Google, infosperber, Netzneutralität, © pixabay

Neue Recherchen zeigen: Die Suchergebnisse auf «Google» werden auch händisch bearbeitet.

«Google» manipuliert Ergebnisse der Suchmaschine

Tobias Tscherrig / 26. Nov 2019 - «Google» behauptete stets, seine Algorithmen seien objektiv. Recherchen zeigen: Der Internet-Riese greift in Suchergebnisse ein.

Immer wieder stand «Google» in der Vergangenheit wegen problematischen Suchergebnissen wie etwa Falschinformationen oder ethisch und moralisch fragwürdigen Einträgen, die die Suchmaschine nach einer Anfrage auf den ersten Plätzen ausspuckt, in der Kritik. Oft beteuerte der Tech-Konzern, ihm seien die Hände gebunden. Der Algorithmus bestimme die Reihenfolge der Suchergebnisse, er sei objektiv – ein menschliches Einwirken ausgeschlossen.

Nun belegen Recherchen des «Wall Street Journal» das Gegenteil: Sie zeigen, wie «Google» in der Vergangenheit immer wieder in die Suchergebnisse eingegriffen hat – auf Druck von Werbepartnern oder Regierungen.

«Google» behandelt nicht alle gleich

Die Journalisten vom «Wall Street Journal» stützen ihre Recherchen auf über hundert Gesprächen mit Insidern, Zeitarbeiterinnen und -Arbeitern sowie Geschäftspartnern von «Google». Dabei ergab sich das Bild eines Unternehmens, das grosse Webseiten wie zum Beispiel «Facebook» oder «Amazon» in den Suchergebnissen weiter oben listet und damit bevorzugt. Wie «netzpolitik.org» berichtet, habe «Google» im Fall des wichtigen Anzeigekunden «ebay» gar Suchergebnisse geändert, nachdem dieser Druck aufgebaut hatte. Ein Vorgehen, das «Google» bisher stets bestritten hatte.

Relevant ist das, weil der Grossteil der Internet-Nutzer die Suchmaschine von «Google» als Eingangstüre ins weltweite Netz nutzt: Die Mehrheit der täglich rund 3,45 Milliarden Suchanfragen laufen über die Suchmaschine von «Google» – auch wenn diese längst nicht das gesamte Internet, sondern nur einen Teil davon durchsucht.

Und auch die Rangliste der Suchergebnisse ist wichtig – da fast neun von zehn Internet-Nutzern nur die erste Seite der «Google»-Suchergebnisse berücksichtigt. Zwei Drittel aller Nutzer geben sich gar ausschliesslich mit den ersten fünf Suchergebnissen zufrieden, der Rest wird ignoriert.

Eingriffe in Suchvorschläge

Die Journalisten führten auch Tests durch, die zeigen das «Google» auch in die automatischen Suchvorschläge eingreift, die die Suchmaschine bei einer Eingabe ins Suchfeld automatisch ergänzt. Bei dieser Ergänzung wird der Nutzerin oder dem Nutzer während dem Tippen eine Suchanfrage vorhergesagt, die sich auf alle bisherigen Suchen, auf die persönliche Suchhistorie und auf den Standort stützt.

In der Vergangenheit musste sich «Google» immer wieder Kritik gefallen lassen, weil die sogenannten Autocomplete-Vorschläge immer wieder sexistische und rassistische Ergänzungen vorschlugen. 2012 zeigte eine Studie über die automatische Such-Vervollständigung auf «Google» zudem, dass sich ein Drittel aller Nutzerinnen und Nutzer an negative Vorschläge über Personen und Unternehmen erinnern.

Das Unternehmen reagierte auf die Kritik, indem es die Funktion für besonders kontroverse Themen kurzerhand ausschaltete. Die Recherchen des «Wall Street Journal» zeigen nun, dass der Konzern auch von Hand in die Vorschläge eingreift, um beleidigende Ergebnisse zu unterdrücken.

Suchergebnisse werden bereinigt

Wie die Journalisten des «Wall Street Journal» ausführen, werden die «Google»-Algorithmen aber nicht nur von Ingenieuren, sondern auch von mehr als 10'000 Arbeiterinnen und Arbeitern bereinigt, die im Stundenlohn und von zuhause aus Suchergebnisse evaluieren und diese auf der Grundlage eines «Google»-Handbuchs stehen lassen oder löschen.

So berichtete etwa ein ehemaliger Mitarbeiter eines Subunternehmens, dass ihm wiederholt Anweisungen erteilt wurden, welche Suchergebnisse er nach oben oder unten schieben sollte. So zum Beispiel bei der Anfrage, auf welchem Weg am besten Selbstmord begangen werden kann: Einträge zur Selbstmord-Prävention gehörten demnach an die Spitze der Suchergebnisse, Anleitungen zum Selbstmord rutschten nach unten.

In weiteren Fällen sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interveniert haben, um Falschinformationen betreffend Impfungen in den Suchergebnissen nach unten zu drücken. Gegenüber dem «Wall Street Journal» nahm der Konzern keine Stellung dazu. Trotzdem kommt zum Beispiel «Netzpolitik.org» zum Schluss: «Sollte das jedoch stimmen, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten der Suchmaschinenoptimierung für andere Themenbereiche, die mit Falschinformationen zu kämpfen haben.» Statt Probleme von Falschinformationen mit strategischer Suchmaschinenoptimierung lösen zu wollen, sei es vielleicht besser, «Google»-interne Fürsprecher für das eigene Anliegen zu suchen.

