FAM macht sich lustig über «Gender-Ideologie»

 Barbara Marti © bbm
Barbara Marti / 28. Jul 2019 - Kritik an Gleichstellungsanliegen kommt gut an. Publizist Frank A. Meyer macht mit und greift zur Sprache der Rechtspopulisten.

Das Parlamentsbüro der Stadt Zürich hat einen Vorstoss der konservativen SVP-Abgeordneten Susanne Brunner zweimal abgewiesen, weil er männlich formuliert ist. Dies widerspricht den Ausführungsbestimmungen zur Geschäftsordnung. Dort steht: «Frauen und Männer sind sprachlich gleichberechtigt zu behandeln.» Das Parlamentsbüro besteht aus 13 Parlamentsmitgliedern. Die parteipolitische Zusammensetzung des Büros entspricht der Stärke der Fraktionen im Parlament.

«Amtssprache ist nicht genderisch»

Das Vorgehen des rot-grün dominierten Parlamentsbüros sei ein Angriff auf die offene Gesellschaft, kritisierte darauf Frank A. Meyer in einem Kommentar für die Boulevard-Zeitung «Blick». Es verletze die Bundesverfassung: «Keine Sprachregelung darf die Rechte der Bürger oder die ihrer gewählten Vertreter in Parlamenten und Regierungen ausser Kraft setzen. Amtssprache in Zürich ist Deutsch, nicht Genderisch. Kein Parlamentarier muss sich an Sprachvorschriften halten.»

Feindbild Feminismus

Mit «Genderisch» macht Meyer sich lustig über das Anliegen von Frauen, in der Sprache sichtbar und nicht bloss mitgemeint zu sein. Eine alt bewährte Taktik, um Forderungen von Frauen abzuservieren. Und mit «Gender-Ideologie» übernimmt Meyer ein Schlagwort rechter Populisten: «In der Stadt Zürich versucht eine feministisch gestimmte Mehrheit, die Gender-Ideologie zur Bedingung für die Arbeit im Parlament zu machen. Diese Bewegung ist demokratiefeindlich, rechtsstaatsfeindlich, freiheitsfeindlich.» Meyer gibt sich im Kommentar als Verteidiger der Demokratie und der offenen Gesellschaft.

Dass die Bundesverfassung die Gleichstellung von Frau und Mann vorschreibt, ist ihm keine Silbe wert. Und dass es Frauen gibt, die sprachlich nicht bloss mitgemeint sein wollen, ist ihm offensichtlich egal.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitschrift «FrauenSicht».

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6 Meinungen

Zu den fragwürdigen Inhalten kommt noch die Selbstinszenierung von FAM in diesem Boulevardblatt.
Warum kommt mir dabei immer wieder das unsägliche Tele-Blocher Formar in den Sinn?
H. Sigrist, am 28. Juli 2019 um 12:07 Uhr
Wehe, wenn sie losgelassen, unsere Pseudo-Demokraten (alte weisse M�nner wie ich) Pseudo-Sprachwissenschaftler (erneut alte weisse M�nner wie ich) ...
- Seit wann steht 'Gender-konformes Deutsch' 'Amtsdeutsch' im Widerspruch?
Konrad Staudacher, am 28. Juli 2019 um 12:34 Uhr
Die auswüchse des genderismus und andere politisch überkorrektheiten sind der nährboden auf dem die afd und die trumpisten wachsen. Wenn toiletten für das dritte geschlecht wichtiger werden als die einkommenssicherung der ärmeren, so gibt es von dort eine gegenbewegung. Die dialektik korrigiert alles selber, das ist das schöne an der welt.
Christian von Burg, am 28. Juli 2019 um 14:08 Uhr
Das austarierte Parlamentsbüro hat sich verrannt. Ein demokratischer Vorstoss sollte höher gewichtet werden als Sprachfeinheiten. Irgendwann werden die Vorstösse noch auf Fehler und Interpunktion geprüft! Es ist in erster Linie die Linke die eine perfekte Gesellschaft will, die es nie geben wird, und der totalen Bevormundung den Weg ebnet! Während die Rechte dem Überwachungsstaat den Weg ebnet. So arbeiten linke und bürgerliche Parteien Hand in Hand um Orwell's 1984 Jahrzehnte später realisieren können!
Victor Brunner, am 29. Juli 2019 um 10:13 Uhr
Ich gestehe es: ich nehme FAM zumeist als populistischen Schreiber wahr. Ein Blick-Kommentator par excellence ! … Trotzdem trifft sein Kommentar zum Thema «Gender-Gaga im Zürcher Kantonsrat» voll ins Schwarze. Was sich das Parlamentsbüro der Stadt Zürich im Fall Susanne Brunner SVP mit der Rückweisung ihres Vorstosses aus formalistischen Gründen erlaubt, gehört entschieden tiefer gehängt. Es kann nicht angehen, dass sich ein Parlamentsgremium zum Richter über angeblich korrekten Sprachgebrauch nach seinem Gusto aufschwingt. Es ist deshalb sehr begrüssenswert, dass sich Kantonsrätin Susanne Brunner gegen diese Anmassung zur Wehr setzt. Bleibt also zu hoffen, dass die parlamentarischen Sprachpolizisten von höherer Stelle zur Ordnung gerufen werden.
[ANMERKUNG der Redaktion: Der Entscheid des Parlamentsbüros beruht auf der demokratisch beschlossenen Geschäftsordnung.]
René Edward Knupfer-Müller, am 29. Juli 2019 um 14:59 Uhr
Überspitzter Formalismus - um was es hier geht - ist eine Sonderform der Rechtsverweigerung und ein Verstoss gegen Art. 5 Abs. 2 BV wonach staatliches Handeln verhältnismässig sein muss.

Laut Art. 48 KV / ZH ist im Kt ZH die Amtssprache «Deutsch» und nicht «Gender», es gab diesbezüglich am 27.02.05 eine Volksabstimmung.

Brunner schrieb von «Besetzern», «Anwohnern» und «Touristen» - sind allesamt weiblich, d.h. Männer sind nur mitgemeint.

Dass es Männer gibt, die sprachlich nicht bloss mitgemeint sein wollen, ist der linkspopulistischen Barbara Marti offensichtlich egal.

Gibt es eine Filter-App, mit welcher man solche ideologischen, linkspopulistischen Artikel ausblenden kann?
Peter Herzog, am 30. Juli 2019 um 18:39 Uhr

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