch Zerschlagen lösen können, muss sich bald zeigen, «hinausschieben» geht nicht ewig.
Ruedi Geiser, am 02. Juni 2020 um 09:51 Uhr
Einverstanden. Genau so steht es sinngemäss in meinem Text: «Bei einem normalen Hypo- oder Betriebskredit verlangt die Bank Sicherheiten in Form einer Immobilie oder von Produktionsanlagen. Insofern ist das keine Geldschöpfung aus dem Nichts, denn hinter dem Geld steht ein realer Wert, der auch einen realen Ertrag (Miete, höhere Produktion etc.) abwirft."
Werner Vontobel, am 02. Juni 2020 um 10:37 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.