Totschlagargument funktioniert nicht mehr

Medienforscher kritisieren die Vormachtstellung, die «Google» im Internet hat, seit Langem – immerhin hat die Suchmaschine von «Google» einen Marktanteil von über 90 Prozent und beeinflusst damit stark die Weltsicht von einer grossen Mehrheit der Internetnutzerinnen und -Nutzer. Die Kritik von einer möglichen Manipulation der Suchergebnisse taucht immer wieder auf. So etwa im Jahr 2018, als interne E-Mails des Konzerns publik wurden, die zeigten, wie «Google»-Mitarbeitende nach dem von US-Präsident Donald Trump verhängten Einreisestopp für Bürgerinnen und Bürger aus sieben Ländern, diskutierten, wie sie die Suche manipulieren können, um Nutzerinnen und Nutzer der Suchmaschine auf Pro-Migrations-Seiten zu lenken. «Google» bestreitet, dass diese Idee umgesetzt wurde.

In der Vergangenheit reagierte «Google» auf die Kritik betreffend Falschinformationen, Einflussnahme auf Wahlen oder Marktvorteile oft mit dem Argument, man treffe keine redaktionelle Entscheidungen und indexiere nur das Internet. Es sind die Recherchen des «Wall Street Journal», die dieser Argumentation nun das Wasser abgraben.

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5 Meinungen

Es ist nun aber gar simpel, bloss mit dem Finger auf das böse Google zu zeigen.
Der Artikel verdeutlicht das gleich selbst: Automatische Suchvorschläge wurden kritisiert als sexistisch oder rassistisch. Nun wird aber «aufgedeckt», dass die Vorschläge «von Hand» angepasst werden.
Ja, was wollen wir denn?
Der Mensch ist nun mal AUCH böse, korrupt, gierig, sadistisch, rassistisch, sexistisch.
Soll nun das Internet frei sein oder nicht? Wie weit denn (nicht)?...
Marius Schären, am 26. November 2019 um 12:56 Uhr
""Ist das die Bücherverbrennung in unserer Zeit?» titelt René Gräber.
Er hat darüber im Juli berichtet und kundgetan, dass speziell die «sanfte Medizin» zurückgedrängt wird, und die «Riesen» der harten Medizin an die Spitze kommen. Er gibt auch Beispiele, wie
man Google ersetzen könnte.
Wenn ich mich recht erinnere, hat google selbst auch berichtet, dass
sie die Wertung ändern (natürlich ganz «harmlos!!)
Näheres unter
https://renegraeber.de/blog/google-bestraft-naturheilkunde-webseiten/
Gruss Elisabeth
Elisabeth Schmidlin, am 26. November 2019 um 17:45 Uhr
Siehe auch Anhörung im US-Senat, den Vortrag von Dr. Robert Epstein vom AIBRT
Why Google Poses a Serious Threat to Democracy and How to End That Threat
https://www.judiciary.senate.gov/imo/media/doc/Epstein%20Testimony.pdf

und Video: The Senate Committee on the Judiciary, Subcommittee on the Constitution hearing entitled “Google and Censorship through Search Engines” ...
https://www.judiciary.senate.gov/meetings/google-and-censorship-though-search-engines
Peter Herzog, am 27. November 2019 um 12:55 Uhr
Algorithmen - wer erfand diese Systeme ? Der Programmierer - shit in shit out - total manipulierbar, wie Recherchen aufzeigen
Rätia Padrutt Guillaumet, am 27. November 2019 um 15:32 Uhr
Da niemand gezwungen werden kann, Google zu benutzen, versteigere ich mich zur folgenden Behauptung:
Google ist das grösste sowie erfolgreichste sozialistische Projekt! Niemand hat mehr Transferleistung von der Ersten zur Dritten Welt vollbracht als L. Lage und S. Brin. Alle Google Dienste sind zuerst in mal für alle gleich und für alle gratis. Man kann mit sketchup ganze Häuser zeichnen, inkl. Strom-, Wärme-, und Wasserversorgung etc.;
Karten, Terminkoordination (verknüppfbarer Kalender), Kommunikation, Bilderverwaltung und -bearbeitung, Übersetzung und vieles mehr stellt Google zur Verfügung. Es lassen sich ganze Firmen auf Gratisdiensten von Google aufbauen.
Das alles wird bezahlt, von denen die Geld haben, um die Produkte der angezeigten, personalisierten Werbung zu kaufen. Genutzt werden kann es aber von jedermann mit Endgerät, wie z.B. bloss mit einem occasion Smartphone.
Wer kein Geld hat, dem kann es auch Google selbst mit dem besten Algorithmus nicht aus dem Sack ziehen. Und wer in der Ersten Welt lebt und ein erwachsenes Konsumverhalten an den Tag legt, der kann auch profitieren.
Auch bei uns hat Google Mauern eingerissen, die unüberwindbar schienen. Kümmerli Frey und die Landestopographie können ein Lied davon singen, wie sich ihr korruptes Karten Monopol quasi über Nacht durch Google Maps in Luft auflöste.
Ich hab mein ganzes elektronisches Leben in Googles Hände gelegt und fahre sehr gut damit, moralisch, ethisch und technisch!
Marc Fischer, am 03. Dezember 2019 um 06:19 Uhr

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