EZB – der Wahnsinn geht weiter

Matthias Weik und Marc Friedrich © mw
Matthias Weik und Marc Friedrich / 28. Okt 2017 - Die Europäische Zentralbank überschwemmt die Wirtschaft weiter mit Geld und verschleppt damit längst fällige Schulden-Abschreiber.

Der Wahnsinn der EZB geht weiter. Während manche von einer Zinswende faseln, können wir diese nirgendwo erkennen. Lassen Sie sich nicht in die Irre führen. Um Klartext zu sprechen: Es gibt keine Zinswende und es wird auch in den nächsten Jahren keine geben! Markante Zinserhöhungen können wir uns alle abschminken.

Der EZB-Chef Mario Draghi hat gestern verkündet, dass der Zins weiterhin bei 0 Prozent und der Negativzins für Bankeinlagen bei der EZB weiterhin bei minus 0,4 Prozent bleiben. Was ist das bitte für eine Zinswende? Obendrein wurde verkündet, dass das irrsinnige Aufkaufprogramm der EZB, welches eigentlich Ende dieses Jahres enden sollte, abermals verlängert wird. Zwar werden dann keine 60 Milliarden Euro sondern nur noch 30 Milliarden Euro pro Monat, für weitere 9 Monate, herausgespuckt!

Das sind jedch immer noch 30'000 Millionen Euro pro Monat und insgesamt 270'000 Millionen zu viel. Das soll die Wende sein? Wir gehen davon aus, dass auch im September 2018 damit nicht Schluss ist und auch 2019 weiterhin Geld von der EZB Geld hinausgeschmissen und der Zins im Keller bleiben wird. Draghi hat keinen Plan B zur Lösung der Krise ausser dieses eine Notenbankexperiment, das an pure Verzweiflung grenzt.

Die Party an den Märkten dürfte also bis dahin weiter gehen. Es bleibt spannend, was die EZB noch aufkaufen will. Wir werden im September 2018 dann eine noch ratlosere EZB sehen, die weiterhin verzweifelt Zeit kaufen wird, welche die Politik abermals nicht nutzen wird.

Bis zum heutigen Tag hat allein die EZB über 2'188'000'000'000 Euro (2,188 Billionen Euro) in die Märkte gepumpt. Seit gestern ist bekannt, dass kein Ende in Sicht ist. Der Wahnsinn wird sich bis September auf 2,55 Billionen auftürmen, für die wir im Notfall alle haften müssen. In Anbetracht der gigantischen Schuldenberge und der äusserst schwachen Wirtschaft insbesondere in Griechenland und Italien, aber auch in Frankreich, Portugal und Spanien, werden auch in Zukunft markante Zinserhö-hungen vermieden, da ansonsten eben diese Staaten relativ zügig erhebliche Refinanzierungsprobleme bekommen. Unbestreitbar ist der Euro viel zu stark für die Länder Südeuropas und viel zu schwach für Deutschland. Diese Tatsache wird auch Herr Draghi mit seinem unverantwortlichen Programm nicht verändern können. Im Zins- und Währungskorsett des Euros wird die Südschiene Europas niemals auf die Beine kommen.

Grosse Auflösung hier.

Gegenwärtig ist die Bilanzsumme der EZB (rote Linie), mit über 5 Billionen Euro, wovon 2,2 Billionen Euro auf die Wertpapierkäufe entfallen, höher als die der US-Notenbank FED (grüne Linie). Die EZB ist mittlerweile zu einem wichtigen Marktteilnehmer geworden. Sie kauft Aktien und Anleihen von Unternehmen auf, welche auf eher tönernen Füssen stehen.

Obendrein kauft sie Staatsanleihen von Ländern wie beispielsweise Griechenland auf, welche faktisch bankrott sind, oder Ländern wie Italien, welche wirtschaftlich gesehen mit dem Rücken zur Wand stehen. Längst betreibt die EZB monetäre Staatsfinanzierung, welche offensichtlich verboten ist. Man kann es auch knallhart als Insolvenzverschleppung bezeichnen.

Wenn Notenbanken auf globaler Ebene permanent in die Märkte eingreifen, kann man nicht mehr von freier Marktwirtschaft sprechen, sondern von Planwirtschaft. Fakt ist jedoch auch: mit der Notenbankpresse lassen sich nachhaltig keine Probleme lösen, auch wenn eben dies auf globaler Ebene versucht wird.

