Brady Dougan, CEO der Credit Suisse © Dealbreaker

«Dougan könnte freiwillig auf Boni verzichten»

Urs P. Gasche / 05. Apr 2014 - CS-CEO Brady Dougan erhöhte sein CS-Einkommen im 2013 um einen Viertel. Für René Zeyer bleibt die Bankenwelt «krank und kaputt».

Der CS-Verwaltungsrat unter Präsident Urs Rohner und die Aktionäre haben die um 26 Prozent auf 9,8 Millionen Franken erhöhten Vergütungen für den CS-Chef Brady Dougan abgesegnet.

Wer geglaubt hat, dass Bankenchefs nur noch belohnt werden, wenn die Leistungen hervorragend sind, sieht sich getäuscht. Aufgrund seiner «Performance» hätte Dougan eine Kürzung seiner Mehrmillionenbezüge verdient. Im «Journal21» zählt der Bankenspezialist René Zeyer die Leistungen von Brady Dougan aus Illinois wie folgt auf:

  • Zusätzliche Rückstellungen in Höhe von 468 Millionen für mögliche Folgen des gesetzwidrigen Kundenfangs und der gesetzwidrigen Hilfe zur Steuerhinterziehung in den USA.
  • Zahlung von 900 Millionen für das Fehlverhalten der CS Investmentbank in den Jahren 2005 bis 2007. Dougan war damals Chef der CS Investmentbank. Gleichzeitig stand die CS damals unter heftiger Kritik in der Schweiz, weil «Kundenberater» der CS Tausenden von Kleinanlegern Lehman-Papiere verkauften, die mit der Pleite der Lehman Bank fast wertlos wurden. Niemand aus der Führungsspitze der CS sei damals auf die Idee gekommen, auf einen Teil der eigenen Boni zu verzichten, um die geprellten Kunden etwas besser zu entschädigen, meint René Zeyer.
  • Ein Verlust im 4. Quartal 2013 von 476 Millionen Franken.
  • Seit April 2009 verloren die CS-Aktien 26 Prozent ihres Wertes.

Wie konnten Verwaltungsrat und Aktionäre Brady Dougans Bezüge trotz diesen Fakten um 26 Prozent erhöhen, fragt sich Zeyer und meint, die CS-Führung treffe für all diese Rückschläge nach eigenem Verständnis eben keine Schuld: Wenn es um wiederholte und systematische Verstösse der US-Gesetze oder gegen Regeln der Veröffentlichung von Geschäftszahlen geht, heisse es: «Nichts gewusst, nichts persönlich entschieden, keine Eigenverantwortung erkennbar». So habe die CS-Führung vor dem Untersuchungsausschuss in Washingten die Unschuldige gespielt. Andere, subalterne Mitarbeiter, hätten in eigener Regie gehandelt.

Fazit von René Zeyer: «Wenn aktuelle oder rückwirkende Verluste, die im eigenen Verantwortungsbereich entstanden, nicht zu einer rückwirkenden Schmälerung bereits kassierter Boni führen, und absurderweise sogar zu einer Steigerung des aktuellen Bonus, dann läuft etwas unbestreitbar grundfalsch.»

Wer glaube, Dougan könnte dies persönlich einsehen und freiwillig auf einen Teil der seit 2005 an ihn ausbezahlten Boni verzichten, liege falsch: «Dazu bräuchte es eine ethisch gefestigte Persönlichkeit, mit der man niemals an die Spitze einer Grossbank gelangen würde.»

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Originalartikel von René Zeyer im «Journal21»

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2 Meinungen

Da steht primär der Verwaltungsrat in der Verantwortung. Unglaublich, was dieses «Old Boys» Network sich leistet. Da bleibt eigentlich nur der Trost, dass das letzte Hemd bekanntlich keine Taschen hat. Wie lange können es sich die Grosskonzerne noch leisten, Eigennutz vor Gemeinnutz zu stellen? Die Gewinne werden privatisiert, die Schulden werden sozialisiert. Warum zeigen wir mit dem Finger auf die Oligarchen des Ostens und die westlichen Oligarchen lässt man weiterhin gewähren? - Jeder ist selbst schuld, wenn er Aktien von Grosskonzernen sein Eigen nennt. Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht. Aktionäre sind bekanntlich dumm und frech, dumm weil sie Aktien von solchen Unternehmen kaufen und frech, weil sie auch noch eine Dividende beanspruchen. Es gibt zuviele Masochisten auf dieser Welt!
Beda Düggelin, am 05. April 2014 um 14:47 Uhr
@Lachenmeier. Natürlich haben Sie völlig recht, die Crux liegt im institutionellen «Anlagebedarf» begründet, alle Bürger sind natürlich über die AHV und die Pensionskasse mit diesen unlauteren Machenschaften verbunden, ob wir wollen oder nicht. AHV und Pensionskassen investieren meist passiv gemäss SMI oder SPI, das heisst, dass rund 85 Prozent der Vermögen in den zehn grössten Unternehmen (Marktkapitalisierung) investiert werden, dazu gehören eben auch die UBS und die Credit Suisse. Das heisst eben, mitgegangen, mitgefangen, ob wir wollen oder nicht. Darum müsste eigentlich hier der Hebel angesetzt werden, mit einer «gescheiten, durchdachten» Volksinitiative.
Es gilt der Aufruf an Thomas Minder und Gleichgesinnte, sie dürfen auch von anderen Parteien herkommen: «Der Vorschlag, er söll emal cho...» Es braucht eine Minder II Initiative oder ähnliches.
Beda Düggelin, am 05. April 2014 um 16:07 Uhr

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