Eine herbe Schlappe für Monsanto

Kurt Marti © Christian Schnur
Kurt Marti / 04. Feb 2016 - Vor fünf Jahren erhielt Monsanto ein Patent für virenresistente Melonen. Jetzt wurde das Patent widerrufen.

Der Monsanto-Konzern ist «enttäuscht» über einen Entscheid des Europäischen Patentamts (EPA), das überraschend ein Monsanto-Patent auf virenresistente Melonen widerrufen hat. Monsanto hatte das Patent im Jahr 2011 erhalten – unter dem Protest des internationalen Bündnisses «Keine Patente auf Saatgut!», das die Patentierung als «klaren Rechtsbruch» bezeichnete, weil die Melonen auf konventioneller Züchtung basieren, die laut den europäischen Patentgesetzen nicht patentiert werden dürfen.

Die von Monsanto gezüchteten Melonen sind gegen ein Virus resistent, das zur Vergilbung der Pflanzen führt und die Ernte stark reduziert. Monsanto hat die Virenresistenz «mittels Einführung eines Gens von einer anderen Melonenpflanze über ein herkömmliches Züchtungsverfahren mit Hilfe genetischer Marker (sog. «Smart Breeding») erzeugt. Das Resistenzgen wurde zum ersten Mal in einer indischen Melonenpflanze gefunden, die 1961 katalogisiert worden ist», hält das Europäische Patentamt fest.

Das Bündnis «Keine Patente auf Saatgut!» hat gegen das Melonen-Patent von Monsanto Einspruch erhoben und wurde dabei auch von der indischen Regierung unterstützt. Laut der Erklärung von Bern (EvB), die zu den Gründungsmitgliedern des internationalen Bündnisses gehört, wurde «das Patent offensichtlich in einem Akt von Biopiraterie unter Verletzung indischer Gesetze und internationaler Übereinkommen angemeldet».

Jetzt hat das Europäische Patentamt seinen Fehlentscheid korrigiert und das Melonen-Patent widerrufen. Dazu Christoph Then vom Bündnis «Keine Patente auf Saatgut!»: «Der Widerruf des Patents ist ein wichtiger Erfolg, aber das generelle Problem kann nicht durch Einsprüche am EPA gelöst werden. Die Politik muss dafür sorgen, dass Gesetze korrekt angewendet und Verbote nicht ausgehebelt werden.»

Der Monsanto-Konzern will die schriftliche Begründung des EPA-Widerrufs abwarten und erst dann prüfen, ob er dagegen Widerspruch einlegen wird.

Pikantes Detail: Auch die europäische Monsanto-Konkurrenz hat Einspruch gegen das Melonen-Patent erhoben, nämlich die Firma Nunhems, Gemüse-Saatguthersteller der Bayer Crop Science.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Europäisches Patentamt: FAQ zum Melonen-Patent

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Eine Meinung

Dies Meinung ist etwas Off-Topic.
Das EPA ist leider ein von der EU abgekoppeltes Gremium. Trotz der vom EU-Parlament 2012 verbschiedeten negativen Entschliessung zu Patenten auf Leben/Entdeckungen kann es weiterhin derlei Patente erteilen, weil das EPA Gesamteuropa unterstellt ist. Es ist dieser von Kurt Marti dargestellter Sachverhalt allerdings ein erster Lichtblick. Allerdings gint es diesbezüglich erst noch ganz viel zu bearbeiten, damit der seit den Neunzigern funktionellen Erweiterung des Patentrechts von Verfahren auf Entdeckungen vollends rückgängig gemacht wird.
Charles-Louis Joris, am 05. Februar 2016 um 12:14 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.