Der eigentliche Skandal: 120 Mio Tote durchs Auto

Franz Alt © FA
Franz Alt / 05. Feb 2018 - Riesige Aufregung wegen 10 Affen und 25 Menschen als Versuchs-Karnickel. Doch kaum jemand regt sich über die Verkehrstoten auf.

Seltsames Empörungsritual! Seltsamer homo sapiens! Riesige Aufregung wegen zehn Affen und 25 Menschen als Versuchs-Karnickel. Aber so gut wie keine Aufregung über 120 Millionen Tote weltweit im Autoverkehr seit 1945.

120 Millionen Tote!

Und jedes Jahr kommen global drei Millionen Verkehrstote dazu. Doch wo bleibt der Aufschrei? Wo das Entsetzen?

Ein Skandälchen wird aufgeblasen, um vom eigentlichen Skandal abzulenken: Regierungen entschuldigen sich, Autokonzerne geloben Besserung und reden von Ethik, Autofahrer geben sich betroffen. Die Empörung kennt keine Grenzen: «unentschuldbar», «widerlich», «abscheulich» ist jetzt zu hören. Dabei sind 120 Millionen Auto-Tote auf den Strassen zweimal so viele wie alle Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs.

Die jetzt bekannt gewordenen «Experimente» der Autoindustrie sind überflüssig und skandalös zugleich, denn sie sollten dem Image der Autoindustrie dienen. Die Europäische Union sagt schon lange, dass die nicht eingehaltenen Dioxid-Grenzwerte jedes Jahr 11'000 EU-Bürgerinnen und Bürgern das Leben kostet, davon etwa 4'000 Bundesbürgern in Deutschland und über 200 in der Schweiz. Doch welcher Verkehrsminister, welcher Autokonzern hat sich jemals dafür entschuldigt?

Im deutschen Grundgesetz wurde die Todesstrafe nach 1945 abgeschafft, aber auf unseren Strassen wurde und wird sie ungehindert praktiziert – nicht zuletzt wegen ungenügender Abgasvorschriften und wegen fehlender Geschwindigkeitslimiten. Doch die Bundesregierung tut nichts gegen dieses Verbrechen.

Ob die nächste Grosse Koalition, über die gerade verhandelt wird, an diesem eigentlichen Skandal etwas ändert? Dann hätte sogar das aktuelle Skandälchen noch einen Sinn gehabt!

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der pensionierte Autor war viele Jahre lang ARD-Journalist. Er betreibt heute den Blog sonnenseite.com.

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3 Meinungen

Selber machte ich an meiner Sempach-Ansprache auf dem Schlachtfeld vor 10 Jahren darauf aufmerksam, dass damals 2007, in der Schweiz und Oesterreich zusammen pro Jahr die Zahl der Toten von Sempach auf unseren Strassen «produziert» wurde, wobei freilich nicht in jedem Fall dem Autofahrer die Schuld zugewiesen werden kann. Im übrigen erinnern mich die 120 Millionen Toten von Franz Alt etwas an die propgandistischen 100 Millionen Opfer des Kommunismus, wobei beim Kapitalismus sowieso jeder 2. Tote auf Erden bei überzeugter ideologischer Haltung diesem zugeschrieben werden muss. Übrigens musste sogar die Zahl der Holocaust- bzw. Auschwitzopfer etwas nach unten korrigiert werden, ist doch die Betonung der Opferzahl generell etwas stark von der ideologischen Haltung abhängig. Gilt auch für die Opfer der Hexenprozesse, welche von den Gegnern des Christentums regelmässig etwas höher gehandelt werden. Das sind nun mal die ideologischen Hintergründe solcher Debatten. Man sollte auch zum Beispiel die nach wie vor enorm hohen Abtreibungszahlen nicht einfach dem Feminismus oder einer sonstigen als Feindbild gehandelten Ideologie anlasten.
Pirmin Meier, am 05. Februar 2018 um 09:54 Uhr
Noch viel mehr Menschen sterben durch die Abgase der Autos als durch den Verkehr selbst, sogar in der Schweiz mehrere pro Tag. Es sind zwar weitgehend «statistische» Tote, aber es ist trotzdem die weitaus grösste universelle Ungerechtigkeit in unserem Land, wo alle diese Menschen dem motorisierten Vekehr geopfert werden. Es gibt zwar noch grössere Risiken im Leben, aber an diesen sind die Opfer selbst beteiligt und nehmen sie oft freiwillig in Kauf, z.B. Rauchen oder Bergsport. Aber beim Verkehr bringen die einen Menschen die anderen um, und am meisten diejenigen, die in der Nähe von stark befahrenen Strasse wohnen. Hier versagt der Staat und unser politisches System angesichts der Brutalität und dem Egoismus von uns Menschen.
Theo Schmidt, am 05. Februar 2018 um 19:42 Uhr
@Felix Rothenbühler

Die Fische sind hochgradid durch Gifte im Wasser - man nennt sie im Fachjargon schönfärberisch «Mikroverunreinigungen» gefährdet und sterben in unseren Gewässern regelmässig den Massentod durch Bauern Hand mit Gülle und Pestiziden.
Im Meer siehts mit Giftmüll + Mikroplastic noch dramatischer aus.

Wir Menschen haben das unselige Talent, die Erde gründlich zu vergiften.
Im Kollektiv nehmen wir das in Kauf resp. gar nicht wahr.
Peter Müller, am 06. Februar 2018 um 09:49 Uhr

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