Danielle Rowley im britischen Parlament: «Ich habe heute meine Periode.» © hc

Danielle Rowley im britischen Parlament: «Ich habe heute meine Periode.»

«Viele Frauen können sich Tampons und Binden nicht leisten»

Barbara Marti / 28. Aug 2018 - Eine britische Abgeordnete bricht ein Tabu und spricht über ihre Menstruation. Sie will MWSt auf Tampons und Binden abschaffen.

In Grossbritannien ist die junge Labour-Abgeordnete Danielle Rowley zu spät zu einer Parlamentsdebatte über Gleichberechtigung erschienen und begründete dies damit, dass sie die Periode hat. Das sorgte in britischen Medien für Schlagzeilen. Nie zuvor habe eine Politikerin im Parlament über ihre Periode gesprochen, hiess es.

Gratis-Tampons

Rowley fordert, die Mehrwertsteuer auf Tampons und Binden vollständig zu streichen und Frauen mit niedrigem Einkommen solche Hygieneprodukte kostenlos anzubieten. Sie bezifferte die Kosten, welche Frauen wegen der Menstruation tragen müssen, mit jährlich durchschnittlich 500 Pfund (660 Franken, 570 Euro). Diese Angabe basiert auf der Umfrage einer Wohltätigkeitorganisation. Die befragten Frauen berechneten dafür ihre Ausgaben für Binden, Tampons, Einlagen, Menstruationstassen, für neue Unterwäsche wegen Flecken, für Schmerzmittel und für andere Ausgaben im Zusammenhang mit der Periode. Rowley: «Viele Frauen können sich das nicht leisten.»

Armutsspirale

Rowley schrieb in einem Beitrag für die Wochenzeitung «New Statesman», sie wolle die Armutsspirale brechen, in welche Mädchen und Frauen geraten können, weil sie wegen der Menstruation nicht mehr zur Schule und zur Arbeit gehen können. Die Menschen in Grossbritannien müssten endlich verstehen, wieviel die Periode Frauen kostet, und welche Folgen diese Kosten für Frauen mit niedrigem Einkommen haben können.

In Schottland und Wales gibt es bereits kostenlose Binden und Tampons für Frauen, welche sich diese nicht leisten können. Andernorts in Grossbritannien übernehmen Supermarktketten die Mehrwertsteuer und verkaufen die Produkte zum unbesteuerten Preis.

Mehrwertsteuer gestrichen

Kanada, Irland, Nigeria, Kenia, Tansania und einige Bundesstaaten in den USA haben die Mehrwertsteuer gestrichen. Frankreich hat sie von 20 auf 5,5 Prozent gesenkt.

In der Schweiz gilt für Tampons und Monatsbinden der normale Mehrwertsteuersatz von 8 Prozent. Der reduzierte Satz von 2,5 Prozent gilt beispielsweise für Medikamente wie Viagra. Vor zwei Jahren färbten Aktivistinnen in Zürich Brunnenwasser rot und forderten, Tampons und Binden mit dem reduzierten Steuersatz von 2,5 Prozent zu besteuern.

In Deutschland gilt für Tampons und Binden die normale Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Mit dem tieferen Satz von 7 Prozent besteuert wird beispielsweise Toilettenpapier.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Barbara Marti ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitung «FrauenSicht».

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Eine Meinung

Der reduzierte Satz von 2.5 % MwSt gilt für Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, Medikamente, weitere Güter des täglichen Bedarfs. Für Hygieneartikel wie Rasierzeug u.ä. gilt die normale MwSt.
https://www.ch.ch/de/mehrwertsteuersatz-schweiz/
https://www.estv.admin.ch/estv/de/home/mehrwertsteuer/fachinformationen/steuersaetze/steuersaetze-bis-2017.html#-958967109

Von der kanadischen MwSt sind m.W. bestimmte „Grund-Lebensmittel“ ausgenommen, wie Milch, Brot, Gemüse, Früchte usw., ebenso viele landwirtschaftliche Produkte, Drogen und Medizinen auf ärztlichen Rezepten, sowie medizinische Geräte wie Hörgeräte, Sachen wie künstliche Zähne und Gebisse.

Anstatt die Frage aufzuwerfen, warum der reduzierte Satz nicht auch für Hygieneartikel gelte, kommt wieder die Forderung nach einer Extrawurst für die Frauen. Aber es ist typisch für diese selektive Sichtweise, dass argumentiert wurde: 'Der reduzierte Satz von 2,5 Prozent gilt beispielsweise für Medikamente wie Viagra'.
Peter Herzog, am 29. August 2018 um 10:33 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.