Trump vermied es geflissentlich, mit Angela Merkel Blickkontakt aufzunehmen. © CNN

Trump vermied es geflissentlich, mit Angela Merkel Blickkontakt aufzunehmen.

«Frauen erleben das ständig»

Barbara Marti / 09. Apr 2017 - Nochmals zu Donald Trumps verweigertem Handschlag mit Angela Merkel. Es ist erhellend, die Körpersprache Trumps zu analysieren.

Während eines Pressetermins im Weissen Haus würdigte US-Präsident Donald Trump die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel keines Blickes. Er tat dies auch nicht, als zuerst ein Medienvertreter und dann Angela Merkel ihn nach einem Handschlag fragte. Dieser Affront fällt umso mehr auf, als Donald Trump bei früheren Staatsbesuchen im gleichen Raum die Hände männlicher Amtskollegen ausführlich schüttelte. Mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe dauerte der Handshake 19 Sekunden, hat CNN berechnet. Sogar dem kanadischen Premierminister und erklärten Feministen Justin Trudeau hatte Trump den Handschlag nicht verweigert.

Klicken Sie auf den Pfeil in der Mitte und beobachten Sie Präsident Trumps Körpersprache. Während der ganzen Pressekonferenz hat er mit Kanzlerin Merkel nie einen Blickkontakt aufgenommen.

«Männer ignorieren Frauen»

«Männer ignorieren Frauen ständig und meist interessiert das niemanden», kommentierte Feministin und «Guardian»-Autorin Jessica Valenti. Das könne am Arbeitsplatz passieren, im Restaurant oder in einem Geschäft. Frauen nicht zu beachten sei eine Form des Sexismus, die weit verbreitet sei. Sogar Männer, die sich als progressiv und aufgeschlossen betrachten, würden diese alltägliche Form des Sexismus praktizieren, meist unbewusst. «Wir hören sehr viel über den expliziten Sexismus wie Nachpfeifen oder Diskriminierung, aber weniger offener Sexismus kann genauso verletzend sein», schreibt Valenti. Ein Grund dafür sei, dass es sehr schwer sei, diese Form der Demütigung denjenigen zu erklären, die sie noch nie selber erlebt haben.

«Minimum an Respekt»

Mit dem Ignorieren von Merkel habe Trump signalisiert, dass eine Frau nicht wichtig genug ist, um ihr Aufmerksamkeit oder ein Gespräch zu gewähren, schreibt Valenti. «Ob jemand eine Spitzenpolitikerin ist oder eine einfache Person: Sie wahrzunehmen ist das Minimum an Respekt, das man erwarten kann.»

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Informations-Zeitung FrauenSicht.

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Barbara Marti ist Herausgeberin und Redaktorin des führenden Portals für engagierte Frauen und Männer Frauensicht.

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2 Meinungen

Auf diesem kurzen Ausschnitt gibt es tatsächlich kein Blick zur Deutschen Kanzlerin. Frau kann allerdings den Schluss ziehen, dass es so ist weil eine Frau dasitzt.
Es war aber auch so, dass im US Wahlkampf Frau Merkel, um es aus neutraler Sicht zu sagen, wenig Sympathie für den männlichen Kandidaten gezeigt hat.
Herr Trump wird das sicherlich bemerkt haben und so könnte für Frau Merkel auch keine Sympathie da sein.
Albert Deucher, am 09. April 2017 um 21:29 Uhr
Herr Trump hat Frau Merkel recht herzlich begrüsst, zu Beginn des Treffens. Es ist auffällig, wie zurückhaltend er sich bei dieser abschliessenden Pressekonferenz verhält. Könnte es sein, dass die Gespräche nicht so verlaufen sind, wie er sich das vorgestellt hat? Ich nehme eher an, dass dies der Grund für das Ignorieren seines Gastes ist.
Und nicht, Herr Deucher, aufgrund des Wahlkampfs - das scheint für mich doch recht weit her geholt und eine eher männliche Sichtweise auf diese Unhöflichkeit von Herrn Trump zu sein ...
Verena Schläfli, am 10. April 2017 um 20:22 Uhr

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