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In Istanbul können Reisende ihre Fahrscheine für den ÖV mit der Abgabe von Wertstoffen bezahlen

Istanbul testet innovatives Recycling-Modell

Tobias Tscherrig / 20. Okt 2018 - Istanbul setzt ein Recycling-Modell auf, das die Wiederverwertung von Plastik und Alu mit der Nutzung der U-Bahn kombiniert.

Die Türkei hat ein Umweltproblem: Nach Deutschland und Frankreich ist sie der drittgrösste Produzent von Haus- und Gewerbeabfällen in Europa, weist aber die schlechteste Recycling-Quote aus. Nun versucht sich das Land an einem innovativen Modell: In der bevölkerungsreichsten Stadt der Türkei wird seit kurzem eine Idee von «Metro Istanbul» umgesetzt. Eine Idee, die Vorbildcharakter für andere Länder haben könnte.

Um die Wiederverwertung von Plastikflaschen und Aludosen zu fördern und die Einwohner gleichzeitig zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu bringen, hat die Stadt kürzlich in einer Testphase mehrere Automaten in den U-Bahn-Stationen aufgestellt. Hier können die Passagiere ihre Plastikflaschen und Aludosen einwerfen und damit ihre Fahrscheine bezahlen.

Pilotphase angelaufen

Zurzeit stehen in den U-Bahn-Stationen 25 derartige Automaten, bis Ende Jahr soll ihre Zahl auf 100 anwachsen. Wenn ein Reisender eine leere Kunststoffflasche in die Maschine einführt, tastet der Sensor des Geräts die Flasche ab, um ihre Grösse zu bestimmen. Eine 0,33-Liter-Flasche entspricht dem Wert von zwei Kurus, für eine 0,5-Liter-Flasche erhält der Fahrgast den Gegenwert von drei Kurus. Für eine 0,33-Liter-Aluminiumdose gibt es immerhin sieben Kurus. Sobald dem eingeworfenen Material ein Wert zugeteilt ist, zerkleinert und sortiert die Maschine das Plastik und das Alu.

Damit muss ein Reisender zum Beispiel 28 Plastikflaschen in die Maschine eingeben, wenn er ein kostenloses Vollfahrt-Ticket von den Vororten von Istanbul bis zum Stadtzentrum lösen will. Die Reisenden müssen dazu aber nicht jedes Mal Berge von Plastikflaschen oder Aludosen zur U-Bahn-Station schleppen: Sie können sie sammeln und den Gegenwert des gesammelten Recycling-Materials auf ihrer U-Bahn-Karte gutschreiben lassen. Mit dieser Karte kann dann auch der Bus oder die Strassenbahn genutzt werden, auch der Zugang zu kostenpflichtigen öffentlichen Toiletten ist damit gewährleistet.

Um das Modell der Bevölkerung schmackhaft zu machen, setzt die Stadtverwaltung zudem auf ein Bonus-Modell: Die aktivsten Reisenden und Wiederverwerter sollen zusätzlich von kostenlosen Theaterkarten oder der kostenlosen Teilnahme an anderen Veranstaltungen profitieren.

«Die meisten Haushalte recyclen nicht automatisch, weil sie sich der Vorteile für die Umwelt nicht bewusst sind. Andere Einwohner sind einfach zu faul», sagte Elif Cengiz, Managerin des Abfall-Management-Projekts «Zero Waste» gegenüber der «New York Times». «Diese neuen Maschinen geben den Menschen einen direkten Anreiz zum Recycling und informieren sie über die Vorteile der Wiederverwertung».

Massnahme gegen Preisanstieg

Als weiterer Nebeneffekt zielt das Projekt auf die finanziell schwächsten Einwohner von Istanbul. Wegen der stark ansteigenden Inflation, dem wirtschaftlichen Missmanagement der türkischen Regierung und der Spannungen mit den Vereinigten Staaten ist die türkische Währung gegenüber dem Dollar auf Rekord-Tiefstand gefallen.

Deshalb sind die Preise in der Türkei im Vergleich zum Vorjahr um rund 24,5 Prozent gestiegen, was auch die Transportpreise der Öffentlichen Verkehrsmittel um bis zu 36 Prozent nach oben getrieben hat. Die satten Preisanstiege treffen vor allem die finanziell schwächsten Türkinnen und Türken, sie können sich Fahrten mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln – wenn überhaupt – nur noch selten leisten. Das neue System verspricht Linderung: Auch ärmeren Menschen soll damit die Möglichkeit gegeben werden, ihre Mobilität beizubehalten.

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Eine Meinung

Auch dies ein Guter Beitrag. Noch ohne Elektronik führte dieses Recyclingsystem der Bürgermeister Jaime Lerner in Curitiba, Brasilien in den 70er Jahren ein. Was dieser kluge Mensch sonst noch alles verwirkilchte, und zT. Bis nach Mexiko- City sichtbar ist, ist nachlesbar. Machen wirs nach! Und er machte das Meiste mit seiner «leeren Stadtkasse» ! Also «kein Kapital » zu haben ist keine Ausrede.
Peter Tschanz, am 20. Oktober 2018 um 13:43 Uhr

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