Ein neues Spiel für Grübel

Markus Fritz © mf
Markus Fritz / 27. Sep 2011 - Ab sofort hat Oswald Grübel wie andere ausrangierte Manager Zeit für Unnützes. Das grosse Monopoly überlässt er nun den Anderen.

So weit ist es gekommen, obwohl ein junger Banker nur das gemacht hat, wofür er angestellt wurde. Er hat spekuliert. Und ist beim grossen Monopoly auf seine kleine Nase gefallen.

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Mehr Glück hat die Uniklinik Balgrist. Diese muss nicht spekulieren, um beim grossen Monopoly mitzuspielen. Vielmehr hofft die Klinik, so die Meldung in der Sonntagszeitung (25.9.2011), dank einem 40-Millionen-Bau Weltmarktführer in der Erforscher von Erkrankungen an Knochen und Muskeln zu werden. Kein bescheidenes Ziel. Und da der Staat sein Geld bereits der UBS geschenkt hat, müssen für den Neubau eben andere Quellen erschlossen werden. Mit einer kleinen Spende von 10 Millionen übernimmt der Milliardär und Rentner Hansjörg Wyss einen Teil der Kosten.

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Weniger Kosten würde der Bau, wenn die Uniklinik dem Beispiel der IKEA folgen würde. 5 Franken Stundenlohn bei IKEA-Bauarbeiten, meldet der Sonntag am 25. September auf der Titelseite. Dieses Lohndumping ist kein Einzelfall, aber wohl der krasseste. Die Swiss Indoors Basel stehen da schon besser da. Damit sie im Monopoly der besten Tennisturniere mitspielen können, müssen sie den Tennisstars hohe Gagen bezahlen. Beim Aufbau wird dann eben gespart. Mit Franken 10.35 pro Stunde erhielten Arbeiter letztes Jahr im Vergleich zu den Arbeitern bei IKEA immerhin knapp mehr als das doppelte!

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Noch mehr Geld verdienen würden die Bauarbeiter, wenn sie auf die Strasse gehen. Denn auch dort wird Monopoly gespielt. Damit Parteien im grossen Spiel der Politik mitspielen können, bezahlen sie laut Anja Burri im Sonntag vom 25.9.2011 pro Unterschrift bis zu zwei Franken an professionellen Unterschriftensammler. Ein Profi soll laut Burri 20 bis 40 Unterschriften pro Stunde machen. Im Vergleich zum Stundenlohn bei IKEA müsste ein solcher Stundenverdienst beinahe als Wucher bezeichnet werden.

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Eine andere Form von Wucher beobachtet der Chirurg Thierry Carrel: »Herzklappen bis 600 Prozent teurer als in Deutschland», titelt der Sonntag am 25.9.2011. Da Carrel im grossen Monopoly der Politik mitspielen möchte, hat er als Nationalratskandidat die Preise der Implantate in der Schweiz mit den Preisen in Deutschland verglichen und analysiert. Carrels einfache Diagnose: Ein Sparpotential von weit über 20 Millionen. Besonders stossend ist für den «Jungpolitiker», dass die Profite zum grössten Teil ins Ausland fliessen.

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Im Ausland ist zum Beispiel die Firma Johnson & Johnson beheimatet. Diese Firma spielt beim Monopoly der Medizinaltechnik an der Spitze mit. Sie ist also mitverantwortlich für die Preise, die Carrel kritisiert. Dass Johnson & Johnson so eine starke Marktposition hat, ist die Folge des Verkaufs der Medizinaltechnikfirma Synthes an Johnson & Johnson. Hauptgewinner beim Verkauf der Synthes war und ist der «Balgristspender» Hansjörg Wyss.

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Ob Grübel in der Zukunft auch als Spender auftritt, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich wird er sich zuerst mal etwas zurückziehen, und das Dasein eines Rentners geniessen. Vielleicht findet er sogar Zeit für ein Gesellschaftsspiel. Als Banker könnte ihm der Klassiker Monopoly gefallen. Spätestens wenn er beim Betreten von Zürich Paradeplatz alles verspielt hat und er da steht wie sein Banker in London, dann fällt auch bei ihm der Groschen. Hoffentlich wird ihm dann klar, dass der tiefe Stundenlohn eines Bauarbeiters, der Wucherpreis einer Medizinalproduktefirma und die permanente Finanznot der Staaten mehr ist als die Folge der Spekulation weniger Börsenhändler.

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Doch so weit lässt es einer wie Grübel gar nicht kommen. Denn allzu lange bewegt er sich in der Welt der Reichen. Und dort spielt man, wenn man denn einmal Zeit hat; nicht Monopoly, sondern Golf. Ein geniales Spiel. Geradezu prädestiniert für Leute wie Grübel. Denn bei diesem Spiel kann man gegen sich und sein Handicap spielen. Der Vorteil: Man gewinnt immer. Und mit dem Gegner muss man sich auch nicht beschäftigen.

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3 Meinungen

lieber infosperber. dieser kommentar ging ziemlich in die hose. vielleicht ein fehler beim überschriften setzen und es sollte ein glosse werden. ansonsten ist es einfach salopp und nicht recherchiert (oder machen das pensionierte journis nicht mehr). «...ein junger banker nur das gemacht hat, wofür er angestellt wurde...» ist doch eine ziemlich unterstellung. das ist so, wie wenn man nach einem raserunfall sagt, der mann hat nur gemacht, was autofahrer so machen. aber natürlich man unterfüttert den zeitgeist gekonnt. ebenso die mär vom geld, das der staat nicht hat, weil er es der ubs geben musste. das ist genau umgekehrt, der staat hat 1,3 mrd. gewinn gemacht - auch weil die verantwortlichen im richtigen moment ubs-aktien verkauft haben. aber das würde auch nicht in die momentanen empörungsschlagzeilen passen. und nein, ich bin keine ubs angestellter.
Werner Grundlehner, am 27. September 2011 um 16:08 Uhr
lieber herr gasser, hier wird aber suggeriert, dass jungbanker kriminell sein und geld unterschlagen sollen - das hat der hr. adoboli nämlich gemacht. auch wenn es noch einige solche banker geben dürfte, ist es doch nicht die grundaufgabe eines jungbankers (denken sie beispielsweise auch an die vielen kv-stifte). und der stab-fund hat zwar noch milliarden im bestand, der grossteil wurde jedoch mit gewinn veräussert, gehört nun der gewinn (nach abzug der umtriebe, verzinsung) der ubs? ketzerische frage, aber im umgekehrten fall hätten sicher viele verlangt, dass die grossbank belangt wird.
Werner Grundlehner, am 28. September 2011 um 15:46 Uhr
Hallo
gerne würde ich mir erklären lassen, was man bezüglich der Presseinterviews über die Bankenvorkommnisse von den jeweiligen massgebenden Personen zu verstehen hat: Verantwortung, persönliche Verantwortung, persönliche Konsequenz.
Vielleicht ist es gar nicht so schwierig oder wenn ja, könnte ich vielleicht eine Antwort der beiden betroffenen Herren hoffen. Wenn es auch finanzielle (persönliche Konsequenzen) Auswirkungen haben sollte, könnte ich mein Verständnis vielleicht verbessern.
mfg
Urs Schwab, am 10. Oktober 2011 um 11:39 Uhr

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