Manna für die Aktionäre statt vernünftige Medikamenten-Preise © CommonDreams

Manna für die Aktionäre statt vernünftige Medikamenten-Preise

Teure Medikamente für prallvolle Aktionärstaschen

Urs P. Gasche / 24. Jul 2017 - Der Grund für immer teurere neue Medikamente sind nicht hohe Forschungskosten. Noch mehr Milliarden verschlingen die Aktionäre.

Medikamentenpreise von 60'000, 80'000, 100'000 oder sogar 200'000 Franken für eine Patientin oder einen Patienten pro Jahr seien gerechtfertigt, verteidigen sich Pharmakonzerne immer wieder, weil der Aufwand für das Erforschen, das Entwickeln und die Zulassungen neuer, innovativer Medikamente Milliarden koste.

Allerdings hatte der frühere Forschungschef der Novartis einmal bestätigt, dass Pharmakonzerne wie Novartis für Marketing und Werbung etwa doppelt so viel Geld ausgeben wie für die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente.

Die Aktionäre stecken noch mehr ein

Jetzt kommt es noch dicker:

  • Die 18 grössten, an der US-Börse gehandelten Pharmakonzerne der Welt haben in den zehn Jahren von 2006 bis 2015 mehr Milliarden für Aktienrückkäufe und Dividenden ausgegeben als für die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente.

Das geht aus einer am 13. Juli veröffentlichten Studie «U.S. Phama's Financialized Business Model» hervor, die fünf Autoren des «Institute for new Economic Thinking» erarbeitet haben.

Wenn ein Pharmakonzern eigene Aktien zurückkauft, sinkt die Zahl der auf dem Markt gehandelten Aktien. Das wiederum führt zur Freude der Aktionäre zu höheren Kursen der Aktie. Dividenden werden direkt den Aktionären ausbezahlt. Beides kommt also den Aktionären zugute.

Die Ausgaben der 18 Pharmakonzerne von 2006 bis 2015 in Zahlen:

  • 516 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe und Dividenden;
  • 465 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung.

Pharmafirmen, die nach abgelaufenen Patenten zu wenig neue marktreife Medikamente haben, würden tendenziell mehr eigene Aktien zurückkaufen, um den Aktienkurs zu stützen.

Einzelne Unternehmen hätten sogar allein für Aktienrückkäufe (ohne Dividenden) mehr Geld ausgegeben als für Forschung und Entwicklung. Gilead Sciences beispielsweise habe in diesen zehn Jahren 17 Milliarden für Forschung und Entwicklung ausgegeben, jedoch 27 Milliarden für den Rückkauf eigener Aktien. Oder Biogen Idec: 13,8 Milliarden für Forschung und Entwicklung und 14,6 Milliarden für den Rückkauf eigener Aktien.

Hätten diese beiden Pharmafirmen mehr Geld in die Forschung gesteckt statt die Aktienkurse gestützt, wäre es vielleicht zu mehr Innovationen gekommen, dank denen heute unzählige Erkrankte länger leben würden.

Die Studienautoren kommen zum Schluss: «Der wichtigste Grund für die hohen Medikamentenpreise sowie für die ungenügenden Innovationen ist die soziale Krankheit mit dem Namen «Maximierung des ‹Shareholder Value›».

Von dieser «Ideologie des Geldabschöpfens» würden neben den Aktionären ebenso die CEOs und Manager profitieren, die einen Teil ihres ohnehin hohen Gehalts in Form von Aktien ausbezahlt bekämen.

«In Unternehmen, die ihre hohen Gewinne für Aktienrückkäufe und Dividenden zweckentfremden, kommt die Forschung und Entwicklung zu kurz», erklärte William Lazonick, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Massachusetts und einer der Studienautoren gegenüber der «New York Times».

Pharmakonzerne in guter Gesellschaft

Auch Banken, Technologie-, Konsumgüterunternehmen und andere haben die von Notenbanken verteilte Geldschwemme nicht etwa dazu benutzt, um zu investieren und damit Arbeitsplätze zu schaffen, sondern wesentlich für Rückkäufe eigener Aktien sowie für Dividenden. Allein von Januar bis Mai dieses Jahres hätten Unternehmen Aktienrückkäufe in der schwindelerregender Höhe von 390 Milliarden Dollar bekannt gegeben, erklärte Jeffrey Yale Rubin der Börsenforschungsfirma Birinyi Associates. Das seien 13 Milliarden Dollar mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Diese riesigen Kapitaleinkommen von Aktionären sind ein Grund dafür, dass die Reichen und Superreichen noch reicher werden, während die unteren Schichten kaufkraftmässig häufig leer ausgehen.

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Über diesen Vergleich zwischen Ausgaben für Forschung und den Ausgaben für Aktienrückkäufe und Dividenden haben grosse Medien in der Schweiz bisher nicht berichtet. Selbst die Sendung «SRF Börse» nicht. Von den Privatsendern ganz zu schweigen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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Eine Meinung

Die GIER ist wie ich gehört habe, nicht therapierbar.
Oder doch ??
In unzählige Sitzungen beim Psychiater ??

Sorry... Ist wohl ein Irrtum meinerseits. Haha.
Hans Trösch, am 24. Juli 2017 um 18:49 Uhr

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