Amazonas: Freihandel nur gegen Naturschutz

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Beat Glogger / 29. Aug 2019 - Der Regenwald brennt und Bundesrat Guy Parmelin schliesst mit südamerikanischen Staaten ein Freihandelsabkommen ab.

Gerne hätte Parmelin das Abkommen als ersten Erfolg als Wirtschaftsminister feiern wollen. Doch die 75'000 Buschbrände im Amazonasbecken haben dem ehemaligen Winzer das Fest verdorben. Und nun fordern Linke und Grüne, dass man mit einem «rechtsradikalen Regenwaldzerstörer» wie Jair Bolsonaro kein solches Abkommen schliessen dürfe. FDP und SVP wollen Handelspolitik und Naturschutz nicht vermischen. Aber jetzt begehren auch die Schweizer Bauern gegen das Abkommen auf. Ob sie das aus Sorge um den Regenwald tun oder weil sie merken, dass mit solch einem Abkommen noch mehr billiges Rindfleisch auf den Schweizer Markt kommt, sei mal dahingestellt.

Und auch am G7-Gipfel fordert der französische Präsident Emmanuel Macron, dass sich die Staatengemeinschaft gegen die Feuer im Regenwald einsetzt. Dürfen Industrieländer den Brasilianern vorschreiben, wie sie mit ihrem Wald umzugehen haben?

Natürlich dürfen wir das. Denn der Regenwald ist wichtig für das globale Klima.

Aber dürfen wir wirklich anderen Nationen vorschreiben, wie sie mit ihren Ressourcen umzugehen haben? Immerhin war auch Europa mal grossflächig mit Wald bedeckt und wir haben ihn auch abgeholzt für Siedlungen und Landwirtschaft. Können wir da anderen Vorschriften machen?

Ja, wir können. Weil ja nicht alle dieselben Fehler machen müssen. Und weil wir heute gescheiter sind als damals und die Folgen dieser Abholzung einschätzen können.

Im 19. Jahrhundert wurde auch in der Schweiz massiv abgeholzt. Die Folgen waren vermehrte Überschwemmungen durch Murgänge: Allein im Herbst 1868 haben heftige Gewitter ganze Dörfer verwüstet, weil es keinen Wald mehr gab, der das Regenwasser zurückhielt. 50 Menschen starben dabei. Die Schweiz hat reagiert, wieder aufgeforstet und ein Forstgesetz erlassen, das bis heute unseren Wald schützt und Subventionen für Naturschutz einführt. Ob wir diese Erfahrung an Brasilien weitergeben dürfen, ist keine Frage.

Es ist ein Muss.

Aber warum sollte Brasilien darauf eingehen? Es geht nur über das Portemonnaie und damit über die Handelspolitik, wie Emmanuel Macron es vorschlägt und Guy Parmelin sie nicht betreibt.

Die Länder am Amazonas müssen mehr Geld verdienen, indem sie den Wald stehen lassen, als wenn sie ihn abholzen. Und zahlen müssen die Länder, die können, beziehungsweise wissen, wie wichtig der Wald für das Klima ist.

Auch mit Zahlungen für Naturschutz hat die Schweiz Erfahrung. Bei uns erhalten Bauern Geld für so genannte ökologische Leistungen. Wenn sie Hecken stehen lassen oder Magerwiesen bewirtschaften.

Wir wissen, wie wichtig der Wald ist und wir wissen, wie man mit Geld Naturschutz finanziert. Also exportieren wir dieses Wissen und schliessen Handelsabkommen nur noch in Kombination mit ökologischen Leistungen.

Danke, Herr Parmelin.

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Dieser Kommentar erschien zuerst auf higgs.ch.

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3 Meinungen

Zur Klarstellung: Das FHA wird mit Mercosur abgeschlossen, dazu gehört neben Brasilien auch Argentinien, Paraguay und Uruguay. Und das FHA wird im Rahmen der EFTA mit Mercosur abgeschlossen. Die Schweiz ist zusammen mit Norwegen der aktivste Partner in der EFTA und als solches sicher stark an der Verhandlung beteiligt.

Es ist ein FHA, welches zumindest einiges erreicht hat, grade im Bereich der Nachhaltigkeit. Die Menschen, die hier verhandelt haben, sind sich der Problematiken auch bewusst und berücksichtigen diese im Rahmen der Schweizer Gesetze.
Marianne Mäder, am 29. August 2019 um 11:44 Uhr
Wenn sich die Verantwortlichen tatsächlich bewusst sind, was sie da fördern, aber im Rahmen der Schweizer Gesetze nicht anders können, bedürfen sie dringend unserer Hilfe. Vielleicht in Form eines Referendums?
Maja Beutler-Vatter, am 30. August 2019 um 00:07 Uhr
Es ist lange Tradition, aller westlichen Länder, insbesondere der NATO-Länder, dass sie mit faschistischen Staaten schnell nach deren Herausbildung sofort diese anerkannten und mit ihnen Handel trieben. Ob es Süd-Afrika, Chile, Portugal, oder jedes andere Land war.

Faschismus ist nun mal ein ganz normale, wenn auch «etwas» brutalere Art des bürgerlichen/kapitalistisch/imperialen Regierens.

Wenn die Konzerne mit den anderen bürgerlichen Parteien, keine Maximal-Profite mehr generieren können, greifen sie zu faschistischen Regierungsformen. In der BRD hat dazu der Verfassungsschutz den Auftrag diese braune Brut vorzuhalten - sprich darauf vorzubereiten, dieses Amt zu übernehmen. Aus dem Grund werden durch diese Behörde, Neo-Nazis logistisch, finanziell, ja selbst programmatisch vollumfassend unterstützt - und man tarnt es als «Beobachtung» mittels V-Leute!
Günther Wassenaar, am 30. August 2019 um 09:00 Uhr

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