Mit dem Wolf soll der Hirsch reguliert werden. © Martin Mecnarowski/Bill Ebbesen/wikimedia commons

Mit dem Wolf soll der Hirsch reguliert werden.

Schweizer Waldeigentümer begrüssen den Wolf, aber…

Kurt Marti / 31. Jan 2020 - Neben den Förstern sprechen sich auch die Waldbesitzer für den Wolf aus. Mit einem politischen Unterschied.

WaldSchweiz, der Verband der Schweizer Waldeigentümer, spricht sich in einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier «Wald-Wild» für den Wolf aus: «WaldSchweiz sieht einen positiven Zusammenhang für die Waldverjüngung mit der Präsenz von Grossraubtieren. Mit ihrer Präsenz nehmen Wolf und Luchs Einfluss auf die Bestandesgrössen von Schalenwild und deren räumliche Verteilung. Sie unterstützen damit ein natürliches Aufkommen der Waldverjüngung.»

WaldSchweiz will sich «neutral verhalten»

Das neue Jagdgesetz, das am 17. Mai zur Referendums-Abstimmung kommt, will den Wolfsschutz lockern. Wenn WaldSchweiz den Wolf begrüsst, wäre es also logisch, dass WaldSchweiz das revidierte Jagdgesetz ablehnt und das Referendum unterstützt. Doch dem ist nicht so. Laut Auskunft von WaldSchweiz-Mitarbeiterin Jacqueline Bütikofer hat der Verband entschieden, «sich im Abstimmungskampf neutral zu verhalten und weder das Referendumskomitee noch die Abstimmungskampagne (JA zum Jagdgesetz) zu unterstützen». Deshalb will WaldSchweiz auf Anfrage auch nicht sagen, was der Verband vom neuen Jagdgesetz hält.

Weniger neutral als die WaldSchweiz-Zentrale äusserte sich Leo Thomann, der Präsident des Verbandes der Waldeigentümer Graubünden (Selva), gegenüber dem Regionaljournal Graubünden: «Wir finden das vorgeschlagene Gesetz gut. Damit kann das Wild gut gemanaged werden. Die Kantone bekommen mehr Kompetenzen, sie können die Situation besser beurteilen als der Bund und letztlich dann auch die Abschüsse beschliessen – natürlich immer aufgrund des Jagdgesetzes.»

Diese Äusserung ist kein Wunder, denn wie das Regionaljournal Graubünden von SRF weiter berichtete, sitzen im Vorstand der Selva mehrere Jäger, beispielsweise CVP-Ständerat Stefan Engler oder Kenneth Danuser, der Präsident des Bündner Schweisshunde-Clubs. Auch der Selva-Präsident Leo Thomann ist ein Jäger.

Und vor allem: Am Anfang der wolfsfeindlichen Revision des Jagdgesetzes stand Ständerat Stefan Engler, der im Jahr 2015 mit einer Motion eine gesetzliche Grundlage für den erleichterten Abschuss des Wolfes verlangte.

Forstverein unterstützt das Referendum

Im Unterschied zu WaldSchweiz lehnt der Schweizerische Forstverein (SFV) das revidierte Jagdgesetz ab, wie SFV-Geschäftsleiterin Larissa Peter auf Anfrage bekanntgab. Zudem unterstützt der Forstverein das Referendum und «bringt dabei seine forstlichen Argumente gegen das teilrevidierte Jagdgesetz als eigenständige Stimme ein».

Der Forstverein setzt sich im Interesse des Waldes seit Jahren für den Schutz des Wolfes ein. Wie Infosperber bereits früher gezeigt hat, wurde die ablehnende Haltung des Forstvereins zum revidierten Jagdgesetz in den Kantonen Wallis und Graubünden ignoriert, obwohl beispielsweise der Forstverein in den Kantons- und Bundesämtern sowie in den Forschungsanstalten bestens vernetzt ist. Gegen die Jäger- und Schäfer-Lobby war damals kein Kraut gewachsen.

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keine

Weiterführende Informationen

Wölfe gegen die Hirsch-Plage: Wallis zensuriert

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