Ein Blick nach Japan zeigt auf, wie weit man diesen Irrsinn treiben kann. Mittlerweile hält die japanische Notenbank – Bank of Japan – 75 Prozent aller japanischen ETFs. Wo bitte soll die Reise hingehen? Werden Notenbanken bald die grössten Anleihen-, Aktienbesitzer…

Es ist überdeutlich, dass wir mittlerweile keine freien Märkte mehr haben, sondern dass ganz eindeutig eine Planwirtschaft der Notenbanken herrscht. Bekanntlicherweise hat Planwirtschaft noch nie funktioniert.

Aber Herr Juncker hat jetzt eine Lösung präsentiert, wie wir den Euro und die EU retten können: Die Ausweitung des Euros in alle Länder – ja auch in Rumänien und Bulgarien. Wir werden uns in Zukunft warm anziehen müssen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Die beiden Ökonomen und Querdenker Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 gemeinsam «Der grösste Raubzug der Geschichte – warum die Fleissigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden».. In ihrem zweiten Buch, «Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten», haben sie u.a. die EZB Leitzinssenkung und Minuszinsen für die Banken, die Absenkung des Garantiezin-ses bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl richtig prognostiziert. Im Mai 2016 ist ihr drittes Buch «Kapitalfehler - Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen» erschienen. Die beiden Autoren sind Inhaber der von Banken und Finanzunternehmen unabhängigen «Friedrich & Weik Vermögenssicherung UG» (haftungsbeschränkt).

Weiterführende Informationen

Bilanzen Nationalbanken
Bilanzen Nationalbanken gross

6 Meinungen

Interessant der Artikel. Nur das mit der Planwirtschaft, die noch nie funktioniert habe, ist wie Pfeifen im Wald. Man kann sich immer etwas einreden. Aber die Realität bleibt, wie sie ist. Jeder Mensch, jeder Haushalt, jedes Unternehmen, jeder Staat, jede Wirtschaft muss planen, muss einen oder mehrere Pläne haben. Klar, man kann auch versuchen, ohne Pläne zu leben. Wie das herauskommt, sieht man am Zustand der Welt. Die planlose Wirtschaft hat auf der ganze Linie versagt, kann man auch schon vor dem endgültigen Untergang sagen. Plan l o s i g k e i t hat noch nie funktioniert!
Paul Jud, am 28. Oktober 2017 um 13:25 Uhr
@ Stan Kurz: Sie schreiben «Nicht die Zentralbanken (ZB), sondern die Geschäftsbanken (GB) schaffen - zu über 90%(!) - das Geld». Das ist Unsinn. Die Zahlen für die Schweiz zeigen folgendes: Ende 2007 - bei Beginn der Finanzkrise - betrug das Total des Notenbankgeldes (Banknoten und Girokonten der Geschäftsbanken) 53 Mrd. CHF, Ende 2016 waren es 546 Mrd. Die SNB hat in dieser Zeit fast 500 Mrd. CHF «Notenbankgeld» geschaffen. In der gleichen Zeit haben sich die Geldkonten der Kunden bei den Geschäftsbanken ("privates Geld") um nur 280 Mrd. CHF erhöht (von 232 auf 512 Mrd). Lesen Sie nicht nur die Artikel der Vollgeldler, sondern daneben auch die Bilanzen der Notenbanken.
Hans Geiger, am 29. Oktober 2017 um 13:03 Uhr
@ Geiger: Was Sie meinen, ist schon klar. Nur ist Ihr Meinen, nicht Wissen. Gehen wir die Schritte durch: Geschäftsbank 'vergibt' eine Hypothek oder einen Kredit an den Staat. Hier, an dieser Stelle, wird das Geld «geschöpft"/geschaffen - Buchgeldschöpfung genannt. Nicht etwas von «Vollgeld» schwafeln, sondern nachlesen, z.B. bei der Deutschen Bundesbank (S. 18ff):

https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichte/2017/2017_04_monatsbericht.pdf?__blob=publicationFile

