Bunte Werbeblätter verstopfen diese Briefkästen in Mannheim. © CC
So sah es in den Niederlanden vor der Einführung der «JA-JA»-Aufkleber aus: Wer keine Prospekte oder Anzeigenblätter bekommen wollte, musste dies kundtun. © CC
Der «JA-JA-Sticker», wie er seit zwei Jahren in Amsterdam üblich ist. © NOS

Müllvermeidung: So geht Amsterdam mit unerwünschter Werbung um

Daniela Gschweng / 08. Feb 2020 - Wer Werbung im Briefkasten will, muss das in einigen niederländischen Städten ausdrücklich sagen. Das spart jede Menge Müll.

Für manche sind Werbeprospekte im Briefkasten eine willkommene Informationsquelle, für andere sind die bunten Blätter ein Ärgernis, das den Briefkasten verstopft. Um die Papierflut einzudämmen, klebt in der Schweiz auf etwa jedem zweiten Briefkasten ein Vermerk wie «Bitte keine Werbung».

Bis vor zwei Jahren hielt es auch Amsterdam so. Dann stellte die Stadt ihr System radikal um. Seit Anfang 2018 müssen die Einwohner Amsterdams ausdrücklich zustimmen, wenn sie Werbeprospekte haben wollen, indem sie einen kleinen, grünen Aufkleber am Briefkasten anbringen. Wer keinen Vermerk anbringt, bekommt keine Werbung.

So sieht der «JA-JA-Sticker» aus. (NOS)

Umstellung spart Tonnen von Müll

Das Zustimmungskonzept reduzierte die Müllmengen merklich. Innerhalb eines Jahres halbierte sich die Zahl der Einwohner, die Werbung in Papierform bekamen. Pro Haushalt werden etwa 33 Kilogramm Papiermüll im Jahr eingespart. In der ganzen Stadt Amsterdam fallen dadurch schätzungsweise 1'800 Tonnen weniger Müll an.

Wer trotzdem wirbt, muss Strafe zahlen

Im Januar 2019 legte die Stadtverwaltung nach und belegte Verteiler bei mehrmaligem Verstoss mit Strafen. Untersuchungen des städtischen Forschungsbüros OIS zeigen, wie gross das Interesse an Briefkasten-Werbung wirklich ist. Nur ein knappes Fünftel (19 Prozent) der Briefkästen ist inzwischen mit einem «Ja-Aufkleber» versehen. Vor der Einführung der notwendigen Zustimmung bekamen knapp die Hälfte (49 Prozent) der Haushalte Gratiszeitungen und Werbesendungen.

Seit der Einführung des «Ja-Ja-Aufklebers» ging die Müllmenge in Amsterdam zurück.

Der grüne «JA-JA»-Aufkleber ergänzt das bisherige System, mit dem Einwohner kundtun konnten, ob sie keine Werbeprospekte (folders), keine Anzeigenblätter (huis aan huisbladen) oder keins von beidem wollten. Dazu brachten sie früher «NEE-JA» und «NEE-NEE»-Aufkleber am Briefkasten an. Die neue Kennzeichnung heisst deshalb «JA-JA-Sticker».

So sah es in Amsterdam vor der Einführung der «JA-JA»-Aufkleber aus: Wer keine Prospekte oder Anzeigenblätter bekommen wollte, musste dies kundtun. Das System ist weiterhin gültig.

Gericht: Explizite Zustimmung ist rechtens

Die Werbetreibenden gingen gerichtlich gegen die neue Regelung vor, die Stadt Amsterdam ging in Berufung. Es ging darum, ob eine explizite Zustimmung oder englisch ein «Opt-In» bei der Werbeverteilung zulässig ist. Am 24. September 2019 urteilte das Gericht, dass Amsterdam die Aufkleber behalten darf. «Eine sehr gute Nachricht im Kampf gegen Papierverschwendung», sagte die links-grüne Amsterdamer Stadträtin Marieke van Doorninck.

Andere niederländische Städte hatten zunächst das Urteil abgewartet, folgten aber schnell nach. Utrecht, Rotterdam und Haarlem haben per 2020 den «JA-JA»-Aufkleber auch eingeführt. Den Haag startet ab April mit der Opt-In-Methode, andere Städte haben noch keinen fixen Termin.

Werbetreibende fordern nationale Regelung, Journalisten fürchten um das Anzeigenblatt

Der Unternehmerverband MKB-Nederland befürchtet, dass ein «Flickenteppich an unterschiedlichen Regelungen» entstehen könnte und verlangt eine nationale Regelung. Unstimmigkeiten gibt es auch um die Verteilung von Anzeigenblättern. Utrecht beispielsweise möchte, dass auch diese unter die neue Regelung fallen, MKB-Nederland argumentiert, dass gerade dort kleine, lokale Anbieter inserieren könnten.

Auch die niederländische Journalistenvereinigung NVJ sorgt sich, weil Anzeigenblätter oft lokale Nachrichten enthalten, die grössere Kanäle nicht liefern. In Amsterdam dürfen Anzeigenblätter und Drucksachen nicht-kommerzieller Organisationen wie etwa politischer Parteien weiterhin an Briefkästen ohne Aufkleber verteilt werden.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«Amsterdam mag de Ja/Ja-sticker houden, andere gemeenten volgen», NOS
«Rechter: Amsterdam mag ja/ja-sticker reclamefolders invoeren», Het Parool

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Eine Meinung

Ein Briefkasten ist für mich nur ärgerlich, wie wird man den los ? Selbverständlich können mich alle offiziellen Personen über Email erreichen, Handy habe ich auf mir,reicht doch!
Johann Heinzl, am 08. Februar 2020 um 11:24 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.