Grundschleppnetz-Trawler im Mittelmeer © Billo Heinzpeter Studer

Grundschleppnetz-Trawler im Mittelmeer

Spanien: Fische wegwerfen für Profit

Billo Heinzpeter Studer / 11. Jan 2012 - Spanien erhält die Hälfte der EU-Fischerei-Subventionen – und will eine längst fällige Massnahme der EU torpedieren.

Spanien erhält seit Jahren die Hälfte der EU-Subventionen für die Fischerei-Industrie – und pflügt damit alle Weltmeere leer. Der Dank dafür: Die spanische Regierung wollte hintenherum eine fischereiwirtschaftlich langst fällige Massnahme der EU torpedieren. Nicht die neue konservative Regierung in Madrid, wohlverstanden, sondern die abgewählte «sozialistische».

Seit 2009 versucht die EU-Kommission einigermassen ernsthaft, die katastrophale Fischereipolitik der vergangenen Jahrzehnte zu verlassen, welche zur fast vollständigen Überfischung der europäischen Meere geführt hat. Ausgerechnet die grösste europäische Fischereination will die Veränderung sabotieren.

Klug fischen statt rückwerfen

Eine der neuen Massnahmen der EU sieht vor, dass unerwünschte Fische nicht mehr wie bisher über Bord geworfen, sondern zusammen mit dem ganzen Fang in den Hafen gebracht werden müssen. Laut einer EU-Studie werfen viele Fischereien rund die Hälfte des Fangs über Bord. Die EU will nun diese rücksichtslose Praktik verlassen und selektive Fangmehoden fördern. Wer den Fang von Fischarten mit bereits erschöpfter Quote, oder von zu jungen Fischen und oder von nicht vermarktbaren Arten vermeidet, soll künftig einen Vorteil haben. Damit wären die Rückwürfe, eine perverse Folge der bisherigen EU-Politik, endlich vom Tisch.

Nun enthüllt die britische Tageszeitung «The Guardian» einen Plan der alten spanischen Regierung, die EU-Massnahme in einem letzten verzweifelten Versuch auszuhebeln. Der Plan datiert aus dem letzten Monat der Regierung Zapatero, die offenbar versucht hat, ihre Felle mit einem Kniefall vor den mächtigen Fischereibaronen ans Trockene zu retten.

Ausnahmen ausgerecht für Spanien?

Der Guardian zitiert aus dem bisher geheimen Madrider Papier: «Die Bedingungen und Zeitpläne des Rückwurfs-Verbots sind nicht realistisch, besonders nicht für bestimmte Sektoren der spanischen Flotte. Spanien verlangt, dass die Politik auf einen graduellen Ansatz zur Verringerung der Rückwürfe hin angelegt wird, bei strenger Planung und mit einer Übergangsfrist von mindestens zehn Jahren. Die Massnahmen müssen zudem regional angepasst werden, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Gründe für Rückwürfe.»

Im Klartext heisst dies: Ausnahmen vom Rückwurf-Verbot für grosse Teile der spanischen Fangflotte und wohl vor allem für genau jene Schiffe, welche bisher den grössten Rückwurf verursachten – und das für mindestens weitere zehn Jahre. Die Absicht dahinter ist es wohl, der spanischen Fischereiindustrie zwei Vorteile gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Zum einen sollten Rückwürfe «es den spanischen Fischern ermöglichen, nur die wertvollsten Fische anzulanden», wie der Guardian aus dem Dokument zitiert. Zum andern würden der spanischen Branche Investitionen in neue Fanggeräte und aufwändigere Fangoperationen erspart.

Zur Wahrung kurzfristiger Profitinteressen wollte Madrid in Kauf nehmen, dass weiterhin ein grosser Teil der Fänge einfach über Bord gespült würde. Die neue spanische Regierung kommt nun unter massiven diplomatischen Druck, sich in die neue EU-Fischereipolitik einzugliedern. Würde sie sich dem Druck der heimischen Fischereibarone fügen, könnte dies den Unterstützungswillen anderer EU-Mitglieder für die marode spanische Wirtschaft mindern.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Fachstellenleiter des Vereins fair-fish und Beirat des Vereins Friend of the Sea

Weiterführende Informationen

Artikel im Guardian vom 05.01.2012
EU-Studie über Rückwürfe, Juni 2011
Kritisches zur EU-Fischereireform

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