Mit dieser Kreditvergabe kommt das Geld in Umlauf (= in den Nicht-Bankensektor). Ab diesem (!) Zeitpunkt ist das Geld 'draussen' (im Wirtschaftskreislauf). Daran ändert die ZB nichts mehr, wenn sie in der Folge (!) die bereits geschaffenen Kreditforderungspapiere (Staatsanleihen, gebündelten Hypotheken usw.) aufkauft. Die ZB gibt mit diesem Aufkauf eigentlich nur zu verstehen, dass sie davon ausgeht (bzw. so tut) als ob dieses von GBs geschaffene Kreditgeld wieder (einmal) zurückkommt. D.h., die ZB macht vorzeitig 'gut', auf was die GB bereits rausgegeben haben bzw. auf was die GB mit ihrer Bonitätsprüfung den Stempel «kreditwürdig - Schuldner wird in der Lage sein, zurückzuzahlen» besiegelt haben.
Also, Herr Geiger, sich bei der Deutschen Bundesbank mal schlau machen!
Stan Kurz, am 29. Oktober 2017 um 14:05 Uhr
Die Herren Weik und Friedrich zeigen ein düsteres Bild der Institutionen Brüssels auf. Dem geneigten EU - Beobachter sind diese Fakten alles andere als neu. Die Autoren liefern einen Strauss von Daten zu Brüssels Versagen, an Wahnsinn grenzende Entscheide und abgründigem Politmoloch. Dieser Geist des Absurden, des nicht vertrauenswürdigen, überschattet die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU, seit gefühlten 15 Jahren. Bemerkt haben das schon sehr viele Schweizer, aber nur wenige BR und CH Parlamentarier. Oder tut Bundesbern als ob.... und wartet auf bessere EU Zeiten. Den vorliegenden Beitrag auf den Punkt gebracht, tönt etwa so: Gute Nacht EU.
Peter Geissmann, am 30. Oktober 2017 um 09:52 Uhr
Immer mehr wird aufgedeckt das die Banken Geld aus dem Nichts erzeugen! Luft Geld, Giralgeld oder Fiatgeld als Buchgeld auf ihren Konten.
Der deutsche Finanz-Professor Richard Werner hat es 2014 empirisch schon nachgewiesen. Jetzt publiziert endlich auch die Deutsche Bundesbank auf ihrer Website die Wahrheit.
Eine gute Zusammenfassung auf folgendem Link:
https://wirsindeins.org/2017/10/27/aufgedeckt-wie-die-banken-geld-aus-luft-erzeugen/
Die Buchgeldschöpfung ist also ein ziemlicher Schwindel. Und damit auch die Behauptung von Banken über angebliche „Refinanzierungkosten“ oder sonstige Aufwendungen bei der angeblichen Beschaffung des Gelds für den Kredit.
Das moderne Bankensystem erzeugt Geld aus dem Nichts. Dieser Prozess ist vielleicht der erstaunlichste Taschenspielertrick, der jemals erfunden wurde. Bankgeschäfte wurden immer als ungerecht und sündhaft empfunden.
André Enk, am 30. Oktober 2017 um 10:09 Uhr
Sich ärgern über die EZB bringt zuwenig. Sich engagieren für die Vollgeld-Initiative in der Schweiz wird jetzt dringend notwendig. Cirka mit Jahr 2018 werden wir darüber abstimmen. Es kommt mir so vor bei unseren Strassenaktionen, dass von 3-5% die im 2012 schon etwas von der Geldschöpfung Fiat Money gehört hatten, ist es jetzt auf ca. 15 - 20% (schon gehört) gestiegen. Bei Kommentaren in 20 Minuten sind mehr als 3/4 auf der Vollgeld-Seite, aber es gibt auch etliche Schreiber die Verwirrung stiften und Fiat-Money immer noch leugnen oder bagatellisieren. Das muss sich noch ändern. Wir brauchen weitere Personen, die gerne in Ihrem Umfeld für uns werben. Es ist schon ziemlich leichter geworden, da es doch schon Publikationen der Bank of England, der deutschen Bundesbank und der aargauer Kantonalbank gibt, die öffentlich dazu stehen, dass sie Geld aus dem NICHTS erzeugen. Mach mit. Wir haben viel Material unter die Leute zu bringen.
Carlos Werner Schenkel, am 30. Oktober 2017 um 16:39 Uhr

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